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Die Internationale Walfangkommission (IWC) ist das 1946 gegründete zwischenstaatliche Gremium, das den Walfang weltweit reguliert und seit 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang durchsetzt. Nur drei Länder – Norwegen, Island und Japan – jagen bis heute weiter. Diese Seite erklärt, wie die IWC funktioniert und warum das Verbot immer wieder unter Druck gerät.
Die IWC auf einen Blick
- Gegründet: 1946 durch das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs (ICRW)
- Aufgabe: Erhalt der Walpopulationen und Regelung des Walfangs
- Kommerzielles Walfang-Moratorium: beschlossen 1982, in Kraft seit 1986
- Mitglieder: 89 Staaten
- Tagungsrhythmus: alle zwei Jahre
- Entscheidungsregel: bindende Regeländerungen brauchen eine Dreiviertelmehrheit
- Trotz Verbot aktiv: Norwegen, Island, Japan
Was ist die Internationale Walfangkommission?
Die Internationale Walfangkommission ist die globale Instanz für den Umgang mit Walen. Sie entstand 1946 aus dem Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs (ICRW) und sollte den Walfang ordnen, nachdem die industrielle Bejagung des 19. und 20. Jahrhunderts viele Populationen an den Rand der Ausrottung gebracht hatte. Heute gehören ihr 89 Staaten an – Walfangnationen, ehemalige Walfangländer und Staaten, die nie Wale gejagt haben.
Ihr wichtigstes Instrument ist das kommerzielle Walfang-Moratorium, das den gewerblichen Fang von Großwalen weltweit aussetzt. Wie es dazu kam und warum es bis heute umstritten ist, zeigt die Geschichte der Kommission.
Wie wurde aus einem Walfängerclub ein Walschutzgremium?

Bereits seit 1931 versuchten Staaten, die vollständige Ausrottung der Meeresriesen zu verhindern – die Absprachen blieben jedoch wirkungslos. 1946 wurde schließlich das ICRW unterzeichnet und die IWC gegründet. Zunächst war sie ein Club von Walfangländern, denen vor allem daran gelegen war, das Geschäft mit Walprodukten am Leben zu halten. Mit den Populationen ging es weiter bergab.
Erst 1982 gelang der Durchbruch: Die IWC beschloss ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 in Kraft trat. Es gilt als einer der größten Erfolge des internationalen Artenschutzes. Wofür Wale über die Jahrhunderte gejagt wurden, erklärt ausführlich unsere Seite zur Geschichte des Walfangs.
Wie umgehen Norwegen, Island und Japan das Verbot?
Das Moratorium gilt für alle Mitglieder – doch die Konvention lässt drei rechtliche Schlupflöcher, die jedes der drei Länder auf eigene Weise nutzt:
EINSPRUCH
Norwegen
legte fristgerecht formalen Einspruch gegen das Moratorium ein und ist juristisch nicht daran gebunden. Es setzt sich eigene Fangquoten.
VORBEHALT
Island
trat 1989 aus, wurde 2002 unter einem Vorbehalt gegen das Moratorium wieder aufgenommen und jagt seither wieder kommerziell.
AUSTRITT
Japan
verließ die IWC zum 30. Juni 2019 und betreibt seither offen kommerziellen Walfang in den eigenen Gewässern.

Die Details zu Quoten, Fangzahlen und Politik der drei Länder finden Sie auf den Länderseiten zu Norwegen, Island und Japan.
Wie trifft die IWC ihre Entscheidungen?
Die Vertragsstaaten treffen sich alle zwei Jahre; in den Verhandlungen prallen Walfang- und Walschutzinteressen aufeinander. Die IWC verfügt über zwei Arten von Beschlüssen:
Resolution
Wird mit einfacher Mehrheit angenommen und hat lediglich Empfehlungscharakter – sie drückt aber den Willen der Mehrheit aus.
Schedule Amendment (Statutenänderung)
Ändert das verbindliche Regelwerk der Konvention, etwa Fangquoten oder Schutzgebiete. Dafür ist mindestens eine Dreiviertelmehrheit nötig.
