Inhaltsverzeichnis:
Elefanten gehören zu den intelligentesten Tieren und faszinieren mit ihren komplexen sozialen Fähigkeiten. Gleichzeitig sind sie stark gefährdet. Trotzdem wird in einigen Ländern des südlichen Afrikas der Ruf nach Massentötungen wieder lauter. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die Debatte häufig von Missmanagement und politischen Interessen angetrieben wird.
Auf einen Blick
In mehreren Ländern des südlichen Afrikas wird die Keulung von Elefanten – die gezielte Tötung ganzer Gruppen – wieder erwogen. Südafrika prüft die Tötung von mehr als 2.000 Elefanten; Simbabwe, Namibia und Botsuana haben zwischen 2024 und 2025 hunderte Abschüsse angekündigt oder genehmigt. Als Begründung dienen wechselnd Überpopulation, Dürre oder Ernährungssicherung – belastbare wissenschaftliche Belege fehlen meist. Pro Wildlife lehnt Keulungen ab und fordert vernetzte Lebensräume, besseres Landmanagement und erprobte, nicht-tödliche Alternativen wie Empfängnisverhütung.
Warum will Südafrika mehr als 2.000 Elefanten töten?

Südafrika hatte die massenhafte Tötung von Elefanten – die sogenannte Keulung – wegen internationaler Proteste 1995 beendet. Seither dürfen Herden nur als allerletztes Mittel getötet werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Doch diese Regel steht nun zur Debatte. Behördenvertreter schlagen vor, in mehreren Reservaten der Provinz KwaZulu-Natal und in der Nordwest-Provinz insgesamt mehr als 2.000 Elefanten zu „entnehmen“. Die Diskussion fokussiert immer stärker auf Abschüsse – denn Aufnahmeplätze in anderen Gebieten sind rar.
Elefanten töten für Fleisch, Leder und Elfenbein
Ein Vertreter der Wildlife Behörde Kwa Zulu-Natals stellte die Tötung von 1.220 Elefanten im Juni 2026 vor dem Parlament als kaum vermeidbar dar. In seiner Begründung sagte er unter anderem, dass die Massentötung eine ganze „Industrie“ aus Elefantenfleisch, -leder und Elfenbein tragen könne. Damit verdeutlicht er eindrücklich die wirtschaftlichen und politischen Interessen, die den Tier- und Naturschutz ins Hintertreffen geraten lassen.
Dabei hat der internationale Handel mit Elfenbein Afrikas Elefanten an den Rand der Ausrottung gebracht und ist aus gutem Grund seit Jahrzehnten verboten. Werden jetzt gezielt Tiere getötet, füllen sich staatliche Lager mit Stoßzähnen – und erhöhen den Druck, dieses Elfenbein auch zu verkaufen. Das befeuert Wilderei und illegalen Handel und untergräbt internationale Schutzbeschlüsse.

Welche Länder planen die Keulung von Elefanten – Simbabwe, Namibia und Botsuana?
Der Vorstoß aus Südafrika steht nicht allein, doch die Begründungen für die Tötungen wechseln: Mal sollen sie Konflikte zwischen Menschen und Tieren oder vermeintliche Über-Populationen reduzieren, mal Menschen mit Fleisch versorgen, Landwirtschaft und Wasservorräte schützen – oder einfach Geld in die Kassen spülen. Eine Vielzahl komplexer Herausforderungen, die sich wohl kaum auf einen Streich lösen lassen.
Simbabwe kündigte 2024 erstmals nach 36 Jahren wieder an, 200 Elefanten töten zu wollen, um die Ernährung von Dürre betroffener Menschen zu sichern.2025 genehmigte die Regierung die Keulung von 50 Elefanten im Savé-Valley-Schutzgebiet wegen angeblicher Überpopulation. Namibia gab 2024 insgesamt 100 Elefanten zum Abschuss frei, angeblich um Abhilfe gegen die Dürre zu schaffen. Botsuana genehmigte 2025 die Tötung von 21 Elefanten für nationale Feierlichkeiten. Der Ex-Präsident des Landes hatte 2024 sogar behauptet, sein Land müsse 20.000 Elefanten töten, um die Menschen zu ernähren und knüpfte damit direkt an eine PR-Kampagne an, in der er drohte, 20.000 Elefanten nach Deutschland zu schicken.
Bestandserhebungen im südlichen Afrika widersprechen Behauptungen von Ländern wie Botsuana und Simbabwe, dass ihr Elefantenbestand angewachsen wäre – im Gegenteil sind sie stabil geblieben, in Simbabwe gab es in mehreren Gebieten sogar Rückgänge.
Elefanten-Keulungen im südlichen Afrika (2024–2026)
| Land | Jahr | Anzahl | Begründung |
| Südafrika | 2026 | >2.000 | Reservate in KwaZulu-Natal & Madikwe Game Reserve / Nordwest-Provinz, „Überpopulation" |
| Simbabwe | 2024 | 200 | Ernährung von Dürre betroffener Menschen |
| Simbabwe | 2025 | 50 | „Überpopulation“ im Savé-Valley-Schutzgebiet |
| Namibia | 2024 | 100 | angebliche Abhilfe gegen die Dürre |
| Botsuana | 2025 | 21 | Feierlichkeiten zum 59. Unabhängigkeitstag |
Wer profitiert von der Tötung der Elefanten?
Viele Abschusspläne scheinen politisch motiviert und in erster Linie darauf abzuzielen, der Ausbeutung bedrohter und geschützter Tierarten Vorschub zu leisten. Denn dahinter stehen handfeste wirtschaftliche Interessen, vor allem der lukrative Handel mit dem anfallenden Elfenbein. Immerhin fordern genau die Länder, die jetzt Elefanten töten wollen, seit Jahren eine Lockerung der internationalen Schutzvorschriften und eine Freigabe des internationalen Handels.
