Delfinschutz

Delfinschutz

Warum Delfine weltweit zu Tausenden sterben – und wie wir sie schützen

Delfine gehören zu den beliebtesten Meeressäugern der Welt – und zu den am schlechtesten geschützten. Anders als die großen Wale unterliegen Delfine und Kleinwale bis heute keinem weltweiten Fangverbot. Jedes Jahr werden mehr als 100.000 Delfine gezielt getötet, bis zu 300.000 Wale und Delfine verenden zusätzlich als Beifang in Fischernetzen. Pro Wildlife setzt sich international, in der Politik und mit Forschungsprojekten für den Schutz der kleinen Meeressäuger ein.

Das Wichtigste

  • Mehr als 100.000 Delfine und Kleinwale werden jedes Jahr weltweit gezielt getötet – zunehmend als Köder für die Fischerei.
  • Bis zu 300.000 Wal und Delfine sterben zusätzlich jährlich als Beifang in Netzen und Leinen.
  • Über 3.600 Delfine und Kleinwale leben weltweit in Gefangenschaft; in Deutschland halten der Zoo Duisburg und der Tiergarten Nürnberg noch 14 Große Tümmler.
  • Weltweit fördert Pro Wildlife Forschungsprojekte für einen besseren Schutz der Delfine. Seit 2025 unterstützt es auch ein Vor-Ort-Projekt in Ghana – das Land mit der zweitumfangreichsten Delfinjagd.
  • Bei der IWC-Tagung im September 2026 setzt sich Pro Wildlife für eine Resolution gegen die Delfinjagd ein

gezielt getötete Delfine & Kleinwale pro Jahr

(Pro Wildlife)

Wale und Delfine sterben jährlich als Beifang

(Conservation Biology)

Delfine und Kleinwale weltweit in Gefangenschaft

(CETA-BASE)

Große Tümmler noch in deutschen Delfinarien

Warum werden Delfine gejagt – und wie viele?

Im Gegensatz zu den Großwalen sind Delfine und Kleinwale nicht durch das kommerzielle Moratorium der Internationalen Walfangkommission geschützt. In vielen Ländern sind sie faktisch vogelfrei, international existiert nur ein lückenhafter Flickenteppich aus Schutzbestimmungen. Für den Bericht „Small Cetaceans, even bigger problems“ (2024) wertete Pro Wildlife mehr als 250 wissenschaftliche Studien, Augenzeugen- und Zeitungsberichte aus. Das Ergebnis: deutlich mehr als 100.000 gejagte Delfine und Kleinwale pro Jahr – und die Jagd eskaliert weiter.

Delfine enden als Köder für die Hai- und Thunfischfischerei, als Fleisch auf lokalen Märkten, als Brautschmuck oder – etwa im südamerikanischen Orinoko-Becken – sogar als vermeintliches Wundermittel gegen Infektionen. Ein zentraler Treiber ist die Überfischung: Wo Fischbestände zusammenbrechen, ersetzt Delfinfleisch die schwindende Proteinquelle – und weil auch die großen Hai-Arten überfischt sind, werden immer mehr Delfine als Köder zerlegt, um die verbliebenen Haie an die Haken zu bekommen.

Die größten Delfinjäger sind Peru (bis zu 15.000 Tiere pro Jahr), Ghana (annähernd 10.000) und Nigeria (fast 10.000). Die vollständige Rangliste der zehn größten Delfinjäger sowie Gründe und Methoden finden Sie auf unserer Hintergrundseite Weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale.

Wie viele Delfine sterben als Beifang der Fischerei?

Beifang – die unbeabsichtigte Tötung von Nicht-Zielarten in Fischereigerät – gilt Fachleuten zufolge als die größte direkte Bedrohung für Wale und Delfine weltweit. Jedes Jahr verenden schätzungsweise bis zu 300.000 Wale und Delfine in Schleppnetzen, Ringwaden, Stellnetzen und an Langleinen – das sind mehr als 800 Tiere pro Tag. Die Schätzung dieser Größenordnung stammt aus dem Jahr 2006 (Link Quelle) und wird bis heute von der IWC als jährlicher Mindestwert geführt; der weltweite Beifang mariner Säuger wird auf durchschnittlich rund 307.000 Tiere pro Jahr beziffert.

In der industriellen Fischerei werden tote Delfine häufig einfach über Bord geworfen; in anderen Regionen landen sie auf lokalen Fleischmärkten oder werden zu Köder verarbeitet. Pro Wildlife unterstütz Forschungsprojekte, die den Beifang reduzieren, und fordert eine grundlegende Reform der Fischerei – weg von subventionierter Hightech-Fischerei, die die Ozeane leerräumt.

Warum leiden Delfine in Delfinarien?

