Ein Meister der Entschleunigung
Faultiere bewegen sich mit ihrer einzigartigen Klettertechnik kopfüber durch das Blätterdach tropischer Regenwälder und ziehen durch ihr ruhiges Wesen und ihre freundliche Mimik viele Tierliebende in ihren Bann. Laut IUCN gibt es insgesamt sieben Faultierarten, die sich auf zwei Gattungen aufteilen: Die Zweifinger-Faultiere (Gattung Choloepus) unterscheiden sich dabei deutlich von den bekannteren Dreifinger-Faultieren (Gattung Bradypus). Sie sind größer, kräftiger, vorwiegend nachtaktiv und wechseln beinahe täglich ihren Baum, um abwechslungsreiche Nahrung zu finden. Dieses Tierporträt stellt die Zweifinger-Faultiere in den Mittelpunkt – jene Gruppe, die zuletzt besonders stark in den Fokus des internationalen Handels geraten ist.
Steckbrief Zweifinger-Faultier
| Wissenschaftlicher Name | Choloepus didactylus (Eigentliches Zweifingerfaultier), Choloepus hoffmanni (Hoffmann-Zweifingerfaultier) |
|---|---|
| Familie | Zweifinger-Faultiere (Choloepodidae) |
| Größe | bis etwa 72 cm Kopf-Rumpf-Länge |
| Gewicht | bis etwa 9 kg |
| Lebenserwartung | in Gefangenschaft bis etwa 30 Jahre; in der Natur unbekannt |
| Ernährung | vorwiegend Blätter (folivor), auch Triebe, Früchte, selten Kleintiere |
| Lebensraum | Baumkronen tropischer Regenwälder Mittel- und Südamerikas |
| Fortpflanzung | Tragzeit rund 10 Monate, meist 1 Jungtier |
| Population | rückläufig; keine belastbare Gesamtzahl |
| IUCN-Status | nicht gefährdet (LC) – Rote Liste 2022 (beide Arten) |
| CITES-Status | Anhang II (CoP20 2025, in Kraft seit 5. März 2026) |
Wie lebt das Faultier?
Das Zweifinger-Faultier ist ein ruhiger Einzelgänger, überwiegend nachtaktiv und ernährt sich hauptsächlich von Blättern, ergänzt um Triebe, Früchte und gelegentlich kleine Wirbeltiere. Mit zwei kräftigen, gebogenen Krallen an den Vordergliedmaßen klammert es sich sicher an Ästen fest; seine starke Hängemuskulatur lässt es stundenlang kopfüber hängen – die typische Haltung, in der es sich durch das Geäst bewegt. Auf den Boden begibt es sich nur selten, meist zum Kotabsetzen, wo es deutlich unbeholfener wirkt.
Die Fortbewegung des bis zu 9 kg schweren und bis zu 72 cm langen Faultiers ist zwar langsam, jedoch geschickt und energieeffizient – perfekt angepasst an ein Leben in den Baumkronen.
Algen im Fell – das grüne Geheimnis des Faultiers

Das Fell des Zweifingerfaultiers besteht aus grobem, langem Deckhaar. In diesem wachsen Grünalgen, die dem Tier nicht nur eine grünliche Tarnfarbe verleihen, sondern auch Lebensraum für Mikroorganismen bieten. Diese helfen möglicherweise bei der Parasitenabwehr. So entsteht ein kleines Ökosystem im Fell des Faultiers – ein weiterer Beweis für die faszinierende Anpassung dieses Tiers an seinen Lebensraum.
Wo lebt das Zweifinger-Faultier?
Zweifinger-Faultiere bewohnen die Baumkronen tropischer Regenwälder Mittel- und Südamerikas. Das Eigentliche Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) ist über weite Teile des nördlichen Südamerikas verbreitet – vom Amazonasbecken über die Guyanas bis Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Nordbrasilien. Das Hoffmann-Zweifingerfaultier (Choloepus hoffmanni) reicht von Honduras über das nordwestliche Südamerika bis ins westliche Brasilien und Bolivien. Im Blätterdach sind die Tiere perfekt an das Leben in luftiger Höhe angepasst und kommen nur selten zu Boden.
Warum sind Faultiere bedroht?