Zudem profitiert die Jagdindustrie von Abschüssen und höheren Jagdquoten: In Namibia sollen Abschüsse von Berufsjäger*innen und zahlenden Trophäenjagdgästen durchgeführt werden – und das sogar in Nationalparks. So verschafft sich die Jagdindustrie höhere Trophäenquoten, neue Einnahmen und neue Reviere.
Auch Tierschutzorganisationen in Südafrika lehnen die Tötungspläne ab. Sie warnen davor, tote Elefanten zur Einnahmequelle zu machen, verweisen auf die menschengemachten Ursachen der lokalen Überpopulation und fordern alternative Lösungen zu nutzen.
Warum sind Elefanten-Keulungen keine Lösung?
- Afrikanische Savannenelefanten (Loxodonta africana) gelten laut IUCN-Roter Liste als stark gefährdet und sind zugleich eine Schlüsselart, die für den Erhalt gesunder Ökosysteme in Wäldern und Savannen unverzichtbar ist.
- Tötungen lösen eine angebliche Überpopulation nicht, sie verschieben das Problem nur.
- Nicht die Zahl der Elefanten ist das Problem, sondern die Zerstörung ihres Lebensraums durch Zäune, Landwirtschaft und Siedlungen sowie zunehmende Konflikte mit Menschen. Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass der afrikanische Kontinent ausreichend geeigneten Lebensraum für Elefanten bietet – die Tiere aber nur auf einem Bruchteil davon leben. Die Wissenschaft fordert deshalb die Planung von Wildtiergebieten und Korridoren sowie Koexistenz zu verbessern.
- Gerade in Südafrika leben Elefanten häufig in begrenzten, umzäunten Gebieten, die eine natürliche Abwanderung verhindern. Hier wurden alternative Lösungen, wie eine wirksame Empfängnisverhütung teils seit Jahren verschleppt. Dabei bieten Tierschutzorganisationen die Finanzierung an und die Methode hat sich in rund 50 Reservaten Südafrikas bereits bewährt.
- Künstliche Wasserstellen führen zu einer Konzentration von Elefanten und lokalen Schäden – hier muss besser geplant und gesteuert werden
- Tötungen haben tiefgreifende Folgen auf Sozialstruktur und -verhalten: sie traumatisieren überlebende Tiere, machen sie aggressiv und zerstören überlebenswichtiges Wissen über Wasserstellen und Wanderrouten, das Leittiere über Generationen weitergeben.
- Die Keulung bedrohter Wildtiere kann weder Ernährungssicherung noch langfristige Einnahmequellen schaffen; nur sehr wenige Menschen erhalten für kurze Zeit eine begrenzte Menge Fleisch; zudem erreicht das Wildfleisch nicht die Gemeinden, die am stärksten von Hunger und Armut betroffen sind.
- Tötungen schaden dem Tourismus und zerstören Einnahmequellen, die eine wichtige Rolle für den Erhalt lebender Wildtiere spielen.
- Es gibt zahlreiche bewährte, nicht-tödliche Methoden, um Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu verringern.
Was fordert Pro Wildlife?
- Lebensräume vernetzen und Wanderrouten schützen
- Landnutzung besser planen und Missmanagement beenden
- Koexistenz und alternative Einnahmequellen fördern
Auch Forschende empfehlen, Elefanten über eine durchdachte Planung von Schutzgebieten und Wanderkorridoren wieder mehr Raum zu geben und so ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Tier zu ermöglichen – statt Bestände durch Abschüsse zu verkleinern.
Pro Wildlife unterstützt entsprechende Schutzprojekte in Tansania und Sambia, die zeigen: Menschen und Elefanten können nebeneinander leben, ohne dass Tiere sterben müssen.
Helfen Sie mit, echten Schutz statt Abschüsse zu ermöglichen.
>> Jetzt für den Schutz der Elefanten spenden
Häufige Fragen zur Keulung von Elefanten
Als Keulung (englisch „culling“) bezeichnet man die gezielte Tötung ganzer Elefantengruppen, meist mit der Begründung, Bestände zu verkleinern.
Behörden sprechen von Überpopulation. Belastbare, wissenschaftlich geprüfte Belege dafür fehlen bislang. Kritiker*innen sehen wirtschaftliche und politische Interessen als treibende Kraft.
Ja: Empfängnisverhütung, Umsiedlung, die Vernetzung von Lebensräumen und Maßnahmen zur Koexistenz. Viele davon sind erprobt, werden aber zu selten genutzt.
Quellen:
Gemeinsame Stellungnahme von 80 Tierschutzorganisationen, die umstrittenen Abschüsse zu stoppen
Shannon, G., Slotow, R., Durant, S. M., Sayialel, K. N., Poole, J., Moss, C. & McComb, K. (2013). Effects of social disruption in elephants persist decades after culling. Frontiers in Zoology, 10, 62.
Bradshaw, G. A., Schore, A. N., Brown, J. L., Poole, J. H. & Moss, C. J. (2005). Elephant breakdown. Nature, 433, 807.
Wall, J., Wittemyer, G., Klinkenberg, B., LeMay, V., Blake, S., Strindberg, S. et al. (2021). Human footprint and protected areas shape elephant range across Africa. Current Biology, 31(11), 2437–2445.
Elephants Without Borders (2024). Elephant Population Trends in the KAZA Region (Bericht, März 2024). elephantswithoutborders.org
Bussière, E.M.S. and Potgieter, D. (2023) KAZA Elephant Survey 2022, Volume I: Results and Technical Report, KAZA TFCA Secretariat, Kasane, Botswana.



