München, 21. Mai 2026. – Die letzten beiden in Frankreich gehaltenen Orcas, Wikie und ihr Sohn Keijo, sollen nach aktuellen Plänen aus dem geschlossenen Marineland Antibes in den Loro Parque auf Teneriffa gebracht werden. Damit droht den Orcas eine Fortsetzung ihres Schicksals als Show- und Zuchttiere. „Wikie und Keijo brauchen endlich eine Perspektive, die ihr Wohlergehen in den Mittelpunkt stellt – keine weiteren Shows “, kritisiert Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife. „Eine Verlegung in den Loro Parque wäre keine Rettung, sondern die Fortsetzung eines Systems, das hochintelligente Meeressäuger für Unterhaltung ausnutzt. Das Leid der Tiere wird damit nicht beendet, sondern nur verlagert.“
Spanien hatte Aufnahme zuvor abgelehnt
Besonders brisant ist, dass spanische Behörden die Aufnahme der Orcas in den Loro Parque zuvor abgelehnt hatten. Als Grund wurden unter anderem Bedenken hinsichtlich Fläche, Wasservolumen und Tiefe der Becken genannt. Dennoch wird die Verlegung nun doch vorbereitet.
Ende der kommerziellen Delfinhaltung in Frankreich
Frankreich erließ 2021 ein Verbot der kommerziellen Haltung und Zucht von Walen und Delfinen sowie für Delfinshows, das bis Dezember 2026 umgesetzt werden muss. Das Marineland Antibes schloss schließlich Anfang 2025; zurück blieben unter anderem die Orcas Wikie und Keijo sowie zwölf weitere Delfine. Eine Verlegung in ein anderes Delfinarium, in welchem die Tiere weiter für Vorführungen und Zucht genutzt werden, unterliefe den Zweck der Regelung.
„Ein Haltungs- und Showverbot darf nicht bedeuten, dass die Tiere einfach in ein anderes Land verschoben werden, wo Vorführungen und Zucht weitergehen“, sagt Schweizer. „Europa braucht keinen Verschiebebahnhof für leidende Meeressäuger, sondern einen verbindlichen Ausstiegsplan aus der Delfinarienhaltung.“
Forderung: Delfinarienhaltung schrittweise beenden
Die Haltung von Walen und Delfinen in Gefangenschaft sollte in Europa schrittweise beendet werden. Notwendig sind dafür verbindliche Vorgaben, die verhindern, dass Tiere lediglich zwischen Einrichtungen verschoben werden. Dazu gehören:
- keine Neueinkäufe und keine Importe von Walen und Delfinen für Delfinarien,
- ein Ende der Zuchtprogramme,
- keine Nutzung der Bestandstiere für Shows, Kunststücke oder direkte Interaktionen mit Besucher*innen,
- die Prüfung von Schutz- und Auffanglösungen mit deutlich besseren Haltungsbedingungen,
- verbindliche Ausstiegspläne für bestehende Delfinarien.
„Die Zukunft von Wikie und Keijo darf nicht die nächste Attraktion in einem Freizeitpark sein“, so Schweizer abschließend. „Sie muss der Anfang vom Ende der Wal- und Delfinhaltung in Europa sein.“