Haie: Von Jägern zu bedrohten Arten
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1. August 2017

Imagewandel: Vom Menschenfresser zum bedrohten Hai. 

Kaum eine Tiergruppe hat in den vergangenen 15 Jahren einen solchen Imagewandel erlebt wie die Haie. Lange als Bestie verschrien – dank Horrorfilmen wie „Der weiße Hai“  oder „Shakka – Die Bestie aus der Tiefe“ – haben sie inzwischen eine große Fangemeinde, die sich aktiv und mit zunehmendem Erfolg für ihren Schutz einsetzt. Denn längst ist klar geworden, dass ihnen das Menschenfresser-Image nicht gerecht wird: Durchschnittlich zehn Menschen kommen jährlich weltweit durch Haie um – die meisten von ihnen Surfer, Bodyboarder oder Taucher. Möglicherweise werden sie von den Haien mit Robben verwechselt, die durchaus auf ihrem Speiseplan stehen. Oder die Menschen provozieren mit ihren Bewegungen unbeabsichtigt die Haie in deren Revier.

Hai, Karibischer Riffhai

Haie sind Gesundheitspolizei und Riffretter

Ohne die angeblichen Killermaschinen würden ganze Ökosysteme nicht funktionieren: Haie sind äußerst erfolgreiche Jäger. Kranke und verletzte Tiere sind ihnen eine besonders leichte Beute, wodurch Haie helfen, den Fischbestand gesund zu halten. Durch das Fressen größerer Fische helfen Hammerhai & Co. auch, das biologische Gleichgewicht in Riffen und anderen Meereszonen zu erhalten. Wo Haie fehlen – das haben aktuelle Studien gezeigt – können sich dominante Fische wie Zackenbarsche unkontrolliert vermehren. Zur Beute der Zackenbarsche gehören aber kleine Algen-fressende Fische, die verhindern, dass Riffe überwuchert und ihnen Licht geraubt wird, das die Korallen-Polypen zum Wachstum unbedingt brauchen. Zu wenig Haie, zu viele Zackenbarsche, zu viele Algen, erstickte Korallen: eine tödliche Kettenreaktion.

Hai, Grauer Riffhai

Fischerei ist die größte Gefahr

Bereits vor 400 Millionen Jahren schwammen die ersten haiähnlichen Fische durch die Weltmeere. Eine Erfolgsstory, denn zumindest die großen Haie haben keine natürlichen Feinde, sie stehen als Top-Predatoren am Ende der Nahrungskette. Wenn da nicht der Mensch wäre, der sie rücksichtslos befischt und immer mehr Arten an den Rand der Ausrottung bringt. Natürlich denkt man dabei zuerst an die Fischerei für die asiatische Haiflossensuppe – alleine dafür sterben jährlich mehr als 70 Millionen Haie. Auch wenn das „Finning“ – das Abtrennen der Flossen (teils gar am noch lebenden Tier) und das Entsorgen des Haikörpers – in der EU seit 2013 verboten ist, gehören einige EU-Länder noch immer zu den Größen im Flossengeschäft, darunter vor allem Spanien und Portugal.

Tote Haie

Doch auch für den hiesigen Markt werden Haie erbarmungslos verfolgt: Wer weiß schon, dass er an der Fischtheke mit Schillerlocke (vom Dornhai), Speckfisch (geräucherter Grauhai) oder Kalbsfisch (vom Heringshai) Hai kauft? Als Nebenprodukte der Fischerei landen Haiknorpel und -Öl auch in Antifaltencremes und Nahrungsergänzungsmitten.

Viele Haie werden auch aus reinem „Spaß“ getötet: 15 Arten sind in der Sportfischerei besonders beliebt – darunter Bullenhai, weißer Hai, großer Hammerhai oder gar Grönlandhai. Einige dieser Arten sind bereits stark bedroht. Was nur wollen sich Menschen mit diesem blutigen Hobby beweisen? Für Tierfreunde und Artenschützer ist dies ebenso inakzeptabel wie die Trophäenjagd an Land auf Löwe, Elefant oder Eisbär.

Haischutz durch Großaquarien oder durch politische Arbeit?

In Pfungstadt soll das Shark City entstehen –  ein kommerzielles Riesenaquarium, das „Europas größte Haie“ zeigen will. Betreiber sind zwei Herren, die bislang Zierfische für Meeresaquarien verkauft haben und nun mit Aufklärungsarbeit im Shark City bedrohte Haie retten wollen. Doch kann ein kommerzielles Großaquarium hierzulande, das zudem 15 Prozent seines geplanten Hai-Bestandes aus Wildfängen decken will, glaubhaft etwas gegen die Überfischung der Haie tun? Studien aus Zoos zeigen, dass die meisten Menschen kommen, um einen unterhaltsamen Familienausflug zu machen, das Bildungsangebot – sofern vorhanden – wird hingegen kaum wahrgenommen. Vielleicht würde es Shark City ja sogar gelingen, ein paar Besucher davon zu überzeugen, keine Schillerlocke mehr zu konsumieren. Doch braucht es dafür wirklich ein Großaquarium?

Hai, Walhai im Aquarium

Aufklärung heutzutage geht so viel einfacher und erreicht so viel mehr Menschen, wenn sie über Social Media-Kampagnen und gute TV-Dokumentationen à la BBC läuft. Pro Wildlife setzt auf diese Form der Aufklärung – und geht die Ursache der Haigefahren direkt an: Die Bedrohung der Haie zu dokumentieren, mit Fischerei-Nationen zu verhandeln, politische Verbündete zu suchen und weltweite Handelsbeschränkungen oder gar -verbote durchzusetzen – das ist der Weg, den wir für sinnvoller erachtet, als Haie für den Wochenendausflug in Glastanks zu präsentieren.

 

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Schwarzspitzenriffhai

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