Trophäenjagd und Grosswildjagd auf bedrohte Arten
,

Reisen um zu töten: Trophäenjagd auf bedrohte Arten.

Jagdskandale wie die Trophäenjagd mit Pfeil und Bogen eines amerikanischen Zahnarztes auf den weltweit berühmten Löwen Cecil oder der Abschuss eines der letzten großen Elefantenbullen in Simbabwe durch einen Berliner Jäger empören die Weltöffentlichkeit. Doch sie sind bei weitem kein Einzelfall. Alleine in Afrika gehen jedes Jahr mehr als 18.000 Ausländer auf Großwildjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere. Elefanten, Leoparden, Löwen, Geparde, Nashörner, Eis- und Braunbären, Flußpferde, Zebras, Affen, Wölfe und Wildkatzen gehören zu den bedrohten und geschützten Tierarten, deren Trophäen ganz legal nach Deutschland importiert werden.
Von Trophäenjagd betroffen: das Breitmaulnashorn_C_JamesWarwick

Breitmaulnashorn © James Warwick

Nach den USA und Spanien sind deutsche Jäger EU Spitzenreiter bei der Jagd auf gefährdete und geschützte Arten. Die Einfuhr von 615 Tieren bedrohter bzw. geschützter Arten wurde nach Auskunft der Bundesregierung alleine 2017 in Deutschland erfasst. In nur zwei Jahren (2017 und 2018) führten deutsche Jäger mit Genehmigung der Bundesregierung die Trophäen von 57 Leoparden, 41 Löwen, 58 Flusspferde, 66 Afrikanische Elefanten, 33 Braunbären, 13 Geparden und 5 Nashörner. Hinzu schossen deutsche Jäger hunderte Tiere, für die keine Einfuhrgenehmigung erforderlich ist, darunter z.B. Zebras und Paviane.

Den Abschuss bedrohter Arten bieten in Deutschland Dutzende auf Jagdreisen spezialisierte Reiseveranstalter ganz legal an. Eldorado der Branche ist die alljährlich in Dortmund stattfindende Jagdmesse „Jagd & Hund“: Auf Fotowänden sieht man feixende Jäger. Sie knien hinter frisch erlegten Braunbären, denen das Blut aus dem Mund trieft; mit stolzgeschwellter Brust lassen sie sich zwischen den Stoßzähnen eines Elefanten ablichten oder hieven einen toten Leoparden in die Luft; lebensecht ist der erlegte Mähnenlöwe auf einen Sandhügel drapiert, um auch im Tod noch imposant zu wirken. Je seltener die Art und je größer Hörner, Mähnen und Stoßzähne der getöteten Tiere, umso höher der Preis für den Abschuss und umso höher der Statusgewinn für den Erleger. Jagdverbände wie der Safari Club International (SCI) und der „Internationale Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes“ (CIC) führen sogar Rekordbücher und Punktekataloge für die „kapitalsten“ Trophäen und vergeben Medaillen.

Der Loewe ist eine beliebte Jagd-Trophäe (c)pixabay

Afrikanischer Löwe © Pixabay

Wider die Natur

Die Großwildjagd ist nicht nur aus ethischen Gründen mehr als fragwürdig, sondern auch aus ökologischer Sicht: Trophäenjäger haben es oft auf seltene Arten abgesehen – und hier ausgerechnet auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere. Diese widernatürliche Auslese kann fatale Auswirkungen für das Überleben einer Art haben. Quer durch die Rote Liste gefährdeter Arten gestatten einige Entwicklungsländer, aber auch manche reiche Staaten, wie z.B. Kanada, betuchten Jagdgästen aus dem Ausland den Abschuss von Tieren. Sogar vor Arten, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen streng geschützt sind, macht die Jagdlust nicht halt: Weil die Einfuhr von Jagdtrophäen als Privatvergnügen und „nicht kommerziell“ gilt, ist sie von Importverboten meist ausgenommen und mit Genehmigung legal – auch in Deutschland.

Einsatz gegen die Trophäenjagd

Pro Wildlife dokumentiert, wie die Trophäenjagd Elefanten, Eisbären, Grizzlys, Löwen und andere Arten bedroht  – und wie die Jagdindustrie das lukrative Geschäft dennoch am Leben erhält. Wir treten gegen den Handel mit Jagdtrophäen bedrohter Arten ein und fordern Jagd-, Handels- und Einfuhrverbote. Frankreich stoppte 2015 als erstes EU Land die Einfuhr von Löwentrophäen, 2016 erliessen die Niederlande ein Einfuhrverbot für Trophäen geschützter Tierarten. Großbritannien will 2020 ein Einfuhrvererlassen. Die USA, mit bis zu 741 Trophäen im Jahr in der Vergangenheit größter Löwen-Importeur, hat Löwen zwischenzeitlich als bedrohte Art erkannt, und genehmigt nach einem zeitweisen Importstopp Einfuhren nur noch in Einzelfällen. Auch etliche Airlines und Luftfrachtgesellschaften erkennen zunehmend ihre Verantwortung und verbieten oder beschränken den Transport von Trophäen. Doch es bleibt noch viel zu tun, um das blutige Geschäft mit Jagdtrophäen zu stoppen.

