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In den 1960er Jahren eroberte der fröhlich schnatternde Fernsehheld „Flipper“ die Herzen der Zuschauer*innen. Weltweit wurden unzählige Delfinarien eröffnet. Dabei müssen Delfine nicht nur als Entertainer in Shows herhalten, sondern auch als angebliche „Therapeuten“ den Kontakt mit Menschen über sich ergehen lassen. Obwohl es offensichtlich ist, wie sehr Delfine und Kleinwale in Gefangenschaft leiden, sind Delfinarien und deren Shows sowie die für zusätzliches Geld angebotenen Delfininteraktionen, wie Schwimmen mit Delfinen zur Unterhaltung oder als fragwürdige Therapie noch immer äußerst populär.
Das Leiden und Sterben der Delfine in Gefangenschaft
Delfine sind Muskelpakete, die teilweise über hundert Kilometer am Tag schwimmen und – je nach Art – auf Nahrungssuche mehrere hundert Meter tief tauchen können. Sie sind sehr sozial und in engen Familienverbänden organisiert. Eine artgerechte Haltung in Delfinarien ist schlicht unmöglich.
Kleine, karge Becken
- Bewegungsmangel
- keine Rückzugsmöglichkeiten
- karge, strukturlose Becken sind nicht naturnah und bieten keine Abwechslung
- häufig keine Überdachung, damit kein Schatten
- Probleme mit Moskitos bei Dümpeln an der Wasseroberfläche (besonders Orcas wegen des schwarzen Rückens)
- teilweise Versetzung des Wassers mit Chlorverbindungen zur Abtötung von Bakterien, was sowohl den Augen als auch der empfindlichen Haut der Meeressäuger schadet
Störung der Sozialstruktur
- Wildfänge werden aus ihren Familienverbänden gerissen
- Gruppen in Delfinarien werden künstlich zusammengestellt
Futter
- Verabreichung von totem Fisch verhindert Auslebung von Jagdverhalten
- Zuführung von Trinkwasser (beispielsweise über Schläuche) aufgrund von Fütterung von tiefgekühltem und wiederaufgetautem Fisch notwendig
Training & Shows
- dient zwar der Beschäftigung, allerdings werden unnatürliche Verhaltensweisen und Kunststücke antrainiert
- Lärmbelästigung und Stress durch Unterwasserpumpen, laute Musik und Menschenmengen während der Shows und Besuchszeiten
- Verschlucken von inadäquatem Spielzeug, etc.

Diese untragbaren Haltungsbedingungen führen bei den Tieren physischen Gesundheitseinschränkungen, zu sehen beispielsweise an abgebrochenen Zähnen durch Ankauen von Gitterstäben, etc., Hautirritationen, offenen Verletzungen und Narben, sowie zu Verhaltensstörungen, Depressionen und Aggressionen zwischen den Tieren. Um Aggressionen zu vermindern oder Depressionen zu lindern, werden auch immer wieder Psychopharmaka eingesetzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Lebenserwartung von Delfinen in Gefangenschaft deutlich geringer ist als in der Natur. Im Marineland in Kanada starben seit 2019 18 Belugas sowie drei weitere, die zuvor an ein anderes Delfinarium in den USA verkauft wurden. Insbesondere nach dem Fang oder Transport sowie der Geburt in Gefangenschaft ist die Sterblichkeit besonders hoch. 50% der Orcas sterben innerhalb der ersten 6 Jahre nach Fang oder Geburt in den Einrichtungen.
Zucht oder Wildfang? Herkunft der Delfine in Delfinarien
Doch woher kommt der Großteil der Delfine, die bis heute in Shows eingesetzt werden? Zwar gibt es seit Jahrzehnten Zuchtbemühungen, diese sind aber nur bedingt erfolgreich. Viele Kälber sterben direkt oder kurz nach der Geburt. Daher geht das Geschäft mit den Wildfängen ungehindert weiter. Insbesondere Japan beliefert Delfinarien weltweit mit wild gefangenen Delfinen. Im Fischerstädtchen Taiji werden jedes Jahr noch immer in blutigen Treibjagden hunderte Tiere getötet oder eingefangen. Da sich mit Delfinfleisch kaum noch Geld verdienen lässt, ist der Lebendtierhandel besonders lukrativ. Ein trainierter Delfin kann bis zu 100.000 USD einbringen. Im Zeitraum 2013-2022 exportierte Japan insgesamt 892 Große Tümmler, 661 davon nach China, 84 nach Thailand, 43 nach Russland und 40 in die Ukraine. Weitere Tümmler gingen unter anderem nach Südkorea, Vietnam, Ägypten und Saudi-Arabien. Dazu kommen dutzende Tiere anderer Delfinarten, wie beispielsweise dem Weißstreifen-, Rundkopf- oder Schlankdelfin.
