Weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale

Gejagt für Konsum, Köder und Konkurrenz

Weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale

Anders als Großwale unterliegen Delfine und Kleinwale keinem weltweiten Fangverbot der Internationalen Walfangkommission. Es existiert nur ein lückenhafter Flickenteppich aus nationalen Regelungen, die aber häufig unzureichend umgesetzt werden. Jedes Jahr kostet die weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale das Leben von mehr als 100.000 Tieren – um in Südamerika, Japan oder sogar in Europa als Gulasch, Haiköder oder Katzenfutter zu enden. Und weil die Meere und Flüsse zunehmend überfischt sind, steigt die Delfinjagd weiter an.

Die meisten Menschen denken beim Stichwort Delfinjagd an die blutigen Bilder aus der Bucht des japanischen Fischerstädtchens Taiji oder von den Färöer-Inseln. Doch beide sind nicht einmal die größten Delfinjäger, wie Recherchen von Pro Wildlife zeigen. Der Bericht „Small Cetaceans, even bigger problems" (2024) wertete mehr als 250 wissenschaftliche Studien, Augenzeugen- und Zeitungsberichte aus – eine Bibliothek des Grauens.

Auf einen Blick

  • Jedes Jahr werden weltweit mehr als 100.000 Delfine und Kleinwale gezielt getötet – Tendenz steigend (Pro Wildlife, „Small Cetaceans, even bigger problems", 2024).
  • Anders als Großwale sind Delfine und Kleinwale durch kein weltweites Fangverbot geschützt.
  • Der größte Treiber ist die Überfischung: Delfinfleisch ersetzt schwindenden Fisch und dient zunehmend als Köder für die Hai- und Thunfischfischerei.
  • Die größten Delfinjäger sind Peru, Ghana und Nigeria

In welchen Ländern werden die meisten Delfine gejagt?

Insgesamt schätzt Pro Wildlife die Zahl auf deutlich mehr als 100.000 gejagte Delfine und Kleinwale pro Jahr – noch mehr als im Vorgängerbericht von 2018. Erschreckend ist auch die Vielzahl der Länder, in denen die kleinen Meeressäuger getötet werden.

Weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale am Beispiel Peru: Delfinjagd mit Harpune © S. Austermühle Mundo Azul
Peru: Delfinjagd mit Harpune © S. Austermühle Mundo Azul
RangLandGetötete Tiere pro JahrHauptgrund
1Perubis zu 15.000v. a. Köder für die Haifischerei
2Ghanaannähernd 10.000, zunehmendkommerzialisierter Beifang, Hai-Köder
3Nigeriafast 10.000, zunehmendkommerzialisierter Beifang
4Venezuelamehrere Tausend, zunehmendFleisch, Fischerei-Köder, religiöse Rituale
5Grönland> 5.000, zunehmendSubsistenzjagd über nachhaltigem Level
6Brasilienmehrere Tausendv. a. Köder für die Fischerei
7Taiwanmehrere Tausend, zunehmendFischereiköder, auch auf Hoher See
8Indonesienmehrere Tausend, zunehmendFleischmarkt & Fischerei-Köder
9Südkoreamehrere Tausend, vermutlich zunehmendFleischmarkt & Fischereiköder
10Indienmehrere TausendFleischmarkt & Fischerei-Köder
Quelle: Pro Wildlife, „Small Cetaceans, even bigger problems" (2024)

Auch in Kanada, auf den Färöer-Inseln, in Malaysia, Japan und selbst in Frankreich sind Fälle dokumentiert. Auf den Färöer-Inseln wurden am 12. September 2021 an einem einzigen Tag 1.428 Weißseitendelfine getötet – die größte dokumentierte Einzeltötung von Delfinen überhaupt.

Tote Delfine auf den Färöer Inseln © Erik Christensen
Tote Delfine auf den Färöer Inseln © Erik Christensen

Sonderfall Grönland

Ein Sonderfall ist Grönland, wo mit mehreren Tausend getöteten Tieren pro Jahr die größte direkte, legale Kleinwaljagd der Welt stattfindet. Nur Narwal und Beluga unterliegen Fangquoten; Weißseiten- und Weißschnauzendelfine, Schweinswale, Grindwale und Orcas werden ganz ohne Quote gejagt. Eine Übersicht im Fachjournal Marine Policy zählte für 1993–2023 insgesamt 109.645 gemeldete getötete Kleinwale und kommt zu dem Schluss, dass die Jagd nur bei drei von 25 betrachteten Populationen den wissenschaftlichen Empfehlungen folgt. Für den stark dezimierten Narwal Ostgrönlands – von dem nur noch rund 11 Prozent des Bestands von 1955 übrig sind – empfiehlt der Wissenschaftsausschuss der Nordatlantischen Meeressäuger-Kommission (NAMMCO) seit Jahren eine Nullquote; Grönland setzt sie bislang nicht um.

