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Walfang lässt sich nicht tierschutzgerecht durchführen: Ein freilebendes Tier mit einer Explosivharpune vom fahrenden Schiff aus zu erlegen, ist grausam – ganz gleich, wie präzise der Schütze trifft. Die dokumentierte Realität bestätigt das nur: mehrere Harpunen in einem einzigen Wal, versagende Sprengladungen und ein Todeskampf über viele Minuten. Das Leid liegt nicht an einzelnen Fehlern, sondern in der Methode selbst. Das belegen sowohl Islands eigene Veterinärbehörde als auch Norwegens Meldedaten.
Überblick
- Tötungsmethode: Explosivharpune mit Penthrit-Sprengladung (PETN)
- Sprengladung: rund 30 g (Zwergwal) bis 45 g (Finnwal)
- Sofortiger Tod: nur bei Treffer in einer eng begrenzten Körperregion möglich
- Norwegen 2021–2025: mindestens 491 Fehlschüsse und 28 verlorene Wale (WDC)
- Todeskampf: dokumentiert bis zu 20–25 Minuten
- Fazit der Behörden: Islands Veterinärbehörde und Fachrat halten tierschutzgerechten Walfang für unmöglich
Wie werden Wale heute getötet?
Während Wale früher mit der Hand harpuniert wurden, hat auch beim Töten der technologische „Fortschritt" Einzug gehalten. Heute werden Wale mit Explosivharpunen bejagt, die vom Deck der Walfangschiffe abgeschossen werden. Sie sind mit dem Sprengstoff Penthrit (PETN) bestückt – die Ladung wird an die Größe der Art angepasst: für Zwergwale in der Regel rund 30 g, für Finnwale 45 g. Gezündet wird, nachdem die Harpune in den Walkörper eingedrungen ist. Fragmentierung des Geschosses und Druckwelle sollen das Tier „immobilisieren", also bestenfalls sofort töten oder zumindest bewusstlos machen.
Eine Studie im Fachjournal Animal Welfare zeigt jedoch: Ein sofortiger Tod gelingt nur, wenn eine ganz bestimmte, eng begrenzte Körperregion getroffen wird.
Warum ist Walfang zwangsläufig grausam?
Diese eng begrenzte Trefferzone macht das Töten zum Glücksspiel. Schon bei guter Sicht und unbewegten Zielen wäre ein präziser Schuss schwierig – beim Walfang ist er nahezu unmöglich: Der Jagende versucht, von einem dem Seegang ausgesetzten Schiff einen kontinuierlich schwimmenden, größtenteils untergetauchten Wal an genau dieser Stelle zu treffen. Hinzu kommt, dass die Sprengladungen häufig nicht zuverlässig zünden. Und weil das Nachladen und erneute Zielen einer Harpune rund acht Minuten dauert, zieht sich der Tod eines Wals unter Umständen über eine halbe Stunde hin. Fehlschüsse und immenses Tierleid sind damit nicht die Ausnahme, sondern eine vorhersehbare Folge der Methode selbst.
in 69 %
der Jagden wurde der Wal noch lebend ans Schiff gezogen und mit dem Gewehr erschossen
(EIA 2026)
Was zeigen Norwegens eigene Daten?
Norwegen tötet mehr Wale als jedes andere Land und stuft seinen Walfang als „tierschutzgerecht" ein. Eine Auswertung der Organisation WDC auf Basis von Norwegens eigenem elektronischem Meldesystem (ERS) zeichnet für die Saisons 2021 bis 2025 ein anderes Bild: mindestens 491 Fehlschüsse und 28 harpunierte, aber nicht geborgene Wale. Auf jeden getöteten Wal kamen im Schnitt mindestens 1,23 abgefeuerte Harpunen.
Norwegens jüngste offizielle Meldung der Tötungsdaten an die IWC stammt aus der Saison 2011/2012: Damals starben rund 18 Prozent der Wale nicht sofort, mit einer durchschnittlichen Zeit bis zum Tod von sechs Minuten und Ausreißern bis 25 Minuten (NAMMCO). Neuere behördliche Daten hat Norwegen nicht veröffentlicht – eine unabhängige Auswertung von 25 gefilmten Jagden der Saison 2026 zeichnet jedoch ein noch schlechteres Bild: Die Sofort-Tötungsrate lag bei nur 25 Prozent (2011/2012: 82 Prozent), und in 69 Prozent der Jagden wurde der Wal noch lebend ans Schiff gezogen und mit dem Gewehr erschossen (EIA 2026). Erschwerend kommt hinzu: Es gibt keine unabhängigen Beobachter an Bord. Die Kontrolle wurde über Jahre abgebaut – 2007 ersetzten elektronische „Blue Boxes" die Inspektoren, 2023 wurden auch diese abgeschafft; seither steht kein einziger norwegischer Fang unter direkter staatlicher Kontrolle. Die Zahlen beruhen damit auf den Eigenangaben der Walfänger und sind Mindestwerte.
