Überfischung

Überfischung

Leere Meere – die Folgen der Überfischung:

Überfischung bezeichnet die Entnahme von Fischen und Meerestieren in einem Tempo, das die natürliche Erholung der Fischbestände übersteigt. Sie ist eine der zentralen Ursachen dafür, dass marine Ökosysteme weltweit aus dem Gleichgewicht geraten – befeuert durch Milliardensubventionen, immer effizientere Fangflotten und gewaltige Mengen an Beifang. Pro Wildlife bekämpft die Überfischung auf politischer Ebene – von der EU bis zur Welthandelsorganisation – und setzt sich für mehr Meeresschutzgebiete und ein Ende schädlicher Subventionen ein.

Auf einen Blick

  • Rund 37,6 % der weltweit bewerteten Meeresfischbestände sind überfischt; nur noch 62,4 % gelten als biologisch nachhaltig befischt – gegenüber 64,5 % zwei Jahre zuvor (FAO SOFIA 2026, Daten 2023).
  • Direkte Übernutzung wie die Überfischung ist laut Weltbiodiversitätsrat (IPBES) nach der Lebensraumzerstörung der zweitwichtigste Treiber des globalen Artensterbens.
  • Die Fischerei wird weltweit mit schätzungsweise 35,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr subventioniert. Fast zwei Drittel davon – rund 22,2 Milliarden US-Dollar – fördern Maßnahmen, die die Fangkapazitäten weiter erhöhen und so die Überfischung befeuern (Marine Policy).
  • 2025 traten zwei Meilensteine in Kraft: das WTO-Abkommen gegen schädliche Fischereisubventionen und – bei der CITES-Konferenz – der erste weltweite Handelsschutz der höchsten Stufe (Anhang I) für einen Hai.

der bewerteten Meeresfischbestände sind überfischt

(FAO)

schädliche Fischerei­subventionen pro Jahr

(Marine Policy)

Fisch werden jährlich als Beifang über Bord geworfen

(Scientific Reports)

Fischereifahrzeuge weltweit, 72 % davon in Asien

(FAO)

Was bedeutet Überfischung – und wie dramatisch ist die?

Auch wenn die Weltmeere und ihre Ressourcen unendlich erscheinen: Der seit Jahrzehnten andauernde Raubbau zeigt dramatische Folgen. 2024 wurden weltweit rund 235 Millionen Tonnen Fisch, Meeresfrüchte und Algen erzeugt, davon 195 Millionen Tonnen Meerestiere – ein Rekord. Erstmals stammt mehr als die Hälfte davon aus Aquakultur; aus dem Wildfang kommen weiterhin rund 92 Millionen Tonnen. Der Preis: Nur noch 62,4 Prozent der von der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) bewerteten Meeresfischbestände gelten als biologisch nachhaltig befischt, gut ein Drittel ist überfischt.

Besonders dramatisch ist die Lage laut FAO im Mittelmeer, im Schwarzen Meer und im gesamten Atlantik. Wissenschaftlich empfohlene Fangquoten werden vielerorts ignoriert, die Fangmethoden werden immer effizienter, und die riesigen Fangflotten – weltweit rund 4,7 Millionen Fahrzeuge – werden dank hoher Subventionen weiter ausgebaut. Selbst ökologisch besonders empfindliche Tiefseegebiete werden nicht verschont. Wo sie geschützt sind – etwa seit 2022 für 87 Gebiete in der EU –, drängt die Fischerei auf ein Lockern der Regeln; Meeresschutzorganisationen halten dagegen (Offener Brief, 2025).

Was heißt „Fishing down the food web“?

„Fishing down the food web“ ist ein deutliches Zeichen dramatischer Überfischung. So nennt man das Phänomen, wenn die Industriefischerei die Populationen großer, wirtschaftlich besonders rentabler Arten wie den Roten Thun an den Rand der Ausrottung gebracht hat und dann auf die nächstniedrige Stufe im Nahrungsnetz ausweicht.

