Inhaltsverzeichnis:
Überblick
- Der Löwe gilt als gefährdet – sein wilder Bestand ist in 50 Jahren um rund 75 % geschrumpft.
- Bei der Trophäenjagd werden gezielt die stärksten Männchen erlegt; das destabilisiert ganze Rudel und schwächt die Bestände.
- In Südafrika leben mit rund 7.838 Zuchtlöwen mehr Löwen auf Farmen als in der Natur (ca. 3.500) – gezüchtet für Streichel-Tourismus, Gatterjagd und den Knochenhandel.
- 96,2 % der 2025 aus Südafrika nach Deutschland eingeführten Löwentrophäen stammen aus dieser Gatterjagd.
- Pro Wildlife fordert ein Importverbot für Trophäen geschützter Arten, ein Vermarktungsverbot für Trophäenjagd in Deutschland und ein Ende der kommerziellen Löwenzucht.
Kaum ein Tier steht so für die afrikanische Wildnis wie der Löwe – und kaum eines wird auf so vielen Wegen ausgebeutet. In freier Natur schießen zahlende Jagdgäste die stärksten Männchen. In Südafrika züchtet eine ganze Industrie Löwen in Gefangenschaft und verwertet sie über ihr gesamtes Leben: erst als Streicheltiere für Tourist*innen, dann für „Löwenspaziergänge“, schließlich für den Abschuss in der Gatterjagd – und am Ende für den Handel mit ihren Knochen. Ob wild oder gezüchtet, ob für Trophäen, Tourismus oder Knochen: Verbunden sind diese Welten über denselben kommerziellen Druck auf eine ohnehin schwindende Art.
7.838
Zuchtlöwen auf 342 Farmen in Südafrika – mehr als dort in der Natur
(Quelle: Ministerial Task Team Report, 2024)
7.000 €
kostet der Abschuss eines im Gatter eingesperrten Löwen
(Quelle: Pro Wildlife, Gatterjagd-Bericht 2026, 2026)
Warum der Löwe für das Ökosystem wichtig ist
Der Löwe (Panthera leo) steht als Topprädator an der Spitze der Nahrungskette der afrikanischen Savanne. Indem er vor allem alte, kranke und schwache Beutetiere erlegt, hält er die Bestände von Pflanzenfressern gesund und im Gleichgewicht. Verschwindet der Löwe, gerät dieses Gefüge aus der Balance – mit Folgen für viele weitere Arten und ganze Landschaften. Der Schutz des Löwen ist damit weit mehr als der Schutz einer einzelnen, ikonischen Art.
Wie steht es um die wilden Löwen?
Schlecht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt den Löwen in ihrer Roten Liste als „gefährdet“ (Assessment 2025); weltweit leben schätzungsweise nur noch rund 23.000 Tiere in freier Natur (Loveridge et al. 2022). Über die vergangenen rund zwei Jahrzehnte ist der Bestand um mehr als ein Drittel zurückgegangen, über 50 Jahre betrachtet sogar um rund 75 %. Mehr als 90 % ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets haben Löwen bereits verloren.
Für diesen Rückgang gibt es mehrere Ursachen: den Verlust von Lebensraum und den Konflikt mit der Viehwirtschaft, den Rückgang der Beutetiere, Wilderei und den Handel mit Löwenknochen – und die gezielte Tötung durch die Trophäenjagd, die vor allem die für den Bestand wichtigsten Tiere trifft.
Trophäenjagd auf wilde Löwen
Die Trophäenjagd auf wilde Löwen (früher auch Großwildjagd genannt) zielt bevorzugt auf prächtige, dunkelmähnige Männchen – also ausgerechnet auf die gesündesten, ranghöchsten und für die Fortpflanzung wichtigsten Tiere. Der Abschuss eines Alphatiers löst häufig einen fatalen Dominoeffekt aus: Übernimmt ein neues Männchen das Rudel, tötet es regelmäßig die Jungtiere des Vorgängers (Infantizid). Der Abschuss eines einzelnen Männchens kann so den Tod weiterer Löwen nach sich ziehen. Zugleich verarmt die genetische Vielfalt, wenn über Generationen die stärksten Tiere entnommen werden.
Auch nach Deutschland werden weiterhin Löwentrophäen eingeführt – sowohl von wilden als auch gezüchteten Tieren: 2025 registrierte das Bundesamt für Naturschutz 28 Einfuhrvorgänge, über die zehn Jahre 2016-2025 waren es 192 (2025: Drucksache 21/6114; Zehnjahressumme: Auswertung Pro Wildlife).
Die Jagdlobby rechtfertigt die Löwenjagd gern als Beitrag zum Artenschutz. Warum dieses und weitere Argumente einer Prüfung nicht standhalten, lesen Sie im Faktencheck: Fakten zur Trophäenjagd. Zu den deutschen Einfuhrzahlen insgesamt: Trophäenjagd auf bedrohte Arten.