Warum werden Delfine und Kleinwale getötet?

Delfine und Kleinwale enden nicht nur als Haiköder: Im Orinoko-Becken in Südamerika gelten sie neuerdings als vermeintliches Wundermittel, ihre Zähne sind begehrter Brautschmuck auf den Salomonen, ihr Öl dient zum Imprägnieren von Booten in Pakistan. In immer mehr afrikanischen Ländern ersetzt Delfinfleisch die schwindenden Erträge der lokalen Fischerei, die mit den Industrieflotten nicht konkurrieren kann. In der Arktis – Grönland, Alaska, Nord-Kanada und Russland – werden Delfine bis heute zur Selbstversorgung indigener Gruppen gejagt.

Erschreckend ist nicht nur das Ausmaß, sondern auch die Grausamkeit der Jagd: Delfine werden mit Harpunen beschossen, mit Booten und Netzen eingekreist und mit Speeren, Lanzen, Macheten, Gewehren, Messern, Haken oder Dynamit getötet.

Wie hängen Überfischung und Delfinjagd zusammen?

Während die Delfinjagd in Japan in 20 Jahren stark zurückgegangen ist, ist sie in vielen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens stark angestiegen. Ein zentraler Treiber ist die Überfischung: Delfinfleisch wird als alternative Proteinquelle konsumiert und zunehmend auch als Köder für die boomende Fischerei auf Hai, Thunfisch und Piracatinga (einen welsartigen Fisch im Amazonas) eingesetzt.

Amazonas-Flussdelfine werden häufig als Köder in der Wels-Fischerei verwendet © Veronica Iriarte
Amazonas-Flussdelfine werden häufig als Köder in der Wels-Fischerei verwendet © Veronica Iriarte

Das ist eine doppelte Tier- und Artenschutz-Tragödie: Die betroffenen Fischbestände sind ohnehin bereits überfischt – und um die begehrte Beute trotzdem an die Haken zu bekommen, werden Delfine zerschnitten und als Köder an Langleinen oder in Reusenfallen angebracht. Zugleich sehen viele Fischereien in Delfinen verhasste Nahrungskonkurrenten und gehen entsprechend brutal gegen sie vor.

Wie hat sich die Delfinjagd in Japan entwickelt?

Japan gilt vielen als Inbegriff der Delfinjagd – doch das Land ist längst nicht mehr der größte Delfinjäger, und die Fangzahlen sind über die Jahrzehnte drastisch eingebrochen: von mehr als 18.000 getöteten Tieren pro Jahr zu Beginn der 2000er auf zuletzt unter 2.000. Eine aktuelle Übersicht für den Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission (Dolman, Lemieux & Perry, 2026) zeigt: Zwischen 2000 und 2023 wurden in Japan knapp 186.000 Delfine und Kleinwale getötet – die überwältigende Mehrheit davon (mehr als 150.000) Dall-Hafenschweinswale.

Der Rückgang der Fänge ist allerdings kein Zeichen der Erholung, sondern der Erschöpfung: Bei mindestens acht der elf Arten sind die Fänge stark gesunken, die Fangquoten werden seit Jahren bei keiner einzigen Art mehr ausgeschöpft – nicht, weil weniger gejagt werden dürfte, sondern weil schlicht zu wenige Tiere übrig sind. So brach der Fang von Großen Tümmlern von einem Höchststand von 3.620 Tieren (1987) auf nur noch 13 Tiere (2023) ein.

Hinzu kommt: Die offiziellen Fangzahlen gelten als absolute Untergrenze, weil verletzt entkommene und später verendete Tiere („struck and lost") sowie in Treibjagden freigelassene, aber schwer gestresste Tiere nicht mitgezählt werden. Neben der Tötung für Fleisch werden in den berüchtigten Treibjagden von Taiji auch lebende Delfine für Delfinarien gefangen: Zwischen 2002 und 2025 wurden 1.199 Delfine aus Japan exportiert, 73 Prozent davon nach China. Der Wissenschaftsausschuss der IWC fordert, die Jagd auszusetzen und den Zustand der Populationen zunächst wissenschaftlich zu erfassen.

Ist Delfinfleisch gesundheitsgefährdend?

Ja. Delfine stehen am Ende einer langen Nahrungskette, in deren Verlauf sich Giftstoffe wie Quecksilber und polychlorierte Biphenyle (PCB) im Gewebe anreichern. Der Verzehr ihres Fleisches ist daher mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Auf Basis des Pro-Wildlife-Berichts „Toxic Menu" verabschiedete die IWC bereits 2012 eine Resolution, die Walfangländer auffordert, ihre Bevölkerung über diese Risiken aufzuklären.

Was tut Pro Wildlife gegen die Delfinjagd?

