Trophäenjagd auf bedrohte Arten

Großwildjagd: Reisen um zu töten

Trophäenjagd auf bedrohte Arten

Auf einen Blick

  • Eine Jagd im Ausland: Die Ziele reichen von Schraubenziegen in Zentralasien über Eisbären in der kanadischen Arktis bis zu Braunbären auf dem Balkan – die Trophäenjagd aus Deutschland konzentriert sich aber vor allem auf das südliche und östliche Afrika.
  • Die Einfuhr von Jagdtrophäen bedrohter und international geschützter Arten nach Deutschland ist weiterhin legal. Es bedarf lediglich einer behördlichen Genehmigung.
  • In den letzten drei Jahren (2023–2025) wurde kein einziger Einfuhrantrag abgelehnt.
  • 2025 registrierte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) 679 Einfuhrvorgänge; über die zehn Jahre 2016–2025 summieren sich die Importe auf 6.422 Einfuhrvorgänge.
  • Pro Wildlife fordert ein Importverbot für Trophäen bedrohter und international geschützter Arten sowie von Zuchtlöwen und ein Verbot der Vermarktung von Jagdreisen auf Messen und im Internet.

Jagdskandale wie der Abschuss von Elefantenbullen mit besonders großen Stoßzähnen (sogenannte Big Tusker) in Tansania und Botsuana, die Tötung eines der größten Braunbären Europas oder die Jagd auf den Löwen Cecil in Simbabwe empören regelmäßig die Öffentlichkeit. Sie sind keine Einzelfälle: Quer durch die Rote Liste gefährdeter Arten dürfen Jagdgäste gegen Bezahlung Wildtiere erlegen – und ihre Trophäen anschließend legal nach Deutschland und in die EU einführen.

Einfuhrvorgänge für Jagdtrophäen nach Deutschland (2025)

Deutschland ist größter Importeur von Jagdtrophäen geschützter Arten in der EU

abgelehnte Einfuhranträge in drei Jahren (2023–2025)

der nach Deutschland eingeführten Löwentrophäen aus Südafrika stammen aus Gatterjagd (2025)

Quelle: Drucksache 21/6114

Was ist Trophäenjagd?

Trophäenjagd bezeichnet das Töten von Wildtieren zu dem Zweck, Körperteile wie Geweih, Hörner, Stoßzähne, Fell oder den ganzen Kopf als „Trophäe“ zu behalten. Anders als bei der Subsistenzjagd (zum Nahrungserwerb) steht das Statussymbol im Vordergrund. Je seltener die Art und je größer Hörner, Mähne oder Stoßzähne, desto höher der Preis für den Abschuss – und desto höher der Prestigegewinn. Jagdverbände wie der Safari Club International (SCI) führen dafür eigene Rekordbücher.

Die kommerzielle Trophäenjagd ist ein Relikt aus der Kolonialzeit. Ihr wirtschaftliches Rückgrat sind heute spezialisierte Jagdreiseveranstalter, Jagdfarmen und lokale Eliten. Zentraler Marktplatz der Branche in Europa ist die jährlich in Dortmund stattfindende Jagdmesse „Jagd & Hund“, auf der Abschüsse wie auf einer Menükarte gebucht werden können.

Bärentrophäe Jagdmesse Dortmund 2024
Bärentrophäe auf Jagdmesse in Dortmund

Wie viele Jagdtrophäen importiert Deutschland – und welche Arten?

Deutschland ist EU-weit mit Abstand der größte Importeur von Trophäen geschützter Arten. Die aktuellen Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 21/6114, Mai 2026): 2025 registrierte das BfN 679 Einfuhrvorgänge für Jagdtrophäen international geschützter Arten. Ein Einfuhrvorgang ist dabei eine einzelne behördlich genehmigte Einfuhr einer oder mehrerer Trophäen einer Art in einem Vorgang – die Einheit, in der Deutschland Trophäenimporte statistisch erfasst. Er entspricht nicht zwangsläufig genau einem Tier, aber mindestens einem Tier. Über den Zeitraum 2016–2025 summieren sich die Importe auf 6.422 Einfuhrvorgänge. Die Bundesregierung selbst bezeichnet das Niveau als „anhaltend hoch“.

