Hvalfjörður / München, 23. Juni 2026. – Nur drei Tage nach dem Auslaufen der isländischen Walfangflotte sind die ersten Finnwale dieser Saison tot: Das Fangschiff „Hvalur 9“ hat zwei Tiere harpuniert und in die Walfangstation in Hvalfjörður gebracht, wo die Finnwale anschließend unter freiem Himmel zerlegt werden.
„Die ersten Finnwale wurden mit Explosivharpunen getötet – und das nur wenige Monate bevor Island über ein Walfangverbot entscheidet. Die Regierung in Reykjavík muss endlich handeln und dem Walfang ein Ende setzen. Jeder weitere Wal ist einer zu viel“, kritisiert Dr. Mona Schweizer, Meeresschutzexpertin bei der Artenschutzorganisation Pro Wildlife scharf.
Aktuelles Fotomaterial direkt vom Geschehen vor Ort
„Wir sprechen hier von der Jagd auf eine gefährdete Art, bei der häufig schwangere Weibchen getötet werden. Der Todeskampf dieser Tiere dauert oft mehrere Minuten, manchmal Stunden”, sagt Arne Feuerhahn vom Hard To Port e.V. Die Organisation begleitet die Aktivitäten der Walfänger seit über zehn Jahren und dokumentiert regelmäßig das Leid der Tiere. Aktuelles Bildmaterial von vor Ort steht Redaktionen exklusiv zur Verfügung.
Jagd auf eine bedrohte Art in politisch heikler Phase
Die Regierung in Island hat trotz massiver internationaler Kritik dem letzten Finnwalfänger Islands, Millionär Kristján Loftsson, eine Fangquote von 150 Tieren für 2026 genehmigt. Die Jagd fällt in eine politisch heikle Phase: Die Regierung hat für Herbst 2026 einen Gesetzentwurf für ein Walfangverbot angekündigt, im August stimmt Island über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ab. Ein EU-Beitritt Islands bei gleichzeitiger Fortsetzung des Walfangs ist politisch kaum denkbar. Doch noch geht die Jagd ungehindert weiter.
„Der kommerzielle Walfang ist ethisch nicht zu rechtfertigen, ökologisch schädlich und wirtschaftlich bedeutungslos“, so Feuerhahn. Mehr als die Hälfte der Isländerinnen und Isländer unterstütze inzwischen ein Ende der Jagd. „Ich hoffe, dass die Ministerin an ihrem politischen Kurs festhält und den Mut aufbringt, ihre angekündigten Schritte tatsächlich umzusetzen. Das Kapitel des kommerziellen Walfangs in Island zu beenden, ist längst überfällig.”
Walfangverbot in Sicht
Bis zur nächsten Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) im September 2026 sammelt die End Commercial Whaling Coalition weltweit Unterschriften für ein dauerhaftes Ende des kommerziellen Walfangs: „Zivilgesellschaftlicher Druck ist jetzt wichtiger denn je, um diese grausame und veraltete Jagd auf die Meeresriesen zu stoppen“, so die Koalition eindringlich.
Hintergrundinformationen:
- Bildmaterial honorarfrei für Redaktionen verfügbar (Download-Link). Credit: © Arne Feuerhahn / Hard To Port.
- Pressemitteilung (19.06.2026): Island nimmt Finnwal-Jagd wieder auf
- Walfang in Island
- Mehr Informationen zur globalen Petition für ein Ende des kommerziellen Walfangs


