Trophäenjagd und Grosswildjagd auf bedrohte Arten
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Reisen um zu töten: Trophäenjagd auf bedrohte Arten.

Jagdskandale wie der Abschuss von einem der größten Braunbären Europas durch den Prinz von Liechtenstein, die Erlegung eines der letzten großen Elefantenbullen in Simbabwe durch einen Berliner Jäger oder die Bogenjagd eines amerikanischen Zahnarztes auf den berühmten Löwen Cecil empören die Weltöffentlichkeit. Doch sie sind bei weitem kein Einzelfall. Alleine in Afrika gehen jedes Jahr mehr als 18.000 Ausländer auf Großwildjagd und töten dabei mehr als 120.000 Wildtiere. Elefanten, Leoparden, Löwen, Geparde, Nashörner, Eisbären, Braunbären, Flußpferde, Zebras, Affen, Wölfe und Wildkatzen gehören zu den bedrohten und geschützten Tierarten, deren Trophäen ganz legal nach Deutschland importiert werden.
Von Trophäenjagd betroffen: das Breitmaulnashorn_C_JamesWarwick

Breitmaulnashorn © James Warwick

Nach den USA und Spanien sind deutsche Jäger Spitzenreiter bei der Jagd auf gefährdete und geschützte Arten. Jedes Jahr werden Trophäen mehrerer Hundert geschützter Tiere nach Deutschland eingeführt – ganz legal und häufig sogar mit Genehmigung der zuständigen Behörden. Alleine im Jahr 2019 waren es 750 Tiere bedrohter bzw. geschützter Arten. Zwischen 2017 und 2020 wurden Jagdtrophäen von 628 Zebras, über 425 Affen, 104 Braunbären, 89 Leoparden, 99 Flusspferden, 92 Afrikanischen Elefanten, 68 Löwen, 58 Wölfen, 36 Wildschafen, 31 Giraffen, 25 Geparden, zehn Nashörner, sieben Eisbären, sowie von zahlreichen weiteren geschützten Arten nach Deutschland eingeführt bzw. entsprechende Einfuhrgenehmigungen erteilt.

Den Abschuss bedrohter Arten bieten in Deutschland Dutzende auf Jagdreisen spezialisierte Reiseveranstalter ganz legal an. Eldorado der Branche ist die alljährlich in Dortmund stattfindende Jagdmesse „Jagd & Hund“, auf der mehr als 100 Aussteller Jagdreisen in alle Welt anbieten: Auf Fotowänden sieht man feixende Jäger. Sie knien hinter frisch erlegten Braunbären, denen das Blut aus dem Mund trieft; mit stolzgeschwellter Brust lassen sie sich zwischen den Stoßzähnen eines Elefanten ablichten oder hieven einen toten Leoparden in die Luft; lebensecht ist der erlegte Mähnenlöwe auf einen Sandhügel drapiert, um auch im Tod noch imposant zu wirken. Je seltener die Art und je größer Hörner, Mähnen, Felle und Stoßzähne der getöteten Tiere, umso höher der Preis für den Abschuss und umso höher der Statusgewinn für den Erleger. Jagdverbände wie der Safari Club International (SCI) und der „Internationale Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes“ (CIC) führen sogar Rekordbücher und Punktekataloge und vergeben Medaillen an die Erleger der „kapitalsten“ Trophäen.

