Schutz für Menschenaffen vor COVID-19

01. April 2020.

Ausnahmesituation in den Auffangstationen.

COVID-19 heißt die Lungenkrankheit, die die ganze Welt innerhalb weniger Wochen auf den Kopf gestellt hat. Besonders schwierig ist die Situation in Ländern ohne gutes Gesundheitssystem und natürlich für unsere Partner, die in Afrika und Asien um das Überleben von Tieren kämpfen, die sich vielleicht infizieren können.

Noch ist nicht bekannt, ob sich Menschenaffen mit COVID-19 anstecken können. Es ist aber sehr wahrscheinlich, da sie sehr ähnliche Gene wie wir Menschen haben und teils an denselben Erregern erkranken wie wir, wie beispielsweise auch an der saisonalen Grippe. Wie können wir die Tiere schützen?

Bolo im Limbe Wildlife Center © Ohlenbostel

Bolo im Limbe Wildlife Center © Ohlenbostel

JACK: Auffangstation für Schimpansen im Kongo

Unsere Partner der Auffangstation JACK in der Demokratischen Republik Kongo sind knifflige Situationen gewohnt. Im Moment berichten sie jedoch von besonders großen Schwierigkeiten. Roxan, die Leiterin der Station, hat bereits Anfang Januar, direkt nach Bekanntwerden der ersten Fälle in China, reagiert und die Hygienemaßnahmen für die Station verschärft. Die Temperatur der Pfleger wird seitdem zweimal täglich gemessen, bei dem geringsten Anzeichen von Krankheit werden die Mitarbeiter in 21-tägige Quarantäne geschickt. Masken, Kittel und Desinfektion für Schuhe waren wie bei anderen Stationen, die Menschenaffen pflegen, auch bereits zuvor Pflicht.

Ekolo & Tommy © JACK

Ekolo & Tommy © JACK

Nach Bekanntwerden der ersten Fälle von COVID-19 im Kongo Anfang März schnellten die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe; auch die Preise für Futter für die Schimpansen stiegen stark. Das Team fuhr sogar an die sambische Grenze, um günstiger an Futter zu kommen. Während einer kurzfristig verhängten Ausgangssperre konnten die Mitarbeiter nur mit Hilfe eines bewaffneten Militärkonvois in die Station gelangen.

Baby-Schimpanse beim Essen © JACK

Baby-Schimpanse beim Essen © JACK

Inzwischen schlafen alle Angestellten in der Station, manche gemeinsam mit ihren Familien, um das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden. Dafür werden im Moment extra zwei kleine Häuser gebaut. Roxan stellt den Mitarbeitern Verpflegung und Unterkunft zur Verfügung und hat Fahrräder gekauft, damit die Pfleger beim Einkaufen von Futter und Nahrungsmitteln nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren müssen. Die Station ist inzwischen weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Da die Preise von Grundnahrungsmitteln für die Menschen in der Stadt Lubumbashi und in den umliegenden Dörfern unerschwinglich sind, werden inzwischen Plünderungen befürchtet.

Temperaturmessung in der Auffangstation © JACK

Temperaturmessung in der Auffangstation © JACK

LWC: Station für Menschenaffen in Kamerun

In Kamerun ist die Situation noch überwiegend ruhig, doch auch hier steigen Preise und die Anspannung steigt. Das Limbe Wildlife Center (LWC) hat trotzdem bereits reagiert und die Hygienemaßnahmen verschärft. Manager Guillaume organisierte zusätzliches Desinfektionsmittel, weitere Möglichkeiten zum Händewaschen und medizinisches Equipment, um die Tiere und natürlich auch die Mitarbeiter so gut wie möglich vor dem Virus zu schützen. Die Tiere werden künftig noch genauer auf Krankheitssymptome untersucht, und das Team muss wesentlich strengere Regeln im Umgang mit den Tieren beachten. Dazu gehört, dass die Mitarbeiter Abstand zu den Tieren halten, Schutzausrüstung tragen sowie Kleidung und Ausrüstung nach dem Tragen in ausgewiesenen Zonen ablegen. Mitarbeiter mit Krankheitssymptomen dürfen nicht in die Station, der Kontakt zu anderen Menschen wird vermieden. Einige Mitarbeiter sind älter als 60 Jahre und müssen umfangreich geschützt werden.