Selbst die kleinsten Lebewesen der marinen Ökosysteme werden nicht verschont: Der Fang von antarktischem Krill erreichte 2024 mit rund 498.000 Tonnen einen historischen Höchststand (CCAMLR) – gegenüber gut 100.000 Tonnen im Jahr 2007. Krill – kleine Krebstierchen, die Teil des Planktons und Grundlage aller marinen Nahrungsketten sind – wird zu Tierfutter, Öl und Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet. Größter Fänger ist Norwegen, doch China baut seine Flotte mit neuen Fabrik-Trawlern rasant aus. Zugleich schwächt sich der Schutz ab: Weil sich die CCAMLR-Staaten – Medienberichten zufolge auf Betreiben Chinas – nicht auf eine Verlängerung der räumlichen Schutzregeln einigen konnten, gilt seit der Saison 2025 die Fanggrenze von 620.000 Tonnen ohne räumliche Verteilung. Der Fang konzentriert sich dadurch auf die Gewässer der Antarktischen Halbinsel – die zentralen Nahrungsgründe von Pinguinen und Walen.

Ist Aquakultur die Lösung?

Die Aquakultur – die Zucht von Wassertieren und -pflanzen – ist der am schnellsten wachsende Zweig der Lebensmittelproduktion und lieferte 2024 bereits rund 53 Prozent aller erzeugten Meerestiere (etwa 103 Millionen Tonnen) – mehr als der Wildfang (FAO SOFIA 2026). Ein Ausweg aus der Überfischung ist sie dennoch nicht: Viele Zuchtfische wie Lachs sind Raubfische, deren Futter – Fischmehl und Fischöl – aus wild gefangenem Fisch und sogar aus antarktischem Krill gewonnen wird. So befeuert die Aquakultur die Überfischung zusätzlich, statt sie zu entlasten (für 250 g Lachs wird mehr als 1,5 kg Futterfisch benötigt, siehe Dokumentation „Fischmehl“ von Planet e).

Netzgehege in der Aquakultur
Netzgehege in der Aquakultur © adokon

Hinzu kommen ökologische Folgen wie überdüngte Küstengewässer, der Einsatz von Antibiotika, gerodete Mangrovenwälder und ausgebrochene Zuchttiere – allein aus norwegischen Lachsfarmen entkommen Schätzungen zufolge rund 200.000 Tiere pro Jahr. Warum die Aquakultur zur Massentierhaltung unter Wasser geworden ist, lesen Sie im Hintergrund.

Wie fördern schädliche Subventionen die Überfischung?

Die Fischerei wird weltweit mit schätzungsweise 35,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr subventioniert. Fast zwei Drittel davon – rund 22,2 Milliarden US-Dollar – fördern Maßnahmen, die die Fangkapazitäten weiter erhöhen und so die Überfischung befeuern (Marine Policy). Lokale Küstenfischereien, vor allem in ärmeren Ländern, können mit dieser hochgerüsteten Konkurrenz nicht mithalten und gehen leer aus. Gefördert werden zum Beispiel:

  • immer größere, immer effizientere Netze
  • Echolot- und Radargeräte zum Aufspüren von Fischschwärmen
  • Treibstoff, damit sich auch lange Fahrten in weit entfernte Fanggebiete lohnen
  • unrentable Fischereien, die künstlich am Leben gehalten werden und so weiter zum Raubbau beitragen

Pro Wildlife setzt sich für weniger Subventionen und deutlich mehr Meeresschutzgebiete ein und ist seit 2020 Teil des internationalen Bündnisses #StopFundingOverfishing. Mit Erfolg: Im Juni 2022 beschloss die Welthandelsorganisation WTO nach jahrelangen Verhandlungen einen Stopp von Subventionen für Flotten mit illegaler Fischerei, für die Befischung bereits überfischter Bestände und für die Fischerei auf Hoher See. Am 15. September 2025 trat dieses Abkommen in Kraft, nachdem zwei Drittel der WTO-Mitglieder es ratifiziert hatten. Ein wichtiger Erfolg – doch Pro Wildlife arbeitet weiter an einem vollständigen Stopp aller schädlichen Subventionen.

Wie viel Beifang entsteht in der Fischerei?

