NGOs fordern: Vantara muss Wildtier-Importe dauerhaft beenden

Pro Wildlife und internationale Partnerorganisationen fordern den indischen Mega-Zoo auf, seine Ankündigungen nachzuschärfen

München, 24. September 2026. – Führende Tier- und Artenschutzorganisationen* haben Vantara aufgefordert, Wildtier-Importe dauerhaft zu beenden. Der private Mega-Zoo in Indien wird vom Konzern Reliance Industries finanziert. Die Organisationen reagieren damit auf die kürzlich veröffentlichte Ankündigung Vantaras, seine Wildtier-Importe einzuschränken, Unternehmensführung und Sorgfaltsprüfung zu verbessern sowie Auffangstationen für Wildtiere und den Artenschutz vor Ort zu unterstützen.

„Nach Jahren der Kritik an seinen Praktiken hat Vantara eine Kehrtwende versprochen – wir werden genau beobachten, ob darauf auch Taten folgen. Eine Pause reicht nicht: Wir fordern ein Bekenntnis zu einem dauerhaften Ende der Importe, volle Transparenz, unabhängige Kontrollen sowie die lückenlose Aufklärung und Ahndung von Einfuhren aus zweifelhafter Quelle. Nur so lässt sich verhindern, dass Privatzoos und einflussreiche Unternehmen einen Freibrief für Geschäfte mit streng geschützten Tieren erhalten“, so Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Mehr als 60.000 Wildtiere importiert

Vantaras jüngste Ankündigung folgt auf jahrelange umfassende Recherchen und Berichte von Artenschutzorganisationen und unabhängigen Journalisten über die Praktiken des indischen Mega-Zoos, der sich selbst als „Rettungsstation“ beschreibt. Vantara hat in vier Jahren mehr als 60.000 lebende Tiere von rund 2.000 Arten importiert – ein beispielloses Ausmaß. Darunter sind einige der seltensten und am stärksten bedrohten Arten der Welt: Menschenaffen wie der Tapanuli-Orang-Utan oder der Berggorilla, Reptilien wie der Galapagos-Leguan und seltene Vögel wie Spixara und Schuhschnabel. Auf anhaltenden internationalen Druck hin steht Vantara inzwischen unter intensiver Beobachtung durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES**).

Die Organisationen „begrüßen die angekündigte Neuausrichtung hin zum Schutz vor Ort (in situ) sowie das zwölfmonatige Moratorium für weitere Importe“, fordern zugleich aber „nachdrücklich ein klareres, konsequenteres Vorgehen bei künftigen Aufnahmen sowie eine grundlegende und langfristige Verpflichtung, die weltweiten Bemühungen voranzubringen, den Fang von Tieren aus der freien Natur für Sammlungen oder zur Zurschaustellung zu beenden, sowie eine wirksame Unterstützung jener Organisationen und zuständigen Behörden, die sich vor Ort für den Schutz wildlebender Arten einsetzen.“

Sie weisen darauf hin, dass Ausnahmen in Vantaras angekündigtem Einfuhrmoratorium dazu führen könnten, dass Tiere aus kommerziellen Einrichtungen oder illegalen Quellen importiert werden oder dass in freier Natur gefangene Tiere als Nachzuchten ausgewiesen werden. Zudem kann das lediglich bis Juni 2027 befristete Moratorium Exporteuren signalisieren, dass Importe zukünftig wieder möglich sind. Dies könnte Wildtierhändler und Schmuggler dazu verleiten, Tiere zu horten, weil sie auf ein Ende des Moratoriums setzen.

Dauerhaftes Importverbot statt 12-monatiger Pause

Die Organisationen fordern Vantara deshalb auf, statt der angekündigten zwölfmonatigen Pause dauerhaft auf Wildtier-Importe zu verzichten – mit Ausnahme echter Arten- oder Tierschutz-Notfälle, die von unabhängiger Stelle verifiziert wurden.

  • Kommerzielle Anreize stoppen: Alle direkten und indirekten Zahlungen für Tiere einstellen, auch „Spenden“, die als Kauf von Tieren interpretiert werden könnten. Zahlungen können kommerzielle Ausbeutung fördern, Anreize für Fänge in der freien Natur schaffen und dazu verleiten, wildgefangene Tiere als „gerettet“ oder „nachgezüchtet“ auszugeben.
  • Standards für Tier-Rettung einführen: Strenge, transparente Kriterien dafür festlegen, was als legitime „Tier-Rettung“ gilt, die Zucht bis auf wenige Ausnahmen einstellen und auf kommerziellen Handel, Tauschgeschäfte und Zurschaustellung verzichten.
  • Rückführung und Schutz vor Ort priorisieren: Unabhängige Organisationen in Herkunftsländern dabei unterstützen, Lebensräume von Wildtieren zu schützen und hohe Haltungsstandards in seriösen, lokalen Auffangzentren sicherzustellen. Zugleich soll geprüft werden, welche Tiere in ihre Herkunftsstaaten zurückgeführt werden können.
  • Transparenz herstellen: Ein vollständiges, regelmäßig aktualisiertes und von unabhängigen Fachleuten geprüftes Verzeichnis aller von Vantara gehaltenen Tiere veröffentlichen – einschließlich Herkunft, Transfers, Geburten und Todesfällen.
  • Unabhängige Kontrollen gewährleisten: Rechenschaft und Transparenz sicherstellen, mögliche Interessenkonflikte in Vantaras Beratungsgremien ausräumen und den umfassenden Schutz von Zivilgesellschaft, Journalisten sowie Hinweisgebern garantieren.
  • Offene Fragen zur Einhaltung von Rechtsvorschriften klären: Auf alle Bedenken im Zusammenhang mit dem Erwerb von Tieren, einschließlich ihrer Herkunft, eingehen und Abhilfemaßnahmen ergreifen.

CITES-Tagung berät im November über Vantara

Der Appell der Tier- und Artenschutzorganisationen kommt wenige Wochen vor der Sitzung des Ständigen Ausschusses des Artenschutzabkommens CITES, der vom 2. bis 6. November in Genf (Schweiz) tagt. Die Tagung wird sich mit der Antwort der indischen Regierung auf die Ergebnisse einer offiziellen Überprüfungsmission des CITES-Sekretariats im September 2025 befassen, die u. a. Bedenken wegen der massenhaften Importe streng geschützter Arten nach Vantara und wegen möglicher Verstöße gegen internationale Handelsvorschriften äußerte.

Die Organisationen betonen, dass „in einer Zeit, in der die Interessen des Wildtierhandels oft gut finanziert und gut vernetzt sind und rechtliche wie regulatorische Maßnahmen unterfinanziert […] sind, Institutionen mit erheblichen Mitteln und erheblichem Einfluss jene Bemühungen unterstützen sollten, die Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen schützen, statt weitere Ausbeutung zu befördern“. Sie fordern die CITES-Vertragsstaaten und Vantara auf, für vollständige Transparenz, echte Rechenschaft und die zuverlässige Einhaltung nationaler und internationaler Rechtsvorschriften zu sorgen – zum Schutz bedrohter und gehandelter Arten weltweit.

* Zu den 27 Unterzeichnern zählen Pro Wildlife, Born Free Foundation, Fondation 30 Millions d’Amis, Pan African Sanctuary Alliance (PASA), Species Survival Network (SSN), Wildlife Impact sowie weitere internationale Partnerorganisationen.

** CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora

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