Beim derzeitigen Patt zwischen Walfang- und Walschutzstaaten sind bindende Statutenänderungen kaum durchsetzbar. Stimmberechtigt sind nur Länder, die ihre Mitgliedsbeiträge gezahlt haben und anwesend sind – ein Umstand, der die IWC angreifbar macht: Seit Langem gibt es Vorwürfe, Japan habe die Stimmen von Karibik- und afrikanischen Staaten erkauft. 2010 wurde bekannt, dass über eine japanische Kreditkarte die Reisekosten eines karibischen IWC-Vorsitzenden bezahlt worden waren.
Hinter den Kulissen der IWC:
Kommentar von Dr. Sandra Altherr
Die Kreditkarten-Affäre war kein Einzelfall. Dr. Sandra Altherr saß seit 1999 als Beobachterin selbst mit am Verhandlungstisch – und sah, wie ein Delegierter vor einer Abstimmung erst online sein Bankkonto prüfte. In ihrer Bilanz „75 Jahre Walfangkommission" erzählt sie von Sitzordnungen als Machtdemonstration, Bargeld-Beiträgen auf der Konferenz und den Momenten, in denen das Walfangverbot zu kippen drohte.
Warum steht das Moratorium unter Dauerbeschuss?
Jede IWC-Tagung ist ein Ringen um den Fortbestand des Verbots. 2008 arbeitete eine Arbeitsgruppe hinter verschlossenen Türen an einem „Kompromiss", der kommerziellen Küstenwalfang wieder erlaubt hätte – er wurde 2010 abgelehnt. 2018 nahm die Kommission die Florianópolis-Deklaration an (40 Staaten dafür, 27 dagegen, 4 Enthaltungen): Sie bekräftigt das Moratorium, hält tödliche „Forschung" für unnötig und definiert die Erholung der Populationen auf vorindustrielle Größe als Aufgabe der IWC. Im selben Jahr scheiterte Japans Vorstoß, den kommerziellen Walfang wieder zuzulassen – woraufhin Japan 2019 austrat. Dieser Austritt ist eine Zäsur, deren Folgen sich erst in den kommenden Jahren zeigen werden.
Wie viele Wale hat das Moratorium gerettet?

Trotz aller Schlupflöcher wirkt das Verbot deutlich: Starben in den 1980er-Jahren noch mehr als 12.000 Wale jährlich aus kommerziellen Gründen, waren es 1996 weniger als 1.000 Tiere. Seither bewegen sich die Zahlen auf niedrigem Niveau – die aktuellen Fangzahlen der drei verbliebenen Walfangländer finden Sie auf den Länderseiten zu Norwegen, Island und Japan.
Gefeiert, aber kaum etwas erreicht: die IWC70
Vom 28. September bis 2. Oktober 2026 tagte die IWC zum 70. Mal – in Hobart, Australien, und das in einem Jubiläumsjahr: 80 Jahre IWC, 40 Jahre kommerzielles Walfang-Moratorium. Allerdings fiel die Bilanz ernüchternd aus: Die Kommission feierte ihr Jubiläum, scheute aber Entscheidungen mit echter Wirkung.
Das geplante Walschutzgebiet im Südatlantik – ein 20 Millionen Quadratkilometer großes Gebiet, von Brasilien, Argentinien und Uruguay vorgelegt – scheiterte erneut. Seit 2001 hat der Vorschlag die erforderliche Mehrheit nie erreicht – 2024 fehlte nur eine einzige Stimme. Die Schweiz zog ihre eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurück, für die sich auch Pro Wildlife eingesetzt hatte, bevor überhaupt darüber verhandelt wurde. Dabei zeichnete sich eine deutliche Mehrheit dafür ab. Delfine und Kleinwale bleiben damit ohne internationalen Schutz, obwohl weltweit jährlich mehr als 100.000 von ihnen gezielt getötet werden (mehr dazu: weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale). Der erneute Vorstoß von Antigua und Barbuda und weiteren Karibikstaaten für eine „nachhaltige Nutzung" von Walen – ein erster Schritt zur Aufhebung des Moratoriums – wurde zwar zurückgezogen, ein Fortschritt für den Walschutz war das aber nicht.