Wichtig zur Einordnung: Diese Zahlen erfassen ausschließlich international geschützte Arten (gelistet unter CITES bzw. in der EU-Artenschutzverordnung).

ArtEinfuhrvorgänge 2025
Hartmann-Bergzebra (Equus zebra hartmannae)209
Giraffe (Giraffa camelopardalis)60
Löwe (Panthera leo)28
Amerikanischer Schwarzbär (Ursus americanus)21
Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana)20
Leopard (Panthera pardus)13
Südliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum)6
Eisbär (Ursus maritimus)1
Einfuhrvorgänge für Jagdtrophäen nach Deutschland 2025, ausgewählte Arten. Quelle: Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/6114

Über die zehn Jahre 2016–2025 betrafen die Einfuhren unter anderem mehr als 1.300 Affen, 267 Giraffen, 264 Schwarzbären, 222 Elefanten, 209 Leoparden, 197 Flusspferde, 192 Löwen, 171 Braunbären, 105 Wölfe, 68 Geparde, 32 Nashörner und 8 Eisbären.

Trophäenjagd auf Eisbären: Eisbärenfelle © Paul Shoul
Eisbärenfelle © Paul Shoul

Prüft Deutschland die Trophäenimporte überhaupt ernsthaft?

Formal gelten klare Regeln: Bei streng geschützten Arten muss die Jagd „nachhaltig“ und legal sein, teils sogar einen Beitrag zum Artenschutz leisten. In der Praxis jedoch wurde laut Bundesregierung in den Jahren 2023 bis 2025 kein einziger Einfuhrantrag abgelehnt – alle beantragten Genehmigungen wurden erteilt. Die Regierung erklärt dies damit, dass Interessierte vorab unverbindlich die Erfolgsaussichten prüfen ließen und aussichtslose Anträge gar nicht erst stellten.

Zugleich offenbart die Anfrage erhebliche Wissenslücken. Der Bundesregierung ist nach eigenen Angaben nicht bekannt, dass die US-amerikanische Jagdlobby-Organisation Conservation Force in Botsuana an Populationsmanagement-Plänen für Elefanten und Leoparden sowie an Unbedenklichkeitsgutachten (Non-detriment Findings) mitwirkt – obwohl genau diese Dokumente die Grundlage für Trophäenexporte und damit für die deutschen Einfuhrgenehmigungen bilden. Ein eklatanter Interessenskonflikt. Ebenso liegen ihr keine Erkenntnisse dazu vor, wie sich die Einnahmen aus der Jagd zwischen Farmbesitzenden, Vermittelnden und lokalen Gemeinschaften verteilen, oder wie die Bevölkerung in den Herkunftsländern die Trophäenjagd bewertet.

„Wer nicht weiß, ob die Jagdquoten wissenschaftlich belastbar sind und wer am Ende tatsächlich profitiert, darf solche Importe schlicht nicht genehmigen.“

Dr. Mona Schweizer, Pro Wildlife

Besonders im Blindflug bewegt sich Deutschland bei nach EU-Recht geschützten Arten innerhalb Europas: Zur kommerziellen Vermarktung von Braunbär-Trophäenjagden etwa in Rumänien und Kroatien liegen der Bundesregierung ebenfalls keine Erkenntnisse vor. Wegen der offenen Binnengrenzen werden solche Transporte gar nicht erst erfasst.

Was die Jagdlobby verspricht – und was davon stimmt

Trophäenjagd deutscher Jäger*innen findet fast ausschließlich im Ausland statt, vor allem im südlichen und östlichen Afrika. Um sie zu rechtfertigen, führt die Jagdlobby vor allem drei Versprechen an – keines davon hält einer wissenschaftlichen Prüfung stand:

