Eisbär

Eisbär

Eisbär: bedroht durch Klimakrise und Jagd

Der Eisbär (Ursus maritimus) ist perfekt an das Leben in der Arktis angepasst und jagt auf dem Packeis rund um den Nordpol vor allem Robben. Besonders zwei menschengemachte Bedrohungen setzen ihm zu: Die Klimakrise lässt sein Jagdrevier – das Meereis – schmelzen und ist langfristig seine größte Gefahr. Hinzu kommt die Jagd: Rund 800 Eisbären werden jedes Jahr getötet, überwiegend in Kanada. Anders als die Klimakrise ließe sich diese Bedrohung sofort beenden.

Steckbrief Eisbär

Wissenschaftlicher NameUrsus maritimus
FamilieBären (Ursidae)
GrößeMännchen: Körperlänge ca. 2,2–2,5 m, Schulterhöhe rund 1,6 m, aufgerichtet bis etwa 3 m; Weibchen deutlich kleiner. Gilt – gemeinsam mit dem Kodiakbär – als größtes an Land lebendes Raubtier.
GewichtMännchen ca. 400–720 kg; Weibchen etwa halb so schwer
Lebenserwartungin freier Natur etwa 25–30 Jahre
Ernährungerbeutet vor allem Robben (Ringel- und Bartrobben) auf dem Packeis; gelegentlich auch Fisch, Vögel, Aas und pflanzliche Kost
LebensraumPackeis und Küsten der Arktis rund um den Nordpol – Kanada, Alaska (USA), Grönland (Dänemark), Spitzbergen (Norwegen) und Russland
FortpflanzungGeschlechtsreife mit 4–8 Jahren; meist 2 Junge alle 2–4 Jahre, bei Geburt unter 1 kg; Jungtiere bleiben rund 2,5 Jahre bei der Mutter
Populationgeschätzt rund 26.000 Tiere (Spanne 22.000–31.000), verteilt auf 20 Populationen
IUCN-Statusgefährdet (VU) – Rote Liste
CITES-StatusAnhang II (seit 1975)
Quellen: IUCN Red List (Ursus maritimus); IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group (20 Populationen, Stand 2024); CITES; Größe, Gewicht und Nahrungsspektrum nach Encyclopædia Britannica.

Wie ist der Eisbär an die Arktis angepasst?

Der Eisbär ist ein Meisterwerk der Anpassung an Eis und Kälte. Unter seinem durchsichtigen, hohlen Fell liegt eine schwarze Haut, die Sonnenwärme besonders gut aufnimmt; darunter speichert eine dicke Fettschicht zusätzlich Wärme. Die behaarten Fußsohlen isolieren gegen die Kälte und wirken auf dem Eis wie eine Anti-Rutsch-Sohle. An den paddelartigen Vordertatzen sitzen kleine Schwimmhäute – sie machen den Eisbären zu einem exzellenten Schwimmer, der große Strecken im offenen Wasser zurücklegt. Beim Schwimmen paddelt er allein mit den Vorderbeinen – eine Anpassung, die kein anderes vierbeiniges Säugetier zeigt.

Eisbär im Arktischen Ozean
Eisbär im Arktischen Ozean

Der Eisbär lebt einzelgängerisch und anders als andere Bären ist er fast ausschließlich Jäger: Geruchssinn und Gehör sind hervorragend ausgeprägt. Im Winter und Frühjahr erbeutet er vor allem Robben auf dem Packeis und frisst sich dabei große Fettreserven an – meist als Ansitzjäger, der an den Atemlöchern der Robben lauert. Vom Eisrand aus erlegt er gelegentlich sogar Belugas, wenn die Tiere an Öffnungen im Eis auftauchen müssen, um Luft zu holen. Taut das Eis im Süden, folgt er seinen Beutetieren nach Norden.

Wo lebt der Eisbär – und wie viele gibt es noch?

Eisbären leben zirkumpolar rund um den Nordpol, auf dem küstennahen Packeis von Kanada, Alaska (USA), Grönland, Spitzbergen (Norwegen) und Russland. Die IUCN schätzt die weltweite Population auf rund 26.000 Tiere (Spanne 22.000–31.000). Seit dem 20. Arbeitstreffen der IUCN-Fachgruppe für Eisbären im Jahr 2024 werden 20 Populationen unterschieden – hinzugekommen ist die genetisch eigenständige Population in Südost-Grönland.

