Wildtierhandel

Wildtierhandel

Der Handel mit lebenden Wildtieren ist ein weltweites, größtenteils legales Geschäft mit großen Grauzonen – und Deutschland ist darin einer der wichtigsten Absatzmärkte. Seit über 25 Jahren deckt Pro Wildlife mit Recherchen wie der Berichtsreihe „Stolen Wildlife“ auf, wie exotische Tiere illegal für den Heimtiermarkt gefangen, um die halbe Welt transportiert und in europäische Wohnzimmer verkauft werden. Was für die Halter*innen ein exklusives Hobby ist, bedeutet für die Tiere Leid und für ganze Arten eine wachsende Bedrohung.

Auf einen Blick

  • Der internationale Wildtierhandel bedroht die Artenvielfalt und verursacht enormes Tierleid.
  • Ein großer Teil der als „Haustiere“ angebotenen Wildtiere stammt bis heute aus Wildfängen.
  • Deutschland ist einer der wichtigsten Handels- und Absatzmärkte weltweit.
  • In Deutschland findet auch die größte Reptilienbörse der Welt statt.
  • Der überwiegende Teil der gehandelten Arten ist nicht geschützt – der Handel wird weder reguliert noch systematisch erfasst.
  • Pro Wildlife fordert eine Positivliste, ein Importverbot für Wildfänge und einen „EU Lacey Act“ gegen den Handel mit illegal gefangenen, national geschützten Arten.

der gehandelten Reptilienarten stammen aus Wildfängen, nicht aus Nachzucht

(Quelle: Marshall et al. 2020)

nachgewiesene Arten im deutschen Heimtierhandel innerhalb eines Jahres (ohne Fische und Vögel)

(Quelle: Pro Wildlife-Studie für das Bundesamt für Naturschutz, 2020)

Deutschland gilt als der größte Absatzmarkt für lebende exotische Wildtiere innerhalb der EU

(Quelle: CITES Trade Database)

Rückgang der Graupapagei-Wildpopulation in Teilen Afrikas in 50 Jahren – hauptsächlich durch den Heimtierhandel

(Quelle: IUCN)

Warum bedroht der Wildtierhandel die Artenvielfalt?

Der internationale Wildtierhandel ist nicht nur ein immenses Tierschutzproblem, sondern eine direkte Bedrohung für die Artenvielfalt: Ein erheblicher Anteil der angebotenen Wildtiere wird nach wie vor der freien Natur entnommen. Weil dieser Raubbau ganze Wildpopulationen schwächt, gefährdet er immer neue Arten – auch solche, die bereits vom Aussterben bedroht sind.

Welche Wildtiere werden als Haustiere gehandelt?

Das gehandelte Artenspektrum ist nahezu unbegrenzt und reicht von südamerikanischen Nasenbären (Nasua) und Glasfröschen (Familie Centrolenidae) über afrikanische Giftschlangen und Geckos bis zu Schönhörnchen und Korallenfischen aus Südostasien.

Deutschland ist dabei einer der wichtigsten Handels- und Absatzmärkte: Allein zwischen 2016 und 2020 importierte Deutschland mehr als 1,2 Millionen Reptilien. In der Pro-Wildlife-Studie für das Bundesamt für Naturschutz (2020) wiesen wir innerhalb eines einzigen Jahres mehr als 2.000 verschiedene Arten von Reptilien, Amphibien und exotischen Säugern im deutschen Heimtierhandel nach.

Die größten Probleme im Wildtierhandel

  • Das Spektrum der als „Haustiere“ angebotenen Arten ist nahezu unbegrenzt.
  • Ein Großteil der gehandelten Wildtiere wird noch immer aus der Natur eingefangen.
  • Der Wildtierhandel bedroht immer neue Arten – selbst neu entdeckte oder vom Aussterben bedrohte Arten werden nicht verschont.
  • Der allergrößte Teil der gehandelten Arten ist nicht geschützt; der Handel mit ihnen wird weder reguliert noch spezifisch erfasst.
  • Der Verkauf über Online-Portale und kommerzielle Tierbörsen lässt sich kaum kontrollieren.
  • Geschützt werden Arten erst, wenn die Bestände bereits nachweislich durch den Handel dezimiert sind.

Wie grausam ist der Wildtierhandel für die Tiere?