Argument der JagdlobbyWas die Fakten zeigen
„Trophäenjagd dient dem Artenschutz.“Gejagt werden gezielt die stärksten, ältesten und für die Fortpflanzung wichtigsten Tiere. Afrikaweit ist die Zahl wilder Löwen in 50 Jahren um rund 75 % zurückgegangen (Loveridge et al. 2022).
„Sie ist nachhaltige Nutzung.“Abschussquoten folgen häufig finanziellen statt wissenschaftlichen Interessen – für Botsuana etwa 800 Elefanten-Stoßzähne pro Jahr. Der Fototourismus erwirtschaftet ein Vielfaches: Kenia verdient mit ihm bei verbotener Jagd rund 1 Mrd. US-Dollar jährlich.
„Sie bringt Geld für die lokale Bevölkerung.“Bei den Gemeinden kommt oft nur ein Bruchteil an – in Simbabwes CAMPFIRE-Programm laut IUCN teils nur rund 3 %. Und vor Ort fehlt der Rückhalt: Am Kruger-Nationalpark sprachen sich 94 % gegen das Töten von Wildtieren für Profit aus (Moorhouse et al. 2025).
Trophäenjagd in Namibia: Wer profitiert wirklich?
Trophäenjagd in Namibia: Wer profitiert wirklich? Quelle: MacLaren, C., et al (2022). “Discussion Paper: The value of hunting for conservation in the context of the biodiversity economy.”

Die Jagdlobby führt noch weitere Argumente an – von „Trophäenjagd schützt vor Wilderei“ bis „Importverbote sind neokolonial“. Alle 14 gängigen Mythen widerlegen wir ausführlich und mit Quellen im Faktenpapier: Fakten zur Trophäenjagd

Welche Länder verbieten die Einfuhr von Trophäen?

Immer mehr Staaten schränken Trophäenimporte ein oder verbieten sie ganz:

LandSeitRegelung
Frankreich2026Verbot für CITES-Anhang-A- und der in der EU importgenehmigungspflichtigen Anhang B-Arten
Belgien2024Verbot für CITES-Anhang-A- und der in der EU importgenehmigungspflichtigen Anhang B-Arten
Finnland2023Verbot für CITES-Anhang-A- und der in der EU importgenehmigungspflichtigen Anhang B-Arten
Niederlande2016Verbot für CITES-Anhang-A- und der in der EU importgenehmigungspflichtigen Anhang B-Arten
Australien2015Importverbot für Löwen, Afrikanische Elefanten und Nashörner
Großbritannienin BeratungUnterhaus stimmte 2023 für ein Verbot, im Oberhaus blockiert
Ausgewählte Importverbote und -beschränkungen

Deutschland plant dagegen laut Bundesregierung mit Verweis auf eine einheitliche Regelung auf EU-Ebene kein nationales Einfuhrverbot und entzieht sich damit ihrer Verantwortung. Andere EU-Staaten zeigen, dass sehr wohl auf nationaler Ebene gehandelt werden kann. Auf EU-Ebene wird immerhin diskutiert, die bisherige Ausnahme von der Importgenehmigungspflicht für viele Anhang-B-Arten (etwa Zebras, Giraffen, Krokodile) aufzuheben. Meinungsumfragen zufolge lehnen rund 85% der Befragten in Deutschland die Einfuhr von Jagdtrophäen ab (Tierschutz-Barometer 2026).

Gatterjagd: gezüchtet für den Abschuss

Ein besonders drastisches Kapitel betrifft Deutschland direkt: 2025 stammten 96,2 % der aus Südafrika nach Deutschland eingeführten Löwentrophäen aus der Gatterjagd (englisch „canned hunting“) – dem Abschuss eigens gezüchteter, an Menschen gewöhnter Löwen in umzäunten Arealen ohne Fluchtmöglichkeit. In Südafrika leben inzwischen mehr Löwen in solchen Zuchtsystemen als in freier Wildbahn. Selbst Jagdverbände wie der Deutsche Jagdverband und der internationale CIC lehnen die Gatterjagd als unvereinbar mit dem „fair chase“-Prinzip ab.

Wie die Zucht-, Tourismus- und Knochenindustrie dahinter funktioniert, zeigt unsere Hintergrundseite Löwen: ausgebeutet für Trophäen und Tourismus; die Zahlen und Belege im Detail liefert der Pro-Wildlife-Bericht „Gezüchtet für den Abschuss“ (2026).

Was fordert Pro Wildlife – und was können Sie tun?

Die Trophäenjagd auf Elefanten, Löwen oder Giraffen selbst findet im Ausland statt – doch Deutschland und die EU haben zwei wirksame Hebel in der Hand: die Einfuhr der Trophäen und die Vermarktung der Jagdreisen, die die Nachfrage erst befeuert.

