Karakal

Karakal

Keine Raubkatze für das Wohnzimmer

Der Karakal (Caracal caracal), wegen seiner langen schwarzen Ohrpinsel oft „Wüstenluchs“ genannt, ist eine mittelgroße Wildkatze der trockenen Landschaften Afrikas und Asiens. Weltweit gilt er als nicht gefährdet – regional ist er jedoch vielerorts bedroht, und als exotisches „Haustier“ gerät er zunehmend in Privathände. Pro Wildlife warnt: Der Karakal gehört in die freie Natur, nicht ins Wohnzimmer.

Steckbrief Karakal

Wissenschaftlicher NameCaracal caracal
FamilieKatzen (Felidae); eigene Gattung Karakale (Caracal)
Unterartenfrüher acht beschrieben, heute meist drei anerkannt (C. c. caracal, C. c. nubicus, C. c. schmitzi)
GrößeKopf-Rumpf-Länge 80–100 cm; Schwanz 20–34 cm; Schulterhöhe ca. 40–50 cm
Gewicht6–18 kg; Männchen deutlich größer und schwerer als Weibchen
Lebenserwartungca. 16–19 Jahre
ErnährungFleischfresser; meist Beute unter 5 kg (Hasen, Nagetiere, Klippschliefer, Vögel), gelegentlich das Zwei- bis Dreifache des eigenen Gewichts (z. B. junge Antilopen)
LebensraumHalbwüsten, Steppen, Savannen, Buschland und Trockenwälder; bis 2.500 m Höhe (in Ausnahmen bis 3.300 m). Meidet echte Wüsten und Regenwälder
VerbreitungAfrika (außer den Regenwäldern West- und Zentralafrikas sowie den zentralen Wüsten), Arabische Halbinsel, Naher Osten bis Turkmenistan und Nordwest-Indien
Fortpflanzungganzjährig; Tragzeit 78–80 Tage; 1–6 Junge; ein Wurf pro Jahr
Populationglobal nicht beziffert; im südlichen Afrika häufig und stabil, in Asien selten und rückläufig
IUCN-Statusnicht gefährdet (Least Concern, LC) – global, seit der Erstbewertung 1996; Trend unbekannt. Regional teils bis vom Aussterben bedroht (z. B. Marokko, Pakistan)
CITES-StatusAnhang I (asiatische Populationen) / Anhang II (afrikanische Populationen)
Quellen: IUCN/SSC Cat Specialist Group; IUCN Red List 2016, Caracal caracal, e.T3847A102424310 (Avgan et al.); Veals et al. 2021, Mammalian Species 52(993), doi.org/10.1093/mspecies/seaa006; CITES-Anhänge

Ist der Karakal ein Luchs?

Nein. Der Karakal wird wegen seiner langen, schwarz getuschten Ohrpinsel oft „Wüstenluchs“ genannt, ist aber kein Luchs. Molekulare Untersuchungen zeigen, dass er eine eigene Gattung (Caracal) bildet und am engsten mit der Afrikanischen Goldkatze und dem Serval verwandt ist – nicht mit den echten Luchsen. Sein Name stammt vom türkischen Wort karakulak und bedeutet „Schwarzohr“. Die vier bis fünf Zentimeter langen Haarpinsel an den Ohrspitzen sind sein auffälligstes Merkmal; vermutlich dienen sie der Kommunikation und helfen beim Ortung von Beute.

Was frisst der Karakal und wie jagt er?

Der Karakal ist ein reiner Fleischfresser und anpassungsfähiger Generalist. Meist erbeutet er Tiere unter fünf Kilogramm: Hasen, Nagetiere, Klippschliefer und Vögel, dazu Reptilien bis hin zu Schlangen. Er kann aber auch Beute töten, die das Zwei- bis Dreifache seines eigenen Gewichts wiegt, etwa junge Antilopen oder Gazellen. Als Einzelgänger ruht er tagsüber und geht überwiegend nachts auf die Jagd – nach klassischer Katzenart durch Auflauern, Anschleichen und einen blitzschnellen Sprung.

Beim Beutefang kommt dem Karakal seine außergewöhnliche Sprungkraft zugute: Die kräftigen Hinterbeine lassen ihn aus dem Stand mehr als zwei Meter senkrecht in die Höhe schnellen, sodass er sogar auffliegende Vögel direkt aus der Luft greift. Die Beute tötet er mit einem gezielten Nacken- oder Kehlbiss. Historisch wurden Karakale in Indien und Iran gezähmt und zu Wettbewerben eingesetzt, bei denen sie Tauben aus auffliegenden Schwärmen schlugen.

Wo lebt der Karakal?

Der Karakal ist weit verbreitet und besiedelt trockene, offene Landschaften: Halbwüsten, Steppen, Savannen, Buschland und Trockenwälder. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Afrikas und reicht über die Arabische Halbinsel und den Nahen Osten bis nach Zentralasien und Nordwest-Indien; tropische Regenwälder und echte Wüsten meidet er. Im südlichen Afrika ist der Karakal häufig und anpassungsfähig, in weiten Teilen Asiens dagegen nur noch selten – dort setzt ihm die fortschreitende Lebensraumzerstörung zu.

Ist der Karakal bedroht?

