Walschutz

Walschutz

Meeresriesen in Gefahr

Walschutz umfasst alle Bemühungen, Wale vor den Gefahren durch den Menschen zu bewahren – vor der Harpune ebenso wie vor Beifang, Plastikmüll, Unterwasserlärm und der Klimakrise. Die industrielle Jagd hat die Populationen der Meeresriesen im 19. und 20. Jahrhundert zusammenbrechen lassen; seit 1986 schützt sie ein weltweites Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC). Pro Wildlife setzt sich seit seiner Gründung 1999 bei der IWC und der EU für ein lückenloses Walfangverbot und einen besseren Schutz der Meere ein.

Walschutz auf einen Blick

  • Weltweites Verbot: seit 1986 gilt das kommerzielle Walfang-Moratorium der IWC
  • Bilanz: Allein im 20. Jahrhundert töteten Walfänger fast drei Millionen Wale – das Moratorium zog dem weitgehend einen Schlussstrich
  • Noch aktiv: drei Länder jagen weiter kommerziell – Norwegen, Island und Japan
  • Weitere Gefahren: Beifang, Plastik und Schadstoffe, Unterwasserlärm, Schiffskollisionen, Klimakrise
  • Pro Wildlife: seit 1999 aktiv bei IWC und CITES, für ein Ende des kommerziellen Walfangs

Warum ist Walschutz so wichtig?

Wale sind nicht nur die größten Tiere der Erde – sie sind Schlüsselarten für gesunde Meere, ein stabiles Klima und sogar die Fischerei. Ihr Schutz ist deshalb weit mehr als Tierschutz. Umso schwerer wiegt, dass Walfänger im 20. Jahrhundert rund drei Millionen Großwale töteten (Marine Fisheries Review) und die Populationen dabei um 66 bis 90 Prozent einbrachen (Frontiers in Ecology and the Environment); viele haben sich bis heute nicht erholt.

Wie wertvoll der Schutz von Walen ist
Wie wertvoll ein lebender Wal ist

1. Wale als Klimaschützer

Wale speichern über ihr langes Leben große Mengen Kohlenstoff und düngen mit ihren Ausscheidungen das Phytoplankton, das rund die Hälfte unseres Sauerstoffs erzeugt. Ein einziger Großwal bindet dabei im Laufe seines Lebens rund 33 Tonnen CO₂ (IMF 2019). Mehr dazu: Wale sind Klimaschützer.

2. Wertvoll für die Meere – und die Fischerei

Anders als von Walfang-Befürwortenden oft behauptet, nehmen Wale der Fischerei nicht die Beute weg – im Gegenteil: Mit ihren nährstoffreichen Ausscheidungen bringen sie Eisen und Stickstoff zurück in die Nahrungskette und kurbeln so das Wachstum von Plankton, Krill und Fisch an. Wo die Wale verschwanden, brach diese Produktivität ein – in stark bejagten Teilen des Südpolarmeers gingen sogar die Krillpopulationen um mehr als 80 Prozent zurück (Science, 2021). Gesunde Walpopulationen bedeuten also produktivere Meere und langfristig mehr Fisch.

3. Wale als Schirmart für ganze Ökosysteme

Wale sind eine Schirmart (umbrella species): Weil sie große, intakte Lebensräume brauchen, schützt man mit ihnen automatisch unzählige andere Arten mit. Meeresschutzgebiete, Beifang-Reduktion und Maßnahmen gegen Schiffskollisionen und Unterwasserlärm sichern zugleich Fische, Meeresschildkröten, Seevögel und ganze Nahrungsnetze. Wer Wale schützt, schützt das Meer als Ganzes (Frontiers in Conversation Science, 2025).

4. Kulturell und spirituell unersetzlich

Jenseits messbaren Nutzens haben Wale für viele Menschen einen tiefen kulturellen und spirituellen Wert. Für zahlreiche indigene Völker des Pazifiks sind Wale keine Ressource, sondern heilige Ahnen und beseelte Wesen, die ihre Vorfahren einst über den Ozean geleitet haben. 2024 erklärten der Māori-König und weitere polynesische Führungen in der Deklaration He Whakaputanga Moana Wale zu Rechtspersonen mit eigenen Rechten – auf freie Wanderung, einen gesunden Lebensraum und den Schutz ihrer Populationen (RNZ 2024). Auch an der Pazifikküste Kanadas gelten Orcas den First Nations wie den Haida, Kwakwaka’wakw und Coast Salish als „Ocean People“ – als spirituelle Wächter und Ahnen (ARH Foundation). Solche Verbindungen zeigen: Wale zu schützen heißt auch, kulturelle Identität zu bewahren.

5. Ein lebender Wal ist wertvoller als ein toter

Das gilt auch wirtschaftlich: Whale-Watching ist heute ein Wirtschaftszweig von rund zwei Milliarden US-Dollar, der in über 100 Ländern angeboten wird und jährlich etwa 15 Millionen Menschen anzieht (Internationale Walfangkommission 2023, zitiert nach Journal of Outdoor Recreation and Tourism 2025). Ausgerechnet Island, das noch Finnwale jagt, unterhält zugleich eine boomende Whale-Watching-Branche.

