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Japan bestimmt seit Jahrzehnten die internationale Walfang-Debatte. Lange tötete es die meisten Wale, wurde aber von Norwegen als Walfangland Nummer eins abgelöst. 2019 trat Japan aus der Internationalen Walfangkommission aus und betreibt seither offen kommerziellen Walfang – seit 2024 mit einem neuen Fabrikschiff und erstmals wieder auf den bedrohten Finnwal.
Walfang in Japan auf einen Blick
- Gejagte Arten: Zwerg-, Bryde-, Sei- und (seit 2024) Finnwale
- Rechtlicher Status: seit 2019 kein IWC-Mitglied; offener kommerzieller Walfang
- Fanggebiet: eigene Küste und Wirtschaftszone (200 Seemeilen); die Antarktis bleibt seit 2019 verschont
- Neues Fabrikschiff: Kangei Maru (seit 2024)
- Quote 2026: 412 Großwale (Zwerg-, Bryde-, Sei- und Finnwal)
- Absatz: geringe Nachfrage; Walfleisch bleibt ein Ladenhüter
Wie hat Japan das Walfangverbot jahrzehntelang umgangen?
Japan versäumte es, gegen das seit 1986 geltende kommerzielle Walfang-Moratorium fristgerecht Einspruch einzulegen. Deshalb nutzte das Land mehr als 30 Jahre ein Schlupfloch der Internationalen Walfangkommission (IWC) und fing die Wale unter dem Deckmantel der „Wissenschaft" – auch wenn die „Studienobjekte" noch auf See zu Supermarkt-Paketen verarbeitet wurden. Im Namen der Forschung starben von 1986 bis 2018 insgesamt 17.365 Wale, darunter 14.933 Zwerg-, 1.625 Sei-, 733 Bryde-, 56 Pott- und 18 Finnwale.

Besonders heikel: Im Nordpazifik fing Japan Seiwale auch außerhalb seiner Wirtschaftszone auf hoher See. Für Seiwale gilt ein Handelsverbot des Artenschutzabkommens CITES, gegen das Japan für den Nordpazifik keinen Einspruch eingelegt hat – der Fang auf hoher See ist damit illegal. 2018 drohten deshalb Sanktionen, ein Grund für Japans anschließende Kehrtwende.
Warum jagte Japan sogar im Antarktis-Schutzgebiet?
Japans Walfang konzentrierte sich jahrelang auf zwei Gebiete: die eigenen Küsten im Nordpazifik (Zwerg-, Sei-, Bryde- und einige Pottwale) und ausgerechnet das Walschutzgebiet um die Antarktis (vor allem Zwerg-, gelegentlich Finnwale). Die abgelegenen Antarktis-Wale sind weniger mit Schadstoffen belastet. Dieser Fang im Schutzgebiet war der Anlass, dass Australien und Neuseeland Japan vor dem Internationalen Gerichtshof verklagten. Mit Erfolg: 2014 befand der Gerichtshof die Antarktis-Jagd als nicht-wissenschaftlich und damit illegal. Statt sie einzustellen, pausierte Tokio nur eine Saison und legte zwei leicht abgespeckte „Forschungsprogramme" auf.
Was änderte sich mit Japans IWC-Austritt 2019?
Im Dezember 2018 kündigte Japan seinen Austritt aus der IWC an. Nach Ablauf der sechsmonatigen Frist – zum 30. Juni 2019 – verließ es die Kommission und nahm am 1. Juli 2019 den offenen kommerziellen Walfang auf Sei-, Bryde- und Zwergwale auf, beschränkt auf Küste und Wirtschaftszone. Die Antarktis blieb seither verschont. 2020, im ersten vollständig „IWC-freien" Jahr, wurden 307 Wale getötet – deutlich weniger als zu Zeiten des „Wissenschaftswalfangs".
Zugleich kündigte die Regierung an, die Subventionen für den Walfang (rund 5 Milliarden Yen, etwa 40 Mio. Euro) bis 2023 einzustellen, und ließ das alte Fabrikschiff Nisshin Maru verschrotten. Die Hoffnung, der Walfang laufe damit aus, erfüllte sich nicht.

Was bedeutet das neue Fabrikschiff Kangei Maru?
