München / London, 28. Juni 2019.

G20-Gastgeber Japan will kommerzielle Waljagd starten

Prominente sowie 100 Arten- und Tierschutzverbände aus aller Welt fordern eine internationale Intervention gegen Walfang, die auf dem G20-Gipfel in Osaka verabschiedet werden soll. Gastgeber Japan bereitet derzeit den Start seines kommerziellen Walfangprogramms vor [1].

Alle G20-Regierungschefs wurden per Brief aufgefordert, auf dem Gipfel öffentlich Japans kommerzielle Walfangpläne zu kritisieren und per gemeinsamer Deklaration ein Ende der weltweiten globalen kommerziellen Waljagd einzufordern [2]. Prominente wie Stephen Fry, Ricky Gervais, Dr Jane Goodall, Steve Backshall und Nicky Campbell, gemeinsam mit mehr als 100 Verbänden aus fast allen G20-Ländern unterstützen den Appell, öffentlichen Druck auf Japan auszuüben [3].

Steve Backshall, BAFTA-Preisträger, englischer Naturforscher, Autor und TV-Moderator, sagt: „Nur die Zusammenarbeit aller Länder hat den Walschutz vorangebracht. Auf dem G20-Gipfel müssen die Regierungschefs mit ihren Partnern in Japan reden und sie wissen lassen, dass sie sich in dieser Sache global ins Abseits stellen.“

Kitty Block, Präsidentin der Humane Society International, betont: „In dieser Woche ermöglicht ein Teil der japanischen Regierung als Gastgeber des Gipfels stolz die internationale Zusammenarbeit. Gleichzeitig stiehlt sich gerade ein anderer aus der Verpflichtung globaler Kooperation zum Schutz und Management von Walen heraus.“

Japan zeigt sich abtrünnig, rückschrittlich und kurzsichtig

Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife ergänzt: „Mit dem Verlassen der Internationalen Walfangkommission und dem Ignorieren internationaler Gesetze präsentiert sich Japan als abtrünnig, rückschrittlich und kurzsichtig. Es riskiert seine internationale Reputation für einen sterbenden Wirtschaftszweig und für ein Produkt, für das es kaum noch eine Nachfrage gibt. Die IWC hält nicht ohne Grund am Walfangverbot fest, und die Regierungschefs, die diese Woche in Japan sind, sollten die grausamen Pläne für die Wale im Nordpazifik nicht ignorieren.“

Es gibt weder wirtschaftliche noch sonstige dringende Gründe für Japan, kommerzielle Waljagd zu betreiben: Seit 1962 ist der Konsum von Walfleisch in Japan um fast 99 Prozent zurückgegangen – Regierungsdaten aus Japan zeigen, dass in dieser Zeit insgesamt weniger als 4.000 Tonnen verzehrt wurden [4]. Dagegen gibt es eine dringende Notwendigkeit, einen weiteren Niedergang der Walbestände zu verhindern. Das internationale kommerzielle Walfangverbot, von der IWC 1982 beschlossen, hat geholfen, einige Walbestände vor der Ausrottung zu bewahren. Die Walbestände konnten sich nach Jahrzehnten der katastrophalen Dezimierung durch den Menschen wieder schrittweise erholen. Dennoch sind viele Populationen noch immer dezimiert oder gar bedroht. Und für alle Walbestände sind Beifang, Schiffskollisionen, Klimawandel sowie Chemie-, Plastik- und Lärmvermüllung eine große Gefahr.

Wale spielen eine Schlüsselrolle in unseren marinen Ökosystemen (als Karbonsenke und als Nahrungslieferant u.a. für Phytoplankton, die Grundlage aller mariner Nahrungsketten). Deshalb ist es erforderlich, dass Regierungen weltweit helfen, diese Tiere zu schützen und damit die Intaktheit der Meere zu fördern. Die G20-Regierungschefs haben in Osaka die einmalige Chance, die Position der Öffentlichkeit wiederzugeben, dass Japan seine grausame und überflüssige Jagd beendet.

Hintergründe

[1] Japan verlässt zum 30. Juni 2019 die Internationale Walfangkommission (IWC), um ab Juli die kommerzielle Waljagd in Küstengewässern und innerhalb seiner ausschließlichen Wirtschaftszone (EEZ) von 200 Seemeilen zu beginnen. Geplant ist die Jagd auf Sei-, Bryde- und Zwergwale.

[2] Zu den G20-Staaten gehören Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, die EU, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei, und die USA.

[3] Den gemeinsamen Brief finden Sie hier

[4] siehe IFAW-Bericht von 2017 Economics of Japanese Whaling Report

[5] Eine Analyse der Gründe und des Timings von Japans IWC-Austritt finden Sie hier

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