Lebensraumzerstörung

Lebensraumzerstörung

Lebensraumzerstörung bezeichnet die dauerhafte Vernichtung oder Zerschneidung natürlicher Ökosysteme – durch Abholzung, Landumwandlung, Rohstoffabbau, Fischerei und die Klimakrise. Sie gilt als eine der größten Bedrohungen für die weltweite Artenvielfalt. Pro Wildlife bekämpft die Ursachen auf politischer Ebene und schützt gemeinsam mit lokalen Initiativen Lebensräume in Afrika und Asien.

Auf einen Blick

  • Der Verlust von Lebensräumen ist die häufigste Ursache des weltweiten Artensterbens – bereits rund 49.500 der über 175.000 von der IUCN erfassten Arten gelten als bedroht (IUCN Rote Liste, Stand: Juli 2026).
  • Betroffen sind Lebensräume an Land und im Meer – von tropischen Regenwäldern bis zu Korallenriffen und dem Meeresboden.
  • Haupttreiber ist der Rohstoffhunger der Industrienationen: Palmöl, Soja und Rindfleisch, Tropenholz, Bergbau und Ölförderung.
  • Pro Wildlife fordert u. a. 30 % Schutzgebiete bis 2030 und ein striktes Lieferkettengesetz.

Was bedeutet Lebensraumzerstörung – und warum ist sie so gefährlich?

Betroffen sind Ökosysteme aller Art – wie z.B. Wälder, Feuchtgebiete, Savannen, Korallenriffe, Seegraswiesen oder der Meeresboden. Verschwindet oder zerfällt ein solcher Lebensraum, verlieren Wildtiere Nahrung, Rückzugsräume und Fortpflanzungsstätten. Weil viele Arten eng an ihren Lebensraum angepasst sind und nicht ausweichen können, ist der Lebensraumverlust laut Weltbiodiversitätsrat (IPBES) die wichtigste Ursache des weltweiten Artensterbens – noch vor direkter Übernutzung, Klimawandel und Umweltverschmutzung.

Welche Ursachen hat die Lebensraumzerstörung?

tropischer Primärwald weltweit 2025 verloren (elf Fußballfelder pro Minute)

(Quelle: Global Forest Watch / WRI)

der Arten an heißen Tiefseequellen sind bedroht – durch Tiefseebergbau

(Quelle: IUCN, 2026)

Rodung im brasilianischen Amazonas (2025)

(Quelle: INPE)

Meeresboden pro Jahr von Grundschleppnetzen überpflügt – etwa so groß wie die EU

(Quelle: Nature, 2021)

Die Ursachen sind vielschichtig, hauptverantwortlich ist jedoch der Rohstoffhunger der Industrienationen. Indonesiens Wälder weichen Palmöl-Plantagen, Teile des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes und der argentinischen Pampas werden für Viehweiden und den Sojaanbau (Futter für die Massentierhaltung) gerodet. Uralte südamerikanische Mahagonibäume werden als Tropenholz zu Möbeln verarbeitet, Baumriesen auf Madagaskar als Holzkohle verheizt, und

Konzerne erschließen selbst in ökologisch hochsensiblen und teils geschützten Gebieten neue Ölvorkommen. Im Einzugsgebiet des Okavango-Deltas (UNESCO-Welterbe) bohrte das Unternehmen ReconAfrica 2025 im Kavango-Becken in Namibia. In Alaska treibt die US-Regierung seit 2025 die Öl- und Gasförderung in der Arktis voran und im ecuadorianischen Yasuní-Nationalpark, einem der artenreichsten Orte der Erde und Heimat isoliert lebender indigener Völker, fördert der Staatskonzern weiter Öl.

