Welt-Artenschutzkonferenz beschließt in erster Instanz Handelsverbot.

Johannesburg / München, 2. Oktober 2016. Die Delegierten der CITES-Artenschutzkonferenz in Johannesburg haben am Sonntag ein internationales Handelsverbot für wildgefangene Graupapageien beschlossen. Graupapageien werden für den Heimtiermarkt zu Tausenden aus der Wildnis gefangen und sowohl illegal als auch legal in die USA, nach Europa und in arabische Länder exportiert. Seit 1975 wurden offiziell über 1,3 Millionen Tiere gefangen und exportiert – die Dunkelziffer ist weit höher. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt diese notwendige und überfällige Entscheidung und berichtet, dass viele Länder sich für ein Handelsverbot eingesetzt haben.

„Wir sind überglücklich. Die Welt hat heute bewiesen, dass es für Natur und Mensch wichtig ist, unsere Arten zu schützen – und das nicht im Käfig, sondern in freier Wildbahn.“, sagt Adeline Fischer Wildlife Managerin bei Pro Wildlife. „Wirtschaftliche Interessen waren bei dieser Entscheidung nicht wichtiger als das Überleben einer ganzen Art. Südafrika hat sich zwar mit Händen und Füßen gegen den besseren Schutzstatus der Graupapageien gewehrt und seine Rolle als Gastgeberland dabei voll ausgenutzt. Allerdings hat die Staatengemeinschaft die Wünsche der Antragssteller erfüllt und somit ein wichtiges Zeichen für den Artenschutz gesetzt.“

Die Antragsteller – sieben afrikanische Länder, die USA und Europa – forderten imminent den höchsten Schutz für den schlauen Papagei. Grund dafür sind kollabierende Bestände in den Herkunftsländern, wie jüngste Studien aus Ghana oder Kongo zeigen. In Ghana, wo diese Art einst häufig und weit verbreitet war, sind die Populationen um 90-99 Prozent zurückgegangen.

Das absolut notwendige Handelsverbot konnte in erster Instanz eine Zweidrittel-Mehrheit finden: Mit 95 Ja zu 35 Nein-Stimmen gewann der Antrag. „Südafrika hatte in den vergangenen Tagen aktiv gegen den Antrag gearbeitet. Grund dafür sind die Zuchtstationen im Land. Diese dürfen weiterhin mit gezüchteten Tieren handeln, allerdings ohne neue Tiere aus der Wildnis zur Blut-Auffrischung zu bekommen.“, so Fischer.

Wie ernst es um die Graupapageien steht, hatten die Antragsteller mehrfach betont. „Durch unsere Partner in Kamerun wissen wir, wie dramatisch die Situation geworden ist. Die Auffangstation Limbe Wildlife Centre hat seit 2007 bereits über 3.500 beschlagnahmte Graupapageien aufgenommen. Die Tiere sind oftmals in einem katastrophalen Zustand, man geht vor einer Sterblichkeitsrate von 30-60 Prozent aus, sie verenden elendig, bevor sie überhaupt das Land verlassen“, berichtet Fischer. „Früher sind die Wilderer auf die Bäume geklettert und haben Eier oder Küken aus den Nestern geklaut, heute fällen sie einfach den ganzen Baum – dies hat auch katastrophale Folgen für die Umwelt.“

Eine Hochstufung auf CITES Anhang 1 erleichtert vieles: „Dem illegalen Handel muss ein Riegel vorgeschoben werden. Die Herkunftsländer haben jetzt mehr Handhabungen im Vollzug. Durch die Aufnahme im Anhang I können auch nationale Gesetze besser greifen und das Strafmaß ist höher.“

Die Weltartenschutzkonferenz in Johannesburg geht ab Sonntag in die heiße Phase: Die hitzigen Debatten um Nashörner, Elefanten und Löwen wurden nach hinten geschoben und werden ab Montag verhandelt; strittige Entscheidungen wie die Graupapageien müssen nochmals im Plenum am Dienstag bestätigt werden. Die CITES-Konferenz endet am Mittwoch, dem 5. Oktober.

Auf Twitter (@prowildlife) und im Blog berichtet das Pro Wildlife-Team von der CITES- Konferenz. (https://www.prowildlife.de/bericht/blog-zur-cites-konferenz-2016)

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