Das größte Tier der Welt

Blauwale (Balaenoptera musculus) gehören zu den Bartenwalen und sind in allen Ozeanen der Welt zu finden (außer Arktis, Mittelmeer und Beringsee). Aufgrund ihres geografischen Vorkommens werden sie in drei Unterarten gegliedert – den gewöhnlichen Blauwal (Balaenoptera musculus musculus), den Zwergblauwal (Balaenoptera musculus brevicauda) und den Antarktischen Blauwal (Balaenoptera musculus intermedia).
  • Status: Stark gefährdet
  • Population: 10.000 bis 25.000 Tiere
  • Lebensraum: Alle Meere

Blauwale sind Giganten der Meere

Sie sind Hochseebewohner, die nur sehr selten in Küstennähe gesichtet werden. Die Giganten der Meere haben die Länge eines Airbus A320 und wiegen so viel wie circa 70 Nashörner oder 2.500 Menschen. Während Männchen etwas kleiner bleiben, können Weibchen bis zu 33 Meter lang und 200 Tonnen schwer werden. Somit sind sie die größten und schwersten Tiere, die je auf unserem Planeten gelebt haben und übertrumpfen sogar jeden Dinosaurier. Allein ihr Herz hat die Größe eines Kleinwagens und ihre Zunge mit mehr als vier Tonnen ein Gewicht wie ein Elefant. Schon Blauwalkälber wiegen zwei bis drei Tonnen und sind sieben Meter lang.

Blauwal © Pixabay

Blauwal

Der Blauwal hat einen lang gestreckten, stromlinienförmigen Körper mit langem, breitem Kopf. Seinen Namen verdankt der der blassblau bis grau gefleckten Rückenfärbung, während der Bauch meist weiß oder durch Algenbewuchs gelb verfärbt ist. Blauwale haben eine kleine Finne (Rückenflosse), eine breite Fluke (Schwanzflosse) und sehr lange, schmale Flipper (Brustflossen). Markant sind die für Furchenwale charakteristischen 50 bis 90 Kehlfurchen, die sich bei Nahrungsaufnahme ausdehnen können.

Vielfraß und Hungerkünstler

Die Meeresriesen ernähren sich wie alle Bartenwale hauptsächlich von Kleinstlebewesen (vor allem von Krill). Diese jagen sie in etwa 100 Metern Tiefe und filtern die Kleinstkrebse mit Hilfe der Bartenplatten aus dem Wasser. Blauwale haben die längsten Barten aller Bartenwale. Die 300 bis 400 Barten pro Kiefer können bis zu einem Meter lang werden. Im Sommer vertilgt ein Blauwal pro Tag etwa 40 Millionen Kleinkrebse, ein Gewicht von fast vier Tonnen. Hierbei folgen die Wale dem abtauenden Eis in polaren Gewässern, wo es am meisten Krill gibt. So kommt es beispielsweise in Kanada häufiger vor, dass sie nach plötzlichen Wetterumschwüngen von Eis eingeschlossen werden. Die meisten Blauwale wandern saisonal zwischen Geburtsort der Jungtiere in den tropischen Gewässern im Winter und den nahrungsreicheren, kühleren Gewässern nahe der Pole im Sommer. Dabei sind sie bis zu vier Monate lang unterwegs und zehren während der Reise teils nur von ihren Fettreserven.

Langstrecken-Rufer

Blauwale können etwa 20 Minuten unter Wasser bleiben. Wie alle Bartenwale besitzt auch der Blauwal zwei Blaslöcher. Beim Ausatmen reicht ihr kraftvoller Blas zwölf Meter hoch. Mit der Luft könnten sie 2.000 Luftballons auf einmal aufblasen. Sprünge vollführen höchstens die Jungtiere, daher sind ausgewachsene Individuen am besten durch die hohen Wasserfontänen aufzuspüren. Blauwale werden oft einzeln oder als Paar angetroffen. Gruppen sind selten und stellen meist zufällige Ansammlungen von Tieren an nahrungsreichen Plätzen dar. Daher sind Blauwalrufe sehr laut und reichen hundert bis tausende Kilometer weit. Dank ihnen können sich Blauwale auch über große Distanzen mit ihren Artgenossen unterhalten.

Der Blauwal ist ein gefährdeter Gigant

Natürliche Feinde sind Schwertwale und Haie, welche vor allem Jungtiere und geschwächte Tiere attackieren, aber auch vor ausgewachsenen Tieren nicht unbedingt zurückschrecken.

Riesenfluke, Blauwal © Scott Trageser

Blauwalfluke © Scott Trageser

Aufgrund der intensiven Bejagung im 20. Jahrhundert wurde der Blauwal weltweit fast ausgerottet und wird von der IUCN immer noch als stark gefährdet eingestuft. Mittlerweile wird der Bestand aller Blauwale auf 10.000 bis 25.000 Tiere geschätzt. Informationen über die einzelnen Populationen sind dürftig, doch gelten manche Unterarten, wie der antarktische Blauwal, als vom Aussterben bedroht.

Seit 1966 dürfen sie zwar nicht mehr offiziell bejagt werden, allerdings taucht beispielsweise auf japanischen Fischmärkten immer wieder falsch etikettiertes Blauwalfleisch auf. Lärm im Meer und steigender Schiffsverkehr stören Orientierung und Kommunikation der Tiere. Kollision mit Schiffen sind häufig, da die Tiere sich den Großteil der Zeit in geringen Tiefen aufhalten und keine Ausweichmanöver erlernt haben. Meeresverschmutzung und Klimawandel machen den Giganten zu schaffen. Denn durch die steigende Temperatur im Meer verändert sich die Verbreitung ihrer Nahrungsgrundlage, die durch die kommerzielle Krill-Fischerei zur Herstellung von Viehfutter noch dazu stark reduziert wird.

Ein großes Meeresschutzgebiet vor Chile ist ein erster Anfang, um Blauwale besser zu schützen. Allerdings bräuchten die Giganten viele dieser Rückzugsorte, um ausreichend Nahrung zu finden. Internationale Strategien zur Vermeidung von Plastik, Müll und Schadstoffen im Meer sind von Nöten.

Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife kämpft international gegen den Fang von Walen und klärt die Öffentlichkeit über das Vorgehen der drei Walfangnationen auf. Dazu nimmt Pro Wildlife an internationalen Konferenzen teil und veröffentlicht Hintergrund-Dokumentationen für Entscheidungsträger. Auch setzt sich Pro Wildlife für einen besseren Schutz der Meere, gegen Überfischung und gegen die verheerende Plastikflut ein.

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