Beifang – der Fang von Tieren, die gar nicht gefangen werden sollten – ist eine der ökologisch verheerendsten Folgen der industriellen Fischerei. Nach Schätzungen der FAO werden jährlich rund 9,1 Millionen Tonnen Fisch als Rückwurf wieder über Bord geworfen – etwa 10,8 Prozent des weltweiten Fangs (Daten 2010–2014) und bis heute die aktuellste globale FAO-Schätzung; immerhin nur noch etwa halb so viel wie Ende der 1980er-Jahre. Rechnet man ungenutzte und unregulierte Fänge hinzu, lag der Beifanganteil in einer älteren Analyse sogar bei rund 40 Prozent des globalen Meeresfangs.

Besonders zerstörerisch sind Grundschleppnetze und andere Fangmethoden mit hohen Kollateralschäden. In ihnen sterben nicht nur Jungfische, sondern auch Delfine, Meeresschildkröten, Seevögel und Haie; zurückgelassene „Geisternetze“ werden noch Jahre später zu tödlichen Fallen. Allein bis zu 300.000 Wale und Delfine verenden jedes Jahr als Beifang. Wie eng Überfischung und Beifang zusammenhängen, zeigt der Thunfischfang, bei dem Delfine ins Netz geraten.

Wie trifft die Überfischung die Haie – und was schützt sie?

Haie gehören zu den größten Verlierern der Überfischung: Rund ein Drittel aller Hai- und Rochenarten ist vom Aussterben bedroht, vor allem wegen des Handels mit ihren Flossen und ihrem Fleisch. Das internationale Artenschutzübereinkommen CITES hat den Handel in zwei großen Schritten deutlich strenger reguliert – zuletzt 2025 mit einer historischen Premiere.

KonferenzBeschlussBetroffene ArtenBedeutung
CITES CoP19
Panama, 2022
Aufnahme in Anhang II (Handel nur mit Nachhaltigkeitsnachweis)rund 60 Haiarten – 54 Requiemhaie (darunter der Blauhai) und 6 Hammerhaiarten – sowie zahlreiche RochenartenSeither sind über 90 % des weltweiten Haiflossenhandels reguliert (zuvor rund 25 %).
CITES CoP20
Samarkand, 2025
Erstes Anhang-I-Listing für einen Hai überhaupt (weltweites Handelsverbot); weitere Arten auf Anhang I bzw. IIWeißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus) auf Anhang I; Walhai sowie Manta- und Teufelsrochen auf Anhang I; Schlinger- und Hundshaie auf Anhang II; Nullquote für Wildfänge von 18 Geigenrochen-ArtenInsgesamt über 70 Hai- und Rochenarten neu oder stärker geschützt – der umfassendste Hai-Schutz der CITES-Geschichte.
Meilensteine im internationalen Hai-Schutz bei CITES.

Wie viel Fisch essen wir – und wie gesund ist er?

In Deutschland wird jährlich rund eine Million Tonnen Fisch und Meeresfrüchte verzehrt – über 80 Prozent davon importiert. Würde das Land nur den selbst gefangenen und gezüchteten Fisch essen, wären die Vorräte schon nach wenigen Monaten aufgebraucht: Der symbolische „End of Fish Day“ fiel 2026 auf den 18. März. Dass er später liegt als in den Vorjahren, geht auf einen leicht gesunkenen Konsum zurück – von Entwarnung kann aber keine Rede sein, seit die Dorsch- und Heringsbestände in der Ostsee zusammengebrochen sind. Weltweit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Meerestieren bei rund 21 Kilogramm pro Jahr (FAO 2026). So trägt auch der deutsche Fischhunger dazu bei, dass Bestände in anderen Weltregionen überfischt werden. Details dazu, woher unser Fisch stammt, im Hintergrund Fischkonsum in Deutschland und weltweit.

Auch für die eigene Gesundheit ist Fisch weniger unbedenklich als oft angenommen: In vielen Meerestieren reichern sich Schadstoffe wie Quecksilber, PCB und Mikroplastik an. Warum Meeresfrüchte weder nachhaltig noch gesund sind und wie gesund Fisch und Muscheln wirklich sind, beleuchten wir in eigenen Hintergründen. Kompakt zusammengefasst finden Sie außerdem 10 Argumente gegen den Fischkonsum.

Was tut Pro Wildlife gegen die Überfischung?

