Whale Watching: Meeresriesen in Freiheit genießen
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13. März 2018

Walbeobachtung ist auch in Europa problemlos möglich.

Viele Menschen haben den Wunsch, Wildtiere zu sehen. Und natürlich ist es noch viel reizvoller, die Tiere in freier Wildbahn anstatt in einem Glastank oder in einem Käfig zu beobachten. Für Walfreunde heißt das: Rein ins Boot und raus aufs Meer zum Whale Watching. Denn für die Walbeobachtung in freier Natur werden die Wale und Delfine nicht gefangen genommen, sie leben in ihrer natürlichen Gruppe – und sie müssen keine Kunststücke aufführen. Kein Wunder, dass diese Branche immer mehr boomt, auch in Europa. Denn auch hier lassen sich Wale gut beobachten.

Whale Watching ist ein boomendes Geschäft

1955 war der Auftakt des kommerziellen Whale Watchings. Wal- und Delfinbeobachtungen haben in den vergangenen zwanzig Jahren schnell an Beliebtheit dazugewonnen. Im Jahr 2009 gaben 13 Millionen Touristen insgesamt 2,4 Milliarden Euro aus, um Wale und Delfine in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Mindestens die Hälfte des Wachstums dieser Industrie kommt den Bewohnern von Küstengebieten in Entwicklungsländern zugute.

Whale Watching Buckelwal

Achtsame Wal- und Delfinbeobachtung

Wir als Touristen haben hier natürlich eine große Verantwortung. Die Riesen der Meere sind im Ökosystem Meer absolut unersetzlich und sind ohnehin vielen Gefahren ausgesetzt. Deshalb sollten wir als Urlauber darauf achten, dass die Tiere bei einer Whale Watching Tour nicht gestört werden. Wale und Delfine können beispielsweise sehr gut von Schiffen oder Booten aus beobachtet werden. Einen mindestens genauso guten Blick kann man an vielen Stellen auch vom Festland oder Helikopter mit dem Fernrohr auf sie werfen.

Das Einmaleins des Whale Watchings – Dos und Don’ts

Nicht jeder Anbieter macht diese Touren zum Wohl der Tiere. Sollten Sie sich also für eine Walbeobachtung entscheiden, ist es ratsam, auf ein paar Dinge zu achten: Informieren Sie sich vor der Reise über die Anbieter. Arbeiten diese gemeinsam mit Forschungsgruppen, Bildungseinheiten oder dem Naturschutzverband, spricht das in der Regel für die Einrichtung. Die Fahrgeschwindigkeit sollte immer an die jeweilige Situation angepasst werden. Vor allem, wenn Tiere in der Nähe sind, muss die Geschwindigkeit reduziert werden. Nähern Sie sich den Tieren nicht auf weniger als 100 Meter. Das Verfolgen der Individuen ist verboten, da diese sonst voneinander getrennt werden. Spezielle Vorsicht ist bei Müttern mit Jungen, rastenden und gebärenden Tieren geboten. Und zu guter Letzt: Schwimmen Sie nicht mit den Tieren! Für sie bedeutet es puren Stress, der vor allem trächtigen Individuen schadet. Und Sie selbst könnten dabei absichtlich oder unabsichtlich von den Tieren verletzt werden – auch von anderen Meeresbewohnern. Krankheiten könnten dabei ebenfalls in beide Richtungen (von Mensch auf Tier und von Tier auf Mensch) übertragen werden. Am wenigsten stören Sie die Tiere natürlich, wenn Sie sie vom Festland aus beobachten.

Ein kleiner Tipp am Rande: Einen Meeresbiologen oder Naturforscher an Bord zu haben, ist von großem Nutzen. Sie können umfassende Informationen über Bedrohungen des lokalen Gewässers und dessen Bewohner geben. Das Erkennen von Arten und korrekte Interpretation des Verhaltens einzelner Tiere oder Gruppen beim Whale Watching zählen ebenfalls zu ihrem Fachgebiet.

Whale Watching

Fahrlässiges Handeln schadet den Tieren

Von aufdringlichem Verhalten und Verfolgungen können die Meeressäuger Schaden nehmen. Meeresforscher dokumentierten bereits einige Verhaltensänderungen bei Tieren in Gebieten, in denen es erlaubt ist, mit Delfinen zu schwimmen. Bei Orcas wurde ein reduziertes Nahrungssuchverhalten beobachtet. Sie rasteten seltener und die Interaktion untereinander nahm ab. Alle beobachteten Verhaltensänderungen können sich langfristig auf Vermehrungsrate und Gesundheit der Tiere auswirken. Jedem Beteiligten (Naturschutzbehörden, wissenschaftliche Gemeinschaften, Whale Watching Industrie und Touristen) muss klar sein, dass ihre Aktivitäten im Meer Folgen haben können.

Wale und Delfine in Europa beobachten

1. Deutschland – Sogar in Deutschland können Sie Wale beobachten, und zwar auf Sylt, Fehmarn und in der Eckernförder Bucht. Dort leben etwa 6.000 Schweinswale.

2. Italien – Streifendelfin, Finnwal, Pottwal und Cuvier-Schnabelwal gibt es in Ligurien zu sehen.

3. Kroatien – In der Adria kann man Große Tümmler, Streifendelfine, Rundkopfdelfine und den gemeinen Delfin beobachten.

4. England – Auch in Doset, Devon und Cornwall leben Tümmler. Unter anderem gibt es auch die Möglichkeit, auf Weißschnauzendelfin, Grindwal und Seiwal zu treffen.

5. Irland – Country Cork, Wexford und Kerry sind die irischen Whale Watching Gebiete. Hier leben zum Beispiel Grindwale, Buckelwale oder Seiwale.

6. Spanien – Auf Gibraltar und Tarif können Sie einen Blick auf den Pottwal, Orca und unter anderem auch auf den Grindwal werfen. Vor den kanarischen Inseln leben der Tümmler, gemeine Delfin oder der Brydewal. In Portugal an der Algarve gibt es den Zwergwal, Buckelwal oder Tümmler zu sehen. Vor Madeira sind u.a. Fleckendelfin, Orca und Streifendelfin heimisch. Im Delta des Sado-Flusses bei Setubal (südlich von Lissabon) leben ca. 30 Große Tümmler, die man per Boot besuchen kann. Auf den Kanaren vor Teneriffa sind das ganze Jahr über Pottwale, Zwergwale und Grindwale zu sehen.

Weitere Möglichkeiten für Whale Watching: In der Karibik gibt es den Buckelwal, Zügeldelfin oder den ostpazifischen Delfin zu sehen. In Neuseeland sind der gemeine Delfin, Grindwal und Tümmler beheimatet. Südkaper, Buckelwal und Brydewal können in Südafrika beobachtet werden.

Whale Watching Buckelwal

Whale Watching setzt sich gegen Walfang durch

Sogar in Ländern wie Japan, Island und Norwegen scheint sich das Beobachten der Meeressäuger langsam gegen Walfang (Whaling) durchzusetzen. Hier werden immer noch Wale und Delfine wegen ihres Fleisches verfolgt und getötet. Aber die Walbeobachtung wird nun als wirtschaftliche und ethische Alternative zum Whaling angeboten. Teile der lokalen Bevölkerung und der Politik vor Ort scheinen langsam zu verstehen, dass die außergewöhnlichen Tiere lebend mehr wert sind als tot.

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