Angenommen wurden immerhin drei EU-Resolutionen: eine gegen den weltweiten Handel mit Fisch-Schwimmblasen (in deren Stellnetzen Delfine und Schweinswale ertrinken), eine gegen Schiffskollisionen mit Walen und eine zu Walstrandungen. Zum Abschluss verabschiedete die IWC im Konsens die „Hobart Declaration" zu ihrem 80-jährigen Bestehen – ohne darin jedoch das Moratorium zu bekräftigen, was ein schwaches Signal für ein Jubiläumsjahr ist.
Pro Wildlife war in Hobart dabei, hat zahllose Gespräche mit Delegierten geführt und jede Abstimmung aus nächster Nähe verfolgt. Wie wir die Tage erlebt haben, lesen Sie in unserem Blog zur IWC-Tagung 2026.
Was tut Pro Wildlife bei der IWC?
Pro Wildlife begleitet die Tagungen der Internationalen Walfangkommission als Beobachterin, liefert Studien und Berichte als Verhandlungsgrundlage und arbeitet im Bündnis mit anderen Organisationen daran, Unterwanderungsversuche gegen das Moratorium zu stoppen.
Unser größter Erfolg (gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern) ist, dass das IWC-Moratorium bis heute noch in Kraft ist – trotz aller Versuche der Walfangländer, diese lästige Einschränkung zu beseitigen. Doch das reicht uns nicht:
Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Moratorium umgehen, müssen endlich geschlossen werden. Um dies zu erreichen, informiert Pro Wildlife regelmäßig die Walschutzländer über Entwicklungen im Walfang und liefert ständig neue Argumente für den internationalen Verhandlungstisch.
Unsere Überzeugungsarbeit führte schließlich dazu, dass die EU für die IWC-Tagung Ende September 2024 in Peru eine entsprechende Resolution einbrachte, die mit großer Mehrheit angenommen wurde. Damit wurde der kommerzielle Walfang in Island, Norwegen und Japan endlich – erstmals seit 23 Jahren – formal verurteilt.
Wie kann ich helfen?
Norwegen und Island töten weiter Wale in europäischen Gewässern – trotz des weltweiten Walfangverbots. Zeigen Sie den Walfangländern mit unserer Petition die Rote Karte und fordern Sie, dass die EU endlich handelt!

Wale schützen
– jetzt helfen!
Weiterführende Berichte
- Bericht Small Cetaceans – even bigger problems (2024, PDF) – zeigt, welche Länder Delfine jagen, den Anstieg und die Ursachen
- Briefing zum 69. Treffen der IWC (2024, PDF)
- Bericht „Frozen in Time" (2016, PDF) – wie Norwegen zum Walfangland Nummer eins wurde
- Bericht „Toxic Menu" (2012, PDF) – Giftstoffe in Wal- und Delfinfleisch
- Bericht „Breaking Ranks" (2012, PDF) – Wal- und Delfinjagd in Grönland und auf den Färöern
Häufige Fragen zur IWC
Die IWC ist ein 1946 gegründetes zwischenstaatliches Gremium, das den Walfang reguliert und den Erhalt der Walpopulationen sichern soll. Seit 1986 setzt sie ein Moratorium für den kommerziellen Walfang durch. Ihr gehören 89 Staaten an.
Das Moratorium wurde 1982 beschlossen und trat 1986 in Kraft. Anlass war der Zusammenbruch vieler Walpopulationen durch die industrielle Bejagung im 19. und 20. Jahrhundert.
Die IWC kann ein Moratorium beschließen, verfügt aber über keine eigene Sanktionsgewalt. Länder können sich per Einspruch oder Vorbehalt rechtlich entziehen oder – wie Japan – ganz austreten.
Norwegen, Island und Japan. Norwegen nutzt einen Einspruch, Island einen Vorbehalt, Japan ist 2019 aus der IWC ausgetreten.
Nein. Japan ist zum 30. Juni 2019 ausgetreten und betreibt seither offen kommerziellen Walfang in seinen eigenen Gewässern.



