Trophäenjagd und Großwildjagd

Reisen um zu töten: Trophäenjagd auf bedrohte Arten.

Jagdskandale wie die Trophäenjagd mit Pfeil und Bogen eines amerikanischen Zahnarztes auf den weltweit berühmten Löwen Cecil oder der Abschuss eines der letzten großen Elefantenbullen in Simbabwe durch einen Berliner Jäger empören zunehmend die Weltöffentlichkeit. Doch sie sind bei weitem kein Einzelfall. Alleine in Afrika gehen jedes Jahr über 18.000 Ausländer auf Trophäenjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere. Zebras, Leoparden, Elefanten, Löwen und sogar Paviane gehören zu den bedrohten Tierarten, deren Trophäen am häufigsten exportiert werden.
Von Trophäenjagd betroffen: das Breitmaulnashorn_C_JamesWarwick

Breitmaulnashorn © James Warwick

Nach den USA und Spanien sind deutsche Jäger EU Spitzenreiter bei der Jagd auf gefährdete und geschützte Arten. Den Abschuss von Löwe, Elefant, Nashorn und Eisbär bieten in Deutschland Dutzende auf Jagdreisen spezialisierte Reiseveranstalter ganz legal an. Eldorado der Branche ist die alljährlich in Dortmund stattfindende Jagdmesse „Jagd & Hund“: Auf Fotowänden sieht man feixende Jäger. Sie knien hinter frisch erlegten Braunbären, denen das Blut aus dem Mund trieft; mit stolzgeschwellter Brust lassen sie sich zwischen den Stoßzähnen eines Elefanten ablichten oder hieven einen toten Leoparden in die Luft; lebensecht ist der erlegte Mähnenlöwe auf einen Sandhügel drapiert, um auch im Tod noch imposant zu wirken. Je seltener die Art und je größer Hörner, Mähnen und Stoßzähne der getöteten Tiere, umso höher der Preis für den Abschuss und umso höher der Statusgewinn für den Erleger. Internationale Jagdverbände führen sogar Rekordbücher und vergeben Medaillen für die „kapitalsten“ Trophäen.

Der Loewe ist eine beliebte Jagd-Trophäe (c)pixabay

Afrikanischer Löwe © Pixabay

Wider die Natur

Die Großwildjagd ist nicht nur aus ethischen Gründen mehr als fragwürdig, sondern auch aus ökologischer Sicht: Trophäenjäger haben es oft auf seltene Arten abgesehen – und hier ausgerechnet auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere. Diese widernatürliche Auslese kann fatale Auswirkungen für das Überleben einer Art haben. Quer durch die Rote Liste gefährdeter Arten gestatten einige Entwicklungsländer, aber auch manche reiche Staaten, wie z.B. Kanada, betuchten Jagdgästen aus dem Ausland den Abschuss von Tieren. Sogar vor Arten, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen streng geschützt sind, macht die Jagdlust nicht halt: Weil die Einfuhr von Jagdtrophäen als Privatvergnügen und „nicht kommerziell“ gilt, ist sie von Importverboten meist ausgenommen und mit Genehmigung legal – auch in Deutschland.

Einsatz gegen die Großwildjagd und die Trophäenjagd

Pro Wildlife dokumentiert, wie die Trophäenjagd Elefanten, Eisbären, Grizzlys, Löwen und andere Arten bedroht und wie die Propaganda der Jagdindustrie das lukrative Geschäft am Leben erhält. Wir treten gegen den Handel mit Jagdtrophäen bedrohter Arten ein und fordern Jagd-, Handels- und Einfuhrverbote. Mit Erfolg: Die europäische Union verbietet immer wieder die Einfuhr bedrohter Arten aus bestimmten Ländern und hat ihre Artenschutzregeln Anfang 2015 verschärft. Frankreich stoppte im November 2015 als erstes EU Land die Einfuhr von Löwentrophäen, kurz darauf erliessen die Niederlande ein Einfuhrverbot für Trophäen geschützter Tierarten. Die USA, mit bis zu 741 Trophäen im Jahr bisher größter Löwen-Importeur, hat Löwen endlich als bedrohte Art erkannt und genehmigt Importe seit Januar 2016 nur noch in Einzelfällen. Australien erließ bereits im März 2015 einen Importstopp und einige afrikanische Länder, wie Kenia und Botswana verbieten die Großwildjagd vollständig. Auch immer mehr Airlines und Luftfrachtgesellschaften erkennen zunehmend ihre Verantwortung und verbieten oder beschränken den Transport von Trophäen. Im Herbst 2016 erließ die Welt-Artenschutzkonferenz auf Antrag der EU eine Resolution, die zukünftig Ausfuhrgenehmigungen und strengere Kontrollen für Jagdtrophäen fordert. Ein wichtiger erster Schritt, doch es bleibt noch viel zu tun, um das blutige Geschäft mit Jagdtrophäen zu stoppen.

“Since the reason to bring a trophy back is to show off to other people how ‘manly’ and ‘exciting’ you are, banning trophies would immediately remove this disgusting motive.”