Für fast 50 Millionen Euro ließ die Firma Kyodo Senpaku ein neues Fabrikschiff bauen, die Kangei Maru, die im Frühjahr 2024 fertig wurde und im Juni erstmals auslief; die Küstenstadt Shimonoseki bezuschusste den Bau mit 300 Millionen Yen (rund 1,8 Mio. Euro). Das 113 Meter lange Schiff kann bis zu 13.000 Kilometer zurücklegen, Finnwale von bis zu 70 Tonnen einholen und 600 Tonnen Walfleisch tiefgefroren transportieren – was Sorgen vor einer Rückkehr in die Antarktis nährt.
Im Juni 2024 genehmigte Japan erstmals eine Quote von 59 Finnwalen für den Nordpazifik und löste damit internationale Proteste aus. Der Finnwal gilt laut Roter Liste als bedroht; ein von Japan selbst beauftragtes Gremium warnte, die Quote könne die lokale Population binnen vier Jahren um bis zu 40 Prozent verringern. 2024 wurden 30 Finnwale getötet, 2025 die volle Quote von 60.
Seit dem IWC-Austritt setzt Japan seine Fangquoten selbst fest – mit steigender Tendenz und seit 2024 erstmals wieder für den bedrohten Finnwal. In der Summe hat Japan für die Jahre 2019 bis 2026 Quoten für über 3.100 Großwale vergeben. Die tatsächlichen Fänge bleiben allerdings unter diesen Quoten: 2025 etwa wurden die Finn- und Brydewal-Quoten voll ausgeschöpft, während Sei- und Zwergwale darunterblieben.
| Jahr | Zwergwal | Brydewal | Seiwal | Finnwal | Beifang | Gesamt |
| 2026 | 145 | 153 | 56 | 58 | – | 412 |
| 2025 | 167 | 154 | 56 | 60 | – | 437 |
| 2024 | 167 | 187 | 25 | 59 | 34 | 472 |
| 2023 | 136 | 187 | 24 | – | 34 | 381 |
| 2022 | 137 | 187 | 25 | – | 34 | 383 |
| 2021 | 120 | 187 | 25 | – | – | 332 |
| 2020 | 120 | 187 | 25 | – | – | 332 |
| 2019 | 171 | 187 | 25 | – | – | 383 |
Isst Japan überhaupt noch Walfleisch?
Kaum. Das Interesse an Walfleisch ist gering und rückläufig, vor allem bei jüngeren Menschen – 80 bis 90 Prozent essen im Alltag kein Walfleisch. Im Frühjahr 2024 stapelten sich in Japans Kühlhäusern über 4.300 Tonnen Walfleisch, fast die Hälfte aus einem Import aus Island 2023. Mit der Jagd auf große Finnwale wachsen diese Berge eher weiter. Entsprechend verfällt der Preis: Brachte Finnwalfleisch 2024 noch 200.000 Yen pro Kilo (etwa 1.150 Euro), waren es 2025 nur noch 30.000 Yen (etwa 170 Euro). Um die Nachfrage anzukurbeln, setzt Kyodo Senpaku auf absurde Vermarktungsstrategien (siehe Video), wie Walfleisch-Automaten, eine Kosmetiklinie, Kochkurse und Influencer.
Wie sichert Japan seinen Einfluss bei der IWC?
Um seine Walfang-Interessen durchzusetzen, schreckt Japan nicht vor Scheckbuchpolitik zurück: Ärmere Länder aus der Karibik, Afrika und Asien erhalten seit Jahren großzügige Entwicklungshilfe aus Tokio und unterstützen im Gegenzug Japans Anträge bei der Walfangtagung. Bis 2011 konnten Mitgliedsstaaten ihre IWC-Gebühren sogar bar auf der Konferenz zahlen – offensichtlich mit Geld aus Japan. Seit dem Austritt 2019 nimmt Japan nur noch als Beobachter teil, orchestriert aber weiter die Pro-Walfang-Wortmeldungen dieser Länder. Deutlich wurde das im Juli 2024 beim Treffen des afrikanischen Fischereibündnisses COMHAFAT, nach dem die Staaten finanzielle Unterstützung aus Japan erwarteten, um bei der IWC-Tagung „mit einer Stimme" zu sprechen.
Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife setzt sich innerhalb der EU und im Rahmen der Internationalen Walfangkommission für ein lückenloses kommerzielles Walfangverbot ein. Unser größter Erfolg (gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern) ist, dass das IWC-Moratorium bis heute noch in Kraft ist – trotz aller Versuche der Walfangländer, diese lästige Einschränkung zu beseitigen. Doch das reicht uns nicht:
Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Moratorium umgehen, müssen endlich geschlossen werden. Um dies zu erreichen, informiert Pro Wildlife regelmäßig die Walschutzländer über Entwicklungen im Walfang und liefert ständig neue Argumente für den internationalen Verhandlungstisch.
Unsere Überzeugungsarbeit führte schließlich dazu, dass die EU für die IWC-Tagung Ende September 2024 in Peru eine entsprechende Resolution einbrachte, die mit großer Mehrheit angenommen wurde. Damit wurde der kommerzielle Walfang in Island, Norwegen und Japan endlich – erstmals seit 23 Jahren – formal verurteilt.
Wie kann ich helfen?
Pro Wildlife ist Teil der internationalen End Commercial Whaling Coalition und setzt sich weltweit dafür ein, dass die grausame und überholte Tötung von Walen endlich ein Ende hat. Unterstützen Sie jetzt die Petition und helfen Sie mit, den Druck auf die Walfangländer zu erhöhen. Ihre Unterschriften bringen wir bei der IWC-Konferenz im September vor.

Wale schützen
– jetzt helfen!
Weiterführende Berichte
- Bericht Small Cetaceans – even bigger problems (2024, PDF) – zeigt, welche Länder Delfine jagen, den Anstieg und die Ursachen
- Briefing zum 69. Treffen der IWC (2024, PDF)
- Bericht „Frozen in Time" (2016, PDF) – wie Norwegen zum Walfangland Nummer eins wurde
- Bericht „Toxic Menu" (2012, PDF) – Giftstoffe in Wal- und Delfinfleisch
- Bericht „Breaking Ranks" (2012, PDF) – Wal- und Delfinjagd in Grönland und auf den Färöern
Häufige Fragen zum Walfang in Japan
Grundsätzlich ist Japan aufgrund seiner bergigen Geografie sehr abhängig von seinen Meeresressourcen und verteidigt daher jegliche Ansprüche auf diese Ressourcen, inklusive Walfang, selbst wenn es wirtschaftlich nicht rentabel ist und im Fall von Walfleisch auch nicht benötigt wird. Offiziell begründet Japan den Walfang aber mit seiner traditionellen Küstenfischerei und sieht Walfang als kulturelles Erbe.
Japan umging das seit 1986 weltweit geltende Walfang-Moratorium mit dem Argument der „Wissenschaft“ und setzte sich immer wieder für ein Ende des Fangverbots bei der Internationalen Walfangkommission (IWC) ein. 2019 trat Japan schließlich aus diesem Bündnis ganz aus – mit dem Ziel, die kommerzielle Waljagd auf Sei-, Bryde- und Zwergwale wieder aufzunehmen.
Seit 1986 gilt ein kommerzielles Walfang-Moratorium. Doch drei Länder (Japan, Norwegen und Island) entziehen sich diesem Verbot.
Ja, Wale können nicht tierwohlkonform getötet werden. Das bestätigen auch Studien. Im Sommer 2022 dokumentierten Aktivisten der Organisation Hard to Port in Island, wie grausam z.B. die Finnwaljagd ist: Einige der angelandeten Tiere zeigten mehrere (bis zu vier) Harpunen im Leib. Das liegt einerseits an der Zielungenauigkeit. Andererseits zünden die Sprengladungen häufig nicht zuverlässig. Bedenkt man, dass es acht Minuten braucht, um eine Harpune nachzuladen und neu zu zielen, leiden manche Finnwale knapp eine halbe Stunde, bevor sie sterben. >> So grausam ist Walfang
Ja, aber das Interesse an Walfleisch in Japan ist heute äußerst gering, insbesondere unter der jungen Bevölkerung, und deutlich rückläufig. 80-90% essen kein Walfleisch im Alltag.
2025 fing Japan insgesamt 326 Wale, davon 60 Finn-, 143 Bryde-, 88 Zwerg- und 35 Seiwale.