Die Populationen entwickeln sich sehr unterschiedlich: Von den 20 Populationen gelten zwei als wahrscheinlich zunehmend, fünf als wahrscheinlich stabil und drei als wahrscheinlich abnehmend; für die übrigen zehn ist die Datenlage für eine belastbare Einschätzung zu dünn. Für die Hälfte der Populationen fehlen also aktuelle Zählungen.

Wie pflanzen sich Eisbären fort?

Eisbären haben von Natur aus eine sehr geringe Fortpflanzungsrate: Weibchen bekommen erstmals mit vier bis acht Jahren Nachwuchs und bringen danach nur alle zwei bis vier Jahre meist zwei Junge zur Welt. Nach einer verzögerten Einnistung der Eizelle werden die Jungen im Winter in einer Höhle aus Eis und Schnee geboren – winzig und weniger als ein Kilogramm schwer. Sie bleiben rund zweieinhalb Jahre bei der Mutter. Verluste in einer Population lassen sich dadurch nur sehr langsam ausgleichen. Das macht die Art gegenüber zusätzlichem Druck – ob Klimawandel oder Jagd – besonders empfindlich.

Warum ist der Eisbär bedroht?

Dem Eisbären setzt nicht nur der Klimawandel zu – gleich mehrere menschengemachte Bedrohungen wirken zusammen. Die wichtigsten im Überblick:

Die Klimakrise

Das Meereis ist das Jagdrevier des Eisbären – nur von ihm aus erreicht er seine Hauptbeute, die Robben. Schmilzt das Eis früher und bildet es sich später, verkürzt sich seine Jagdzeit: Die Tiere hungern, Jungtiere sterben häufiger, und die Fortpflanzung geht zurück. Besonders im südlichen Verbreitungsgebiet können Eisbären dem immer früheren Abtauen oft nicht mehr folgen und „stranden" auf dem Festland. Mit dem schwindenden Eis weichen sie immer häufiger auf energiearme Ersatznahrung wie Beeren und Seevogel-Eier aus, die mehr Aufwand kostet und weniger Energie liefert. In der Nähe von Siedlungen kommt es zunehmend zu Konflikten, wenn ausgehungerte Bären auf Nahrungssuche gehen.

Verhungernder Eisbär © Langenberger
Verhungernder Eisbär © Langenberger

Modellrechnungen in der Fachzeitschrift Nature Climate Change (2020) gehen davon aus, dass die meisten Eisbär-Populationen bis zum Jahr 2100 zusammenbrechen könnten, falls die Treibhausgas-Emissionen nicht drastisch sinken; möglicherweise überleben nur wenige Populationen im hohen Norden. Für den Eisbären ist der Klimawandel damit die langfristig größte Bedrohung.

Mehr dazu, wie die Erderhitzung Wildtiere weltweit trifft, lesen Sie unter Die Folgen des Klimawandels für Wildtiere.

Die Jagd

Viele Menschen halten den Eisbären für streng geschützt – tatsächlich ist die Jagd erlaubt. Pro Jahr werden rund 800 Eisbären ganz legal getötet. Eine Auswertung von über 39.000 erlegten Tieren ergab für den Zeitraum 1970–2018 einen Mittelwert von 797 Bären pro Jahr: rund 68 % in Kanada, 18 % in Grönland, 12 % in den USA und 2 % in Norwegen (Frontiers in Conservation Science, 2022).

Kanada, wo rund zwei Drittel aller Eisbären leben, ist der einzige der fünf „Eisbärenstaaten", der die Trophäenjagd durch ausländische Gäste und den kommerziellen Export von Eisbärenfellen erlaubt. Ausländische Trophäenjagende zahlen für einen Abschuss rund 40.000 Euro. Besonders problematisch: In Kanada ist die Jagd auch auf schrumpfende Populationen erlaubt. In der Western Hudson Bay etwa sank die Population von 842 (2016) auf 618 Tiere (2021) – die Abschussquote blieb jedoch unverändert und liegt damit über der selbst gesetzten Nachhaltigkeitsschwelle.