Der Loewe ist eine beliebte Jagd-Trophäe (c)pixabay

Afrikanischer Löwe © Pixabay

Wider die Natur

Die Großwildjagd ist nicht nur aus ethischen Gründen mehr als fragwürdig, sondern auch aus ökologischer Sicht: Trophäenjäger haben es oft auf seltene Arten abgesehen – und hier ausgerechnet auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere. Diese widernatürliche Auslese kann fatale Auswirkungen für das Überleben einer Art haben. Quer durch die Rote Liste gefährdeter Arten gestatten einige Entwicklungsländer, aber auch manche reiche Staaten, wie z.B. Kanada, betuchten Jagdgästen aus dem Ausland den Abschuss von Tieren. Sogar vor Arten, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen streng geschützt sind, macht die Jagdlust nicht halt: Weil die Einfuhr von Jagdtrophäen als Privatvergnügen und „nicht kommerziell“ gilt, ist sie von Importverboten meist ausgenommen und mit Genehmigung legal – auch in Deutschland. Europäisches Recht wie die EU Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie, die Tötungsverbote für einheimische Arten wie Braunbär und Wolf vorsieht, wird umgangen, indem Individuen zu angeblichen „Problemtieren“ deklariert werden und Jäger sie gegen entsprechende Bezahlung abschießen und ihre Trophäe ausführen dürfen.

Einsatz gegen die Trophäenjagd

Frankreich stoppte nach internationaler Empörung 2015 als erstes EU Land die Einfuhr von Löwentrophäen, 2016 erliessen die Niederlande ein Einfuhrverbot für Trophäen aller geschützten Tierarten. Die Regierung von Großbritannien hat 2020 angekündigt, ein Einfuhrverbot zu erlassen. Auch in den USA und Australien gelten Beschränkungen für bestimmte Arten. Auch etliche Unternehmen, darunter eBay, Airlines und Luftfrachtgesellschaften verbieten den Verkauf bzw. den Transport von Trophäen. Doch es bleibt noch viel zu tun, um das blutige Geschäft mit Jagdtrophäen zu stoppen. Doch die deutsche Bundesregierung genehmigt trotz jahrelanger Proteste von Pro Wildlife und weiteren Tier- und Naturschutzorganisationen jedes Jahr unverändert die Einfuhr Hunderter Tiere bedrohter Arten.

Tiger-Trophäe auf Jagdmesse in Dortmund

Tiger-Trophäe auf Jagdmesse in Dortmund

Feuer frei auf Elefant, Nashorn, Braunbär, Eisbär, Leopard & Co.

1.028 Afrikanische Elefanten standen laut veröffentlichten Jagdquoten alleine im Jahr 2017 legal zum Abschuss durch Trophäenjäger frei – und das obwohl ihre Bestände in acht Jahren um etwa ein Drittel dezimiert wurden. Sogar vor höchst bedrohten Beständen macht die Jagd nicht halt: So gibt die Regierung Namibias die letzten ausgewachsenen Bullen der Wüstenelefanten zum Abschuss frei und nimmt damit die Auslöschung dieser bedrohten Population in Kauf. Laut EU-Gesetzgebung dürfen die EU Mitgliedsstaaten die Einfuhr bedrohter Tiere nur genehmigen, wenn die Jagd „nachhaltig“ und legal ist – bei streng geschützten Arten (wie z.B. Leoparden, Geparden, Elefanten) muss sie sogar einen nachweislichen Beitrag zum Schutz dieser Arten liefern. In der Praxis fehlen solche Nachweise. Im Gegenteil dokumentieren immer mehr wissenschaftliche Studien den massiven Rückgang vieler bejagter Wildtierbestände. Trotzdem werden in Deutschland und der EU weiterhin Einfuhrgenehmigungen für Jagdtrophäen aus Ländern erteilt, in denen die negativen Effekte der Jagd klar belegt sind und in denen Korruption und Missmanagement herrschen. Nur für besonders eklatante Fälle machen die EU-Behörden bisher von ihrem Recht Gebrauch, Einfuhrverbote zu verhängen: Hierzu gehört zum Beispiel die Jagd auf Elefanten in Kamerun sowie auf Löwen in Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Kamerun und Teilen von Mosambik. Einfuhren aus den Ländern, in denen die allermeisten Tiere von Großwildjägern getötet werden, wie Tansania, Simbabwe, Südafrika und Namibia bleiben jedoch erlaubt.