Den Gesamtwert eines einzigen Großwals – über Kohlenstoffbindung, Fischerei und Tourismus – beziffert der Internationale Währungsfonds sogar auf mehr als zwei Millionen US-Dollar (IMF 2019).

Zugleich stehen viele Populationen unter wachsendem Druck durch neue, menschgemachte Gefahren.

Welche Gefahren bedrohen Wale heute?

Länder betreiben noch kommerziellen Walfang

Norwegen, Japan und Island

Wale und Delfine sterben jährlich als Beifang

(Quelle: IWC)

Geschätzter Plastikmüll in den Meeren

(Quelle: Umweltbundesamt)

1. Kommerzieller Walfang

Norwegen, Island und Japan setzen sich über das Moratorium hinweg und töten mit Explosivharpunen weiter Wale – ein tierschutzgerechter Walfang ist dabei nicht möglich. Norwegen ist inzwischen das größte Walfangland der Welt, Island jagt den bedrohten Finnwal, und Japan trat 2019 sogar aus der IWC aus. Hintergründe: Walfang, So grausam ist Walfang sowie die Länderseiten Norwegen, Island und Japan.

2. Beifang und Überfischung

Die kommerzielle Fischerei ist heute eine der größten Gefahren für Wale und Delfine: In riesigen Netzen verheddern sie sich und ertrinken, und die Überfischung nimmt ihnen die Nahrungsgrundlage. Weltweit sterben so Hunderttausende Wale und Delfine als Beifang.

3. Plastik, Schadstoffe und Unterwasserlärm

Plastikmüll und Giftstoffe reichern sich in den Meeren und in den Körpern der Tiere an, und der stetig wachsende Lärm aus Schiffsverkehr, Schallkanonen und Militärmanövern stört ihre Kommunikation und Orientierung – bis hin zu tödlichen Strandungen. Warum Wale stranden und was dagegen hilft, erklärt die Seite Warum Wale stranden.

4. Klimakrise

Die Erwärmung und Versauerung der Meere verändert Nahrungsnetze und Wanderrouten der Wale – die Weltmeere sind so warm wie nie zuvor. Zugleich schwächt der Verlust der großen Wale die Fähigkeit der Ozeane, Kohlenstoff zu binden, denn Wale sind Klimaschützer. Walschutz und Klimaschutz hängen also unmittelbar zusammen.

Welche Wale sind besonders bedroht?

Viele Großwale tragen bis heute die Folgen des industriellen Walfangs. Einige besonders betroffene Arten:

ArtWissenschaftl. NameRote-Liste-StatusHauptbedrohungen
Atlantischer NordkaperEubalaena glacialisvom Aussterben bedrohtSchiffskollisionen, Beifang in Fischernetzen
BlauwalBalaenoptera musculusstark gefährdetFolgen des historischen Walfangs;
erholt sich nur langsam
SeiwalBalaenoptera borealisstark gefährdethistorischer Walfang; Fang durch Japan
FinnwalBalaenoptera physalusgefährdetWalfang (Island, Japan), Schiffskollisionen
PottwalPhyseter macrocephalusgefährdethistorischer Walfang, Beifang, Plastik, Lärm
Ausgewählte Großwale und ihr Gefährdungsstatus. Quelle: IUCN Rote Liste

Was tut Pro Wildlife für den Walschutz?

Pro Wildlife nimmt seit 1999 an den Verhandlungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) und des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) teil und setzt sich für einen strengeren Schutz von Walen und Delfinen ein. Unser größter Erfolg – gemeinsam mit anderen Verbänden und engagierten Ländern – ist, dass das IWC-Moratorium bis heute in Kraft ist.

Doch das reicht nicht: Die Gesetzeslücken, mit denen Japan, Island und Norwegen das Verbot umgehen, müssen geschlossen werden. Dafür informieren wir die Walschutzländer laufend, liefern Argumente für den Verhandlungstisch und decken mit eigenen Recherchen Missstände auf – etwa in den Berichten „Frozen in Time“ (Norwegens Walfang), „Toxic Menu“ (Schadstoffe im Walfleisch) und „Breaking Ranks“ (Jagd in Grönland und auf den Färöern). Aktuell ist Pro Wildlife Teil der internationalen „End Commercial Whaling Coalition“.

Was fordert Pro Wildlife?

  • Ein sofortiges Ende der kommerziellen Waljagd in Norwegen, Japan und Island.
  • Klare Kante der EU gegen den Walfang in europäischen Gewässern.
  • Dass sich alle IWC-Vertragsstaaten bei der 70. IWC-Tagung im Herbst 2026 für ein Ende des kommerziellen Walfangs einsetzen.
  • Zeitnahen Ausbau der Meeresschutzgebiete auf 30 Prozent der Ozeane, davon 10 Prozent als Nullnutzungszone ohne Fischerei und Rohstoffabbau

Was kann ich für den Walschutz tun?