Lebensraumzerstörung im Meer: Grundschleppnetz-Fischerei

Nicht nur an Land, auch am Meeresboden werden Lebensräume großflächig zerstört. Die Grundschleppnetz-Fischerei zählt zu den zerstörerischsten Fangmethoden: Schwere Netze wie „Baumkurren“ mit Eisenketten pflügen über den Meeresgrund, zerstören Sandkorallenriffe und benthische Lebensgemeinschaften, hinterlassen „Unterwasserwüsten“ und verursachen hohe Beifangraten. Beim Aufwirbeln der Sedimente wird zudem gespeichertes CO₂ freigesetzt. Allein in der Nordsee ziehen Hunderte Kutter rund 30.000 Tonnen Nordsee-Krabben pro Jahr aus dem Wasser – der Großteil davon sogar im Schutzgebiet des Nationalparks Wattenmeer. Die EU verbietet Grundschleppnetze bislang nur in besonders empfindlichen Tiefsee-Ökosystemen (VMEs) zwischen 400 und 800 Metern Tiefe.

Welche Arten sind besonders von Lebensraumzerstörung betroffen?

Die Lebensraumzerstörung hat dramatische Folgen für alle Gruppen von Wildtieren – vom Gorilla bis zur Libelle: Die Rote Liste der IUCN dokumentiert, wie stark einzelne Artengruppen unter dem Verlust ihres Lebensraums leiden. Einige aktuelle Beispiele:

Art / GruppeWissenschaftl. NameRote-Liste-StatusBedrohung durch Lebensraum­zerstörungQuelle
Afrikanischer WaldelefantLoxodonta cyclotisvom Aussterben bedroht (~135.690 Tiere)Verlust und Zerschneidung des Regenwaldes, zusätzlich WildereiIUCN SSC, 2025
Cross-River-GorillaGorilla gorilla diehlivom Aussterben bedroht (≤ 250 Tiere)Waldverlust im Grenzgebiet Nigeria/Kamerun; Pro-Wildlife-Projekt erhält den Wald (siehe unten)IUCN / Pro Wildlife
WüstenregenfroschBreviceps macropsgefährdet (hochgestuft 2026)Diamantenabbau & Industrieprojekte (u. a. grüner Wasserstoff) an der Küste Namibias/SüdafrikasIUCN, Juli 2026
Mollusken an heißen Tiefseequellen (endemisch)u. a. Lirapex felix62 % bedroht (125 von 201 Arten)Tiefseebergbau zerstört den Meeresboden; Sedimentwolken ersticken die TiereIUCN, Juli 2026
Süßwasser-Arten (Fische, Libellen, Krebse)24 % bedrohtLebensraumverlust, Staudämme, Verschmutzung und WasserentnahmeIUCN, 2025
Ausgewählte Arten und Artengruppen, bei denen Lebensraumzerstörung eine zentrale Bedrohung ist. Quelle: IUCN Rote Liste.

Was tut Pro Wildlife gegen Lebensraumzerstörung?

Pro Wildlife arbeitet politisch an besseren Gesetzen (z. B. zu Fischerei, Lieferketten, EU-Naturschutz, wie der HandsOff-Kampagne) und unterstützt Schutzprojekte vor Ort:

Mit Wildbienen Gorillas retten

Im Grenzgebiet zwischen Nigeria und Kamerun leben die letzten Cross-River-Gorillas (Gorilla gorilla diehli) – ihr Bestand wird auf höchstens 250 Tiere geschätzt. Um Honig von Wildbienen zu ernten, wurden dort früher die Bäume mit den Bienenstöcken gefällt. Pro Wildlife finanzierte Imker-Schulungen, sodass die Dorfbewohner heute abnehmbare Bienenstöcke nutzen und bei der Honigernte kein Wald mehr zerstört wird – ein Beispiel, wie sich Lebensraum mit einfachen Mitteln und gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erhalten lässt.

Lebensraumschutz gemeinsam mit lokalen Gemeinden

In mehreren Projekten verbindet Pro Wildlife Lebensraumschutz mit der Verringerung von Mensch-Wildtier-Konflikten: In Tansania werden Wanderrouten von Elefanten erhalten, in Kamerun haben frühere Wilderer alternative Einkommensquellen gefunden, und in Botswana werden Wildtiergebiete gesichert und Nutztiere gegen Löwenrisse geschützt.