Weltweit werden über 3.600 Delfine und Kleinwale in Gefangenschaft gehalten – verteilt auf mindestens 439 Einrichtungen in 58 Ländern (CETA-BASE). Rund 80 Prozent davon sind Delfine, ganz überwiegend Große Tümmler. Die bewegungsfreudigen, hochsozialen Tiere – die in freier Natur täglich viele Kilometer schwimmen und in großen Tiefen tauchen – leiden in Gefangenschaft an Bewegungsmangel und Reizarmut. Viele entwickeln Verhaltensstörungen oder sterben frühzeitig. Während in Europa immer mehr Delfinarien schließen, boomen Aquaparks vor allem in Asien. Nach eigenen Angaben exportierte Japan zwischen 2000 und 2024 mehr als 1.500 wild gefangene Große Tümmler, überwiegend nach China, Thailand und Russland.

Delfinarien in Deutschland: die letzten beiden Standorte

In Deutschland gab es einst 14 Delfinarien – heute sind es nur noch zwei. Der Zoo Duisburg und der Tiergarten Nürnberg halten zusammen 14 Große Tümmler (Stand August 2026). Der Delfinschützer Richard O’Barry bezeichnete den Duisburger Zoo als „größten Delfin-Friedhof der Welt“: Seit Eröffnung des dortigen Delfinariums 1965 starben mehr als 60 Delfine, in Nürnberg seit 1971 mindestens 35 Tiere. In beiden Einrichtungen sterben zwei Drittel der Nachzuchten vor oder kurz nach der Geburt.

EinrichtungDelfinarium seitGehaltene Große TümmlerVerstorbene Delfine seit Eröffnung
Zoo Duisburg19652 Wildfänge + 5 Nachzuchtenmehr als 60
Tiergarten Nürnberg19712 Wildfänge + 5 Nachzuchtenmindestens 35

Mehr dazu: Delfinarien und Delfinshows in Deutschland

Welche weiteren Gefahren bedrohen Delfine?

Nicht nur Jagd und Fang für Delfinarien bedrohen die kleinen Meeressäuger. Fünf weitere Faktoren setzen ihnen weltweit zu:

  • Überfischung: raubt Delfinen die Nahrung und verschärft zugleich die Jagd auf Delfine, weil Delfinfleisch knappen Fisch ersetzt und als Köder dient.
  • Unterwasserlärm: Schiffsverkehr, seismische Schallkanonen, Windparks und Militärübungen stören Kommunikation und Orientierung, vertreiben die Tiere und können Strandungen auslösen.
  • Giftstoffe: Am Ende der Nahrungskette reichern sich Quecksilber, PCB, DDT und PFAS im Gewebe an – mit Folgen für Fruchtbarkeit und Lebenserwartung.
  • Vermüllung: Plastik und Geisternetze sind heute in praktisch allen Meeren weit verbreitet und führen zu Verheddern, Verletzungen und tödlicher Aufnahme.
  • Klimakrise: Erwärmung und veränderte Strömungen verschieben Beutebestände und Lebensräume der Delfine.

Was macht Pro Wildlife für den Schutz der Delfine?

Pro Wildlife setzt an zwei Hebeln an. Erstens an strengeren internationalen Gesetzen: Unsere Recherchen zeigen erstmals die weltweite Dimension der Delfinjagd und dienen als Verhandlungsgrundlage, um in internationalen Konventionen – allen voran der IWC – strengere Schutzbestimmungen anzustoßen. Zweitens an der Aufklärung über Gesundheitsrisiken: Weil sich im Delfinfleisch Giftstoffe anreichern, klärt Pro Wildlife über die Gefahren des Verzehrs auf, um die Nachfrage zu senken. Auf Basis unseres Berichts „Toxic Menu“ verabschiedete die IWC bereits 2012 eine entsprechende Resolution.

Vor-Ort-Projekt seit 2025

Ghana: Delfinschutz durch Forschung und Aufklärung

Kaum jemand weiß: Ghana ist heute das Land mit der zweitumfangreichsten Delfinjagd weltweit – jedes Jahr sterben dort etwa 10.000 Delfine, um im Kochtopf oder als Hai-Köder zu enden. Seit Juli 2025 fördert Pro Wildlife das Pilotprojekt des Meeresbiologen Dr. Isaac Okyere von der Universität Cape Coast und der Vor-Ort-NGO PHE-Link. Mit einer App werden getötete Delfine entlang der Küste erfasst und bestimmt; toxikologische Untersuchungen messen die Giftstoffbelastung, Bildungsarbeit soll die Nachfrage nach Delfinfleisch senken. Anlass war eine gemeinsame Recherche mit dem ZDF-Team von planet e. im Fischerdorf Dixcove im Februar 2025.

Zum Ghana-Projekt    &    Reisebericht aus Dixcove

+++ Aktueller Anlass · September 2026: IWC-Tagung: Resolution gegen die Delfinjagd

Vom 28. September bis 2. Oktober 2026 tagt die Internationale Walfangkommission (IWC) im australischen Hobart. Pro Wildlife setzt sich dort für die Verabschiedung einer Resolution gegen die Delfinjagd ein. Sie fordert eine bessere Datenerfassung, striktere Schutzmaßnahmen und empfiehlt den Mitgliedsstaaten, nationale Gesetze wie Fangverbote zu etablieren. Denn anders als Großwale sind Delfine und Kleinwale bislang durch kein IWC-Moratorium geschützt.