  • Pro Wildlife setzt sich für strengere internationale Gesetze ein: In den internationalen Debatten standen bislang Beifang und Meeresverschmutzung im Vordergrund. Unsere Recherchen zeigen erstmals die weltweite Dimension der gezielten Delfinjagd und dienen als Verhandlungsgrundlage, um in Konventionen strengere Schutzbestimmungen anzustoßen.
  • Zudem setzten wir auf Aufklärung über Gesundheitsrisiken, um die Nachfrage nach Delfinfleisch zu senken.
  • Seit 2025 fördert Pro Wildlife in Ghana ein Vor-Ort-Projekt gegen Delfinjagd: Ghana ist heute das Land mit der zweithöchsten Delfinjagd weltweit. Was im 20. Jahrhundert als gelegentlicher Beifang begann, hat sich zur gezielten Entnahme von Delfinen für Fleisch und Haiköder entwickelt (Aquatic Conservation, 2025). Ein Küsten-Monitoring – inzwischen in zwölf Gemeinden – erfasste allein zwischen April 2023 und März 2024 332 angelandete Delfine und Kleinwale; häufigste Art war der Clymene-Delfin mit rund 35 Prozent (Okyere et al., 2024).

    Die Ursachen sind auch sozioökonomisch: Wo die überfischte Küstenfischerei kaum noch Erträge bringt, werden Delfine zu Nahrung und zu verkaufbarem Köder für den Haifang. Fachleute warnen, dass strikte Verbote die Existenzgrundlage von über 70 Prozent der Fischer treffen würden, und plädieren für ein Ko-Management gemeinsam mit den Küstengemeinden (J. Cetacean Res. Manage, 2023). Genau hier setzt das von Pro Wildlife seit Juli 2025 geförderte Projekt des Meeresbiologen Dr. Isaac Okyere an: Es erfasst getötete Delfine, misst ihre Giftstoffbelastung und setzt auf Aufklärung statt allein auf Verbote. >> zum Ghana-Projekt

+++ Aktueller Anlass · September 2026: IWC-Tagung: Resolution gegen die Delfinjagd

Vom 28. September bis 2. Oktober 2026 tagt die Internationale Walfangkommission (IWC) im australischen Hobart. Pro Wildlife setzt sich dort für die Verabschiedung einer Resolution gegen die Delfinjagd ein. Sie fordert eine bessere Datenerfassung, striktere Schutzmaßnahmen und empfiehlt den Mitgliedsstaaten, nationale Gesetze wie Fangverbote zu etablieren. Denn anders als Großwale sind Delfine und Kleinwale bislang durch kein IWC-Moratorium geschützt.

Resolutionstext (PDF, IWC) +++

Was kann ich für Delfine tun?

  • Über das Ausmaß der Delfinjagd aufklären und mit dem Mythos aufräumen, dass nur Japan und die Färöer-Inseln Delfine jagen.
  • Keine Delfinarien besuchen – der Fang lebender Delfine und die tödliche Jagd hängen vielerorts zusammen. Und die Petition für ein Ende der Delfinarien in Deutschland unterschreiben.
  • Den Druck auf die Meere senken, indem Sie auf Meeresfisch verzichten – Überfischung ist der zentrale Treiber der Delfinjagd.
  • Die Arbeit von Pro Wildlife mit einer Spende oder Patenschaft unterstützen.

Jetzt Delfinen helfen!

Publikationen:

Häufige Fragen zur Delfinjagd

Nach dem Pro-Wildlife-Bericht „Small Cetaceans, even bigger problems" (2024) werden weltweit deutlich mehr als 100.000 Delfine und Kleinwale pro Jahr gezielt getötet – noch mehr als im Vorgängerbericht von 2018. Die Zahl steigt weiter, vor allem wegen der Überfischung.

An der Spitze stehen Peru (bis zu 15.000 Tiere pro Jahr), Ghana (annähernd 10.000) und Nigeria (fast 10.000). Es folgen unter anderem Venezuela, Grönland, Brasilien, Taiwan, Indonesien, Südkorea und Indien. Japan und die Färöer-Inseln zählen entgegen der landläufigen Annahme nicht zu den größten Delfinjägern.

Delfine enden vor allem als Köder für die Hai- und Thunfischfischerei, als Fleisch auf lokalen Märkten sowie regional für Schmuck, Öl oder rituelle Zwecke. Zentraler Treiber ist die Überfischung: Wo Fisch knapp wird, ersetzt ihn Delfinfleisch – und weil auch Haie überfischt sind, dienen zerlegte Delfine zunehmend als Köder.

Ja. In Delfinfleisch reichern sich Giftstoffe wie Quecksilber und PCB an, weil die Tiere am Ende einer langen Nahrungskette stehen. Der Verzehr ist daher gesundheitlich riskant; die IWC warnt seit 2012 mit einer eigenen Resolution davor.

Nur unzureichend. Anders als Großwale unterliegen Delfine und Kleinwale keinem weltweiten Fangverbot der Internationalen Walfangkommission; international gibt es nur einen lückenhaften Flickenteppich aus Schutzbestimmungen.

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