Feuer frei auf Elefanten, Nashorn, Eisbär, Leopard & Co.

1.028 Afrikanische Elefanten standen laut veröffentlichten Jagdquoten alleine im Jahr 2017 legal zum Abschuss durch Trophäenjäger frei – und das obwohl ihre Bestände in acht Jahren um etwa ein Drittel dezimiert wurden. Sogar vor höchst bedrohten Beständen macht die Jagd nicht halt: So gibt die Regierung Namibias die letzten ausgewachsenen Bullen der Wüstenelefanten zum Abschuss frei und nimmt damit die Auslöschung dieser bedrohten Population in Kauf. Laut EU-Gesetzgebung dürfen die EU Mitgliedsstaaten die Einfuhr bedrohter Tiere nur genehmigen, wenn die Jagd „nachhaltig“ und legal ist – bei streng geschützten Arten muss sie sogar einen nachweislichen Beitrag zum Schutz der bejagten Arten liefern. In der Praxis fehlen solche Nachweise. Im Gegenteil dokumentieren immer mehr wissenschaftliche Studien den massiven Rückgang vieler bejagter Wildtierbestände. Trotzdem werden in Deutschland und der EU weiterhin Einfuhrgenehmigungen für Jagdtrophäen aus Ländern erteilt, in denen die negativen Effekte der Jagd klar belegt sind und in denen Korruption und Mismanagement herrschen. Nur für besonders eklatante Fälle hat die EU bisher von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Einfuhrverbote zu verhängen: Hierzu gehört zum Beispiel die Jagd auf Elefanten in Mosambik und Kamerun sowie auf Löwen in Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Kamerun und Mosambik. Einfuhren aus den Ländern, in denen die meisten Tiere von Großwildjägern getötet werden, wie Tansania, Simbabwe, Südafrika und Namibia bleiben jedoch erlaubt.

Neben Zweifeln an der Nachhaltigkeit stellt sich auch die Frage, ob der Abschuss von Tieren aus reiner Gier nach Statussymbolen ethisch vertretbar ist. In Deutschland ist das Töten von Tieren allein zum Erwerb einer Trophäe, also ohne „vernünftigen Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes zu Recht verboten – die Einfuhr solcher Trophäen aus dem Ausland ist dennoch weiterhin erlaubt. Zudem kommen im Ausland häufig tierschutzwidrige Methoden zum Einsatz, die hierzulande verboten sind, wie z.B. der Abschuss von in Gefangenschaft geborenen Tieren in Jagdgattern, die Jagd mit Pfeil und Bogen, das Hetzen mit Hunden, das Anködern von Raubtieren mit Beutetieren und das Herauslocken von Trophäentieren aus Schutzgebieten.

Jagdtrophäen Großwildjagd Trophäenjagd Eisbärenfell in Norwegen by paul-shoul

Trophäenjagd: Eisbärfelle für den Export © Paul Shoul

Großwildjagd: Armutsbekämpfung oder Greenwashing?

Großwildjäger stellen sich selbst gerne als Wohltäter dar und rechtfertigen ihr fragwürdiges Hobby als Beitrag zum Artenschutz und zur Armutsbekämpfung. Immerhin kostet eine Jagdreise inklusive Verpflegung und Unterbringung in der Luxuslodge, Begleitung durch einen Profijäger und Abschuss von Elefant, Löwe oder Eisbär zehntausende Euro. Glaubt man der Jagdlobby, dann sind diese Devisen eine lukrative Einnahmequelle für die einheimische Bevölkerung, die im Gegenzug dafür sorgen soll, dass Wildtiere und deren Lebensräume erhalten bleiben. Doch die Theorie hält dem Realitäts-Check nicht Stand: Von dem Millionengeschäft profitieren vor allem ausländische Jagdreiseveranstalter, die Bevölkerung vor Ort erhält laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) bestenfalls einen „Hungerlohn“: Der IUCN Bericht hat berechnet, dass die lokale Bevölkerung im Durchschnitt jährlich nur 0,3 US Dollar pro Person aus dem Jagdtourismus verdient, sofern sie überhaupt beteiligt wird. Häufig finden Jagden ohnehin auf privatem Farmland statt – hier profitiert weder die Staatskasse noch die arme Bevölkerung, die lediglich als Feigenblatt missbraucht wird, um die Trophäenjagd gesellschaftsfähig zu machen. Immer wieder dokumentieren Berichte (z.B. aus Namibia, Sambia, Simbabwe und Tansania) , dass versprochene Gelder aus der Jagd nicht bei der Bevölkerung ankommen, sondern von korrupten Beamten oder Eliten einbehalten werden. Zum Staatshaushalt trägt die Grosswildjagd laut IUCN-Bericht lächerliche 0,006 Prozent bei und kann damit keinen Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Menschen vor Ort leisten. Ökonomische Analysen kommen zu dem Schluss, dass Einnahmen aus der Jagd nicht mit anderen Wirtschaftszweigen (wie der Landwirtschaft) konkurrieren können und damit keinen ausreichenden finanziellen Anreiz für die Menschen vor Ort bietet, Wildtiere und ihre Lebensräume zu erhalten. Entsprechend verwundert es nicht, dass die Wilderei auch in vielen Jagdgebieten weiterhin grassiert.