Neben Zweifeln an der Nachhaltigkeit stellt sich auch die Frage, ob der Abschuss von Tieren aus reiner Gier nach Statussymbolen ethisch vertretbar ist. Aus Sicht von Pro Wildlife und auch im Sinne des Deutschen Tierschutzgesetzes ist das nicht der Fall: In Deutschland ist das Töten von Tieren allein zum Erwerb einer Trophäe, also ohne „vernünftigen Grund“ nicht erlaubt. Die Einfuhr solcher Trophäen aus dem Ausland wird dennoch weiterhin von der zuständigen Artenschutzbehörde, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), genehmigt. Zudem kommen im Ausland häufig tierschutzwidrige Methoden zum Einsatz, die hierzulande verboten sind, wie z.B. der Abschuss von in Gefangenschaft geborenen Tieren in Jagdgattern, die Jagd mit Pfeil und Bogen, das Hetzen mit Hunden, das Anködern von Raubtieren mit Beutetieren und das Herauslocken von Trophäentieren aus Schutzgebieten.

Jagdtrophäen Großwildjagd Trophäenjagd Eisbärenfell in Norwegen by paul-shoul

Trophäenjagd: Eisbärfelle für den Export © Paul Shoul

Großwildjagd: Armutsbekämpfung oder Greenwashing?

Großwildjäger stellen sich selbst gerne als Wohltäter dar und versuchen ihr fragwürdiges Hobby als Beitrag zum Artenschutz und zur Armutsbekämpfung zu rechtfertigen. Immerhin kann eine Jagdreise inklusive Verpflegung und Unterbringung in der Luxuslodge, Begleitung durch einen Profijäger und Abschuss von Elefant, Löwe oder Eisbär zehntausende Euro kosten. Glaubt man der Jagdlobby, dann sind diese Devisen eine lukrative Einnahmequelle für die einheimische Bevölkerung, die im Gegenzug dafür sorgen soll, dass Wildtiere und deren Lebensräume erhalten bleiben. Doch verschiedene Studien entlarven die Argumentation als Greenwashing: Von dem Millionengeschäft profitieren vor allem ausländische Jagdreiseveranstalter, die Bevölkerung vor Ort erhält laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) bestenfalls einen „Hungerlohn“: Der IUCN Bericht hat berechnet, dass die lokale Bevölkerung im Durchschnitt jährlich nur 0,3 US Dollar pro Person aus dem Jagdtourismus verdient, sofern sie überhaupt beteiligt wird. Häufig finden Jagden ohnehin auf privatem, umzäunten Farmland statt – hier profitiert weder die Staatskasse noch die arme Bevölkerung, die lediglich als Feigenblatt missbraucht wird, um die Trophäenjagd gesellschaftsfähig zu machen. Immer wieder dokumentieren Berichte (z.B. aus Namibia, Sambia, Simbabwe und Tansania), dass versprochene Gelder aus der Jagd nicht bei der Bevölkerung ankommen, sondern von korrupten Beamten oder Eliten einbehalten werden. Zum Staatshaushalt trägt die Grosswildjagd laut IUCN-Bericht lächerliche 0,006 Prozent bei und kann damit keinen Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Menschen vor Ort leisten. Ökonomische Analysen kommen zu dem Schluss, dass Einnahmen aus der Jagd nicht mit anderen Wirtschaftszweigen (wie der Landwirtschaft) konkurrieren können und damit keinen ausreichenden finanziellen Anreiz für die Menschen vor Ort bieten, Wildtiere und ihre Lebensräume zu erhalten. Entsprechend verwundert es nicht, dass die Wilderei auch in vielen Jagdgebieten weiterhin massiv grassiert.