Auf jeder Etappe des Wildtierhandels – bei Fang, Zwischenlagerung und Transport – sterben Tiere; die Überlebenden sind oft verletzt und stark gestresst. Um wertvolle Wildtiere einzusammeln, werden Bäume gefällt, Felsspalten aufgebrochen oder Tiere aus Erdhöhlen gegraben. Wildvögel werden mit Leimruten gefangen, die ihr Gefieder zerstören, Korallenfische werden teils noch immer mit dem Nervengift Natriumcyanid betäubt.

Eingefangene Tiere müssen häufig wochenlang im Zwischenhandel ausharren, bevor sie in die Zielländer transportiert werden – meist unter katastrophalen, tierschutzwidrigen und unhygienischen Bedingungen. Trotz der hohen Verluste lohnt sich das Geschäft mit den Wildfängen, denn die Natur produziert umsonst. Die Rechnung für diese maßlose Ausbeutung zahlen jedoch nicht nur die Tiere, sondern wir alle – vom Verlust der Artenvielfalt bis zu Gesundheitsrisiken durch Zoonosen.

Sind Wildfänge in der EU heute noch erlaubt?

Ja, solange sie in anderen Ländern eingefangen werden. Während in der EU der Fang einheimischer Wildtiere wie Igel, Eichhörnchen oder Salamander verboten ist, sind Arten aus fernen Ländern in der EU nahezu vogelfrei – sie werden größtenteils völlig legal für europäische Wohnzimmer ausgebeutet. Rund 90 Prozent der im Handel befindlichen Reptilienarten und nahezu alle Korallenfischarten werden bis heute aus der Natur gefangen statt gezüchtet; auch ein erheblicher Teil der angebotenen Amphibien stammt aus Wildfängen. Dieser Raubbau gefährdet immer neue Tierarten; selbst vom Aussterben bedrohte Arten dürfen legal und ohne Beschränkungen gehandelt werden. Nur durch das internationale Artenschutzabkommen CITES kann ein kleiner Teil der Arten vor dem Handel geschützt werden – ein mühsamer Prozess, ein Kampf gegen wirtschaftliche Interessen und ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wie schnell landen neu entdeckte Arten im Handel?

Oft innerhalb weniger Monate. Die Nachfrage ist gerade für seltene Arten besonders groß: Selbst Arten, die erst vor kurzem wissenschaftlich beschrieben wurden, sind bereits nach kürzester Zeit im Handel erhältlich. So wurde der Persische Streifenskink nur drei Monate nach seiner Entdeckung auf der Terraristika in Hamm (NRW) angeboten – Europas größter Reptilienbörse. Ein 2024 entdeckter seltener Schöngecko aus Thailand war ebenfalls binnen weniger Monate im Handel. Immer mehr Fachleute warnen deshalb davor, die genauen Fundorte bei der Erstbeschreibung neuer Arten anzugeben, um das gezielte Absammeln der Tiere durch Händler zu verhindern.

Unsere Forderungen

Pro Wildlife fordert, Handel und Privathaltung von Wildtieren als Heimtiere deutlich zu beschränken. Konkret:

  • Positivliste: Handel und Privathaltung stark begrenzen und dabei Tier-, Natur- und Artenschutz sowie Gesundheits- und Sicherheitsrisiken berücksichtigen.
  • Importverbot für Wildfänge – für den kommerziellen Handel und die private Tierhaltung.
  • Handelsverbot von Wildtieren über Online-Portale und Social Media.
  • Strenge rechtsverbindliche Auflagen für Tierbörsen: u. a. Ausschluss gewerblicher Händler, Verkaufsverbot für Wildfänge, Begrenzung von Einzugsgebiet und Artenspektrum.
  • Einführung eines „EU Lacey Act“: Einfuhr, Handel und Besitz von Tieren, die im Herkunftsland national geschützt sind, aber illegal gefangen und exportiert wurden, müssen EU-weit verboten werden

Wie kann ich gegen den Wildtierhandel helfen?

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  • Leisten Sie Überzeugungsarbeit in Freundeskreis und Familie: Wahre Tierfreund*innen verzichten auf Tiere, denen sie nicht gerecht werden können.
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Unsere Erfolge im Kampf gegen den Handel mit lebenden Wildtieren

2026

Das nordrhein-westfälische Gifttiergesetz von 2020 ist seit dem 1. Januar 2026 dauerhaft in Kraft. Seit seiner Einführung ist die Zahl der privaten Gifttierhalter*innen in NRW offiziell um 25 Prozent gesunken. Ende 2025 drohte das Gesetz auszulaufen – auf Druck von Pro Wildlife und anderen Organisationen wurde es entfristet.