Pro Wildlife setzt sich in Deutschland und EU-weit dafür ein, die Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten zu verbieten, den Import von Trophäen gezüchteter Löwen zu stoppen und die Vermarktung von Trophäen-Jagdreisen auf Messen und im Internet zu untersagen.

Auf internationalen Konferenzen setzt sich Pro Wildlife für einen strengen Schutz bedrohter Arten und für Handelsverbote ein und dokumentiert die Missstände der Trophäenjagd.

Stoppen Sie die Trophäenimporte

Unterzeichnen Sie unsere Petition gegen den Import von Jagdtrophäen nach Deutschland. Jetzt Petition unterzeichnen

Publikationen und weitere Informationen

Häufige Fragen zur Trophäenjagd

Ja, es kommen dabei tierschutzwidrige Methoden zum Einsatz, die in Deutschland verboten sind, wie z.B. der Abschuss von gezüchteten Tieren in eingezäunten Arealen ohne Fluchtmöglichkeit, die Jagd mit Pfeil und Bogen oder Faustfeuerwaffen, das Hetzen mit Hunden, das Anködern von Raubtieren mit Beutetieren und das gezielte Herauslocken von Trophäentieren aus Schutzgebieten.

In Deutschland ist Trophäenjagd nicht erlaubt. Das Deutsche Tierschutzgesetz verbietet das Töten eines Tieres “ohne vernünftigen Grund”. Allerdings ist das Angebot und die Vermarktung von Trophäenjagdreisen im Ausland ist erlaubt.

Es gibt keine einheitliche Regelung zu Trophäenjagd in der EU, d.h. ob Trophäenjagd erlaubt ist, ist abhängig von der jeweiligen Gesetzgebung des EU-Mitgliedslandes.

Beliebt sind aber besonders Trophäenjagden außerhalb Europas, z.B. im südlichen Afrika.

Ja, denn im Fokus der Trophäenjagd stehen häufig auch seltene, bedrohte Arten, wie Elefanten, Löwen und Nashörner und von diesen die prächtigsten Exemplare mit den imposantesten Hörnern, Stoßzähnen, Mähnen, Geweihen oder Fellen. Diese Tiere sind häufig nicht nur die gesündesten mit den besten Genen und hervorragend an ihre Umwelt angepasst, sondern nehmen auch in ihren Populationen Schlüsselstellungen ein. Fehlen sie, wird das Sozialgefüge aus dem Gleichgewicht gebracht, ökologisches Wissen und Erfahrung können nicht weitergegeben werden. Zusammengenommen schwächt dies die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Population und senkt damit die langfristige Überlebenswahrscheinlichkeit.

Trophäenjagd ist ein Relikt aus der Kolonialzeit. Doch auch noch heute versprechen sich die Jagenden davon Abenteuer und Prestige. Durch die Kommerzialisierung der Trophäenjagd ist es für die Anbietenden (Jagdreise-Vermittlungsagenturen, Jagdfarmen und lokale Eliten) ein lohnendes Geschäft.

Nein. Der Abschuss von Tieren zum Spaß und aus reiner Gier nach Statussymbolen ist ethisch nicht vertretbar und verstößt gegen das deutsche Tierschutzgesetz, das Töten von Tieren ohne „vernünftigen Grund“ untersagt. Zudem kommen im Ausland häufig tierschutzwidrige Methoden zum Einsatz, die hierzulande verboten sind, wie z.B. der Abschuss von Tieren mit Pfeil und Bogen.

Dazu gibt es nur für international geschützte Arten verlässliche Daten. Von diesen Arten sind v.a. Schwarzbären, Elefanten, Leoparden, Löwen, Flusspferde, Bergzebras, aber auch Bärenpaviane und Nilkrokodile im Visier der Trophäenjagenden.

Ja, sogar wenn es sich um eine Trophäe einer bedrohten und international geschützten Tierart handelt. Bei geschützten Arten benötigt man die Genehmigung der zuständigen Behörden des Ausfuhrlandes und bei streng geschützten Arten auch die Zustimmung des Bundesamts für Naturschutz. Allein in den Jahren 2016 bis 2024 wurden Trophäen von mindestens 5.564 Tieren international geschützter Arten nach Deutschland eingeführt.

Für nicht-geschützte Arten benötigt man meist weder eine Genehmigung noch werden Daten über Ein- und Ausfuhren erhoben, zumindest nicht in der EU.

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