Schon für 1.000 Euro kann man im Internet ein Löwenbaby kaufen. Im Wildtierhandel gibt es einen unglaublichen Wildwuchs.

Warane im Wohnzimmer, Flughunde an der Gardinenstange: Längst ist das Realität – Wildtiere sind als exotische Haustiere der letzte Schrei, der Handel mit lebenden exotischen Tieren boomt. Jährlich importiert allein Deutschland hunderttausende Reptilien. Wie viele Fische, Vögel, Amphibien und exotische Säugetiere ins Land kommen, ist nicht bekannt. Viele der importierten Exoten werden noch immer in freier Natur gefangen, der Handel boomt.

Exotische Haustiere: Der Affe im Wohnzimmer

Totenkopfäffchen © Pixabay

Fest steht, dass in Deutschland mittlerweile Millionen exotische Haustiere gehalten werden, das Artenspektrum ist enorm. Kleinsäuger wie Flughunde und exotische Igel liegen im Trend. Während manche gängige Arten gezüchtet werden, hat sich parallel ein lukrativer Handel mit seltenen Arten als Haustier entwickelt: Im Handel tauchen immer mehr bedrohte Reptilien auf. Dafür werden auch Tiere illegal gefangen, die in ihrer Heimat geschützt sind. Der Preis für die Sehnsucht nach einem Hauch Exotik in den eigenen vier Wänden ist hoch. Denn der Trend, Wildtiere als exotische Haustiere zu halten, verursacht Probleme für den Arten- und Naturschutz, den Tierschutz und die Gesundheit ihrer Halter.

Ich warte auf den Tag, wenn Tiere das Recht haben, zu rennen, wenn sie Beine haben, zu schwimmen, wenn sie Flossen haben, und zu fliegen, wenn sie Flügel besitzen. Gretchen Wyler

Grüner Leguan © Pixabay

Grüner Leguan © Pixabay

Exotische Tiere als Haustier halten – eine schlechte Idee

Ein Äffchen als Haustier, so wie Pippi Langstrumpf? Oder lieber doch einen Präriehund? Eine Baumschleiche? Einen grünen Leguan? Über Tierbörsen, Baumärkte und das Internet sind selbst die ausgefallensten Haustiere leicht zu bekommen. Doch die meisten Arten, die im Handel als exotisches Haustier angeboten werden, sind für die Privathaltung nicht geeignet. Viele der ehemals niedlichen Jungtiere werden groß, wild, gefräßig – und teuer. Nicht domestizierte Tiere bleiben wild, ein Leben lang. Arten aus den Tropen, der Wüste oder Bergregionen brauchen zudem sehr spezielle klimatische Bedingungen, die sich in Gefangenschaft kaum oder nur mit großem Aufwand erzeugen lassen. Gerade bei Reptilien und Amphibien, die von Verkäufern oft als anspruchslose Haustiere mit geringem Pflegeaufwand angepriesen werden, unterschätzen viele Käufer den technischen Aufwand der Terrarienanlage und die enormen Stromkosten. Und das sind nur einige Aspekte, die die Haltung so komliziert machen. Viele Halter werden dieser einst unüberlegt angeschafften Tiere über kurz oder lang überdrüssig: Die wilden Schützlinge werden ausgesetzt oder ins Tierheim gebracht. Die wenigsten Tierheime haben das Personal, Geld und Knowhow, um Exoten unterzubringen, die wenigen spezialisierten Auffangstationen sind hoffnungslos überfüllt. Mehr als 30 Tierheime und Auffangstationen haben in einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung gefordert, den Handel mit exotischen Tieren endlich einzuschränken.

Frösche als exotische Haustiere

Schwarzaugenlaubfrosch © V. Henriquez

Kein Wildwuchs im Wildtierhandel

Pro Wildlife dokumentiert Ausmaß und Folgen des Handels mit exotischen Tieren. Wir recherchieren auf Tierbörsen und im Internet. Wir kooperieren mit Feldforschern, analysieren Fachliteratur und identifizieren, welche Arten dringend unter Schutz gestellt werden müssen. Im Gespräch mit Regierungsvertretern setzen wir uns national und international für strengere Regelungen im Wildtierhandel ein. Für dutzende Arten, deren Bestand der Heimtierhandel bedroht, konnte Pro Wildlife Handelsverbote und -Beschränkungen erwirken – darunter Affen, Reptilien, Amphibien und Papageien.