Wale sind Klimaschützer

Warum der Schutz der Wale auch Klimaschutz ist

Wale sind Klimaschützer

Wale als Klimaschützer werden oft unterschätzt – dabei sind sie wichtige Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Sie speichern über ihr langes Leben große Mengen Kohlenstoff und düngen mit ihren Ausscheidungen das Phytoplankton, das rund die Hälfte unseres Sauerstoffs erzeugt und riesige Mengen CO₂ bindet. Wer Wale schützt, schützt also auch das Klima – und genau deshalb schadet der Walfang doppelt.

Wale als Klimaschützer – auf einen Blick

  • Direkt: ein Großwal speichert im Laufe seines Lebens durchschnittlich rund 33 Tonnen CO₂
  • Indirekt: Wale düngen Phytoplankton, das mindestens die Hälfte des Sauerstoffs liefert
  • Mechanismen: Walpumpe (vertikal) und Walförderband (horizontal)
  • Am wirksamsten: große, langlebige Bartenwale und der Pottwal
  • Problem: der Walfang hat die Großwal-Bestände um mindestens 66, möglicherweise bis 90 Prozent verringert
  • Fazit: Walschutz ist auch Klimaschutz

Warum sind Wale wichtig fürs Klima?

Beim Klimaschutz denken wir meist an Wälder oder Moore – doch erfolgreicher Klimaschutz muss auch die Meere einbeziehen. Die Ozeane speichern bereits rund ein Drittel der menschengemachten CO₂-Emissionen, und sie könnten sogar noch mehr binden, wenn wir Wale besser schützen. Denn Wale sind ein wichtiger Teil des Kohlenstoffkreislaufs: Sie binden CO₂ sowohl direkt als auch indirekt.

Wie speichern Wale Kohlenstoff?

Wale nehmen mit ihrer Nahrung kohlenstoffhaltige Biomasse auf und speichern diesen Kohlenstoff in ihrem Körper. Sterben sie, sinken sie auf den Meeresgrund (ein sogenannter „Walsturz") und nehmen den Kohlenstoff für Jahrhunderte mit in die Tiefe, statt ihn bei der Zersetzung an der Oberfläche freizusetzen. Dabei gilt:

  • Je größer der Wal, desto größer der Effekt. Anders als bei Pflanzen muss der Kohlenstoffspeicher von Tieren durch Nahrung immer wieder gefüllt werden.
  • Je älter das Tier, desto länger bleibt der Kohlenstoff gebunden. Deshalb haben die großen, langlebigen Bartenwale – etwa Blau-, Finn- und Buckelwal – sowie der Pottwal den größten Effekt.

Was sind Walpumpe und Walförderband?

Noch größer als die direkte Speicherung ist der indirekte Beitrag der Wale – über zwei Nährstofftransporte, die das Wachstum von Phytoplankton anregen:

Die Walpumpe (vertikal)

Wenn tieftauchende Arten wie Pottwale in der Tiefsee fressen und ihre Ausscheidungen an der Oberfläche abgeben, gelangen wichtige Nährstoffe – vor allem Stickstoff und Eisen – nach oben. Für Phytoplankton ist Walkot ein wertvoller Dünger: In einigen Meeresgebieten bringen Wale und Robben mehr Stickstoff an die Oberfläche als alle Flüsse zusammen (The Ecological Society of America), und im eisenarmen Südpolarmeer regt vor allem der eisenreiche Kot von Pottwalen das Phytoplankton an (Royal Society). Mehr Phytoplankton bindet mehr CO₂ und erzeugt mehr Sauerstoff. Dieser vertikale Nährstofftransport heißt „Walpumpe".

Wale als Klimaschützer: Walpumpe und Walförderband
Walpumpe: Wale bringen Nährstoffe aus der Tiefe an die Oberfläche und düngen so das Phytoplankton.
Walförderband: Horizontaler Nährstofftransport wandernder Wale zwischen Polar- und Tropengewässern.

Das Walförderband (horizontal)

Der Transport funktioniert auch über große Strecken: Langstreckenwanderer wie Buckelwale fressen sich in kalten, nährstoffreichen Polargewässern eine Fettschicht an und wandern dann in warme, nährstoffarme Tropengewässer, um ihre Kälber zu gebären. Dort geben sie unter anderem stickstoffreichen Harnstoff ab, der das Phytoplankton wachsen lässt. Auch gesunde Korallenriffe profitieren von diesem Nährstofftransport (Zoological Society of London) – und Riffe erhöhen wiederum die Produktivität von Seegraswiesen, die ihrerseits CO₂ binden (Frontiers in Marine Science).

Wie viel CO₂ bindet ein Wal?

Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IMF) speichert ein Großwal im Laufe seines Lebens durchschnittlich rund 33 Tonnen CO₂ – und nimmt sie beim Absinken für Jahrhunderte aus der Atmosphäre. Ein Baum bindet dagegen nur bis zu 22 Kilogramm CO₂ pro Jahr. Der eigentliche Hebel liegt aber im Phytoplankton: Würde die Bartenwal-Population von heute rund 1,3 Millionen wieder auf das Vor-Walfang-Niveau von 4 bis 5 Millionen Tiere steigen, würde auch die Menge des Phytoplanktons zunehmen. Schon ein Anstieg der Phytoplankton-Produktivität um ein Prozent könnte laut IMF Hunderte Millionen Tonnen CO₂ zusätzlich pro Jahr binden – so viel, wie zwei Milliarden ausgewachsene Bäume auf einen Schlag leisten würden. Wie groß der gesamte Klimaeffekt der Wale genau ausfällt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt und wird aktiv weiter erforscht (u. a. Trends in Ecology & Evolution).

CO₂ speichert ein Großwal im Laufe seines Lebens

IMF 2019

des Sauerstoffs stammen vom Phytoplankton, das Wale düngen

IMF 2019

Bäume:
so viel CO₂ bände 1 % mehr Phytoplankton

IMF 2019

Rückgang der Großwal-Bestände durch den Walfang

(Frontiers in Ecology and the Environment)

Klimaschutz heißt also nicht nur, Wälder aufzuforsten, sondern unbedingt auch, Wale zu schützen. 

Wie gefährdet der Walfang das Klima?

Der industrielle Walfang hat die Walbestände dramatisch einbrechen lassen: Die Bestände der Großwale gingen um mindestens 66, möglicherweise bis zu 90 Prozent zurück (Frontiers in Ecology and the Environment). Bei einzelnen Beständen war es noch fataler – die Blauwale der Südhalbkugel gingen um mehr als 99 Prozent zurück (PLOS One).

Heute liegt die Biomasse der Großwale bei weniger als einem Viertel des Vor-Walfang-Niveaus – gerade die alten, großen Tiere, die am meisten Kohlenstoff speichern, fehlen. Allein die großen Bartenwale speichern dadurch rund 9 Millionen Tonnen Kohlenstoff weniger als vor dem Walfang (PLOS One). Durch die Bejagung wurden also nicht nur Millionen Wale getötet, sondern auch die Fähigkeit der Ozeane zur Kohlenstoffspeicherung geschwächt.

Was tut Pro Wildlife?

Pro Wildlife setzt sich innerhalb der EU und bei der Internationalen Walfangkommission (IWC) für ein lückenloses kommerzielles Walfangverbot ein. Unser größter Erfolg – gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern – ist, dass das IWC-Moratorium bis heute in Kraft ist. Doch das reicht nicht: Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Moratorium umgehen, müssen geschlossen werden. Dafür informieren wir die Walschutzländer laufend und liefern neue Argumente für den internationalen Verhandlungstisch.

Wie kann ich helfen?

Pro Wildlife ist Teil der internationalen End Commercial Whaling Coalition und setzt sich weltweit dafür ein, dass die grausame und überholte Tötung von Walen endlich ein Ende hat. Unterstützen Sie jetzt die Petition und helfen Sie mit, den Druck auf die Walfangländer zu erhöhen. Ihre Unterschriften bringen wir bei der IWC-Konferenz im September vor.

Schweinswale in Nord- und Ostsee

Häufige Fragen: Wale und Klima

Auf zwei Wegen: Sie speichern Kohlenstoff direkt in ihrem Körper und tragen ihn beim Absterben in die Tiefsee. Und sie düngen mit ihren Ausscheidungen das Phytoplankton, das CO₂ bindet und Sauerstoff erzeugt.

Nach Berechnungen des IMF speichert ein Großwal im Laufe seines Lebens durchschnittlich rund 33 Tonnen CO₂ – und entzieht sie der Atmosphäre für Jahrhunderte, wenn er nach seinem Tod auf den Meeresgrund sinkt.

Der vertikale Nährstofftransport der Wale: Tieftaucher fressen in der Tiefe und geben ihre nährstoffreichen Ausscheidungen an der Oberfläche ab. Das düngt das Phytoplankton, das dort CO₂ bindet.

Mehr und größere Wale bedeuten mehr Phytoplankton und damit mehr CO₂-Bindung. Würden sich die Bestände erholen, könnten die Ozeane deutlich mehr Kohlenstoff aufnehmen.

Der Walfang hat die Großwal-Bestände um mindestens, möglicherweise bis zu 90 % verringert und vor allem die alten, großen Tiere getötet, die am meisten Kohlenstoff speichern. Das schwächt die Kohlenstoffspeicher der Meere.

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