Elefanten im Zoo: Ein Leben in Gefangenschaft

Elefanten hinter Gittern

Elefanten gehören zu den Kassenmagneten im Zoo. Doch die Haltung der „Dickhäuter“ in Gefangenschaft ist eine endlose Leidensgeschichte, mit zahllosen Todesfällen bei Mensch und Tier. Die meisten Tiere, auch in deutschen Zoos, wurden in freier Wildbahn eingefangen. 194 Afrikanische Elefanten wurden alleine zwischen 2010 und 2019 ins Ausland exportiert, vor allem nach China. Die meisten kamen aus Simbabwe, gefolgt von Namibia. Als Jungtiere aus ihren Herden gerissen sind mindestens 22 hiervon bereits tot.
Elefanten Zoo Duisburg © Jürgen Höppner

Elefanten Zoo Duisburg © Jürgen Höppner

Hohe Todesraten in Gefangenschaft und Nachschub aus freier Natur

Zwar verhalf in jüngster Zeit die künstliche Befruchtung einigen Zoos zur Geburt von Elefantenbabys, doch die Elefantenbestände in Zoos und Zirkussen sind alles andere als selbsterhaltend. Die Tiere werden deshalb nach wie vor überwiegend in freier Natur eingefangen. Die Geburtenrate von Elefanten in Gefangenschaft ist gering, die Todesrate dafür umso höher: 42 Prozent der in europäischen Zoos geborenen Asiatischen Elefanten werden nicht einmal fünf Jahre alt. Die Lebenserwartung afrikanischer Elefanten beträgt im Zoo lediglich 17 Jahre, in freier Wildbahn 56. Weil Zoos und Vergnügungsparks trotz der vielfältigen Probleme immer noch Elefanten ausstellen wollen, importieren sie noch immer Tiere, die in freier Natur eingefangen wurden. Häufig sind es Elefantenbabys und Jungtiere, die ihren Müttern entrissen werden, zum Teil werden ganze Familienverbände gefangen.

Pro Wildlife setzt sich dafür ein, den Fang und Handel wildgefangener Elefanten zu beenden. Mit Erfolg haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Weltartenschutzkonferenz bereits mehrmals Beschlüsse gefasst hat, dass wilde Elefanten aus bestimmten afrikanischen Ländern nicinnerhalb ihres natürlichen Lebensraumes verbleiben sollen. Trotzdem hat Simbabwe sich zuletzt im Jahr 2019 hierüber hinweg gesetzt und mehr als 30 Elefanten an Zoos in China exportiert. Namibia kündigte im August 2021 an, 57 wilde Elefanten zu fangen Fang und zu exportieren, unter anderem aus der bedrohten Population der Wüstenelefanten. Pro Wildlife kämpft gemeinsam mit weiteren Experten dafür, die geplanten Exporte aus Namibia zu stoppen). 

Ein Leben in Ketten und Isolation

In freier Wildbahn legen Elefanten auf ihren Wanderungen bis zu 100 Kilometer am Tag zurück. Ihr Leben ist bestimmt durch die engen Sozialkontakte zu den Familienmitgliedern ihrer Herde, durch  gemeinsames Spielen, Baden und intensiven Körperkontakt. In Gefangenschaft können Elefanten dieses natürliche Verhalten nicht ausleben: Sie fristen ein trauriges Dasein,  in engen Gehegen mit wenig Auslauf und stundenlang angekettet. Es fehlt eine intakte Sozialstruktur, denn die Gruppen sind beliebig zusammengewürfelt aus Tieren, die sich nicht kennen und zwischen denen es zu Rangkämpfen kommt. Die äußerst sozialen und intelligenten Tiere leiden unter der Langeweile und Frustration, die ihren Alltag prägen. Auch die klimatischen Verhältnisse in europäischen, amerikanischen und asiatischen Zoos entsprechen in aller Regel nicht den Bedürfnissen von Elefanten. Viele Tiere entwickeln in Gefangenschaft Verhaltensstörungen wie beispielsweise das monotone Hin- und Herschaukeln (Weben) und Krankheiten wie Tuberkulose, Herpes, Fußerkrankungen, Übergewicht und Stress.

Elefant mit Pfleger in deutschen Zoo © Pro Wildlife

Elefant mit Pfleger im Zoo Dresden © Pro Wildlife

Vom sanften Riesen zum Killer

Für viele Elefanten bedeuten die Haltungsbedingungen Dauerstress, auf den sie mit Aggressionen gegen ihre Peiniger reagieren: Der Beruf des Elefantenpflegers gilt nicht ohne Grund als einer der gefährlichsten überhaupt. Regelmäßig greifen Elefanten in Zoos Tierpfleger an. 40 Menschen wurden nach Recherchen der Organisation Elefantenschutz Europa in 20 Jahren von Elefanten alleine in Zoos getötet, weitere 50 zum Teil schwer verletzt. Ursache solcher Angriffe sind auch die brutalen Methoden, mit denen die Tiere häufig schon frühzeitig gefügig gemacht und dressiert werden. Noch immer werden manche Elefanten in deutschen Zoos im sogenannten „direkten Kontakt“ gehalten. Um die Tiere zu beherrschen und gefügig zu machen, werden sie körperlich und psychisch misshandelt. Mit sogenannten „Ankus“ oder „Elefantenhaken“, einem Stock mit teils scharfer Metallspitze, werden Elefanten von klein auf an empfindlichen Körperstellen (z.B. hinter dem Ohr, an den Achseln oder an den Geschlechtsteilen) traktiert oder geschlagen, um sie zu „unterwerfen“. Auch in deutschen Zoos (wie z.B. Hannover, Berlin oder Stuttgart) wurde dies dokumentiert.

Elefant mit Pfleger im Zoo Dresden © Pro Wildlife

Pfleger mit Elefantenhaken © Pro Wildlife

Geschützter Kontakt: Zoos stellen um

2019 hat die europäische Zoovereinigung EAZA auf Missstände im Umgang mit Zooelefanten reagiert. Bis 2030 sollen alle Verbandsmitglieder die Haltung von Elefanten auf den sogenannten „geschützten Kontakt“ umstellen. Dabei besteht zwischen Pfleger und Elefant kein direkter Kontakt, stattdessen sind Mensch und Tier durch eine sichere Absperrung voneinander getrennt. Damit medizinische Behandlungen und Fußpflege weiterhin durchgeführt werden können lernen die Tiere, das betroffene Körperteil an bzw. durch ein Gitter zu halten. Diese Haltungsform ist weniger belastend, auch das stundenlange Anketten der Elefanten entfällt hier. Pro Wildlife setzt sich dafür ein, die Haltungsbedingungen von bereits in Gefangenschaft gehaltenen Tieren zu verbessern.

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