Gorillababy © LWC

Gorillababy © LWC

Die größte Herausforderung wird zukünftig die Beschaffung von Nahrung und Futter sein. Die Infrastruktur in Kamerun ist schlecht und normalerweise arbeitet die Auffangstation mit Landwirten vor Ort zusammen, die Futter anbauen und in die Station liefern. Diese Kontakte müssen jetzt auf ein Minimum reduziert werden. Außerdem gehen alle Eintrittsgelder verloren, die normalerweise von Besuchern bezahlt werden; auch das Freiwilligen-Programm ruht, das sonst zusätzliche Hilfe bedeutet und Geld in die Kassen spült.

Chinoise © Limbe Wildlife Center

Chinoise © Limbe Wildlife Center

IAR: Plumplori- und Orang-Utan-Rettung in Indonesien

Sowohl die Auffangstation für Plumploris auf Java als auch diejenige für Orang-Utans auf Borneo haben umfangreiche Maßnahmen getroffen. Die Regierung von Indonesien scheint insgesamt besser auf die Pandemie zu reagieren als andere Länder und versucht, den Kontakt zwischen den Menschen im Land einzuschränken. Nichtsdestotrotz müssen die Pfleger natürlich weiterhin in die Stationen kommen, um die Tiere zu versorgen.

Orang-Utan-Baby © IAR

Orang-Utan-Baby © IAR

Alle Schulungen und der Umweltunterricht für die Menschen in der Umgebung der Station auf Borneo wurden vorerst eingestellt, um so wenig Kontakt zu anderen Menschen wie möglich zu haben. Auch die Kontakte zwischen Pflegern und Tieren wurden auf ein Minimum begrenzt. Oberste Priorität ist es, dass weder Tiere noch Mitarbeiter an COVID-19 erkranken. Beide Stationen haben einen umfangreichen Krisenplan für den Fall erarbeitet, dass es doch zu Erkrankungen kommt.

Baby-Orang-Utans © IAR

Baby-Orang-Utans © IAR

Beide Stationen arbeiteten bereits in der Vergangenheit mit sehr umfangreichen Hygienemaßnahmen und haben diese noch einmal verschärft. Gebäude und Gehege werden regelmäßig desinfiziert und sowohl Tiere als auch Pfleger intensiv auf mögliche Krankheiten untersucht. Außerdem werden zahlreiche medizinische Güter selten und teuer. Bereits jetzt haben sich die Mitarbeiter mit einem Appell an die Regierung gewandt, Lebensräume von Tieren besser zu schützen und den Handel mit Wildtieren zu unterbinden, um zukünftige Pandemien zu verhindern.

Plumploris (c) IAR

Plumploris (c) IAR

Autorin: Sandra Henoch

Weitere Informationen:

Orang-Utan Baby

Affenschutz

Pro Wildlife setzt sich seit der Gründung für den Affenschutz ein. Wir helfen dabei, illegal gehaltene Affen zu befreien. Wir kämpfen gegen den Verlust ihres Lebensraums und kümmern uns um verwaiste Primaten

» Pro Wildlife Affenschutzprogramm

Affenpatenschaft

Affenpatenschaft

Bereits ab 7 Euro pro Monat können Sie Affenpate werden und nachhaltig Affen in Not helfen!

» Pro Wildlife Affenpatenschaft

Schimpansen

J.A.C.K. Schimpansen-Rettung, Kongo

Die Station J.A.C.K. nimmt Schimpansen auf, die an Ketten, in Verschlägen oder in winzigen Käfigen als „Haustiere“ gehalten wurden.

» J.A.C.K. Schimpansen-Rettung, Kongo

Orang-Utan-Station in Indonesien © Craig Jones

Orang-Utan-Station in Indonesien © Craig Jones

In der Station auf Borneo leben mehr als 100 Tiere, viele werden wieder ausgewildert.

» Auffangstation für Orang-Utans auf Borneo, Indonesien

Limbe Wildlife Center

Limbe Wildlife Center

Für mehr als 200 verwaiste Schimpansen, Gorillas, Drills und andere Affenarten sowie gefährdete Graupapageien ist das Limbe Wildlife Centre (LWC) im Süden Kameruns zu einer neuen Heimat geworden.

» Auffangstation für Menschenaffen in Kamerun

Coronakrise: Naturschutz ist Pandemieschutz!

Coronakrise: Naturschutz ist Pandemieschutz!

Lebensraumzerstörung, Wildtierhandel und Artensterben fördern die weltweite Verbreitung von Krankheitserregern. Doch eins ist ganz klar: Nicht die Tiere sind schuld, sondern wir selbst!

» Coronakrise: Naturschutz ist Pandemieschutz!

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