John Cleese

Einfuhrverbote für Elefanten und Löwen

1.028 Afrikanische Elefanten stehen alleine im Jahr 2017 erneut legal zum Abschuss durch Trophäenjäger frei – und das obwohl ihre Bestände in acht Jahren um etwa ein Drittel dezimiert wurden. Sogar vor höchst bedrohten Beständen macht die Jagd nicht halt: So gibt die Regierung Namibias sogar die letzten Efantenbullen in Wüstengebieten zum Abschuss frei und nimmt damit die Auslöschung dieser bedrohten Population in Kauf. Für die durch Wilderei bereits extrem dezimierten Elefanten Tansanias, Mosambiks und Kameruns gibt es immerhin Teilerfolge, was die Einfuhr nach Europa angeht: die EU hat mittlerweile eingesehen, dass die Jagd dort alles andere als nachhaltig ist und die Einfuhr mittlerweile verboten. Löwentrophäen dürfen Jäger aus Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Kamerun und Mosambik nicht mehr mitbringen – wodurch die Jagd ihren Reiz verliert. Doch aus anderen Ländern, für die wissenschaftliche Studien die negativen Effekte der Jagd belegen (allen voran Tansania, Simbabwe und Sambia), in denen die Wildtierbestände eingebrochen sind, in denen Korruption und Mismanagement herrschen und wo perverse Jagdpraktiken wie Gatterjagd auf gezüchtete und von Hand aufgezogene Tiere (Südafrika) oder die Jagd mit Pfeil und Bogen üblich sind, lässt die EU die Einfuhr von Löwen weiterhin zu.

Jagdtrophäen Eisbärenfell in Norwegen by paul-shoul

Trophäenjagd: Eisbärfelle für den Export © Paul Shoul

Großwildjagd: Armutsbekämpfung oder Greenwashing?

Großwildjäger stellen sich selbst gerne als Wohltäter dar und rechtfertigen ihr fragwürdiges Hobby als Beitrag zum Artenschutz und zur Armutsbekämpfung. Immerhin kostet eine Jagdreise inklusive Verpflegung und Unterbringung in der Luxuslodge, Begleitung durch einen Profijäger und Abschuss von Elefant, Löwe oder Eisbär Zehntausende Euro. Glaubt man der Jagdlobby, dann sind diese Devisen eine lukrative Einnahmequelle für die einheimische Bevölkerung, die im Gegenzug dafür sorgen soll, dass Wildtierbestände als Einnahmequelle erhalten bleiben. Doch die Theorie hält dem Realitäts-Check nicht Stand: Von dem Millionengeschäft profitieren vor allem ausländische Jagdreiseveranstalter, die Bevölkerung vor Ort erhält laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) bestenfalls einen „Hungerlohn“: Sie hat berechnet, dass die lokale Bevölkerung im Durchschnitt jährlich nur 0,2 € pro Person aus dem Jagdtourismus verdient, sofern sie überhaupt beteiligt wird. Häufig finden Jagden ohnehin auf privatem Farmland statt – hier profitiert weder die Staatskasse noch die arme Bevölkerung, die lediglich als Feigenblatt missbraucht wird, um die Trophäenjagd gesellschaftsfähig zu machen. Auch das Totschlagargument Arbeitsplätze greift nicht: 15.000 Teilzeit-Arbeitsplätze soll die Jagd in den acht wichtigsten afrikanischen Jagdländern schaffen – bei einer Gesamtbevölkerung von 140 Mio. Menschen. Zum Staatshaushalt trägt sie lächerliche 0,006 Prozent bei.

„Returns for local populations, even when managed by community projects are insignificant, and cannot prompt them to change their behaviour regarding poaching and agricultural encroachment“

IUCN/PACO Studie 2009

Jagd versus Fototourismus

Der Fototourismus hingegen erwirtschaftet Milliardenbeträge und schafft ein Vielfaches an Arbeitsplätzen. Nicht umsonst haben sich Länder wie Kenia und neuerdings auch Botsuana gegen die Jagd und für den Fototourismus entschieden: Kenia verdient jährlich 1 Mrd. US $ am Fototourismus – 30 Mio. US$ würde die Trophäenjagd einbringen, wenn sie erlaubt wäre. Und in Botsuanas Okavango Delta schafft der Fototourismus 39 Mal mehr Jobs als die Jagd.

Trophäenjagd: Eine Gefahr für bedrohte Arten

Während es an nachprüfbaren, empirischen Daten über den Nutzen der Trophäenjagd als angebliche Armutsbekämpfung und Artenschutzmaßnahme mangelt, belegen zahlreiche Berichte die Bedrohung von Tierbeständen, Korruption und Mismanagement. Trophäenjäger haben es auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere abgesehen. Langfristig hat dies fatale Folgen, weit über den Abschuss einzelner Tiere hinaus. Besonders gut dokumentiert ist dies am Beispiel der Löwenjagd. Denn die bei Jägern begehrten Mähnenlöwen sind in der Regel Chef eines Rudels. Werden sie erlegt, übernimmt ein jüngeres Männchen das Rudel und tötet die vom Vorgänger gezeugten Jungen. Auch bei Bären kommt dieser sogenannte „Infantizid“ durch nachrückende Männchen vor.

Wieviele Tiere Großwildjäger abschießen dürfen, entbehrt häufig jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Vielmehr sind die Jagdquoten oft Resultat handfester finanzieller Interessen, also der Nachfrage durch Trophäenjäger. Während z.B. die Löwen- und Elefantenbestände in Afrika stark zurück gegangen sind, hat der Abschuss durch Trophäenjäger enorm zugenommen. Aus Südafrika, Simbabwe, Tansania, Namibia und anderen beliebten Jagdreiseländern wird zudem immer wieder berichtet, wie korrupte Jagdreiseveranstalter, Wildhüter und Behörden Abschussquoten nicht einhalten und Einnahmen nicht abführen.

Weitere Informationen: 

» Pressemitteilung: Verbände fordern Importverbot für Jagdtrophäen

» Löwe: Der bedrohte König

» Zahme Löwen für die Jagd

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