Löwenfarmen: die Zucht-Industrie in Südafrika
Parallel zur schrumpfenden Wildpopulation ist in Südafrika eine kaum regulierte Industrie entstanden, die Löwen in Gefangenschaft züchtet. Ein Bericht eines Ministerial Task Teams der südafrikanischen Regierung (2024) zählte für Ende 2023 rund 342 Farmen mit 7.838 Zuchtlöwen – mehr als doppelt so viele wie die geschätzten 3.500 wildlebenden Löwen des Landes.
Die Tiere durchlaufen einen regelrechten Verwertungskreislauf: Als Jungtiere werden sie Tourist*innen zum Streicheln vorgesetzt („Cub Petting“), später für „Löwenspaziergänge“ genutzt und schließlich – wenn sie dafür zu groß und gefährlich werden – zum Abschuss freigegeben. Zucht und Haltung widersprechen dabei jedem Tierwohlstandard: Inzucht führt zu genetischer Verarmung und gesundheitlichen Schäden, die Haltung in überfüllten Gehegen zu erheblichem Leid. Kontrollen sind selten – bei einer Überprüfung von 257 Zuchtbetrieben wurden in 38,9 % der Fälle Verstöße festgestellt, geahndet wurde kaum einer. Einen Nutzen für den Artenschutz haben die Zuchtlöwen nicht: Ausgewildert werden können sie nicht. Im Gegenteil, sie heizen die Nachfrage für Löwenprodukte sogar noch an, was auch zur Gefahr für die wilden Löwen wird. Gleichzeitig schadet die Zuchtindustrie dem Image Südafrikas, mit möglichen Folgen für die Tourismuseinnahmen, die zur Artenschutzfinanzierung beitragen. Eine Lose-Lose-Situation.
Gatterjagd („canned hunting“): gezüchtet für den Abschuss

Am Ende dieses Kreislaufs steht die Gatterjagd (englisch „canned hunting“): der Abschuss eigens gezüchteter, an Menschen gewöhnter Löwen in umzäunten Arealen ohne jede Fluchtmöglichkeit. Mit fairer Jagd hat das nichts zu tun – selbst Jagdverbände wie der Deutsche Jagdverband und der internationale CIC lehnen die Gatterjagd als Verstoß gegen das „fair chase“-Prinzip ab.
Wirtschaftlich hat die Gatterjagd den Abschuss zum Schnäppchen gemacht: Während die Jagd auf einen wilden Löwen 25.000 bis 85.000 Euro kostet, ist ein Zuchtlöwe bereits ab rund 7.000 bis 11.000 Euro zu erlegen, eine Löwin ab etwa 3.000 Euro (Preise 2025, Gatterjagd-Bericht). Genau dieser Markt schlägt bis nach Deutschland durch: 96,2 % der 2025 aus Südafrika eingeführten Löwentrophäen stammten aus der Gatterjagd (Drucksache 21/6114).

Knochenhandel: das Geschäft mit toten Löwen
Mit dem Abschuss endet die Verwertung nicht. Der Löwe ist die weltweit am häufigsten gehandelte Großkatze und die einzige, deren kommerzieller internationaler Handel unter dem Artenschutzübereinkommen CITES überhaupt erlaubt ist. Besonders begehrt sind die Knochen: Sie werden nach Südostasien exportiert, wo sie laut UN-Drogen- und Verbrechensbehörde zum wichtigsten Ersatz für die immer knapperen Tigerknochen geworden sind – etwa im „Tigerknochenwein“. Viele Löwen werden gezielt dafür gezüchtet: Schon 2017 enthielten 91 % der aus Südafrika exportierten Skelette den Schädel – ein Zeichen, dass die Tiere nicht als Nebenprodukt der Jagd, sondern eigens für ihre Knochen getötet wurden (FOUR PAWS 2024). Allein zwischen 2010 und 2019 wurden über 7.400 Löwenskelette ausgeführt, 98 % davon nach Südostasien.
Seit 2019 ist der kommerzielle Knochenexport aus Südafrika illegal – ein Gericht erklärte die zuvor auf bis zu 1.500 Skelette pro Jahr erhöhten Ausfuhrquoten für rechtswidrig, weil Tierschutzbelange ignoriert worden waren. Die Zuchtlöwen-Lobby wehrt sich dagegen: 2025 klagten die South African Predator Association und Gatterjagd-Betreiber auf Wiederzulassung der Ausfuhr. Für den Artenschutz ist der Handel doppelt gefährlich: Er hält eine Nachfrage nach Löwenteilen am Leben, die auch die Wilderei auf wilde Löwen antreibt (Elwin et al. 2024).
Kommt das Aus für Südafrikas Löwenfarmen?