Pro Wildlife arbeitet politisch für eine grundlegende Reform der Fischerei und appelliert an Entscheidungstragende – von der Europäischen Union bis zur WTO. Als Teil des Bündnisses #StopFundingOverfishing kämpft die Organisation seit 2020 gegen schädliche Subventionen.

Auf den Sitzungen der Fischereikonvention ICCAT verhandelt Pro Wildlife zudem direkt über Fangregeln: 2025 setzten wir eine Halbierung der Makohai-Fangmenge im Südatlantik (von 1.295 auf 634 Tonnen) sowie ein Fang- und Anlandeverbot für Weiße Haie und Riesenhaie durch. Wie hart um den Schutz dieser Art gerungen wird, zeigt unser Einsatz für Makohaie.

Auch beim Ausbau der Meeresschutzgebiete und beim UN-Hochseeschutzabkommen mischt Pro Wildlife in Anhörungen und Bündnissen mit.

Was fordert Pro Wildlife?

  • Reform der Fischereipolitik
    Die Fischerei muss ökosystembasiert ausgerichtet werden. Vorsorgeprinzip und wissenschaftliche Empfehlungen dürfen nicht länger ignoriert, Beifang und Fang-Überkapazitäten müssen drastisch reduziert werden.
  • Ausbau der Meeresschutzgebiete auf 30 % der Ozeane
    – Ende 2022 beschlossen, jetzt zügig umsetzen, samt „Nullnutzungszonen“ ohne Fischerei und Rohstoffabbau in einem Drittel der Gebiete.
  • Vollständiger Stopp schädlicher Fischereisubventionen
    Jegliche Förderung, die die Kapazitäten industrieller Fangflotten steigert, ist endgültig zu beenden.

Was kann ich tun, um die Überfischung zu stoppen?

  • Auf Meeresfisch und Meeresfrüchte verzichten – das entlastet die überfischten Ozeane am wirksamsten.
  • Siegel kritisch sehen: Das MSC-Siegel garantiert keine Nachhaltigkeit. Wenn überhaupt Fisch, dann Arten weit unten in der Nahrungskette und aus der Region.
  • Die Petition gegen die Grundschleppnetz-Fischerei unterschreiben.
  • Mit einer Spende für den Meeresschutz die Arbeit von Pro Wildlife unterstützen und Meerestieren weltweit helfen.

Unsere größten Erfolge im Kampf gegen die Überfischung

2026

Im Januar tritt das UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ) in Kraft. Erstmals sind verbindliche Regeln für die Fischerei auf Hoher See, Meeresschutzgebiete und Umweltprüfungen außerhalb nationaler Gewässer möglich.

2025

Zwei Durchbrüche: Am 15. September tritt das WTO-Abkommen gegen schädliche Fischereisubventionen in Kraft. Und bei der CITES-Konferenz CoP20 wird der Weißspitzen-Hochseehai als erster Hai überhaupt auf Anhang I gesetzt (weltweites Handelsverbot); Walhai sowie Manta- und Teufelsrochen folgen ebenfalls auf Anhang I – insgesamt über 70 Hai- und Rochenarten erhalten neuen oder strengeren Schutz. Bei der ICCAT erreicht Pro Wildlife eine Halbierung der Makohai-Fangmenge im Südatlantik sowie ein Fang- und Anlandeverbot für Weiße Haie und Riesenhaie.

2023

Die EU-Kommission legt ihren Aktionsplan für Meere und Fischerei vor: Ausbau der Meeresschutzgebiete auf 30 % bis 2030 (10 % streng geschützt) und ein Verbot der Grundschleppnetz-Fischerei in Schutzgebieten ab 2030.

2022

Die WTO beschließt erstmals einen Stopp von Subventionen für illegale Fischerei, den Fang überfischter Bestände und die Fischerei auf Hoher See. Bei der CITES-Konferenz CoP19 werden 54 Requiemhaie (darunter der Blauhai) und sechs Hammerhaiarten auf Anhang II gesetzt – rund 60 Arten, wodurch erstmals über 90 % des Haiflossenhandels reguliert sind. Für den Makohai erreicht Pro Wildlife bei der ICCAT Fangbeschränkungen im Südatlantik.

2021

Erstmals beschließt das Fischereiabkommen ICCAT einen einstweiligen Fangstopp für den Makohai im Nordatlantik.

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