  • Die Petition für ein Ende des kommerziellen Walfangs unterschreiben.
  • Auf Meeresfisch verzichten – das entlastet die Ozeane und senkt das Risiko, dass Wale als Beifang sterben.
  • An die Botschaften von Norwegen, Island und Japan schreiben und ein Ende des Walfangs fordern.
  • Whale-Watching: Wale nur bei seriösen Anbietern beobachten, die Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen.

„Ich tauche seit mehr als fünfzehn Jahren, habe viele Wunder unseres blauen Planeten mit eigenen Augen gesehen und wünsche mir, dass auch unsere Kinder diese Chance bekommen in Ozeanen voller Leben zu schwimmen. Vom Schutz der Arten, und zwar aller Arten, ist auch unser Überleben abhängen. Deshalb muss das auf jeder politischen und wirtschaftlichen Agenda ganz oben stehen. Pro Wildlife gibt Wildtieren wie Walen und Delfinen eine Stimme. Ich unterstütze diese großartige Organisation von Herzen und werde auch weiterhin an ihrer Seite stehen!“

Florian Weiss, TV- & Radiomoderator

Florian Weiss

Patenschaft Wale & Delfine

Unterstützen Sie den Walschutz langfristig – schon ab 7 Euro im Monat. Mit einer Patenschaft fördern Sie gezielt unsere Schutzarbeit für Wale und Delfine.

Unsere größten Erfolge für den Walschutz

2026

Zum 40. Jahrestag des Moratoriums startet die internationale „End Commercial Whaling Coalition“ – mit Pro Wildlife – eine globale Petition für ein endgültiges Ende des kommerziellen Walfangs.

2024

Auf der 69. IWC-Tagung in Lima (Peru) wird eine von der EU eingebrachte Resolution zur Stärkung des Walfang-Moratoriums angenommen – die erste seit 23 Jahren. Zugleich rügt die Kommission Japan für die Ausweitung seines Walfangs auf den bedrohten Finnwal.

2022

Der Versuch des Japan-Verbündeten Antigua & Barbuda, ein Ende des Walfangverbotes einzuläuten, scheitert auf der Walfangtagung.

2021

Das EU-Parlament fordert in seiner Resolution zur EU-Biodiversitätsstrategie 2030 Japan und Norwegen auf, den kommerziellen Walfang zu beenden.

2018

Japan versucht, die IWC „zu reformieren“ und so das kommerzielle Walfangverbot zu kippen. In einem breiten Bündnis können wir diesen brandgefährlichen Versuch vereiteln.

2016

Mit unserem Bericht „Frozen in Time“ (s.u. Publikationen) enthüllen wir erstmals, wie Norwegen sich weitgehend unbeachtet zum Walfangland Nr. Eins entwickelt hat. Aufgrund unseres Berichts fordert das EU-Parlament 2017 Norwegen auf, die Waljagd zu beenden.

2014

Ein Briefing von Pro Wildlife und Partnerorganisationen zeigt Japans systematischen Stimmenkauf bei der IWC auf.

2012

Ausgelöst durch unserem Bericht „Toxic Menu“ (siehe Publikationen) verlangt die IWC von Walfangländern, ihre Bevölkerung über gesundheitliche Risiken durch den Verzehr von Wal- und Delfinfleisch aufzuklären.

2010

Wir können die Bundesregierung überzeugen, nicht länger einen gefährlichen Kompromissvorschlag zu unterstützen, der den Küstenwalfang in Norwegen und Japan legitimiert und so das Walfangverbot zu Fall gebracht hätte.

Publikationen

2016: Unser Bericht „Frozen in Time“ (PDF) enthüllt erstmals, wie sich Norwegen weitgehend unbeachtet zum Walfangland Nr. Eins entwickelt hat.

2012: Unser Bericht „Toxic Menu“ (PDF) zeigt, dass Wal- und Delfinfleisch stark mit Giftstoffen belastet ist.

2012: In unserem Bericht „Breaking Ranks“ (PDF) analysieren wir die Wal- und Delfinjagd in Grönland und auf den Färöer-Inseln.

Was aktuell geschieht

Wale

75 Jahre Walfangkommission – eine gemischte Bilanz

Die Internationale Walfangkommission (IWC), eines der ältesten Umweltabkommen der Welt, feiert ihr Jubiläum. Einst als…

Mehr lesen

Rote Karte für Walfangländer

Seit 1986 gilt ein weltweites kommerzielles Walfang-Moratorium, beschlossen von der Internationalen Walfangkommission (IWC). Doch drei Länder ignorieren…

Mehr lesen

Warum Wale stranden

Der Buckelwal „Timmy" bewegte 2026 Millionen, als er sich in die Ostsee verirrte und mehrfach strandete – ein Einzelfall, der ein weltweites Problem sichtbar macht. Neben natürlichen Ursachen treiben heute Plastik, Gifte und Unterwasserlärm Wale und Delfine an den Strand. Diese Seite erklärt die Hintergründe, zeigt die Hotspots und sagt, wie man gestrandeten Tieren hilft.

Mehr lesen