Startschuss für die globale Walfangsaison: Japan und Norwegen jagen wieder Wale – Island könnte folgen

Bereits hunderte Wale weltweit getötet – Pro Wildlife fordert Ende des kommerziellen Walfangs

München, 12. Mai 2026. – Die globale Walfangsaison nimmt Fahrt auf – trotz internationaler Schutzabkommen: Japan hat die Jagd auf Wale erneut aufgenommen, Norwegen tötet Zwergwale in Rekordtempo, und auf den Färöer-Inseln wurden bereits über 100 Grindwale bei der ersten traditionellen Treibjagd der Saison getötet. „Wir erleben derzeit erschreckend deutlich, dass Walfang und Delfinjagd noch lange kein Kapitel der Vergangenheit sind“, sagt Dr. Mona Schweizer, Meeresschutzexpertin bei Pro Wildlife. „Selbst in Island gibt es Anzeichen, dass 2026 wieder bedrohte Finnwale gejagt werden.“

Japan: Ziel von 2.100 Tonnen Walfleisch

Bereits im April sind die Schiffe des japanischen Walfangunternehmens Kyodo Senpaku ausgelaufen und haben bereits erste Wale angelandet. Das Unternehmen plant für die diesjährige Saison Fangmengen von über 2.000 Tonnen Walfleisch. Seitdem Japan 2019 die Internationale Walfangkommission (IWC) verlassen hat, betreibt das Land offen kommerziellen Walfang. Obwohl der Konsum von Walfleisch in Japan seit Jahren rückläufig ist, wird die Walfangindustrie weiterhin mit staatlicher Unterstützung aufrechterhalten. Eine Entwicklung, die Pro Wildlife scharf kritisiert: „Das ist ein fatales Signal für den globalen Meeresschutz.“

Norwegen: Fangzahlen viermal so hoch wie im Vorjahr

Auch die Zahlen aus Norwegen sind alarmierend: Allein seit dem Saisonstart am 1. April wurden bereits 67 Zwergwale mit Explosivharpunen getötet – deutlich mehr als die 16 Tiere im selben Vorjahreszeitraum.  Die norwegische Regierung hat die Fangquote für 2026 auf 1.641 Tiere angehoben – seit dem Walfangmoratorium von 1986 wurden in Norwegen über 17.500 Zwergwale getötet. Die wirtschaftliche Grundlage der Jagd gilt als fragwürdig: Nur zwei Prozent der norwegischen Bevölkerung konsumieren regelmäßig Walfleisch, 97 Prozent des Exports gehen nach Japan – trotz sinkender Nachfrage. „Norwegen jagt Wale, die kaum jemand essen will, und subventioniert eine Industrie ohne Zukunft“, kritisiert Schweizer.

Island: Drohende Wiederaufnahme des Walfangs

In Island verdichten sich die Hinweise, dass der Walfangunternehmer Kristján Loftsson nach zweijähriger Pause erneut ein Schiff zur Jagd auf Finnwale entsenden will. Finnwale gelten als gefährdet und stehen unter internationalem Schutz. „Island nutzt sein Veto gegen das IWC-Moratorium und untergräbt kontinuierlich die internationalen Bemühungen, Wale zu schützen,“ so die Pro Wildlife-Expertin. „Es ist überfällig, dass Island endlich einen Schlussstrich zieht und den Walfang verbietet.“

Färöer-Inseln: Traditionelle Treibjagd bleibt hoch umstritten

Nicht kommerziell organisiert, aber ebenso problematisch ist die Treibjagd (Grindadráp/Grind) auf den Färöer-Inseln. Bei der ersten Jagd der Saison am 4. Mai wurden mindestens 125 Grindwale getötet, darunter zahlreiche Jungtiere und trächtige Weibchen. Die Jagd gilt als eine der tierschutzrechtlich umstrittensten weltweit: Ganze Familienverbände werden in Buchten getrieben, mit Metallhaken an Land gezogen und mit Rückenlanzen getötet – ein brutaler Prozess, der oft mehrere Minuten dauert. Konsequenzen bleiben bislang aus: Trotz dokumentierter Tierschutzverstöße und laufender Ermittlungen wird der Grind fortgesetzt. „Der färingische Grindadráp unterscheidet sich rechtlich vom kommerziellen Walfang – doch das immense und überflüssige Tierleid ist dasselbe,“ kritisiert Schweizer. „Diese brutalen Tötungen sind in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft nicht zu rechtfertigen.“

Pro Wildlife fordert Ende des kommerziellen Walfangs

Pro Wildlife setzt sich als Gründungsmitglied der internationalen End Commercial Whaling Coalition für ein dauerhaftes Ende des kommerziellen Walfangs ein. Bis zur nächsten IWC-Konferenz im September 2026 sammelt die Koalition weltweit Unterschriften für ein Ende der Jagd auf Wale. „Wir haben in diesen Wochen gesehen, wie fragil die internationalen Schutzversprechen für Wale sind“, betont Schweizer. „Umso wichtiger ist es, dass zivilgesellschaftlicher Druck nicht nachlässt.“

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