Walfang

Fragen und Antworten zur Jagd auf Wale

Walfang

Walfang ist die gezielte Jagd auf Wale – heute vor allem der kommerzielle Fang von Großwalen mit Explosivharpunen. Im 20. Jahrhundert wurden dabei rund drei Millionen Wale getötet und viele Populationen an den Rand der Ausrottung gebracht. Seit 1986 gilt ein weltweites Moratorium; nur noch drei Länder – Norwegen, Island und Japan – jagen kommerziell weiter. Diese Seite gibt den Überblick und führt zu den Details.

Walfang auf einen Blick

  • Was: die gezielte Jagd auf Wale, heute überwiegend kommerziell
  • Methode: Explosivharpunen mit Sprengladung (PETN)
  • Ausmaß: rund 3 Millionen getötete Großwale im 20. Jahrhundert
  • Folge: Rückgang der Großwal-Populationen um 66 bis 90 Prozent, beim Blauwal über 99 Prozent
  • Verbot: kommerzielles Moratorium der IWC, in Kraft seit 1986
  • Noch aktiv: Norwegen, Island und Japan
  • Tierschutz: ein tierschutzgerechter Walfang ist nicht möglich

Was ist Walfang?

Walfang ist ein altes Geschäft: Die gewerbliche Jagd auf Wale nahm ihren Anfang im 10. Jahrhundert, als die Basken im Golf von Biskaya den Nordkaper jagten – bis diese Glattwal-Art dort ausgestorben war. Mit den Fortschritten in der Schifffahrt verlagerte sich die Jagd aufs offene Meer, mit dramatischen Folgen für viele Walpopulationen. Einige Länder berufen sich bis heute auf kulturelle Motive, doch der moderne, industrielle Walfang ist in erster Linie auf Profit ausgerichtet.

Wofür werden Wale gejagt?

Die Gründe für das Töten von Walen haben sich über die Jahrhunderte gewandelt. Ursprünglich war vor allem das Fett der Wale (Blubber) begehrt, das erst um 1900 vom günstigeren Petroleum verdrängt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert weckte Ambra aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen Begehrlichkeiten. Bis heute jagen einige Länder Wale für ihr Fleisch. Profitabler ist inzwischen der Fang lebender Tiere für Delfinarien – davon sind vor allem Orcas und Belugas betroffen.

Wal-Produkte und ihre Verwendung

ProduktGewonnen ausVerwendung (historisch & heute)
Walfett / Tran (Blubber)Speckschichthistorisch: Brennstoff, Lampenöl, Margarine, Seife, Nitroglycerin;
heute: pharmazeutische Produkte, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel, Tierfutter
WalfleischMuskelfleischBis heute: Nahrung, Tierfutter
Walrat (Spermaceti)Kopfregion von PottwalenHistorisch: Kerzen, Kosmetika, Salben, Tinte
AmbraVerdauungstrakt von PottwalenHistorisch: Räucherstoff, Arznei, Aphrodisiakum
bis heute: Parfumherstellung (selten, exklusiv)
Knochen, Zähne, HautBis heute (indigener Walfang): Schmuck, Talismane, Seile, Schnitzereien

Wie viele Wale wurden und werden getötet?

Schon im Mittelalter waren die langsamen, an der Oberfläche treibenden Nordkaper fast ausgerottet. Der industrielle Walfang ließ die Populationen großer Wale bis in die 1980er Jahre dramatisch schrumpfen: Im gesamten 20. Jahrhundert wurden rund drei Millionen Wale erlegt, und die Großwal-Populationen gingen um mindestens 66, möglicherweise bis 90 Prozent zurück (Roman et al. 2014). Einzelne Arten traf es noch härter: Die Blauwale der Südhalbkugel wurden um mehr als 99 Prozent reduziert (Pershing et al. 2010). Viele Populationen haben sich bis heute nicht erholt – und trotzdem werden weiter jedes Jahr Hunderte Wale getötet.

Walfang in Zahlen: Weltweit getötete Wale pro Jahr, 1900-2026
Weltweit getötete Wale pro Jahr, 1900-2026

Welche Rolle spielte Deutschland beim Walfang?

Während der Zeit des Nationalsozialismus war Deutschland eine der größten Walfangnationen der Welt, vor allem auf der Südhalbkugel. Von 1936 bis 1939 töteten deutsche Walfänger in der Antarktis mehr als 30.000 Blau- und Finnwale. 1935 wurden dafür binnen eines Jahres sieben Fangflotten mit über 50 Fangschiffen gebaut, die von Bremerhaven und Hamburg aus in die Antarktis aufbrachen – um mit den erbeuteten Walen die sogenannte „Fettlücke" zu schließen.

Wie werden Wale getötet?

Anfangs beschränkte sich der Walfang auf küstennahe Gebiete mit einfachen Wurfharpunen und Speeren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergrößerte die Dampfschifffahrt die Fanggebiete, und die Harpunenkanone kam auf. Heute werden Explosivharpunen eingesetzt: Die Harpune dringt in den Wal ein und die Sprengladung explodiert im Körper. Sie soll den Wal sofort töten – in der Praxis gelingt das oft nicht. Eine Untersuchung der isländischen Veterinärbehörde von 2022 zeigte, dass vier von zehn Finnwalen nicht sofort starben; im Schnitt vergingen 11,5 Minuten bis zum Tod.

