Die skurrilen Wasserbewohner Afrikas
Das Flusspferd (Hippopotamus amphibius), auch Nilpferd oder Hippo genannt, ist mit Pferden nicht verwandt – seine nächsten lebenden Verwandten sind die Wale. Die grauen Schwergewichte verbringen den Tag im Wasser und grasen nachts an Land. Für ihre großen Eckzähne aus Elfenbein werden sie bis heute gejagt.
Steckbrief Flusspferd
| Wissenschaftlicher Name | Hippopotamus amphibius |
| Familie | Flusspferde (Hippopotamidae) |
| Größe | Körperlänge rund 3–5 m, Schulterhöhe etwa 1,5 m |
| Gewicht | Weibchen rund 1,3 t, Männchen im Schnitt ~1,5 t, große Bullen bis über 3 t (ausnahmsweise ~4,5 t) |
| Lebenserwartung | in der freien Natur bis etwa 40 Jahre |
| Ernährung | Pflanzenfresser, überwiegend Gras – rund 40 kg pro Nacht (1–1,5 % des Körpergewichts) |
| Lebensraum | Afrika südlich der Sahara (v. a. Ost- und Südafrika); Flüsse, Seen und Sümpfe mit angrenzenden Grasländern |
| Fortpflanzung | Tragzeit rund 8 Monate, meist 1 Jungtier etwa alle 2 Jahre; Geburt an Land oder im flachen Wasser |
| Population | rund 115.000–130.000 Tiere (letztes globales IUCN-Assessment 2017, rückläufig) |
| IUCN-Status | gefährdet (Vulnerable) – seit 2006 |
| CITES-Status | Anhang II (seit 1995) – internationaler Handel erlaubt, aber reguliert |
Warum sind Flusspferde mit Walen verwandt?
Europäische Reisende „entdeckten" das Tier einst am Ufer des Nils – daher der veraltete Name Nilpferd. Am Unterlauf des Nils ist es heute allerdings nahezu ausgerottet. Mit Pferden (Equidae) ist das Flusspferd trotz seines Namens nicht näher verwandt. Ende des 20. Jahrhunderts enthüllten genetische Analysen die wahren nächsten Verwandten: die Wale (Cetacea) – eine verblüffende Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass Hippos kaum schwimmen können. Vor Jahrmillionen war die Familie der Flusspferde (Hippopotamidae) arten- und formenreich und bis nach Europa verbreitet. Heute sind nur noch zwei Arten übrig: das hier porträtierte Großflusspferd und das deutlich kleinere, in Westafrika lebende Zwergflusspferd (Choeropsis liberiensis), das die IUCN als stark gefährdet führt (nur noch rund 2.000–2.500 erwachsene Tiere).
Wie leben Flusspferde?

Obwohl Flusspferde den Großteil des Tages im Wasser verbringen, sind sie erstaunlich schlechte Schwimmer. Statt zu schwimmen, lassen sie sich mit ihrem Gewicht auf den Gewässergrund sinken und laufen dort entlang; durchschnittlich bleiben sie nur rund fünf Minuten unter Wasser und tauchen – selbst im Schlaf – automatisch zum Luftholen auf. Gegen die Sonne haben sie eine eigene Lösung entwickelt: ein rötliches Sekret, das wie eine antibakterielle „Sonnencreme" wirkt, vor UV-Strahlung schützt und die Haut gesund hält. Alte Mythen deuteten das als „Blutschwitzen".
Flusspferde sind nachtaktiv und kommen im Schutz der Dunkelheit an Land, um zu grasen. Tagsüber sammeln sie sich in losen Gruppen von etwa zehn bis fünfzehn Tieren – ohne feste soziale Bindungen. Männchen markieren ihr Revier, indem sie ihren Kot mit propellerartigen Schwanzbewegungen verteilen.
Sind Flusspferde gefährlich?