Auch die Bewertung selbst steht in der Kritik: Ein Großteil der Forschung, mit der Norwegen seinen Walfang als „tierschutzgerecht" begründet, stammt laut WDC vom selben Experten – dem Tierarzt Egil Ole Øen, der die verwendete Harpunengranate Hvalgranat-99 mitentwickelt und bis 2020 deren Patent gehalten hat. Entwickler und Gutachter der Tötungsmethode fallen damit in einer Person zusammen, was die Unabhängigkeit der Tierschutz-Bewertung grundsätzlich infrage stellt.
Was ergab die Überwachung in Island?
Im Sommer 2022 dokumentierten Aktivisten der Organisation Hard to Port am Hafen, wie grausam die Finnwaljagd ist: Einige der angelandeten Tiere trugen mehrere – bis zu vier – Harpunen im Leib. Das liegt einerseits an der Zielungenauigkeit (belegt durch Wale mit Harpunen in den Brustflossen), andererseits an nicht explodierten Sprengköpfen. Manche Finnwale litten so fast eine halbe Stunde, bevor sie starben.

Die Fotos zeigten Wirkung: Ab August 2022 musste die Waljagd an Bord durch die Veterinärbehörde MAST überwacht werden. Deren Bericht vom Mai 2023 kam zu einem vernichtenden Schluss: Viele Finnwale sterben einen langsamen, qualvollen Tod – die Jagd widerspricht damit dem isländischen Tierschutzgesetz. Auch Islands Fachrat für Tierwohl bestätigte, dass die Finnwaljagd allein wegen der Größe der Tiere grundsätzlich nicht tierschutzgerecht möglich sei. Eine Folgeüberwachung 2024 kam laut WDC zu dem Ergebnis, dass eine tierschutzgerechte Tötung auf See nicht garantiert werden kann.
Die Befunde führten zu einem vorübergehenden Fangverbot, das jedoch am 31. August 2023 kurz vor Saisonende auslief. Traurige Bilanz der stark verkürzten Saison 2023: 24 getötete Finnwale. Trotz der klaren Beweislage ziehen weder Island noch Norwegen oder Japan bislang die Konsequenz eines endgültigen Verbots.
Was tut Pro Wildlife?
Pro Wildlife setzt sich innerhalb der EU und im Rahmen der Internationalen Walfangkommission für ein lückenloses kommerzielles Walfangverbot ein. Unser größter Erfolg (gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern) ist, dass das IWC-Moratorium bis heute noch in Kraft ist – trotz aller Versuche der Walfangländer, diese lästige Einschränkung zu beseitigen. Doch das reicht uns nicht:
Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Moratorium umgehen, müssen endlich geschlossen werden. Um dies zu erreichen, informiert Pro Wildlife regelmäßig die Walschutzländer über Entwicklungen im Walfang und liefert ständig neue Argumente für den internationalen Verhandlungstisch.
Unsere Überzeugungsarbeit führte schließlich dazu, dass die EU für die IWC-Tagung Ende September 2024 in Peru eine entsprechende Resolution einbrachte, die mit großer Mehrheit angenommen wurde. Damit wurde der kommerzielle Walfang in Island, Norwegen und Japan endlich – erstmals seit 23 Jahren – formal verurteilt. Diese diplomatische Ohrfeige ist auch für die isländische Regierung ein deutliches Signal für künftige Entscheidungen.
Wie kann ich helfen?
Pro Wildlife ist Teil der internationalen End Commercial Whaling Coalition und setzt sich weltweit dafür ein, dass die grausame und überholte Tötung von Walen endlich ein Ende hat. Unterstützen Sie jetzt die Petition und helfen Sie mit, den Druck auf die Walfangländer zu erhöhen. Ihre Unterschriften bringen wir bei der IWC-Konferenz im September vor.

Wale schützen
– jetzt helfen!
Weiterführende Berichte
- WDC-Report zu Norwegens Walfang (2026, PDF)
- Briefing zum 69. Treffen der IWC (2024, PDF)
- Bericht „Frozen in Time" (2016, PDF) – wie Norwegen zum Walfangland Nummer eins wurde
- Bericht „Toxic Menu" (2012, PDF) – Giftstoffe in Wal- und Delfinfleisch
- Bericht „Breaking Ranks" (2012, PDF) – Wal- und Delfinjagd in Grönland und auf den Färöern
Häufige Fragen zum Walfang
Nein. Islands Veterinärbehörde MAST und der isländische Fachrat für Tierwohl kamen zu dem Schluss, dass die Waljagd nicht tierschutzgerecht möglich ist. Auch Norwegens eigene Meldedaten zeigen regelmäßig Fehlschüsse und einen verzögerten Tod.
Mit Explosivharpunen, die eine Penthrit-Sprengladung (PETN) in den Körper des Wals tragen und dort zünden. Für Zwergwale werden rund 30 g, für Finnwale 45 g Sprengstoff verwendet.
Wenn der erste Schuss nicht sofort tötet, kann sich der Tod über viele Minuten hinziehen. Norwegische Daten nennen eine mittlere Zeit bis zum Tod von sechs Minuten, dokumentierte Einzelfälle reichen bis 20–25 Minuten.
Ein sofort tödlicher Treffer gelingt nur in einer eng begrenzten Körperregion. Von einem schwankenden Schiff auf einen tauchenden Wal ist das kaum zuverlässig zu treffen. In Norwegen wurden allein 2021–2025 mindestens 491 Fehlschüsse verzeichnet.