Zwar stehen Zweifinger-Faultiere nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten – doch ihre Populationen nehmen ab. Der wichtigste Treiber ist der Verlust des Lebensraums: Abholzung für Weideland, Landwirtschaft und Siedlungen zerstören die Wälder, Waldbrände vernichten sie zusätzlich. In Siedlungsnähe kommen Stromschläge an Leitungen und Pestizidvergiftungen hinzu. Eine weitere Bedrohung ist der Tierhandel, der stark zugenommen hat. Allein der indische Milliardärs-Zoo „Vantara" importierte in nur zwei Jahren mindestens 140 Zweifinger-Faultiere. Vor allem Jungtiere werden häufig illegal aus der Natur gefangen und als angebliche Nachzuchten ausgegeben, um sie als Foto-Requisiten im Tourismus, als exotische Haustiere oder an Zoos in aller Welt zu verkaufen.
Dabei ist die Sterblichkeit extrem hoch: Schätzungen zufolge überleben 80-90% der wildgefangenen Tiere Fang, Transport sowie die Umstellung auf die Gefangenschaft nicht.
Wie ist das Faultier geschützt?

Auf der CITES-Weltartenschutzkonferenz CoP20 wurden Ende 2025 beide Zweifinger-Faultiere (Choloepus didactylus und C. hoffmanni) in Anhang II aufgenommen. Den Antrag hatten Brasilien, Costa Rica und Panama eingebracht; er wurde im Konsens angenommen. Seit März 2026 gelten strenge Auflagen für den internationalen Handel: Ausfuhren sind seither nur noch mit Genehmigungen möglich. Bevor diese ausgestellt werden müssen Ausfuhrländer nachweisen, dass die Tiere aus legaler und nachhaltiger Quelle stammen und dass der Handel die wild lebenden Populationen nicht schädigt.
Schutz-Meilensteine im Überblick
- 2026: Die internationalen Handelsbeschränkungen für Zweifinger-Faultiere treten am 5. März in Kraft.
- 2025: CITES CoP20 nimmt beide Zweifinger-Faultiere (Choloepus didactylus und C. hoffmanni) im Konsens in Anhang II auf.
- 1975: Mit Inkrafttreten von CITES steht das Braunkehl-Faultier in Anhang II – lange das einzige Faultier mit globalem Handelsschutz.
Was tut Pro Wildlife für Faultiere?
Pro Wildlife engagiert sich gegen die Ausbeutung von Wildtieren für den internationalen Handel und dokumentiert legale wie illegale Absatzmärkte. Bei der Weltartenschutzkonferenz CITES setzen wir uns für den Schutz der Faultiere ein – die 2025 beschlossenen Handelsbeschränkungen für Zweifinger-Faultiere bestätigen diesen Kurs.
Denn der internationale Handel aufgrund der Nachfrage nach lebenden Faultieren ist ein zunehmendes Problem: Ob als exotisches Haustier oder als Foto-Requisite beim Selfie mit Wildtieren. Für solche Zwecke gehaltene Faultiere leiden in Gefangenschaft, und ihr Fang befeuert einen überwiegend auf Wildfängen beruhenden Handel. Ein Beispiel aus den USA: Von den dort zwischen 2011 und 2021 eingeführten 1.146 Faultieren stammten 1.141 aus der Natur. Deshalb klären wir über die Folgen des Wildtierhandels auf, setzen uns mit Erfolg für strengere Schutzgesetze ein und fordern konsequente Kontrollen.
Häufige Fragen zum Faultier
Mit den wissenschaftlichen Erkenntnisse stieg auch die Zahl der anerkannten Faultierarten: Die Weltnaturschutzunion IUCN beschreibt zwei Arten von Zweifinger-Faultieren: Eigentliches Zweifingerfaultier und Hoffmann-Zweifinger-Faultier sowie vier Dreifinger-Faultiere: Braunkehl-, Zwerg-, Mähnen- und Kragenfaultier.
Im langen Deckhaar der Faultiere siedeln sich Grünalgen an. Sie geben dem Fell einen grünlichen Schimmer, der im Blätterdach tarnt, und bieten Kleinstlebewesen Lebensraum.
Nein. Faultiere sind hochspezialisierte Wildtiere, deren Ansprüche an Nahrung, Klima und Lebensraum sich in Privathaltung nicht erfüllen lassen. Als besonders stressempfindliche und ruhebedürftige Einzelgänger leiden sie unter Anfassen, Lärm und ständiger Nähe – Dauerstress, der ihr Wohlergehen massiv beeinträchtigt und krank machen kann. Pro Wildlife rät grundsätzlich davon ab, Faultiere oder andere Wildtiere als Haustiere zu halten.
Weniger, als oft behauptet wird. Die bekannte Angabe von 15 bis 20 Stunden stammt von Tieren in Gefangenschaft. Bei freilebenden Faultieren haben Forschende dagegen nur rund 8 bis 10 Stunden Schlaf pro Tag gemessen (im Schnitt 9,6 Stunden).
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