2025

Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie bestätigt das Problem des illegalen Handels mit national geschützten Arten und sieht u.a. einen „EU Lacey Act“ als Lösung an.

2022

Die CITES-Konferenz in Panama beschließt für mehr als 200 Arten, die durch den Handel als exotische „Haustiere“ gefährdet sind, globale Handelsbeschränkungen oder -verbote.

2021

Das EU-Parlament fordert strengere Regeln für den Wildtierhandel, darunter eine Positivliste und ein Ende des Schmuggels national geschützter Arten (EU Lacey Act).

2020

Der Bundestag fordert Einschränkungen des Wildtierhandels – auf Basis einer Studie, die Pro Wildlife im Auftrag der Bundesregierung verfasste.

Seit 2016

Die Pro-Wildlife-Berichtsreihe „Stolen Wildlife“ zum Reptilienschmuggel führt zu internationalen Handelsverboten und -beschränkungen für hunderte Reptilien- & Amphibienarten.

2013

Die Politik erkennt die Problematik des Wildtierhandels an: Im Koalitionsvertrag verabredet die Bundesregierung erstmals, Handel und Haltung exotischer Haustiere zu regeln.

2006

Das Bundeslandwirtschaftsministerium legt erstmals „Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten“ fest. Pro Wildlife hatte Auflagen für Tierbörsen gefordert und war an der Ausarbeitung beteiligt.

Publikationen

2025: Stolen Wildlife V zeigt aktuelle Missstände im internationalen Handel mit lebenden Reptilien auf.

2025: Wild birds traded and kept as pets in the EU stellt Ausmaß und Auswirkungen zu Wildvögeln, die als Haustiere gehalten werden, vor.

2022: Ein von Pro Wildlife und anderen Tierschutzorganisationen in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zu einer Positivliste für Haustiere in Deutschland zeigt, dass diese nicht nur juristisch möglich, sondern auch überfällig ist.

2022: Der Bericht „Stolen Wildlife IV“ zeigt neueste Daten zum Wildtierhandel aus Kuba, Brasilien, Marokko, Südafrika und den Philippinen und bestätigt erneut die Rolle der EU als Hauptabsatzmarkt.

2021: Der Bericht „Wildtiere als Haustiere? Die Politik muss handeln!“ fasst Probleme und Risiken des Handels und der Haltung von Wildtieren zusammen und zeigt Lösungsansätze auf.

2020: Pro Wildlife klärt in dem Fachartikel „The Rush for the Rare“ über den Handel mit seltenen Reptilien- und Amphibienarten im europäischen Heimtierhandel auf.

2020: „Stolen Wildlife III“ klärt über weitere Missstände im internationalen Handel mit lebenden Reptilien auf.

2020: Die Studie zum Forschungsprojekt „Strategien zur Reduktion der Nachfrage nach als Heimtiere gehaltenen Reptilien, Amphibien und kleinen Säugetieren“ im Auftrag der Bundesregierung untersucht Umfang und Folgen des Handels mit Wildtieren für den Heimtiermarkt und verdeutlicht dringenden Handlungsbedarf.

2019: Pro Wildlife veröffentlicht Daten zum Handel mit national geschützten Echsen aus Australien, Kuba und Mexiko und bestätigt die Rolle der EU als Hauptabsatzmarkt.

2016: Der Bericht „Stolen Wildlife II“ klärt über Gesetzeslücken im Wildtierhandel auf.

2015: Der Bericht „Endstation Wohnzimmer – Exotische Säuger als Haustiere“ dokumentiert den Handel mit exotischen Säugetieren und klärt über Tier- und Artenschutzprobleme sowie Gesundheitsrisiken auf.

2014: Pro Wildlife veröffentlicht mit „Stolen Wildlife“ erstmals einen Bericht zum internationalen Reptilienschmuggel.

2010: Pro Wildlife veröffentlicht gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund einen Bericht zu Missständen auf Tierbörsen.

Was aktuell geschieht

Reptilienschmuggel: Handel ohne Grenzen

Seltene Reptilien erzielen auf dem internationalen Haustiermarkt hohe Preise. Dafür werden sie oft illegal aus der Wildnis entnommen und rund um den Globus gehandelt. Was als exklusives Hobby beginnt, endet oft in Tierleid und der Ausbeutung bedrohter Arten. Erfahren Sie, warum dieser Handel eine ernsthafte Gefahr für den Artenschutz darstellt.

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