Schnäppchenjagd auf bedrohte und geschützte Tierarten

Pro Wildlife kritisiert Angebote auf Europas größter Jagdmesse in Dortmund

München / Dortmund, 29. Januar 2024. Während Belgien am 25. Januar einstimmig ein Importverbot für Jagdtrophäen besonders geschützter Arten verabschiedete, werden in Dortmund auf Europas größter Jagdmesse ‚Jagd & Hund‘ vom 30. Januar bis 4. Februar wieder Abschüsse auf zahllose Tiere vermarktet. Darunter auch bedrohte und international geschützte Arten wie Elefanten, Nashörner, Leoparden, Löwen und Braunbären. Auch Trophäenjagd-Angebote mit in Deutschland verbotenen Jagdmethoden und Jagdpakete als All-Inclusive Schnäppchen finden sich im Portfolio vieler Aussteller. Nach anhaltender Kritik von Pro Wildlife und weiteren Tier- und Artenschutzorganisationen an den Messeangeboten soll nun eine vom Oberbürgermeister eingesetzte Ethikkommission den Verkauf dieser Angebote aus ethischer Perspektive beurteilen.

All-inclusive Schnäppchen und 2.150 € für einen halben Meter Krokodil

‚Big Boy’s Combo‘, ‚Gold Rush’ oder ‚Springbock Grand Slam’, so bewerben die knapp 90 gemeldeten Jagdreise-Aussteller ihre All-inclusive Schnäppchen, bei denen mehrere Trophäentiere zu einem günstigen Jagdpaket verschnürt werden, inklusive Kost, Logis und Trophäengebühren. Neben diesen Lockangeboten können sich die Jäger*innen ihre Trophäenauswahl auf den überall wie Menükarten ausliegenden Preislisten auch selbst zusammenstellen.

Je nach Größe der Trophäe variiert der Preis. 24.000 Euro kostet ein Nashorn aus Südafrika, wobei der Preis pro Zentimeter Hornlänge um 400 bis 800 Euro steigt. Bei Elefanten kommt es auf das Gewicht der Stoßzähne an, da machen 4,5 Kilogramm schnell 9.000 Euro aus. Abschüsse von Elefanten ohne Stoßzähne sind daher mit Abstand am günstigsten und schon für insgesamt 13.000 Euro zu haben. Bei Krokodilen wird in Metern gerechnet: 2.150 Euro schlagen für einen halben Meter zu Buche.

Auch in Deutschland verbotene Jagdmethoden im Messeangebot

Die in Deutschland verbotene Bogenjagd kann bei einigen Ausstellern genauso gebucht werden wie Jagden mit Armbrust oder Faustfeuerwaffen. Auch Fallenjagd in Kanada, eine Leopardenjagd mit Hunden und eine Scharfschützen-(Sniper-)jagd auf Affen sind im Portfolio der diesjährigen Aussteller zu finden. „Solche Angebote verdeutlichen den ganzen Zynismus und die Grausamkeit der Trophäenjagd – es geht um Nervenkitzel und Statussymbole. Tier- und Naturschutz werden mit Füßen getreten. Trophäenjagd verursacht nicht nur immenses Tierleid, sondern ist, durch den Fokus auf die besonders imposanten Tiere mit den großen Stoßzähnen, Hörnern oder Mähnen, auch ein echtes Artenschutzproblem. Wir brauchen diese Individuen, um die Populationen zu erhalten; eine weitere Befeuerung des Artensterbens können wir uns nicht leisten. Dass die Dortmunder Messe derartige Angebote noch immer zulässt, ist untragbar“, betont Biologin Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife.      

Ethikkommission prüft Vermarktung von Trophäenjagdangeboten

Die anhaltende Kritik von Tier- und Artenschutzorganisationen an den Trophäenjagdangeboten rang Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) im Wahlkampf 2020 das Versprechen ab, eine Ethikkommission zu etablieren, die sich mit dem Trophäenjagd-Angebot aus ethischer Sicht befasst. Nach anhaltendem Druck wurde die Kommission im Herbst 2023 endlich eingesetzt. Die Bedenken der Tier- und Naturschützer*innen angesichts der mangelnden Handlungsbereitschaft des OBs und Stadtrats bleiben jedoch bestehen. „Der Stadtrat hat kürzlich einen Antrag abgelehnt, der die Umsetzung bestehender Messeregeln stärken sollte, nachdem der Messeleitung wiederholt mangelnde Kontrolle der Trophäenjagdangebote nachgewiesen wurde. Die Ablehnung des Antrags zeugt nicht davon, dass in Dortmund Artenschutz ernst genommen wird. Insbesondere die SPD zeigte kein Rückgrat: Sie war ursprünglich Mitantragsteller, zog sich dann aber vom Antrag zurück und stimmte schließlich sogar dagegen“, konstatiert Schweizer und ergänzt: „Trophäenjagd ist nicht nur artenschutzwidrig und ethisch verwerflich, sie hat auch keine Zukunft. Wir hoffen, die Ergebnisse der Ethikkommission werden dazu beitragen, dass man das auch in Dortmund endlich erkennt und entsprechend handelt.“      

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