Deutschland gehört zu den größten Absatzmärkten für exotische Heimtiere weltweit. Hunderttausende Tiere – darunter bedrohte und geschützte Arten aus aller Welt – werden jährlich gehandelt. Wer ein Wildtier kauft, befeuert einen Markt mit oft fatalen Folgen für Tierwohl und Artenvielfalt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wildtiere sind nicht für das Leben in Privathaushalten geeignet – ihre artspezifischen Bedürfnisse können dort nicht erfüllt werden.
- Allein innerhalb der EU werden jährlich Millionen lebende Wildtiere gehandelt, darunter viele Wildfänge direkt aus der Natur.
- Deutschland ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für exotische Heimtiere weltweit.
- Soziale Medien verstärken die Nachfrage nach ungewöhnlichen Tierarten zusätzlich.
- Viele legal gehandelte Tiere stammen aus nicht nachhaltigen oder unkontrollierten Quellen.
- Pro Wildlife fordert eine Positivliste, die gesetzlich regelt, welche Tierarten privat gehalten werden dürfen.
Wildtierhandel in Zahlen
#1
In Nordrhein-Westfalen findet die weltgrößte Reptilienbörse statt
1.000 €
Schon ab diesem Preis werden Löwenbabys im Internet angeboten
(Recherche Pro Wildlife)
208.421
Reptilien wurden allein 2025 nach Deutschland importiert
(Quelle: EUROSTAT)
90%
Rückgang der Graupapagei-Wildpopulation in Teilen Afrikas in
50 Jahren – hauptsächlich durch den Heimtierhandel
(Quelle: IUCN)
„Legal bedeutet nicht automatisch nachhaltig, kontrolliert oder tiergerecht.“
Dr. Sandra Altherr, Campaignerin Pro Wildlife
Warum sind Wildtiere keine Haustiere?
Wildtiere haben sich nicht über Jahrtausende an das Zusammenleben mit Menschen angepasst – anders als Hunde (Canis lupus familiaris) oder Hauskatzen (Felis catus oder Felis domestica). Viele Arten benötigen große Reviere, komplexe soziale Gruppen, spezielle Klimabedingungen und intensive Beschäftigung. Können diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, entstehen chronischer Stress, Krankheiten, Verhaltensstörungen und ein deutlich verkürztes Leben.
Graupapageien (Psittacus erithacus) zum Beispiel sind hochintelligente Tiere, die in freier Wildbahn Gruppenverbände von hunderten Tieren bilden. In Gefangenschaft, v.a. in Einzelhaltung, entwickeln sie häufig Stereotypien wie Federrupfen – ein klares Zeichen für psychisches Leiden.
Welche Wildtiere werden als Heimtiere gehandelt?
| Tiergruppe | Häufig gehandelte Arten (wissenschaftlicher Name) | Schutzstatus |
| Vögel | Graupapagei (Psittacus erithacus) Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus) | Beide Arten CITES Anhang I |
| Reptilien | Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) Tigerpython (Python bivittatus) Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) | Alle Arten CITES Anhang II |
| Primaten | Weißbüschelaffe (Callithrix jacchus) Kapuzineraffe (Cebus apella) | Beide CITES Anhang II |
| Säugetiere | Fennek (Vulpes zerda) Sugar Glider (Petaurus breviceps) Kurzschwanzopossum (Monodelphis domestica) | CITES Anhang II ungeschützt ungeschützt |
| Amphibien | Axolotl (Ambystoma mexicanum) Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae spp.) | Beide Arten CITES Anhang II |
Welche Folgen hat der Wildtierhandel für den Artenschutz?
Der Handel mit Wildtieren kann Populationen ausrotten und ganze Ökosysteme destabilisieren: Tiere fehlen als Bestäuber, Samenverbreiter oder im Nahrungsnetz. Ausgesetzte oder entkommene exotische Tiere können hier zu invasiven Arten werden und heimische Arten verdrängen. Gleichzeitig erhöht der internationale Wildtierhandel das Risiko, Krankheitserreger zwischen Wildtieren, Nutztieren und Menschen zu übertragen.
>> mehr zu Zoonosen
Großer Markt, lückenhafte Regeln
Deutschland und die EU gehören zu den größten Absatzmärkten für lebende Wildtiere. Ob auf Tierbörsen, über das Internet oder im Zoofachgeschäft: Jährlich werden Millionen Wildtiere als exotische Heimtiere zum Verkauf angeboten, darunter sogar bedrohte, gefährliche oder geschützte Arten. Der Handel mit ungeschützten Arten ist eine Blackbox – es wird nicht einmal erfasst, wie viele Tiere welcher Art mit welcher Vorgeschichte importiert werden. 10 der 16 Bundesländer haben zumindest Gesetze bzw. Verordnungen zur Haltung von Gift- bzw. Gefahrtieren als Haustiere erlassen. Aber das geltende Recht in Deutschland bewertet nicht die grundsätzliche Eignung einer Tierart als Heimtier.
Was Pro Wildlife fordert
Pro Wildlife fordert eine Positivliste für Heimtiere, ein Verbot des Imports von Wildfängen, strengere Importkontrollen, bessere Aufklärung von Tierhalter*innen sowie eine EU-weite Erfassung und Regulierung des Wildtierhandels. Ziel ist es, Tierleid zu reduzieren und die Auswirkungen des Handels auf die Artenvielfalt zu begrenzen.
Positivliste – einfach erklärt
Eine Positivliste legt fest, welche Tierarten aufgrund wissenschaftlicher Kriterien überhaupt für die Privathaltung geeignet sind. Arten, die nicht auf der Liste stehen, dürfen nicht gehandelt oder privat gehalten werden. So lassen sich Tierleid, Sicherheitsrisiken und Probleme für den Artenschutz wirksam reduzieren.
>> Mehr zu den Vorteilen einer Positivliste
Der Bericht „Wildtiere als Haustiere? Die Politik muss handeln!“ (PDF) fasst Probleme und Risiken des Handels und der Haltung von Wildtieren zusammen und zeigt Lösungsansätze auf.


