Inhaltsverzeichnis:
Norwegen ist das größte Walfangland der Welt: Seit Jahren tötet es mehr Wale als Japan und Island zusammen – und das weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. Der Staat stützt die Jagd auf den Zwergwal mit Subventionen und selbst gesetzten Quoten, während die Nachfrage im eigenen Land verschwindet.
Walfang in Norwegen auf einen Blick
- Gejagte Art: ausschließlich der Zwergwal
- Rechtlicher Weg am Moratorium vorbei: formaler Einspruch von 1986
- Quote 2026: 1.641 Zwergwale – selbst gesetzt, ohne IWC-Kontrolle
- Tatsächlicher Fang: zuletzt rund 400–430 Tiere pro Jahr
- Seit dem Moratorium 1986: über 17.500 getötete Zwergwale
- Absatz: kaum Inlandsnachfrage; Export fast ausschließlich nach Japan
Warum ist Norwegen das größte Walfangland der Welt?
Während sich Diplomatie und Medien auf Japan konzentrieren, hat sich Norwegen im Schatten zum Walfangland Nummer eins entwickelt: Seit Jahren tötet es mehr Wale als Japan und Island. Gejagt wird ausschließlich der Zwergwal, getötet mit Explosivharpunen. Seit dem kommerziellen Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) von 1986 haben norwegische Fischer über 17.500 Zwergwale getötet.
Rechtlich möglich ist das durch einen formalen Einspruch, den Norwegen 1986 einlegte – dadurch ist es nicht an das Verbot gebunden und setzt seine Fangquoten eigenmächtig, ohne IWC-Kontrolle. Auffällig ist die Lücke zwischen Quote und Fang: Für 2026 wurde die Quote auf 1.641 Tiere erhöht (offiziell vor allem eine administrative Übertragung ungenutzter Restquoten), tatsächlich getötet werden Jahr für Jahr „nur“ einige Hundert Wale.
| Jahr | Selbst gesetzte Quote | getötete Zwergwale |
| 2026 | 1.641 | 355 (Stand August, Saison läuft) |
| 2025 | 1.406 | 429 |
| 2024 | 1.157 | 415 |
| 2023 | 1.000 | 507 |
Die Saison läuft von April bis September. 2026 haben sich 14 Fangschiffe registriert – nach 10 im Vorjahr. Zugleich rüstet Norwegen auf: Mit der Midsund (45 Meter) kam ein weiteres, größeres Fabrikschiff hinzu; die Kato (35 Meter) allein fing 2023 rund 40 Prozent der Zwergwale.
Wie hält der Staat den Walfang am Leben?
Obwohl die Quoten seit Jahren nicht annähernd ausgeschöpft werden, stützt die Regierung in Oslo den kommerziellen Walfang ganz handfest:
- Gesetzliche Auflagen wie unabhängige Kontrollen an Bord oder gebietsspezifische Quoten wurden über die Jahre abgeschafft.
- Die beteiligten Schiffe sind von der Dieselsteuer befreit.
- Staatlich finanzierte Werbung sollte die Nachfrage nach Walfleisch steigern.
- Ebenfalls aus Staatsmitteln: das DNA-Register für erlegte Wale und Kühlhäuser für eingelagertes Walfleisch.
- Trotz des CITES-Handelsverbots für Großwale erteilt die Regierung regelmäßig Exportgenehmigungen, vor allem nach Japan – gestützt auf einen formalen Vorbehalt.
Ist der norwegische Walfang nachhaltig?
Daran bestehen erhebliche Zweifel. Der Fang trifft überproportional Weibchen, die sich im Sommer in den nördlichen Fanggebieten sammeln, wo der Großteil der Jagd stattfindet (VKM). In den Saisons 2021 bis 2025 waren je nach Jahr 68 bis 79 Prozent der getöteten Tiere weiblich – und über die Hälfte dieser Weibchen war trächtig. Das zeigt eine Auswertung der norwegischen Meldedaten durch die Organisation WDC.
| Jahr | getötete Weibchen | davon trächtig | Anteil trächtig |
| 2025 | 287 | 171 | 59,6 % |
| 2024 | 301 | 170 | 56,5 % |
| 2023 | 310 | 193 | 62,3 % |
| 2022 | 369 | 153 | 41,5 % |
| 2021 | 387 | 174 | 45,0 % |
| 2021–2025 | 1.654 | 861 | 52,1 % |
Norwegens Quotensystem unterscheidet dabei nicht zwischen trächtigen und nicht trächtigen Weibchen: Eine getötete trächtige Kuh zählt als ein einziges entnommenes Tier, obwohl zwei sterben. Weil so gezielt Weibchen und ihr Nachwuchs getroffen werden, wird die Population doppelt belastet. Die norwegischen Quoten sind zudem nicht von der IWC abgesegnet, sondern beruhen auf einem eigenen Rechenmodell.