Resolutionstext (PDF, IWC) +++

Was fordert Pro Wildlife?

  • Einen weltweit besseren Schutzstatus für Delfine und ein Verbot der Delfinjagd.
  • Das Abschaffen schädlicher Fischereisubventionen.
  • Entwicklung und Förderung von Maßnahmen gegen den Beifan von Delfinen in der Fischerei.
  • Die EU muss alle diplomatischen Mittel ausschöpfen, um die Delfinjagd in europäischen Gewässern zu beenden.
  • Zügige Umsetzung des 30-Prozent-Ziels für Meeresschutzgebiete samt „Nullnutzungszonen“ ohne Fischerei und Rohstoffabbau in einem Drittel der Gebiete.

Was kann ich tun, um Delfine zu schützen?

  • Keine Delfinarien besuchen und im Freundes- und Familienkreis über die Tier- und Artenschutzprobleme aufklären.
  • Auf Meeresfisch verzichten – das entlastet die überfischten Ozeane und senkt das Risiko, dass Delfine in Netzen sterben.
  • Delfine in freier Natur beobachten und dabei auf Anbieter achten, die Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen.
  • Die Petition für ein Ende der Delfinarien in Deutschland unterschreiben.
  • Die Arbeit von Pro Wildlife mit einer Spende oder Patenschaft dauerhaft unterstützen.

Jetzt mithelfen, Delfine zu schützen!

Mit einer Patenschaft oder Spende ermöglichen Sie es Pro Wildlife, Schutzgesetze zu verbessern, fundierte Studien als Verhandlungsgrundlage zu erstellen, die Jagd auf Delfine und Kleinwale einzudämmen und die Schließung von Delfinarien zu erkämpfen.

Unsere größten Erfolge für den Schutz der Delfine

2025

Eine gemeinsame Recherche mit dem ZDF deckt die illegale Delfinjagd in Ghana auf. Pro Wildlife startet ein Vor-Ort-Projekt zur Erforschung und Eindämmung der Jagd.

2021

Die EU fordert die Färöer-Inseln mit deutlichen Worten auf, die Jagd auf Delfine und Grindwale umgehend zu beenden.

2020

Die Delfinjagd in Japan ist seit dem Jahr 2000 um 93 Prozent zurückgegangen. Hauptgrund hierfür ist das fehlende Interesse an Delfinfleisch.

2012

Ausgelöst durch unserem Bericht „Toxic Menu“ (PDF) verlangt die IWC von Walfangländern, ihre Bevölkerung über gesundheitliche Risiken durch den Verzehr von Wal- und Delfinfleisch aufzuklären.

2009

Als offizieller Partner des oscarprämierten Films „Die Bucht“ hilft Pro Wildlife, die Delfinjagd im japanischen Taiji an den Pranger zu stellen.

2000

Pro Wildlife zeigt erstmals Videomaterial der grausamen Delfinjagd im japanischen Fischerdorf Futo. Stern TV und andere Medien berichten; die Delfinjagd in Futo wird wenig später eingestellt.

Publikationen

2024: „Small Cetaceans, even bigger problems“ (PDF): zeigt, dass die globale Jagd auf Delfine in den letzten Jahren weiter eskaliert ist.

2018: „Small Cetaceans – Big Problems“ (PDF): gab erstmals einen weltweiten Überblick über die Jagd auf Delfine und Kleinwale.

2012: „Toxic Menu“ (PDF): belegt die starke Giftstoffbelastung von Wal- und Delfinfleisch.

2012: „Breaking Ranks“ (PDF): analysiert die Wal- und Delfinjagd in Grönland und auf den Färöer-Inseln.

Was aktuell geschieht

artenschutz

Kritik an Delfinjagd auf den Färöer-Inseln

Die Färöer-Inseln sind für ihre Treibjagden von normalerweise etwa 600 Grindwalen und 200-300 Delfinen jährlich berüchtigt. Bereits in der ersten Treibjagd 2026 wurden mindestens 125 Grindwale erlegt.

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Flippers Erbe – Delfinarien in der Kritik

In den 1960er Jahren eroberte der fröhlich schnatternde Fernsehheld „Flipper“ die Herzen der Zuschauer*innen. Weltweit wurden…

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Weltweite Jagd auf Delfine und Kleinwale

Anders als Großwale unterliegen Delfine und Kleinwale keinem weltweiten Fangverbot der Internationalen Walfangkommission. Es existiert nur ein lückenhafter Flickenteppich aus nationalen Regelungen, die aber häufig unzureichend umgesetzt werden. Jedes Jahr werden mehr als 100.000 von ihnen getötet – zunehmend als Köder für die überfischte Hai- und Thunfischfischerei. Pro Wildlife deckt das weltweite Ausmaß auf und kämpft bei der IWC für eine Resolution gegen die Delfinjagd.

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