München / Cambridge, 30. November 2021.

Walfangverbot ist einer der größten jemals erzielten Artenschutzerfolge

Die Internationale Walfangkommission (IWC), eines der ältesten Umweltabkommen der Welt, feiert am 2. Dezember ihr 75. Jubiläum. Einst als Club von Walfangländern gegründet, die die das Geschäft mit Walprodukten möglichst lange am Leben halten wollten, versuchte die IWC, die Jagd zu regulieren. Doch Berechnungen der Artenschutzorganisation Pro Wildlife zeigen: Erst das seit 1986 geltende kommerzielle Walfangverbot beendete den industriellen Walfang weitestgehend und rettete seither mehr als 1,3 Millionen Walen das Leben. „Das Walfangverbot ist einer der größten Erfolge, der jemals im internationalen Artenschutz erzielt wurde“, so Dr. Sandra Altherr, Biologin und Meeresexpertin von Pro Wildlife. „Seither ging die Zahl getöteter Wale im Vergleich zu den 1970er Jahren um mehr als 96 Prozent zurück.“ In den nächsten Jahren entscheidet sich, ob die IWC ihre aktuelle Finanzkrise überlebt und den Wandel zu einer konsequenten Walschutzorganisation schafft.

Die IWC – eine Chronik

  • Im Zeitraum 1900 bis 1940 töteten Walfänger mehr als 860.000 Wale; v.a. die Bestände der größten Walarten brachen nacheinander ein.
  • Am 2. Dezember 1946 wurde die „Internationale Konvention zur Regulierung des Walfangs“ (englisch ICWR) gegründet, über deren Umsetzung die Internationale Walfangkommission (IWC) wacht.
  • Zunächst war die IWC ein Club weniger Walfangländer, die die sinkenden Walbestände unter sich aufteilen wollten. Die Jagd auf die Meeresriesen stieg in den 1950er Jahren sogar weiter an.
  • In den 1960er Jahren erreichte der industrielle Walfang seinen Höhepunkt: Mehr als 700.000 Meeresriesen wurden während dieser Dekade gejagt. Ein Quotensystem der IWC wurde ausgetrickst; Länder wie die Sowjetunion und Japan fälschten ihre Fangstatistiken und unterschlugen abertausende Wale.
  • Erst Mitte der 1970er Jahre wurde der Walfang durch Medienberichte zum öffentlichen Thema und löste weltweite Proteste aus.
  • 1975 gehörten einige Großwale zu den ersten Arten, für die das frisch gegründete CITES*-Artenschutzabkommen ein internationales Handelsverbot beschloss. Dies reduzierte die Waljagd gegenüber den 1960er Jahren beträchtlich.
  • 1979 schließlich einigten sich die IWC-Staaten, den Einsatz von Fabrikschiffen zu beenden (ausgenommen Zwergwale).
  • Erst 1982 beschloss die IWC ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 in Kraft trat und zunächst nur vorläufig gelten sollte, doch seither als kommerzielles Walfangverbot besteht. Bis auf drei Länder hielten sich alle daran: Norwegen und Island legten formalen Widerspruch ein und sind nicht an das Moratorium gebunden; Japan umging das kommerzielle Verbot, in dem es offiziell nun „Wissenschaftswalfang“ betrieb – und das ausgerechnet v.a. im Antarktisschutzgebiet.
  • Dreimal lagen gefährliche Anträge auf dem Verhandlungstisch, die das Moratorium beendet hätten: 1998, 2010 und 2018 – zwei davon als Kompromissvorschläge aus dem Walschutzlager.
  • 2014 befand der Internationale Gerichtshof, dass Japans „Wissenschaftswalfang“ in der Antarktis gegen die IWC-Regeln verstieß. Japan reduzierte die Antarktisjagd daraufhin und kämpfte weiterhin gegen das Moratorium. Als dies 2018 erneut scheiterte, verließ Japan 2019 die IWC – beendete jedoch die Waljagd in der Antarktis und hat seither die Waljagd annähernd halbiert.
Industrieller Walfang seit 1900 - mit Peak in den 1960er Jahren ((nach Rocha et al. 2014; Pro Wildlife 2021))

Industrieller Walfang seit 1900 (nach Rocha et al. 2014; Pro Wildlife 2021)

Ungewisse Zukunft der Internationalen Walfangkommission

Seit Austritt Japans 2019 als mit Abstand größtem Beitragszahler hat die IWC ernsthafte Geldsorgen. Verschärft wird die Situation durch die Corona-Pandemie, in der gerade kleinere Mitgliedsstaaten ihre Beitragszahlungen schuldig blieben. Auf einem digitalen Sondertreffen der IWC im Oktober 2021 wurde der Ernst der Lage deutlich. „Ob Japan den vielen Kleinstaaten in der Karibik, Afrika und Ozeanien weiterhin Geld zuschustert, damit sie die Interessen Japans auf der IWC weiterhin vertreten, ist fraglich“, so die Pro Wildlife-Sprecherin Altherr. „Sollten sich die Finanzen der IWC stabilisieren, gibt es hingegen gute Chancen, dass sie endgültig vom Walfängerclub zur führenden Walschutzorganisation umgebaut wird. Dafür setzen wir uns weiterhin ein.“

* Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora

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