„Returns for local populations, even when managed by community projects are insignificant, and cannot prompt them to change their behaviour regarding poaching and agricultural encroachment“

IUCN/PACO Studie 2009

Großwildjagd versus Fototourismus

Auch das Totschlagargument Arbeitsplätze greift nicht: gerade mal 15.000 Teilzeit-Arbeitsplätze schafft die Jagd laut IUCN-Bericht in den acht wichtigsten afrikanischen Jagdländern – bei einer Gesamtbevölkerung von 140 Mio. Menschen. Der Fototourismus hingegen erwirtschaftet Milliardenbeträge und schafft ein Vielfaches an Arbeitsplätzen. Kenia hat die Jagd verboten und verdient jährlich 1 Milliarde US Dollar am Fototourismus – 30 Millionen US Dollar würde die Trophäenjagd einbringen, wenn sie erlaubt wäre. Und in Botsuanas Okavango Delta schafft der Fototourismus 39 Mal mehr Jobs als die Großwildjagd.

Tiere sind lebend viel mehr wert

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Trophäenjagd: Eine Gefahr für bedrohte Arten

Während es an nachprüfbaren, empirischen Daten über den Nutzen der Trophäenjagd als angebliche Armutsbekämpfung und Artenschutzmaßnahme mangelt, belegen zahlreiche Berichte die Bedrohung von Tierbeständen, sowie grassierende Korruption und Mismanagement im Jagdsektor. Trophäenjäger haben es auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere abgesehen. Langfristig hat dies fatale Folgen, weit über den Abschuss einzelner Tiere hinaus. Besonders gut dokumentiert ist dies am Beispiel der Löwenjagd, die laut wissenschaftlichen Veröffentlichungen in vielen afrikanischen Ländern zum Rückgang der Löwenbestände beigetragen hat. Denn die bei Jägern begehrten Mähnenlöwen sind in der Regel Chef eines Rudels. Werden sie erlegt, übernimmt ein jüngeres Männchen das Rudel und tötet alle vom Vorgänger gezeugten Jungtiere. Auch bei anderen bejagten Arten, wie z.B. Leoparden und Bären ist dieser sogenannte „Infantizid“ dokumentiert, wenn neue Männchen ein Revier übernehmen.

Korruption und Missmanagement
Wieviele Tiere Großwildjäger abschießen dürfen, entbehrt häufig jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Vielmehr sind die Jagdquoten für die Großwildjagd oft Resultat handfester finanzieller Interessen, also der Nachfrage durch Trophäenjäger. Während z.B. die Löwen- und Elefantenbestände in Afrika stark zurück gegangen sind, hat der Abschuss durch Trophäenjäger enorm zugenommen. Aus vielen Jagdreiseländern wird zudem von der erheblichen Korruption im Jagdsektor berichtet, eine Folge notorisch schlechter Kontrollen und lukrativer Gewinnspannen für die Jagdindustrie. Regelmäßig bereichern sich Jagdveranstalter, Behörden und Politiker: Sei es bei der Vergabe von Konzessionen für Jagdgebiete, bei der Festsetzung und Nicht-Einhaltung von Jagdquoten oder Altersgrenzen, bei der Einbehaltung von Gewinnen aus der Jagd, wenn Schutzvorschriften nicht eingehalten oder Trophäen in den illegalen Handel mit Tierprodukten eingeschleust werden.
So hilft Pro Wildlife
Pro Wildlife dokumentiert die Missstände und Gefahren der Trophäenjagd auf bedrohte Arten wie Elefanten, Eisbären, Grizzlys, Löwen, Nashörner und andere Arten – und wie die Jagdlobby durch Propaganda versucht, das lukrative Geschäft am Leben zu erhalten. Wir fordern Verbote für die Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten und das Angebot von Jagdreisen auf Messen und im Internet. Auf internationalen Konferenzen setzt sich Pro Wildlife für einen strengen Schutz bedrohter Arten und Handelsverbote ein.

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Jagd bedrohter Tierarten, Elefantenjagd

Brief an die Messe Dortmund, Juli 2020

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