Ausgewachsene Flusspferde haben außer dem Menschen kaum Feinde. Selbst Löwen, Hyänen und Krokodile meiden die grummeligen Zeitgenossen. Wer die behäbig wirkenden Tiere für sanft hält, unterschätzt sie fatal: Flusspferde sind ausgesprochen territorial und auf kurzer Strecke bis zu 40 km/h schnell. Sie zählen zu den gefährlichsten Wildtieren Afrikas; Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr mehrere Hundert Menschen bei Konflikten mit ihnen.
Warum werden Flusspferde gejagt?

Früher wurden Flusspferde vor allem wegen ihres Fleisches getötet – heute treibt die Gier nach Elfenbein die Jagd an. Ihre großen Eckzähne bestehen aus elfenbeinartigem Material und werden zu Schnitzereien und Messergriffen verarbeitet. Der Handel ist lukrativ und – anders als bei Elefanten – international bislang nur schwach reguliert. Allein zwischen 2009 und 2018 wurden dafür rund 13.900 Flusspferde getötet; größter Abnehmer der Schnitzereien ist ausgerechnet die EU. Hinzu kommen Lebensraumverlust und die Trophäenjagd.
Mehr zum Thema: Flusspferde und Elfenbein – Ausmaß des Handels und die Rolle der EU. Zum großen Überblick: Elfenbeinhandel.
Wie sind Flusspferde geschützt?
Flusspferde stehen seit 1995 in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) – der internationale Handel ist damit erlaubt, sofern er genehmigt und gemeldet wird. Das reicht angesichts des wachsenden Elfenbeinhandels nicht aus. 2022 beantragten zehn west- und zentralafrikanische Länder bei der Weltartenschutzkonferenz CoP19, das Flusspferd in den strengeren Anhang I (Handelsverbot) hochzustufen. Der Antrag scheiterte mit 56:56 Stimmen hauchdünn an der Zweidrittelmehrheit – auch, weil die EU dagegen stimmte.
Was tut Pro Wildlife für Flusspferde?
Pro Wildlife kämpft gegen Wilderei und Elfenbeinhandel. Wir unterstützen das afrikanische Anti-Wilderei-Netzwerk EAGLE, das regelmäßig Flusspferd-Elfenbein beschlagnahmt und Hinterleute vor Gericht bringt. Bei CITES setzen wir uns für einen strengen internationalen Schutz der Flusspferde ein. Außerdem fordert Pro Wildlife Einfuhrverbote für Jagdtrophäen in die EU und nach Deutschland – auch Flusspferde zählen zu den in der Trophäenjagd bejagten Arten.
Häufige Fragen zum Flusspferd
Flusspferde sind riesig – bis zu 1,5–1,7 m Schulterhöhe und 3,5 Länge.
Ausgewachsene Männchen können 3 bis 4,5 Tonnen wiegen.
In Afrika südlich der Sahara, vor allem in Flüssen, Seen und Sümpfen.
Im Schutz der Dunkelheit kommen sie an Land, um auf naheliegenden Weiden zu äsen. Sie nehmen pro Nacht etwa 70 Kilogramm Gras zu sich.
Ja, Flusspferde gelten als eines der gefährlichsten Tiere Afrikas, besonders aggressiv bei Bedrohung oder im Wasser.
Sie kühlen ihre große Körpermasse und schützen die Haut vor Sonnenbrand.
Trotz ihrer Masse sind sie bis zu 40 km/h an Land schnell.
Wilderei und die Zerstörung ihres Lebensraums haben dazu geführt, dass das Großflusspferd auf der Internationalen Roten Liste (IUCN) als gefährdet eingestuft ist, das Zwergflusspferd als stark gefährdet.
Bis zu 1,5 m aufklappbar, mit riesigen Stoßzähnen, die der Verteidigung dienen.
- Keine illegalen Produkte kaufen: Stoßzähne von Flusspferden und Schnitzereien daraus sind oft illegal, der Handel trägt zur Wilderei bei
- Pro Wildlife im Einsatz für strenge Schutzgesetze & gegen Wilderei unterstützen