Warum ein tierschutzgerechter Walfang grundsätzlich nicht möglich ist, lesen Sie auf So grausam ist Walfang.

Walfang Japan
Waljagd Japan © Australian Customs and Border Protection Service CC3.0

Ist Walfang heute verboten?

Ja. 1982 beschloss die Internationale Walfangkommission (IWC) ein Verbot des kommerziellen Walfangs; dieses Moratorium trat 1986 in Kraft und gilt als eine der größten Errungenschaften des Artenschutzes. Es kennt drei Ausnahmen:

  1. die Subsistenzjagd indigener Gemeinschaften,
  2. den Walfang zu „wissenschaftlichen" Zwecken
  3. sowie Staaten, die fristgerecht Einspruch eingelegt haben und deshalb nicht gebunden sind.

Wie die IWC funktioniert und warum das Verbot immer wieder unter Druck gerät, erklärt die Seite zur Internationalen Walfangkommission (IWC).

Welche Länder jagen noch Wale?

Obwohl die Nachfrage nach Walprodukten seit Jahren sinkt, machen drei Länder weiter kommerziell Jagd auf Zwerg-, Bryde-, Sei- und sogar bedrohte Finnwale – jedes auf einem eigenen rechtlichen Weg am Moratorium vorbei. Die IWC kann Verstöße nicht sanktionieren.

EINSPRUCH

legte fristgerecht formalen Einspruch gegen das Moratorium ein und ist juristisch nicht daran gebunden. Es setzt sich eigene Fangquoten.

Walfang in Norwegen

VORBEHALT

trat 1989 aus, wurde 2002 unter einem Vorbehalt gegen das Moratorium wieder aufgenommen und jagt seither wieder kommerziell.

Walfang in Island

AUSTRITT

verließ die IWC zum 30. Juni 2019 und betreibt seither offen kommerziellen Walfang in den eigenen Gewässern.

Walfang in Japan

Was tut Pro Wildlife?

Pro Wildlife setzt sich innerhalb der EU und im Rahmen der Internationalen Walfangkommissiom für ein lückenloses kommerzielles Walfangverbot ein. Unser größter Erfolg (gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern) ist, dass das IWC-Moratorium bis heute noch in Kraft ist – trotz aller Versuche der Walfangländer, diese lästige Einschränkung zu beseitigen. Doch das reicht uns nicht:

Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Moratorium umgehen, müssen endlich geschlossen werden. Um dies zu erreichen, informiert Pro Wildlife regelmäßig die Walschutzländer über Entwicklungen im Walfang und liefert ständig neue Argumente für den internationalen Verhandlungstisch.

Unsere Überzeugungsarbeit führte schließlich dazu, dass die EU für die IWC-Tagung Ende September 2024 in Peru eine entsprechende Resolution einbrachte, die mit großer Mehrheit angenommen wurde. Damit wurde der kommerzielle Walfang in Island, Norwegen und Japan endlich – erstmals seit 23 Jahren – formal verurteilt. Diese diplomatische Ohrfeige ist auch für die isländische Regierung ein deutliches Signal für künftige Entscheidungen.

Wie kann ich helfen?

Pro Wildlife ist Teil der internationalen End Commercial Whaling Coalition und setzt sich weltweit dafür ein, dass die grausame und überholte Tötung von Walen endlich ein Ende hat. Unterstützen Sie jetzt die Petition und helfen Sie mit, den Druck auf die Walfangländer zu erhöhen. Ihre Unterschriften bringen wir bei der IWC-Konferenz im September vor.

Schweinswale in Nord- und Ostsee

Weiterführende Berichte

Häufige Fragen zum Walfang

Ja. Seit 1986 gilt ein weltweites Moratorium für den kommerziellen Walfang. Drei Länder – Norwegen, Island und Japan – umgehen es jedoch auf rechtlichen Wegen.

Norwegen, Island und Japan. Norwegen nutzt einen Einspruch, Island einen Vorbehalt, Japan ist 2019 aus der IWC ausgetreten.

Sie berufen sich auf kulturelle, wirtschaftliche oder „wissenschaftliche" Gründe. Die tatsächliche Nachfrage nach Walfleisch ist in allen drei Ländern gering. Die Hintergründe stehen auf den jeweiligen Länderseiten: Island, Norwegen und Japan

Ja. Wale lassen sich nicht tierschutzgerecht töten. Eine isländische Behördenstudie von 2022 ermittelte für Finnwale eine durchschnittliche Zeit bis zum Tod von 11,5 Minuten.

Im 20. Jahrhundert wurden rund drei Millionen Großwale industriell getötet. Heute sterben weiterhin jedes Jahr Hunderte Wale durch kommerziellen Walfang.

Unterschreiben Sie die Petition für ein Ende des kommerziellen Walfangs und unterstützen Sie so den Druck auf die verbliebenen Walfangländer.

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