Tierversuche: Wild gefangene Affen in Versuchslaboren

22. April 2021 (Update).

Affenversuche: Forschung um jeden Preis

Der weltweite Handel mit Affen für die Forschung floriert. Ein Millionengeschäft! Denn die Versuchslabore haben einen hohen Verbrauch und benötigen ständig Nachschub. Um ihren enormen Bedarf zu decken, importieren Labore weltweit jährlich zehntausende Affen. Doch woher stammen all diese Tiere? In Asien und Afrika werden unzählige Affen aus der Wildnis eingefangen. Durch die brutalen Fangmethoden und beim Transport erleiden viele der Primaten Verletzungen oder sterben sogar.

Javaneraffe © Quentin Dr

Javaneraffe © Quentin Dr

Die Überlebenden werden entweder in Zuchtstationen transportiert, wo sie unter grauenhaften Bedingungen als Gebärmaschinen für die Forschungsindustrie dienen, oder als Versuchstiere exportiert. Vor allem der Javaneraffe (Macaca fascicularis) ist hoch begehrt und gehört zu den meistgehandelten CITES-geschützten Arten der Welt. In Europa kostet er rund 2.600 Euro, in Südostasien wird er für 150 Dollar angeboten. Ein Riesengeschäft mit dem Leid wilder Affen! Auch für die Entwicklung von Impfstoffen werden Versuche an Affen durchgeführt. Ende des Jahres werden die Versuchstierzahlen von 2020 veröffentlicht. Dann wird deutlich, wie viele Affenversuche für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus nötig waren.

Wilde Affen in deutschen Versuchslaboren?

Offiziell hat Deutschland seit 2010 keine Wildfänge mehr importiert. 2019 importierte Deutschland jedoch insgesamt 135 Affen, deren Eltern Wildfänge waren (F1-Generation). Auch bei den restlichen Tieren ist die Herkunft häufig unklar. Denn der Großteil der Affen kommt aus dem nicht-europäischen Ausland. Wie viele wildgefangene Affen in deutschen Versuchslaboren vor sich hinvegetieren, kann somit nicht eindeutig beantwortet werden.

Javaneraffen © Jo-Anne McArthur

Javaneraffen © Jo-Anne McArthur

Vor allem die weitgehend unkontrollierten Handelsrouten in Südostasien lassen vermuten, dass unzählige Makaken aus der Wildnis gefangen und als angeblich gezüchtete Affen nach Europa und in die USA weiterverkauft werden. 2019 wurden laut offiziellen Zahlen des Tierschutzberichtes des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Deutschland insgesamt 3.276 Affen und Halbaffen in Tierversuchen eingesetzt.

Diese Affen wurden 2019 in Deutschland in Tierversuchen eingesetzt

Javaneraffen 2.880
Rhesusaffen 86
Paviane 6
Grüne Meerkatzen 8
Halbaffen 140
Marmosetten und Tamarine 143
Meerkatzenverwandte 13
Gesamt 3.276
Mehr als zwei Drittel dieser Affen wurden erstmals in einem Tierversuch „verwendet“. 86 Prozent dieser Tiere importierten die Versuchslabore aus dem nicht-europäischen Ausland, inklusive fragwürdiger Herkunft. Bei den Javaneraffen sind sogar 96 Prozent der Tiere Einkäufe von außerhalb Europas.

Auch Paviane werden in Tierversuchen eingesetzt © Fred Hoogervorst

Auch Paviane werden in Tierversuchen eingesetzt © Fred Hoogervorst

Affen als Stellvertreter für den Menschen

Javaneraffen gehören zu der am häufigsten verwendeten Affenart in der Forschung. Wissenschaftler testen an ihnen Substanzen auf ihre Giftigkeit, infizieren sie künstlich mit menschlichen Krankheiten und bohren ihre Schädeldecke auf, um Elektroden in ihr Hirn einzusetzen. Während der Experimente werden die Tiere oft in sogenannten Primatenstühlen fixiert und somit stundenlang bewegungsunfähig gemacht. Die Mitarbeit der Affen erzwingen die Labore häufig durch Wasserentzug; die Affen bekommen nur dann Flüssigkeit zu trinken, wenn sie im Versuch kooperieren. Die Tiere leiden meist monate- oder jahrelang, teilweise in mehreren Tests, bevor sie durch den Tod erlöst werden. All das geschieht im Namen der Forschung! Obwohl mittlerweile stark angezweifelt wird, dass Erkenntnisse, die in Tierversuchen gewonnen wurden, auf den Menschen übertragbar sind und in vielen Bereichen anerkannte Alternativmethoden existieren, werden Tierversuche weiterhin durchgeführt. Vor allem bei wild gefangenen Affen, deren Vorgeschichte und Herkunft unbekannt sind, ist die Übertragbarkeit auf den Menschen mehr als fragwürdig.

Rhesusaffe © Christy White

Rhesusaffe © Christy White

Der Zweck heiligt die Mittel?

Mit Javaneraffen werden jährlich Millionen gescheffelt. Doch wie viele Tiere gibt es überhaupt noch in freier Wildbahn? Lebensraumverlust, Jagd und nicht zuletzt das unkontrollierte Fangen von Wildtieren für den Tierhandel dezimieren die natürlichen Populationen immer weiter. Vor allem in Südostasien sind die Handelsrouten äußerst undurchsichtig. 2010 untersuchte die UNEP-WCMC (Weltüberwachungszentrum für Naturschutz) die Populationsgröße der wildlebenden Javaneraffen in Laos und schätzte, dass noch 3.000 bis 5.000 Tiere in freier Wildbahn vorkommen. Nur wenige Jahre zuvor, 2004, hatte Laos fast 6.000 wild gefangene Javaneraffen nach Vietnam exportiert und verkaufte damit etwa die Hälfte seiner damaligen natürlichen Population. Illegaler Schmuggel und gefälschte Dokumente verschleiern die wahre Herkunft der Tiere. Von Kambodscha über Laos, Vietnam und China gelangen die Affen dann schlussendlich nach Europa oder in die USA. Ihre „legalen“ Papiere erhalten sie irgendwo auf ihrer Reise durch Südostasien. Woher die Tiere wirklich stammen und ob es sich um Wildfänge handelt, ist für die Versuchslabore kaum nachvollziehbar. Doch diese Tatsache wird im Namen der Forschung nur allzu gern ignoriert.

Javaneraffen in einer Zuchtstation in Laos © Jo-Anne McArthur

Javaneraffen in einer Zuchtstation in Laos © Jo-Anne McArthur

Die Lösung: Ein Handelsverbot

Ab 2022 verbietet es die Europäische Union, Wildfänge in Versuchen oder der Zucht zu verwenden. Doch solange CITES den Handel mit Javaneraffen nicht grundsätzlich verbietet und die Behörden im Exportland weiterhin bescheinigen, dass die Tiere aus legalen Quellen stammen, werden weiterhin wild gefangene Javaneraffen in Versuchslaboren leiden und sterben. Ein Handelsverbot wäre nicht nur im Sinne des Artenschutzes, sondern auch aus Tierschutzgründen überfällig.

Dieser Artikel wurde zuerst am 11. Dezember 2018 veröffentlicht und am 22. April 2021 aktualisiert.

Autorin: Katharina Lameter

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