Elefantentourismus und Elefantenreiten

Elefantenreiten: Geschäfte auf dem Rücken der Tiere.

Für viele Reisende sind Elefantenreiten und die hautnahe Begegnung mit Elefanten ein Höhepunkt ihres Asien- oder Afrikaurlaubs. Die Tourismusindustrie bedient diese vermeintliche Tierliebe: Urlauber können auf den Tieren reiten und sie waschen, sie bei Tempelprozessionen bestaunen oder auch in einem Camp für einen Tag Elefantenpfleger spielen. Touristen wird dabei vermittelt, dass sie den Elefanten etwas Gutes tun. Sie ahnen nicht, dass ihre Tierliebe für den Elefantentourismus allzu oft ausgenutzt wird. Denn Elefanten sind Wildtiere  – und nicht domestiziert. Damit sie Menschen überhaupt an sich heranlassen, werden sie schon als Jungtiere brutal gezähmt. Die hochintelligenten und sozialen Tiere fristen dann in Gefangenschaft ein trauriges Dasein. Der boomende Elefantentourismus bedroht zudem die Populationen in der Natur: Immer mehr Elefantenbabys werden extra für Tourismus-Attraktionen gefangen. Das alles geschieht hinter den Kulissen – verborgen von den Augen der Touristen.

Elefantentourismus: Elefantenreiten Sri Lanka

Elefantentourismus: Elefantenreiten Sri Lanka

Rohe Gewalt: Die Unterwerfung von Baby-Elefanten

Besonders in Ländern wie Thailand, Sri Lanka, Indien und Myanmar sind Attraktionen mit Elefanten beliebt. Damit die Tiere auf Befehle von Menschen gehorchen und als Arbeitstier, für Prozessionen oder als Touristenattraktion für das Elefantenreiten eingesetzt werden können, werden sie brutal unterworfen: Der Wille der starken Wildtiere soll mit Gewalt gebrochen werden – oft bereits bei Babys, die sich noch nicht wehren können.

Aufnahmen zeigen die grausame Unterwerfung: Die Peiniger fixieren Elefanten mit Ketten an den Beinen und quälen sie mit Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug. Die Tiere werden mit einem spitzen Elefantenhaken auf besonders empfindliche Körperstellen geschlagen. Dieser sogenannte Ankus bleibt immer im Einsatz – um die Elefanten ihr Leben lang daran zu erinnern, wer die Oberhand hat. Schließlich sind Elefanten für Menschen jederzeit gefährlich. Jedes Jahr werden Dutzende Menschen von Elefanten getötet oder schwer verletzt. Auch bei touristischen Veranstaltungen kommt es immer wieder zu Unfällen. Diese Gefahr wird Touristen und Öffentlichkeit ebenso verschwiegen, wie die grausamen Dressurmethoden. Wer genau hinsieht, entdeckt bei vielen Elefanten in Gefangschaft Narben. Wundgescheuerte Haut an den Füßen läßt auf spitze Ketten schließen.

Für den Elefantentourismus: Elefanten aus der Wildnis

Um das Geschäft mit Touristen am Laufen zu halten, wird immer neuer Nachschub an Elefanten gebraucht. Die große Nachfrage hat in Teilen Asiens zu einem organisierten Handel mit wild gefangenen Elefanten geführt. Elefantenreiten ist besonders in Myanmar, Thailand, Sri Lanka, Nepal und Laos eine beliebte Unterhaltung für Urlauber. Auch in Afrika werden immer wieder wilde Elefanten für Touristen-Attraktionen missbraucht, zum Beispiel in Südafrika und Simbabwe.

Wissenschaftler berichten, dass in Myanmar jedes Jahr etwa 50 bis 100 Elefantenkinder gefangen und für den Elefantentourismus nach Thailand geschmuggelt werden. Der Schwarzmarktwert eines Elefantenkalbes liegt in Thailand bei 30.000 Euro. Die Jagd nach Elefantenbabys bezahlen viele Tiere mit ihrem Leben: Um ein Kalb zu fangen, werden bis zu fünf erwachsene Tiere getötet, die versuchen, den Nachwuchs zu schützen. Von den traumatisieren Jungtieren überleben zwei von drei Elefantenkindern das grausame „Einbrechen“ nicht.

