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IWC-Tagung 2026 – worum es geht
Die 70. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC70) findet vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Hobart (Australien) statt. Die Tagung fällt in ein Jubiläumsjahr: 80 Jahre nach Unterzeichnung des Internationalen Übereinkommens zur Regelung des Walfangs (1946) und 40 Jahre nach Inkrafttreten des weltweiten Moratoriums für den kommerziellen Walfang.
Im Zentrum stehen sechs Resolutionen – und an ihnen prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite geht es endlich um besseren Schutz für Delfine und Kleinwale, die das Walfang-Moratorium bis heute nicht erfasst. Auf der anderen Seite drängen einige Staaten in die Gegenrichtung und fordern ein Programm zur „nachhaltigen Nutzung“ von Walen – ein Vorstoß, der das Fangverbot aufweichen würde.
Pro Wildlife setzt sich in Hobart besonders für den Schutz der Delfine und Kleinwale ein – ein Anliegen, dem wir mit unserem Bericht zur weltweiten Delfinjagd wichtige Vorarbeit und Aufmerksamkeit verschafft haben.
Über welche sechs Resolutionen wird abgestimmt?
| Nr. | Resolution | Eingereicht von | Ziel | Empfehlung Pro Wildlife |
| 8.1 | Beifang bedrohter Delfine und Kleinwale im Zusammenhang mit dem Handel mit Schwimmblasen (Fish Maw) | EU | Schutz | Unterstützen |
| 8.2 | Schiffskollisionen (Vessel Strikes) | EU | Schutz | Unterstützen |
| 8.3 | Gezielte Jagd auf Delfine und Kleinwale, vor allem im Kontext kommerzieller Fischerei | Schweiz | Schutz | Unterstützen |
| 8.4 | Walstrandungen als Querschnittsthema der IWC | EU | Schutz | Unterstützen |
| 8.5 | Hobart-Erklärung zum 80. Jahrestag des Übereinkommens | Vorsitz (Chair) | Symbolisch | Jubiläums-Resolution – neutral |
| 8.6 | Programm zur „nachhaltigen Nutzung“ von Walpopulationen | Antigua & Barbuda | Nutzung | Ablehnen – wäre Schritt in Richtung Aufhebung des Moratoriums |
Zusätzlich steht mit Antrag 7.1 erneut ein Südatlantisches Walschutzgebiet zur Abstimmung – anders als die Resolutionen wäre dies eine Änderung des IWC-Regelwerks (Schedule), die eine Dreiviertelmehrheit braucht. 2024 scheiterte sie um eine einzige Stimme.

Tag für Tag: der Live-Blog aus dem Konferenzraum
Pro Wildlife ist in Hobart vor Ort – mitten in einer Tagung, bei der sich Walfang- und Walschutzlager gegenüberstehen. Ob am Ende ein neues Schutzgebiet steht oder die Tür zum kommerziellen Walfang wieder einen Spalt weiter aufgeht, entscheidet sich oft erst in den Abstimmungen der letzten Stunden. Wir berichten von Tag eins bis zum Schlussgong – hier unsere Eindrücke direkt aus dem Konferenzraum:

Tag 1: Protest, Eröffnung und ein Paukenschlag aus Norwegen
Bevor es losging, lag schon Spannung in der Luft: Der Auftakt der IWC70 machte in wenigen Stunden sichtbar, wie tief die Gräben in dieser Woche verlaufen – von einem Protest vor der Tür bis zu einem verbalen Paukenschlag im Saal.
Der erste Tag begann, noch bevor drinnen das erste Wort fiel. Vor dem Konferenzhotel demonstrierte eine lokale Naturschutzorganisation gegen den Walfang und rückte eine oft übersehene Gefahr in den Blick: die Krillfischerei in der Antarktis, die den Walen eine ihrer wichtigsten Nahrungsgrundlagen nimmt. Kurz vor Sitzungsbeginn zogen die Protestierenden bis auf die Balustrade im Inneren – und der Ton war gesetzt: Einige Delegierte der Walfangnationen weigerten sich, den Saal überhaupt zu betreten, solange der Protest „auf dem Gelände des Hotels“ stattfinde.

Drinnen schlug die Eröffnung ganz andere Töne an. Uncle Rodney, ein Ältester der Aborigines, hieß die Delegierten auf seinem Land willkommen und teilte die Whale-Dreaming-Geschichte seines Volkes, ein Bekenntnis zur jahrtausendealten Verbundenheit von Mensch und Wal. Der australische Umweltminister Murray Watt knüpfte daran an: Tasmanien, einst ein Zentrum des Walfangs, sei heute dessen entschiedener Gegner. Er würdigte Wale als „Ökosystem-Gestalter“ und warb dafür, die von Australien vorgeschlagene Hobart-Erklärung im Konsens zu verabschieden.
So feierlich der Beginn, so zäh wurde es danach. Schon der erste Verfahrenspunkt, das Quorum (also die Beschlussfähigkeit), zog sich in die Länge: Bis eine Neuregelung steht, gilt weiter die „Auslegung von Lima“ – die einfache Mehrheit der anwesenden Mitgliedsstaaten, zu Sitzungsbeginn festgelegt. Eine Verhandlungsgruppe aus Großbritannien, den USA, der EU, Antigua & Barbuda und der Côte d’Ivoire soll nun einen Kompromiss finden; der Punkt bleibt vorerst offen. Immerhin: Mit 45 anwesenden Vertragsstaaten – von 67 registrierten Delegationen hatten 47 Stimmrecht – war das Quorum an diesem ersten Tag gegeben. Fast beiläufig wuchs die Kommission an diesem Tag weiter: Die Türkei wurde als 89. Mitgliedsstaat aufgenommen.
Der Moment, der hängen blieb, gehörte dann Norwegen. In ungewöhnlich scharfem Ton nannte das Land die IWC ein Beispiel dafür, wie internationale Abkommen gerade nicht funktionieren sollten, und forderte, Wale müssten im Namen der Ernährungssicherheit genauso genutzt werden dürfen wie Rind oder Schwein – ungeachtet dessen, dass Wale durch die industrielle Bejagung dramatisch dezimiert wurden und deshalb international geschützt sind.
Hintergrundinformationen:
- Tagungs-Homepage der IWC70
- Resolution von Antigua und Barbuda
- Resolution gegen Delfinjagd
- der Bericht von Pro Wildlife zur weltweiten Jagd auf Delfine und Kleinwale
- Walfang in Island
- Walfang in Norwegen
- Walfang in Japan




