Walfang: Wale im Fokus der Harpunen

Drei Länder ignorieren das Walfangverbot.

Seit 1986 gilt ein weltweites kommerzielles Walfang-Moratorium, beschlossen von der Internationalen Walfangkommission (IWC). Doch drei Länder ignorieren dieses Verbot: Japan, Norwegen und Island. Sie nutzen dreist Schlupflöcher der IWC-Regeln oder kündigen gar die IWC-Mitgliedschaft auf – und betreiben weiterhin Walfang.
Wal Finnwal Walfang

Finnwal © Cephas

Bis Mitte 2019 fing Japan unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“, für die leider Ausnahmen möglich sind. Zum 31. Juni 2019 kündigte Japan seine IWC-Mitgliedschaft auf und fängt seither als eine Art Outlaw offiziell Wale zu kommerziellen Zwecken. Island und Norwegen sind durch einen formellen Einspruch gar nicht erst an das Moratorium gebunden. Während Norwegen ausschließlich Zwergwale fängt, sind es in Island zusätzlich Finnwale. Japan macht in der Antarktis Jagd auf Zwergwale, im Nordpazifik zudem auf Seiwale. Jährlich sterben aktuell ca. 450 Wale durch japanische Harpunen, knapp 200 vor Island und 600 bis 700 vor Norwegen.

Auch das internationale Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch CITES) wird von den drei Ländern durch juristische Taschenspielertricks umgangen. Vor allem in den letzten Jahren sind die Exporte von Walfleisch und -Speck aus Island und Norwegen nach Japan regelrecht eskaliert. In den beiden nordeuropäischen Ländern selbst gibt es kaum Nachfrage nach Walfleisch, geschweige denn nach dem tranigen Walspeck (Blubber).

Ein Mann dominiert Islands Walfang

Kristjan Loftsson ist Millionär und ein einflussreicher Vertreter der isländischen Fischindustrie. Er ist Besitzer der vier Schiffe, die zur Jagd der großen Finnwale (bis zu 25 Meter lang) eingesetzt werden. 1990 bis 2003 ruhte Islands Walfang aus Angst vor internationalen Boykotten. Loftssons Walfangschiffe lagen ungenutzt im Hafen und kosteten ihn Geld. Also nutzte er seinen großen politischen Einfluss und war die treibende Kraft hinter Islands Wiedereinstieg in den Walfang. Zwischen 2003 und 2015 starben 715 Finnwale; 2015 sorgte der Export der Rekordmenge von 1.800 Tonnen Walfleisch von Island nach Japan für internationale Empörung. 2016 und 2017 pausierte er offenbar wegen Absatzschwierigkeiten in Japan. Für die Saison 2019 verwehrte ihm die isländische Regierung die Fanggenehmigung.

Neben der rein auf Export ausgerichteten Finnwaljagd gibt es in kleinerem Umfang auch einen Zwergwalfang in Island. 2016 starben 46 Wale, 2017 waren es 17 und 2018 nur sechs Tiere, 2019 verzichteten die Fischer sogar ganz auf die Zwergwaljagd. Angesichts der geringen Nachfrage in Island selbst ist der Fang von Zwergwalen ein Auslaufmodell. Die einzige Gefahr: Immer mehr Urlauber probieren Walfleisch, das ihnen als „traditionelles Essen“ angepriesen wird. Viele Touristen buchen sogar zunächst eine Whalewatching-Tour und essen danach Walfleisch… Deshalb ist Aufklärung wichtig, damit Touristen auf Walfleisch verzichten und sich nicht mitschuldig machen am Walfang.

Japans Walfang unter Beschuss

Japans angeblicher Wissenschaftswalfang ausgerechnet im Walschutzgebiet der Antarktis war viele Jahren in der Kritik. Die „Forschungsobjekte“ wurden noch an Bord des Fabrikschiffs in Supermarkt-gerechte Portionen verarbeitet und tiefgefroren. Eine Klage Australiens und Neuseelands vor dem Internationalen Gerichtshof 2013 war erfolgreich. Den Haag sah das Forschungsprojekt als Verstoß gegen das IWC-Moratorium an. Nach einjähriger Pause begann Japan 2015 erneut die Jagd in der Antarktis und verwies auf eine seither geringere Fangquote. Nachdem 2018 Tokios Versuch erneut scheiterte, das Walfangverbot der IWC zu beenden, kündigte Japan seine IWC-Mitgliedschaft fristgerecht zum 31. Juni 2019 auf. Seit dem 1. Juli 2019 fängt Japan nun außerhalb der IWC kommerziell Wale – für die erste Saison hat Tokio 227 Wale (150 Bryde-, 52 Zwerg- und 25 Seiwale) zum Abschuss freigegeben.

