Island nimmt Finnwal-Jagd wieder auf: Ein Multimillionär, 150 Finnwale

Pro Wildlife fordert Ende des kommerziellen Walfangs

München, 19. Juni 2026. – Der Startschuss zur Finnwaljagd ist gefallen: Die beiden isländischen Walfangschiffe haben den Hafen verlassen. Damit setzt der isländische Walfänger und Millionär Kristján Loftsson nach zwei Jahren Pause die grausame Finnwal-Jagd fort – trotz schwindender Nachfrage, einem Korruptionsskandal um seine Fanglizenzen und einer bereits angekündigten Gesetzesvorlage für ein Walfangverbot. „Loftsson kämpft gegen einen Trend, den er nicht aufhalten kann. In Island wendet sich die Gesellschaft vom Walfang ab, Japan verliert als Absatzmarkt an Bedeutung – diese Jagd ist wirtschaftlich längst unrentabel und politisch nicht mehr zu rechtfertigen“, ordnet Dr. Mona Schweizer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife ein.

Eine One-Man-Show mit Ablaufdatum: Der letzte Finnwalfänger

Dass Island überhaupt noch Wale jagt, ist maßgeblich auf eine Person zurückzuführen: Kristján Loftsson. Er übernahm die Walfangfirma seines Vaters und ist heute einer der reichsten Männer des Landes – und politisch gut vernetzt. Ein enger Vertrauter, der damals bereits abgewählte und nur noch geschäftsführend amtierende Premier- und Fischereiminister, genehmigte ihm Ende 2024 Fangquoten für weitere fünf Jahre – ein Vorgang, der einen Skandal auslöste.  Für 2026 sind es vorläufig 150 Finn- und 168 Zwergwale. „Ohne verlässliche Populationsschätzungen gibt es keine wissenschaftliche Grundlage für irgendeine Fangquote. Statt die Quoten nur zu senken, hätte Island die Jagd vollständig aussetzen müssen“, kritisiert die Pro Wildlife Meeresschutzexpertin.

Island missachtet internationales Walfangmoratorium

„Kein anderes Land hat in den letzten 20 Jahren solche Berge an Walfleisch exportiert wie Island“, kritisiert die Meeresschutz-Expertin. Und das, obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 durch ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) verboten ist. Island entzog sich diesem Verbot, indem es zunächst aus der IWC austrat und 2003 mit einem formellen Widerspruch gegen das Moratorium wieder beitrat. Laut nationaler Handelsstatistik exportierte Island seitdem mehr als 14.300 Tonnen Walfleisch nach Japan. „Island hat über Jahre hinweg massiv von diesem Schlupfloch profitiert und gehört zu den größten Exporteuren von Walfleisch weltweit“, bemängelt die Biologin.

Historische Chance für ein isländisches Walfangverbot

Die politischen Zeichen stehen so günstig wie nie. Im August stimmt Island über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ab. Als Mitgliedsstaat der EU wäre kommerzieller Walfang nicht mehr möglich. Eine Entscheidung könnte aber auch unabhängig von Islands EU-Ambitionen fallen: Die Regierung unter Premierministerin Kristrún Frostadóttir hat eine Gesetzesvorlage für ein Walfangverbot für Herbst 2026 angekündigt. „Alle drei Regierungsparteien haben sich bereits gegen Walfang ausgesprochen, daher sind wir vorsichtig optimistisch, dass endlich ein Verbot erlassen wird. Aber jeder Wal, der bis dahin noch dieser grausamen Jagd zum Opfer fällt, ist einer zu viel“, betont die Sprecherin von Pro Wildlife.

Internationaler Druck wächst

„Es ist überfällig, dass Island endlich einen Schlussstrich zieht. Walfang unterminiert Artenschutzbemühungen und verursacht immenses Tierleid“, so Dr. Schweizer abschließend. „Wir von Pro Wildlife sind daher Gründungsmitglied der End Commercial Whaling Coalition, einer internationalen Allianz aus NGOs, die ein weltweites Ende des kommerziellen Walfangs fordert. Mit der Petition auf endcommercialwhaling.org rufen wir dazu auf, diese Forderung zu unterstützen.”

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