Was fordert Pro Wildlife?

  • Ausbau der Schutzgebiete auf 30 % der Land- und Meeresflächen bis 2030 – davon 30 % streng geschützt als Nullnutzungszonen (weder Fang, Jagd noch Rohstoffförderung). 2024 hat dies die Biodiversitätskonferenz auf dem Papier bereits beschlossen, aber nun gilt es, eine schnelle Umsetzung sicherzustellen.
  • Strikte Auflagen für Ökosiegel, damit FSC (Holz), RSPO (Palmöl) und MSC (Meeresfisch) die Abholzung wertvoller Wälder und die Überfischung der Meere wirklich verhindern.
  • Grundlegende ökologische Reform von Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei in der EU, mit höherer Priorität für den Erhalt der Artenvielfalt.
  • Ein komplettes Verbot der Grundschleppnetz-Fischerei – mit höchster Dringlichkeit für Meeresschutzgebiete und besonders empfindliche Ökosysteme (VMEs). Jetzt Petition unterschreiben
  • Ein striktes Lieferkettengesetz, das die Plünderung der Natur für unseren Konsum verhindert und soziale sowie Menschenrechts-Mindeststandards sichert.

Was kann ich gegen Lebensraumzerstörung tun?

  • Beim Einkauf regionale, saisonale und möglichst ökologisch erzeugte Produkte bevorzugen und tierische Produkte reduzieren.
  • Produkte mit Palmöl meiden.
  • Bei Kakao, Kaffee u. Ä. auf FairTrade- und Ökosiegel achten.
  • Das Smartphone lange nutzen und ausrangierte Geräte zum Handy-Recycling schicken – das dämmt den Abbau von Coltan und anderen Rohstoffen in Zentralafrika ein.
  • Im Garten, auf Balkon oder Fensterbank kleine Insektenparadiese schaffen.
  • An Silvester auf Feuerwerk und Böller verzichten – der plötzliche Lärm versetzt Wild- und Haustiere in Panik und kostet sie im Winter wertvolle Energie. Pro Wildlife ist Teil des Bündnisses BöllerCiao für ein Böllerverbot.

Unsere größten Erfolge

2026

Das UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ) tritt in Kraft. Damit ist die Hohe See nicht länger ein rechtsfreier Raum.

2025

In Tansania hilft Pro Wildlife, einen Wildtierkorridor zu errichten, der die Ökosysteme des Udzungwa Mountains-Nationalparks und des Nyerere Nationalparks wieder miteinander verbindet. Der Korridor erhält offiziellen Schutzstatus.

2023

Die EU beschließt in ihrem Fischerei-Aktionsplan ein Verbot von Grundschleppnetzfischereien in Meeresschutzgebieten.

2021

Der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) verschärft auf Druck von Pro Wildlife seine Auflagen zum Schutz wertvoller Wälder.

2019

Die EU verabschiedet ein Verbot der häufigsten Einwegplastik-Artikel.

2018

Nigeria ändert nach Protesten seine Pläne für einen Highway durch das letzte Rückzugsgebiet der Cross-River-Gorillas.

2011

Bau von knapp 500 Solarkochern auf Madagaskar (je ~2,5 t CO₂-Einsparung/Jahr); zudem Verhinderung einer bereits genehmigten 70.000-Hektar-Palmölplantage des US-Konzerns Herakles in Südwest-Kamerun.

2010

Die EU verabschiedet die FLEGT-Holzhandelsverordnung, die den Import illegal geschlagener Hölzer verbietet.

2008

In Peru wird ein Regenwaldgebiet in der Pufferzone des Pacaya-Samiria-Schutzgebiets gesichert – Lebensraum für Wollaffen und viele andere Arten.

2007

In Äthiopien hilft Pro Wildlife, Landgrabbing im Elefantenschutzgebiet zu stoppen: Der geplante Energiepflanzen-Anbau des deutschen Konzerns Flora Eco Power hätte jahrhundertealte Elefanten-Wanderwege durchtrennt.

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