„Returns for local populations, even when managed by community projects are insignificant, and cannot prompt them to change their behaviour regarding poaching and agricultural encroachment“

IUCN/PACO Studie 2009

Großwildjagd versus Fototourismus

Auch das Totschlagargument Arbeitsplätze greift nicht: gerade mal 15.000 Teilzeit-Arbeitsplätze schafft die Jagd laut IUCN-Bericht in den acht wichtigsten afrikanischen Jagdländern – bei einer Gesamtbevölkerung von 140 Mio. Menschen. Der Fototourismus hingegen erwirtschaftet Milliardenbeträge und schafft ein Vielfaches an Arbeitsplätzen. Kenia hat die Jagd verboten und verdient jährlich 1 Milliarde US Dollar am Fototourismus – 30 Millionen US Dollar würde die Trophäenjagd einbringen, wenn sie erlaubt wäre. Und in Botsuanas Okavango Delta schafft der Fototourismus 39 Mal mehr Jobs als die Großwildjagd.

Trophäenjagd: Eine Gefahr für bedrohte Arten

Während es an nachprüfbaren, empirischen Daten über den Nutzen der Trophäenjagd als angebliche Armutsbekämpfung und Artenschutzmaßnahme mangelt, belegen zahlreiche Berichte die Bedrohung von Tierbeständen, sowie grassierende Korruption und Mismanagement im Jagdsektor. Trophäenjäger haben es auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere abgesehen. Langfristig hat dies fatale Folgen, weit über den Abschuss einzelner Tiere hinaus. Besonders gut dokumentiert ist dies am Beispiel der Löwenjagd, die laut wissenschaftlichen Veröffentlichungen in vielen afrikanischen Ländern zum Rückgang der Löwenbestände beigetragen hat. Denn die bei Jägern begehrten Mähnenlöwen sind in der Regel Chef eines Rudels. Werden sie erlegt, übernimmt ein jüngeres Männchen das Rudel und tötet alle vom Vorgänger gezeugten Jungtiere. Auch bei anderen Arten, wie z.B. Leoparden und Bären kommt dieser sogenannte „Infantizid“ vor, wenn neue Männchen ein Revier übernehmen.

Korruption und Mismanagement
Wieviele Tiere Großwildjäger abschießen dürfen, entbehrt häufig jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Vielmehr sind die Jagdquoten für die Großwildjagd oft Resultat handfester finanzieller Interessen, also der Nachfrage durch Trophäenjäger. Während z.B. die Löwen- und Elefantenbestände in Afrika stark zurück gegangen sind, hat der Abschuss durch Trophäenjäger enorm zugenommen. Aus vielen Jagdreiseländern wird zudem von der erheblichen Korruption im Jagdsektor berichtet, eine Folge notorisch schlechter Kontrollen und lukrativer Gewinnspannen. Regelmäßig bereichern sich Jagdveranstalter, Behörden und Politiker: Sei es bei der Vergabe von Konzessionen für Jagdgebiete, bei der Festsetzung und Nicht-Einhaltung von Jagdquoten oder Altersgrenzen, bei der Einbehaltung von Gewinnen aus der Jagd, wenn Schutzvorschriften nicht eingehalten oder Trophäen in den illegalen Handel mit Tierprodukten eingeschleust werden.

Mehr Informationen

Löwe Käfig quadratisch

Löwenfarmen

Auf Löwenfarmen in Südafrika schießen Jäger sogar gezüchtete Löwen in Gefangenschaft

» Löwenfarmen: Zahme Löwen für die Jagd

Elefant Pixabay

Trophäenjagd auf Elefanten?

Tausende gefährdete Tiere werden jährlich von Trophäenjägern erlegt. Die USA gerieten dafür in die Kritik, doch die Einfuhr von Trophäen in die EU ist ebenfalls kein Problem

» Elefanten schießen für den Artenschutz?

Jagd Wilderei Eisbär Trophäe

Forderung: Importverbot für Trophäen!

Gemeinsame Forderung mehrerer Verbände, den Import von Jagdtrophäen zu verbieten

» Pressemitteilung: Verbände fordern Importverbot für Jagdtrophäen

Löwe

Löwe

Der Löwe ist die sozialste aller Raubkatzen. Nur noch etwa 20.000 Tiere leben in freier Wildbahn, Tendenz sinkend

» Löwe: Der bedrohte König

Nashorn

Jagdreiseveranstalter von „Jagd und Hund“ ausschließen

» Trophaenjagd Brief an Stadt Dortmund!

Diesen Beitrag teilen