Global stuft die Weltnaturschutzunion IUCN den Karakal als nicht gefährdet ein – wegen seiner großen Verbreitung und stabiler Vorkommen im südlichen Afrika. Dieser beruhigende Gesamtwert verdeckt jedoch deutliche regionale Rückgänge: In Nordafrika gilt er als bedroht, in Marokko als vom Aussterben bedroht; in Pakistan ist er mit geschätzt 100–150 Tieren vom Aussterben bedroht, in Indien lokal stark gefährdet. Den weltweiten Populationstrend führt die IUCN offiziell als unbekannt.

Die wichtigsten Gefährdungsursachen sind:

  • Lebensraumverlust und -zerschneidung – vor allem in Asien, auf der Arabischen Halbinsel sowie in Nord-, West- und Zentralafrika.
  • Menschen-Tier-Konflikte – Abschuss, Fallen und Gift wegen tatsächlicher oder vermuteter Risse von Nutztieren. In Südafrika und Namibia gilt der Karakal als „Problemtier“, das Farmer unter Auflagen töten dürfen.
  • Jagd für Felle und Buschfleisch in West- und Zentralafrika sowie Trophäenjagd in Südafrika. Zwischen 2015 und 2024 wurden allein in die EU 777 Karakal-Trophäen importiert.
  • Exotenhandel: Der Handel mit Karakalen als exotische „Haustiere“ wächst. Vor allem über das Internet werden die Tiere offen zum Kauf angeboten.

Wie ist der Karakal geschützt?

Der Karakal unterliegt einem zweigeteilten Handelsschutz nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Wie alle Katzen stehen die afrikanischen Populationen seit dem Inkrafttreten des Abkommens 1975 auf Anhang II, dessen Handel über Genehmigungen kontrolliert wird. Die stärker bedrohten asiatischen Populationen wurden 1979 auf Anhang I hochgestuft – die höchste Schutzstufe, die den internationalen kommerziellen Handel grundsätzlich verbietet. Hinzu kommen nationale Schutzregelungen, die von Land zu Land stark variieren: In zahlreichen Staaten ist die Jagd verboten, in anderen ist der Karakal nicht oder nur unzureichend geschützt.

Schutzstatus im Überblick

  • CITES-Anhang I: asiatische Populationen (seit 1979) – internationaler kommerzieller Handel verboten.
  • CITES-Anhang II: afrikanische Populationen (seit 1975) – Handel genehmigungspflichtig und kontrolliert.
  • IUCN Rote Liste: global „nicht gefährdet“ (seit 1996), Trend unbekannt – regional jedoch bis „vom Aussterben bedroht“.
  • Nationaler Schutz: uneinheitlich; Jagdverbot in vielen, aber längst nicht allen Verbreitungsländern.

Darf man einen Karakal als Haustier halten?

Nein, niemand sollte einen Karakal kaufen. Die Wildkatze ist als Haustier völlig ungeeignet. Ihren Ansprüchen – großes Territorium, nächtlicher Jagdtrieb, spezielle Ernährung, enormer Bewegungsdrang – kann ein Privathaushalt nicht gerecht werden. Mit kräftigem Gebiss, scharfen Krallen und starken Pranken kann ein Karakal Menschen zudem schwer verletzen. Viele Halterinnen und Halter sind rasch überfordert, sodass die Tiere immer wieder in Auffangstationen oder Tierheimen landen.

In Deutschland ist die private Haltung solcher Wildtiere bislang nicht bundeseinheitlich geregelt. Je nach Bundesland ist die Haltung einer exotischen Raubkatze erlaubt, genehmigungspflichtig oder faktisch ungeregelt – ein gefährlicher Flickenteppich. Auch sogenannte Caracats, Kreuzungen aus Karakal und Hauskatze, sind wegen ihres Wildtierverhaltens nicht als Haustiere geeignet.

Was tut Pro Wildlife für den Karakal?

Pro Wildlife warnt seit Jahren vor dem Trend zu exotischen „Haustieren“ und setzt sich gegen Handel und Privathaltung von Wildtieren ein. Weil die Privathaltung in Deutschland bislang nicht bundeseinheitlich geregelt ist, fordert Pro Wildlife eine bundesweite Positivliste, die klar festlegt, welche Tiere privat gehalten werden dürfen – und welche nicht.

Fundiert ist diese Arbeit durch eigene Untersuchungen zum Handel mit exotischen Wildtieren:

Mehr dazu im Themenbereich Wildtiere als Haustiere.

FAQ

Der Karakal ist eine mittelgroße Wildkatze aus Afrika und Teilen Asiens. Charakteristisch sind sein rotbraunes Fell und die langen schwarzen Ohrpinsel.

Aus dem Stand schnellt ein Karakal mehr als zwei Meter senkrecht in die Höhe und fängt so sogar auffliegende Vögel.

Die Ohrbüschel helfen vermutlich bei Kommunikation und Jagd.

Sie greifen normalerweise keine Menschen an, bleiben aber unberechenbare Wildtiere. Sie können mit dem kräftigen Gebiss, den scharfe Krallen und den starken Pranken Menschen schwer verletzen.

Nein, Karakale sind Wildtiere und daher als Haustiere ungeeignet. Den Ansprüchen der Raubkatze (Lebensraum, Bewegungsfreiheit, Jagdtrieb, Nahrung, Nachtaktivität, etc.) kann man in einem Privathaushalt nicht gerecht werden.

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