Angeketteter junger Elefant wird für Elefantenreiten und Elefantentourismus dressiert © Pro Wildlife

Angeketteter junger Elefant wird für Elefantenreiten und Elefantentourismus dressiert

Elefantenreiten in Afrika

Auch im südlichen Afrika hat sich Elefantenreiten in den vergangenen Jahren als beliebte Attraktion entwickelt. Anders als die Asiatischen Elefanten wurden Afrikanische Elefanten nie für die Zwecke des Menschen eingesetzt. Sprich, die Afrikanischen Elefanten wurden nie als Lasten-, Arbeits- oder Kriegstiere oder für religiöse Zwecke eingesetzt. Durch den boomenden Tourismus und die daraus resultierende steigende Nachfrage nach Elefantenritten entwickelte sich das Elefantenreiten in den vergangenen Jahren dennoch in Afrika immer weiter. Dafür wurden Mahouts nach Afrika eingeflogen, um die Techniken und Methoden anzuwenden und weiterzugeben. Südafrika, Sambia, Zimbabwe und Namibia bieten den direkten Kontakt zu Elefanten an. Die Regierung von Botswana hat Ende 2016 das Reiten von Elefanten aus Tierschutzgründen verboten.

Elefantenreiten Afrika Martin Harvey

Elefantenreiten in Afrika © Martin Harvey

Was können Sie tun?

Hände weg von gefangenen Elefanten! Grundsätzlich gilt: So faszinierend ausgewachsene Rüsseltiere oder so niedlich Babyelefanten sind: Am besten sind die Wildtiere in der Freiheit aufgehoben. Wenn Sie das Geschäft mit den Elefanten nicht unterstützen, tragen Sie dazu bei, dass weniger Elefanten aus der Wildnis geraubt und in Gefangenschaft misshandelt werden.

Pro Wildlife rät ab von:

  • Fotos mit Elefanten, die bettelnde Mahouts gegen Geld anbieten
  • Elefantenreiten
  • Baden und spazieren gehen mit Elefanten
  • Angeboten, bei denen Touristen Elefanten pflegen dürfen („Volunteer as a mahout“)
  • Elefantencamps und Auffangstationen, die direkten Kontakt zwischen Mensch und Elefant versprechen
  • Prozessionen und Festumzügen – auch hierfür werden Elefanten gefangen und dressiert

Pro Wildlife empfiehlt:

  • Bewundern Sie Elefanten in Freiheit unter professioneller Führung
  • Besuchen Sie Nationalparks oder seriöse Auffangstationen, die keinen direkten Kontakt zwischen Besuchern und Tieren anbieten und die Tiere artgerecht, im Gruppenverband und ohne Ketten halten
  • Bitte beschweren Sie sich bei Reiseveranstaltern und Hotels, die für Veranstaltungen mit direktem Mensch-Tier Kontakt werben. Weisen Sie auf die Tier- und Artenschutzprobleme hin

Weitere Informationen:

Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus

Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus

Der neue Bericht „Ein Leben in Ketten – Elefanten im Tourismus“ von Pro Wildlife zeigt nun, wie problematisch der Elefantentourismus ist. Viele Tiere werden in der Wildnis gefangen und mit Hilfe von massiver Gewalt gefügig gemacht » Bericht: Elefanten im Tourismus: Ein Leben in Ketten

 

 

 

 

indischer Elefant

Elefantenfreundliche Reiseunternehmen

Immer mehr Reiseanbieter stellen aufgrund unserer Kampagne um auf elefantenfreundlichen Tourismus. Pro Wildlife fordert Reiseanbieter auf, Elefantenreiten und andere Angebote, die auf Tierleid setzen, aus dem Programm zu nehmen. » Elefantenfreundliche Reiseunternehmen

 

 

 

 

 

Asiatischer Elefant

Checkliste elefantenfreundlicher Tourismus

So erkennen Sie, ob eine Einrichtung elefantenfreundlich ist » Checkliste elefantenfreundlicher Tourismus

 

 

 

 

 

 

Der Elefantenhaken in Pinnawela

Der Elefantenhaken in Pinnawela

Viele beliebte Touristenattraktionen sind Tierquälerei. So auch in Pinnawela in Sri Lanka » Tierquälerei in Sri Lanka: „Elefantenwaisenhaus“ Pinnawela

 

 

 

 

 

Elefantenherde im Waisenhaus © ETH Sri Lanka

Elefantenherde im Waisenhaus © ETH Sri Lanka

Im Elephant Transit Home in Sri Lanka bekommen Elefantenwaisen eine zweite Chance » Reisetipp Asien: Elephant Transit Home in Sri Lanka

 

 

 

 

 

 

Elefantenwaisenhaus Sambia

Elefantenwaisenhaus Sambia

Das Elefantenwaisenhaus in Sambia kümmert sich um die Opfer der Wildereikrise in Afrika » Reisetipp Afrika: Elephant Orphanage in Sambia

 

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