Mehr als 3.000 Delfine und Kleinwale in Gefangenschaft
Weltweit befinden sich aktuell schätzungsweise mehr als 3.000 Delfine und Kleinwale in Gefangenschaft. Am häufigsten werden Große Tümmler gehalten, gefolgt von Belugas und Orcas. Die meisten Delfinarien gibt es in China, Japan und den USA, aber auch in Europa finden sich noch zahlreiche Einrichtungen. Allein in Spanien vegetieren 84 Große Tümmler, vier Belugas und vier Orcas in neun Delfinarien vor sich hin. Auch in den zwei deutschen Delfinarien in Nürnberg und Duisburg leben noch 14 Große Tümmler. Während in den USA und Europa langsam endlich eine Abkehr der Haltung von Delfinen in Gefangenschaft vollzieht, Haltungen ausgeschlichen oder verboten und Einrichtungen geschlossen werden, nimmt die Zahl der Delfinarien in anderen Teilen der Welt, insbesondere in China, Japan und einigen arabischen Ländern aktuell erschreckend zu.
| Anzahl der Delfinarien | Anzahl der Tiere in Delfinarien | Wildgefangen | Geboren in Gefangenschaft | Gerettet | |
| Orcas | 14 | 57 | 39% | 58% | 3% |
| Belugas | 30* | ~133* | 58,7% | 40,6% | 0,8% |
| Große Tümmler & andere Delfinarten | >450 | ~ 3.000 – 3.600 | keine vollständigen Daten | keine vollständigen Daten | keine vollständigen Daten |
- Besuchen Sie keine Delfinarien
- Schwimmen Sie nicht mit Delfinen in Gefangenschaft
- Machen Sie keine „Delfintherapien“
- Klären Sie Freunde und Bekannte über die Missstände in Delfinarien auf
- Unterstützen Sie unsere Petition für ein Ende der Delfinarien in Deutschland!
Der Einsatz gegen Delfinarien verlangt Verhandlungsgeschick, schnelles Reagieren und einen langen Atem. Bitte ermöglichen Sie unsere Arbeit für den Schutz der Delfine mit einer Spende – jeder Betrag hilft. Oder unterstützen Sie den Schutz der kleinen Meeressäuger dauerhaft – mit einer Delfinpatenschaft.
Hochintelligente, soziale und agile Meeressäuger können in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden – das können ihnen nur die unendlichen Weiten des offenen Meeres und ihre natürlichen Familienverbände bieten.

Das tut Pro Wildlife
Weltweit decken gemeinnützige Organisationen wie Pro Wildlife und Dokumentarfilme wie „Die Bucht“ und „Blackfish“ die Missstände hinter den Kulissen von Delfinarien auf und setzen sich für ihre Abschaffung ein. Für beide Kinofilme war Pro Wildlife offizielle Partnerorganisation und nutzte die Filme intensiv, um Politiker*innen, Medien und Bevölkerung über die Missstände in Delfinarien aufzuklären. 2024 veröffentlichte Pro Wildlife gemeinsam mit Kollegen den Bericht „Small cetaceans, even bigger problems“ über den weltweiten Fang und die Tötung von Delfinen und Kleinwalen. Der Bericht zeigt, dass sich die Situation der Delfine allein in den letzten Jahren nochmals verschlechtert hat. Mithilfe des Berichts setzen wir uns dafür ein, Delfine international besser zu schützen.
FAQ
Ja, denn eine artgerechte Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ist nicht möglich. Sie leiden u.a. an Bewegungsmangel, einer monotonen Umgebung, gestörten bzw. künstlich zusammengesetzten Sozialstrukturen und unnatürlichen Verhaltensweisen (wie antrainierten Kunststücken). Die Folgen sind physische wie psychische Krankheiten, Verhaltensstörungen, Depression und eine verkürzte Lebenserwartung.
In Gefangenschaft zeigen Delfine nicht ihr natürliches Verhalten. Kunststücke (wie Bälle balancieren) vermitteln ein falsches Bild. Im besten Fall zeigt sich ein Lerneffekt in Bezug auf Aussehen und Namen der Tierarten, jedoch nicht bezüglich Verhalten, Bedrohungsstatus oder Schutzbemühungen. Delfinarien dienen der Unterhaltung, nicht der Bildung.
Ja – der Zoo Duisburg und der Tiergarten Nürnberg sind die letzten Einrichtungen in Deutschland, die insgesamt 14 Große Tümmler halten. Allein im Duisburger Delfinarium ist die Bilanz dramatisch, besonders bei den Nachzuchten: In den 61 Jahren seit Eröffnung starben zwei Drittel der in Duisburg geborenen Delfinkälber vor oder kurz nach der Geburt.
In unserer Petition fordern wir ein Ende der Delfinarien in Deutschland und dem damit verbundenen Tierleid: >> jetzt unterschreiben
Ja, ein Leben im Betonbecken kann ihren kognitiven Bedürfnissen nicht gerecht werden. Delfine zeigen Fähigkeiten zu Selbstbewusstsein, komplexer Kommunikation, sozialen Strukturen und Kooperation sowie zur Problemlösung. Zusätzlich zu ihrem Bewegungsbedürfnis macht dies Delfine besonders ungeeignet für eine Haltung in kleinen strukturarmen Becken. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz ist es dazu nicht unwahrscheinlich, dass sie sich ihrer Situation bewusster sind als viele andere Tiere und daher auch psychisch besonders leiden.
Ja, z.B. Whale Watching mit respektvollem Abstand, Dokumentationen oder virtuelle Erlebnisse, die ohne Gefangenschaft auskommen.