Walfänger in Japan © Australian Customs and Border Protection Services

Walfänger in Japan © Australian Customs and Border Protection Services

Norwegen: Wikinger in der Zeitschleife?

In Norwegen ist der Walfang keine eigenständige Industrie, sondern ein Zuerwerb für die Fischer, vor allem im wirtschaftlich schwachen Norden. Die Fischer berufen sich darauf, dass schon ihre Vorfahren, die Wikinger, als Walfänger aktiv waren. Moderne Explosivharpunen und Hightech-Geräte haben mit dieser Tradition jedoch nichts mehr zu tun. Walfleisch wird in norwegischen Edelrestaurants und Supermärkten verkauft; Touristen wird es als Snack angeboten. Die Nachfrage der eigenen Bevölkerung ist gering. Seit 2014 wurden jedoch systematisch die Kühlhäuser geleert und das teils Jahre alte Walfleisch nach Japan verkauft.

Walfänger in Norwegen © Nick Seliger

Walfänger in Norwegen © Nick Seliger

Was tut Pro Wildlife?

Seit 1999 nimmt Pro Wildlife an den IWC-Tagungen teil und ist hierbei auch beratend für die Bundesregierung und andere IWC-Mitgliedsstaaten tätig. Hinter den Kulissen konnte Pro Wildlife bereits diverse Resolutionen mitgestalten und mehrfach gefährliche Kompromisse verhindern, die faktisch ein Ende des Moratoriums bedeutet hätten. 2012 verabschiedete die IWC auf Initiative von Pro Wildlife eine Resolution, die vor der Giftstoffbelastung in Walfleisch warnt – unser Beitrag, um die Nachfrage nach Walfleisch zu verringern. Wichtigste Ziele sind der Erhalt des Walfangverbotes, ein Ende der Waljagd in Norwegen, Japan und Island sowie ein besserer Schutzstatus für Kleinwale und Delfine.

Mehr Informationen

Walfang Australian Customs and Border Protection Service

Walfang © Australian Customs and Border Protection Service

Fast 3.800 Wale sollen im Nordpazifik sterben. » Presseinformation: Japan legt neue Walfangpläne vor
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Seiwal-Weibchen mit Kalb, Walfang Japan © Christin Khan NOAA

Japan fängt unter dem Deckmantel der Wissenschaft. » Waljagd in Japan
Zwergwale in Norwegen © HansBernhard

Norwegens Zwergwale © Hans Bernhard

Das Walfangland Nummer 1 beruft sich auf Wikinger-Traditionen. » Waljagd in Norwegen
Island Dagur Brynjólfsson

Island © Dagur Brynjólfsson

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Gewöhnlicher Delphin Jessica Redfern

Gewöhnlicher Delphin © Jessica Redfern

Während für alle Großwale weltweit Jagd- und Handlesverbote gelten, sind Delfine und Kleinwale in vielen Ländern nahezu vogelfrei. » Jagd auf Delfine & Kleinwale
Frozen in Time

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Unser Bericht: How modern Norway clings to its whaling past. » Frozen in Time
Walfleisch EIA

Walfleisch © EIA

Unser Bericht „Toxic Menu“ zu Giftstoffen in Walen und Delfinen. » Toxic Menu – Contamination of Whale Meat and Impact on Consumers’ Health
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Unser Bericht: Denmark goes it alone on whaling policy. » Breaking Ranks
Walfluke © Tomas Kotouc

Walfluke ©Tomas Kotouc

Die internationale Walfangkommission (IWC) ist das operierende Organ und verantwortlich für das Management des Walfangs, sowie den Schutz der Wale. » Die Internationale Walfangkommission (IWC)
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