Der öffentliche Druck wirkt – auch wenn die Industrie sich wehrt. Bereits 2016 forderte die Weltnaturschutzunion IUCN Südafrika auf, die kommerzielle Löwenzucht und Gatterjagd zu beenden. Diese Forderung griff die südafrikanische Regierung in den folgenden Jahren schrittweise auf: Ausgehend von einem Parlaments-Kolloquium 2018 empfahl ein High-Level Panel der südafrikanischen Regierung die Schließung der kommerziellen Löwenzucht; im April 2024 beschloss das Kabinett die „verantwortungsvolle, rechtmäßige und humane“ Schließung der Industrie. Anfang 2026 gewann der Ausstieg an Fahrt: Der Nationale Rat der Provinzen billigte einstimmig neue Schutzvorschriften, und als eine der ersten Provinzen kündigte Mpumalanga im Februar 2026 an, die Zucht von Gatterlöwen auslaufen zu lassen – keine neuen Anlagen, keine Zucht mehr, dazu ein freiwilliges Ausstiegsprogramm.
Endgültig entschieden ist der Ausstieg damit nicht: Die Löwenzüchter klagen gegen die Schließung und gegen das Knochenexportverbot, und Dion George, der südafrikanische Umweltminister, der die Ausstiegspläne seiner Vorgängerin konsequent weiter vorangetrieben hat, wurde 2025 geschasst. Bis der Ausstieg vollzogen ist, werden weiter Löwen gezüchtet, erschossen und ihre Trophäen exportiert – auch nach Deutschland.
Alternative: Wie man mit dem Schutz von Löwen Geld erwirtschaften kann
Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte das Potenzial einer „Löweschutzgebühr” – eine Artenschutzabgabe zu entrichten von internationalen Tourist*innen. Die Studie untersuchte die Zahlungsbereitschaft der Tourist*innen und ermittelten einen möglichen Betrag am Beispiel Südafrikas. Mehr als 84 % der Befragten unterstützten die Idee einer Schutzgebühr. Um die Erlöse der gesamten südafrikaweiten Trophäenjagd zu ersetzen oder sogar zu übertreffen, würde bereits ein Betrag von 6 bis 7 US-Dollar pro Tag für Tourist*innen aus Übersee und 3 bis 4 US-Dollar für Tourist*innen aus dem südlichen Afrika ausreichen (Quelle: Global Ecology and Conservation, 2023).
Was fordert Pro Wildlife – und was können Sie tun?
Pro Wildlife fordert, die Einfuhr von Löwentrophäen nach Deutschland zu verbieten – für wilde wie für gezüchtete Löwen –, die kommerzielle Löwenzucht in Südafrika zu beenden und ein Vermarktungsverbot für Trophäenjagd in Deutschland zu erlassen: Das Anbieten und Bewerben von Trophäen-Jagdreisen auf Messen und im Internet soll untersagt werden. Auf internationalen Artenschutzkonferenzen kämpft Pro Wildlife zudem für einen strengeren Schutz des Löwen.
Helfen Sie den Löwen
Unterzeichnen Sie die Petition gegen den Import von Jagdtrophäen nach Deutschland. Jetzt Petition unterzeichnen
Häufige Fragen
Weltweit leben schätzungsweise nur noch rund 23.000 Löwen in freier Natur. Über die vergangenen 50 Jahre ist der Bestand um etwa 75 % zurückgegangen; die IUCN führt den Löwen als „gefährdet“.
Ja. Lebensraumverlust, Konflikte mit der Viehwirtschaft, der Rückgang der Beutetiere, Wilderei, der Handel mit Löwenknochen und die Trophäenjagd setzen den wilden Löwen stark zu. Mehr als 90 % ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets sind bereits verloren.
Gejagt werden bevorzugt die stärksten, gesündesten Männchen mit den imposantesten Mähnen. Der Abschuss eines Rudelführers führt oft dazu, dass ein nachrückendes Männchen die Jungtiere tötet (Infantizid). So kann ein einziger Abschuss den Tod mehrerer Löwen nach sich ziehen und den Bestand schwächen.
Gatterjagd ist der Abschuss von in Gefangenschaft gezüchteten Löwen in umzäunten Arealen ohne Fluchtmöglichkeit. 2025 stammten 96,2 % der aus Südafrika nach Deutschland eingeführten Löwentrophäen aus solcher Gatterjagd.
Ja, mit Genehmigung. Der Löwe ist über CITES geschützt, die Einfuhr streng geschützter Trophäen bedarf der Zustimmung des Bundesamts für Naturschutz. 2025 wurden 28 Einfuhrvorgänge für Löwentrophäen registriert, über die Jahre 2016–2025 insgesamt 192.
Publikationen und weitere Informationen
- 2026: Bericht zur Gatterjagd auf Löwen „Gezüchtet für den Abschuss“
- 2024: Fakten statt Mythen zur Trophäenjagd
- 2022: Bericht: Im Fadenkreuz der Trophäenjagd (PDF)
- Trophäenjagd allgemein: Trophäenjagd auf bedrohte Arten
- Vermarktung auf der Messe: Die Jagdmesse JAGD & HUND in Dortmund
- Primärquelle Einfuhrzahlen: Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/6114 (PDF)


