München / Brüssel, 27. August 2020.

Neuer Bericht zeigt Versagen der EU beim Kampf gegen Wildtierschmuggel.

Ein neuer Bericht der Artenschutzorganisation Pro Wildlife zeigt einen beträchtlichen und systematischen Schmuggel mit Wildtieren, die in ihrem Herkunftsland, nicht aber auf internationaler Ebene geschützt sind, und die ungute Rolle, die die Europäische Union dabei spielt: „EU-Bürger sind stark in solche Schmuggelaktivitäten involviert“, sagt Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Sobald die Tiere erfolgreich aus ihrem Ursprungsland geschmuggelt sind, riskieren weder europäische Schmuggler noch ihre Kunden irgendwelche Strafen. Die Gewinnspannen dabei sind oft sehr hoch: Seltene Reptilien können mehrere tausend Euro pro Paar einbringen.“

Ob Glasfrösche aus Costa Rica, Geckos aus Namibia, Molche aus Japan oder Echsen aus Australien: In seinem neuen Bericht zeigt Pro Wildlife Fallbeispiele dutzender bedrohter und national beschützter Tierarten aus elf Herkunftsländern. Im Juli veröffentlichte das Büro der Vereinten Nationen für Drogen‑ und Verbrechensbekämpfung (UNODC) seinen World Wildlife Crime Report 2020, in dem es heißt: „während die weltweite Untersuchung des Wildtierschmuggels sich vor allem auf international geschützte Arten konzentriert, sind wenige Vergleichsstudien zum illegalen Handel mit national geschützten Arten vorhanden.“ Der Bericht von Pro Wildlife hilft, diesen blinden Fleck etwas zu schließen.

Die EU versagt dabei, Wildtierschmuggel für den Handel mit exotischen Haustieren zu bekämpfen

Aufgrund seines großen Gebietes, zahlungskräftiger Kunden und dem Fehlen interner Handelsbarrieren und –Kontrollen ist die Europäische Union ein Hauptabsatzmarkt für geschmuggelte exotische Haustiere. Der Handel wird vornehmlich im Internet inseriert und organisiert, die physische Übergabe der Tiere erfolgt häufig auf überregionalen Reptilienbörsen wie der Terraristika in Hamm (Nordrhein-Westfalen) oder der Terraria in Houten (Niederlande). Sogar Tiere, die akut vom Aussterben bedroht und in ihrem Heimatland streng geschützt sind, sind auf dem europäischen Markt zu finden. „Es ist überfällig, dass die EU ihre juristischen Schlupflöcher schließt, um den Wildtierschmuggel wirksam zu bekämpfen“, so die Pro Wildlife Expertin.

Der UNODC Bericht verweist darauf, dass Kriminelle jegliche Gesetzeslücken zu nutzen wissen und sieht Bedarf, legale Ansätze zu identifizieren, die die Artenvielfalt jedes Landes vor krimineller Bedrohung schützen können. Bislang ist die USA das einzige Land der Welt, das den Import, Export, Verkauf oder Kauf von Wildtieren und –pflanzen verbietet, deren Fang oder Export im Herkunftsland illegal war – in Form des sogenannten US Lacey Acts, der bereits seit dem Jahr 1900 gilt.

Mit ihrem neuen Europäischen Grünen Deal und der damit verbundenen Entwicklung einer neuen Biodiversitätsstrategie für 2030 kündigte die EU-Kommission eine Reihe von Schritten an, um den Wildtierschmuggel zu bekämpfen und den EU-Aktionsplan gegen Wildtierschmuggel bis 2021 überarbeitet zu haben. „Die Zeit ist reif für ein strengeres Gesetz, entsprechend dem Lacey Act, auch in der EU“, so Altherr abschließend.

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