Eisbärenfelle © Paul Shoul
Eisbärenfelle © Paul Shoul

In den USA (Alaska) und Grönland dürfen nur indigene Gemeinschaften jagen; die Trophäenjagd ist dort verboten. In Norwegen ist die reguläre Jagd seit 1973 untersagt, in Russland seit 1956 – dort gibt es jedoch viel Wilderei.

Ausführlich zu Jagd, Quoten und Handel: „Eisbären – bedroht durch Klimawandel und Jagd" →

Welche Rolle spielt Deutschland?

Auch Deutschland ist an Jagd und Handel beteiligt: Die Einfuhr von Eisbär-Trophäen ist legal. Zwischen 2016 und 2025 genehmigte die Bundesregierung die Einfuhr von acht Eisbären als Jagdtrophäe; im Zeitraum 2005–2024 wurden zudem 123 ganze Häute, 37 Trophäen, 50 Schädel und 273 Knochen importiert. Deutsche Jagdreise-Unternehmen bieten den Abschuss von Eisbären in Kanada an, Präparatoren und Online-Händler verkaufen Felle und ausgestopfte Tiere. Als größter Trophäen-Importeur der EU hätte Deutschland einen wirksamen Hebel, dieses Geschäft zu beenden.

Weitere Bedrohungen

  • Öl- und Gasförderung: Die Erschließung arktischer Vorkommen zerstört Lebensraum.
  • Schifffahrt: Mit dem schwindenden Meereis nimmt der Schiffsverkehr in bislang schwer zugänglichen Regionen zu – mit Lärm und Unfallrisiken.
  • Tourismus: Immer mehr Menschen reisen in die Arktis – das stört die Tiere an ihren Rückzugsorten und sorgt für häufigere Mensch-Bär-Begegnungen, die für beide Seiten gefährlich enden können.
  • Schadstoffe: Als Spitzenjäger reichert der Eisbär über die Nahrungskette besonders viele langlebige Schadstoffe an (wie PCB oder PFAS), u.a. auch im Fettgewebe. Hungern die Bären, bauen sie ihre Fettreserven ab, dabei werden die Schadstoffe freigesetzt und belasten den geschwächten Körper zusätzlich. Diese Schadstoffe können u.a. Immunsystem, Hormonhaushalt und Fortpflanzung beeinträchtigen.

Wie ist der Eisbär geschützt?

Der Eisbär steht seit 1975 in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Ausfuhrgenehmigungen dürften theoretisch nur erteilt werden, wenn die Jagd nachhaltig ist und die Population nicht gefährdet – in der Praxis setzt Kanada seine Jagd- und Exportquoten jedoch über die Provinzen fest, auch für rückläufige Populationen. Zwei Versuche, den Eisbären in Anhang I hochzustufen und den kommerziellen Handel zu verbieten, scheiterten vor allem am Widerstand Kanadas und der EU. Pro Wildlife hatte sich gemeinsam mit anderen Fachleuten und der US-Regierung dafür eingesetzt, aber bis heute ist ein stärkerer Schutz über CITES nicht zustande gekommen.

Schutz-Meilensteine im Überblick

  • 2013: CITES-Konferenz CoP16 – zweiter Antrag auf Hochstufung in Anhang I scheitert, erneut v. a. am Widerstand Kanadas und der EU.
  • 2010: CITES-Konferenz CoP15 – erster Antrag der USA auf Hochstufung in Anhang I scheitert.
  • 2008: Die USA listen den Eisbären unter dem Endangered Species Act als „bedroht" und verbieten die Einfuhr von Sport-Jagdtrophäen; Grönland setzt den Export von Eisbärenprodukten aus.
  • 1975: Aufnahme in CITES-Anhang II.
  • 1973: Internationales Eisbär-Abkommen der fünf Arktis-Anrainerstaaten; Norwegen verbietet die reguläre Jagd.
  • 1956: Die Sowjetunion (Russland) verbietet die Eisbärenjagd.

Was tut Pro Wildlife für den Eisbär?