Wohin geht das norwegische Walfleisch?
Die Nachfrage im Inland ist gering und weiter rückläufig: Der Anteil der Norweger, die regelmäßig Walfleisch essen, ist von 5 Prozent (2010) auf rund 1 Prozent (2024) gefallen, in der Altersgruppe unter 35 Jahren isst niemand der Befragten regelmäßig Walfleisch (WDC 2026). Die Walfänger sind deshalb zunehmend auf den japanischen Markt angewiesen (AWI). Seit den ersten nennenswerten Ausfuhren 2013 hat Norwegen insgesamt rund 2.000 Tonnen Walfleisch exportiert – 97 Prozent davon nach Japan. Als dokumentierter Ausreißer gilt das Jahr 2016, als Norwegen mit rund 195 Tonnen Zwergwal-Fleisch die größte Einzelausfuhr seit dem Moratorium genehmigte (EIA). Seit Japan seinen eigenen Walfang nach der Niederlage vor dem Internationalen Gerichtshof 2014 zunächst reduzierte, versucht Norwegen, diese Lücke zu füllen.

Was tut Pro Wildlife?
Pro Wildlife setzt sich innerhalb der EU und im Rahmen der Internationalen Walfangkommission für ein lückenloses kommerzielles Walfangverbot ein. Unser größter Erfolg (gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern) ist, dass das IWC-Moratorium bis heute noch in Kraft ist – trotz aller Versuche der Walfangländer, diese lästige Einschränkung zu beseitigen. Doch das reicht uns nicht:
Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Moratorium umgehen, müssen endlich geschlossen werden. Um dies zu erreichen, informiert Pro Wildlife regelmäßig die Walschutzländer über Entwicklungen im Walfang und liefert ständig neue Argumente für den internationalen Verhandlungstisch.
Unsere Überzeugungsarbeit führte schließlich dazu, dass die EU für die IWC-Tagung Ende September 2024 in Peru eine entsprechende Resolution einbrachte, die mit großer Mehrheit angenommen wurde. Damit wurde der kommerzielle Walfang in Island, Norwegen und Japan endlich – erstmals seit 23 Jahren – formal verurteilt.
Wie kann ich helfen?
Pro Wildlife ist Teil der internationalen End Commercial Whaling Coalition und setzt sich weltweit dafür ein, dass die grausame und überholte Tötung von Walen endlich ein Ende hat. Unterstützen Sie jetzt die Petition und helfen Sie mit, den Druck auf die Walfangländer zu erhöhen. Ihre Unterschriften bringen wir bei der IWC-Konferenz im September vor.

Wale schützen
– jetzt helfen!
Weiterführende Berichte
- WDC-Report zu Norwegens Walfang (2026, PDF)
- Briefing zum 69. Treffen der IWC (2024, PDF)
- Bericht „Frozen in Time" (2016, PDF) – wie Norwegen zum Walfangland Nummer eins wurde
- Bericht „Toxic Menu" (2012, PDF) – Giftstoffe in Wal- und Delfinfleisch
- Bericht „Breaking Ranks" (2012, PDF) – Wal- und Delfinjagd in Grönland und auf den Färöern
Häufige Fragen zum Walfang in Norwegen
Norwegen legte 1986 einen formalen Einspruch gegen das Walfang-Moratorium ein und ist dadurch rechtlich nicht daran gebunden. Es setzt seine Fangquoten eigenmächtig, ohne Kontrolle durch die IWC.
Ausschließlich den Zwergwal, die kleinste der Bartenwalarten.
Die selbst gesetzte Quote für 2026 liegt bei 1.641 Tieren. Tatsächlich getötet werden seit Jahren deutlich weniger – zuletzt einige Hundert pro Jahr (2023: 507, 2024: 415, 2025: 429).