Pro Wildlife setzt sich dafür ein, den Abschuss von hunderten Eisbären pro Jahr für den kommerziellen Fellhandel und die Trophäenjagd zu beenden und die Einfuhr von Eisbär-Trophäen nach Deutschland zu verbieten. Zudem fordert Pro Wildlife, die Vermarktung von Trophäenjagdreisen auf Jagdmessen zu beenden.

Gemeinsam mit anderen Fachleuten hat sich die Organisation bei CITES für ein internationales Handelsverbot eingesetzt.

Darüber hinaus klärt Pro Wildlife über die Folgen des Klimawandels für Wildtiere auf und fordert, die Arktis nicht dem Rohstoffabbau zu opfern.

Schluss mit der Trophäenjagd

Klimaschutz braucht Zeit – die Jagd ließe sich sofort beenden. Pro Wildlife setzt sich dafür ein, den kommerziellen Fellhandel und die Trophäenjagd auf Eisbären zu stoppen und die Einfuhr von Trophäen nach Deutschland zu verbieten. Unterschreiben Sie unsere Petition „Schützen statt schießen“ gegen die Trophäenjagd.

Häufige Fragen zum Eisbär

Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt die weltweite Population auf rund 26.000 Tiere (Spanne 22.000–31.000), verteilt auf 20 Populationen. Für viele davon fehlen aktuelle Zählungen.

Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Eisbär als „gefährdet". Modellrechnungen gehen davon aus, dass ohne drastischen Klimaschutz die meisten Populationen bis 2100 zusammenbrechen könnten.

Die größte langfristige Bedrohung ist die Klimakrise: Schmilzt das Meereis, verkürzt sich die Jagdzeit, und die Tiere hungern. Hinzu kommt die Jagd für Felle und Trophäen. Mit dem Rückzug des Eises nehmen außerdem Öl- und Gasförderung, Schifffahrt und Tourismus in der Arktis zu; über die Nahrungskette reichern sich zudem langlebige Schadstoffe wie PCB, PFAS und Quecksilber an.

Ja. Pro Jahr werden rund 800 Eisbären legal getötet, etwa zwei Drittel davon in Kanada. Kanada ist das einzige Land, das die Trophäenjagd durch ausländische Gäste und den kommerziellen Export von Fellen erlaubt. In Norwegen und Russland ist die Jagd verboten (in Russland gibt es jedoch viel Wilderei); in den USA und Grönland dürfen nur indigene Gemeinschaften jagen.

Unterstützen Sie wirksamen Klimaschutz und helfen Sie Pro Wildlife, Trophäenjagd und Fellhandel zu beenden – zum Beispiel mit einer Spende oder als Fördermitglied.

Was aktuell geschieht

Trophäenjagd auf bedrohte Arten

Deutsche Jagdgäste reisen für Trophäen ins Ausland – und führen die Körperteile bedrohter Arten wie Elefant, Löwe und Nashorn anschließend legal nach Deutschland ein. 2025 registrierte das Bundesamt für Naturschutz 679 solcher Einfuhrvorgänge, und in drei Jahren wurde kein einziger Antrag abgelehnt. Als größter Trophäen-Importeur der EU hätte Deutschland einen wirksamen Hebel, dieses Geschäft zu beenden – bislang nutzt es ihn nicht.

Mehr lesen

Jagd auf Eisbären

Dem Eisbären schmilzt das Eis unter den Pfoten weg – so weit bekannt. Weniger bekannt: Jedes Jahr werden rund 800 Tiere getötet, ganz legal, für Felle und Trophäen. Wer dahinter steckt, welche Rolle Deutschland spielt und warum sich dieser zusätzliche Druck auf die ohnehin bedrohte Art sofort beenden ließe.

Mehr lesen

Klimawandel: Die Folgen für Wildtiere

Der Klimawandel trifft Wildtiere rund um den Globus – vom Eisbär auf schwindendem Meereis über verweiblichte Meeresschildkröten bis zum Menschenaffen im schrumpfenden Regenwald. Steigende Temperaturen, verschobene Jahreszeiten und Dürren verändern Lebensräume schneller, als sich viele Arten anpassen können. Dabei ist die Erderhitzung nicht die häufigste Ursache des Artensterbens, aber die am schnellsten wachsende – und verstärkt alle anderen. Wir zeigen, welche Arten schon heute leiden und was jetzt hilft.

Mehr lesen