Elefanten im Zoo: Ein Leben in Gefangenschaft

Elefanten hinter Gitter.

Elefanten gehören zu den Kassenmagneten im Zoo. Doch die Haltung der „Dickhäuter“ in Gefangenschaft ist eine endlose Leidensgeschichte, mit zahllosen Todesfällen bei Mensch und Tier. Die meisten Tiere, auch in deutschen Zoos, wurden in freier Wildbahn eingefangen. Alleine Simbabwe exportierte von 2012 bis 2017 mindestens 95 wild gefangene Elefanten in chinesische Zoos.
Elefanten Zoo Duisburg © Jürgen Höppner

Elefanten Zoo Duisburg © Jürgen Höppner

Ein Leben in Ketten und Isolation

In freier Wildbahn legen die Rüsseltiere auf ihren Wanderungen bis zu 100 Kilometer am Tag zurück. Ihr Leben ist bestimmt durch die engen Sozialkontakte zu den Familienmitgliedern ihrer Herde, durch  gemeinsames Spielen, Baden und intensiven Körperkontakt. In Gefangenschaft können Elefanten dieses natürliche Verhalten nicht ausleben: Sie fristen ein trauriges Dasein,  in engen Gehegen mit wenig Auslauf und stundenlang angekettet. Es fehlt eine intakte Sozialstruktur, denn die Gruppen sind beliebig zusammengewürfelt aus Tieren, die sich nicht kennen und zwischen denen es zu Rangkämpfen kommt. Meist mangelt es an dem für die Herdenstruktur wichtigen Nachwuchs. Die äußerst sozialen und intelligenten Tiere leiden unter der Langeweile und Frustration, die ihren Alltag prägen. Viele Tiere entwickeln in Gefangenschaft Verhaltensstörungen wie beispielsweise das monotone Hin- und Herschaukeln (Weben) und Krankheiten wie Tuberkulose, Herpes, Fußerkrankungen, Übergewicht und Stress.

Elefant mit Pfleger in deutschen Zoo © Pro Wildlife

Elefant mit Pfleger deutschen Zoo © Pro Wildlife

Vom sanften Riesen zum Killer

Für viele Elefanten bedeuten die Haltungsbedingungen Dauerstress, auf den sie mit Aggressionen gegen ihre Peiniger reagieren: Der Beruf des Elefantenpflegers gilt nicht ohne Grund als einer der gefährlichsten überhaupt. Regelmäßig greifen Elefanten in Zoos Tierpfleger an. 40 Menschen wurden nach Recherchen der Organisation Elefantenschutz Europa in 20 Jahren von Elefanten alleine in Zoos getötet, weitere 50 zum Teil schwer verletzt. Ursache solcher Angriffe sind auch die brutalen Methoden, mit denen die Tiere häufig schon frühzeitig gefügig gemacht und dressiert werden. Noch immer werden Elefanten in deutschen Zoos im „direkten Kontakt“ gehalten um die Tiere zu dominieren und zu beherrschen und gefügig zu machen, werden sie körperlich und psychisch misshandelt. Mit Gewalt und dem sogenannten „Elefantenhaken“, einem Stock mit scharfer Metallspitze, werden Elefanten von klein auf an empfindlichen Körperstellen (z.B. hinter dem Ohr, an den Achseln oder an den Geschlechtsteilen) traktiert, um sie zu „unterwerfen“. Auch in deutschen Zoos (wie z.B. Hannover, Berlin oder Stuttgart) wurde diese Tierquälerei dokumentiert.

Elefant mit Pfleger im Zoo Dresden © Pro Wildlife

Pfleger setzt Elefantenhaken © Pro Wildlife

Geschützter Kontakt: Zoos stellen um

2019 hat die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) auf diesen Missstand reagiert. Bis 2030 müssen alle Verbandsmitglieder die Haltung von Elefanten auf den sogenannten „geschützten Kontakt“ umstellen. Dabei besteht zwischen Pfleger und Elefant kein direkter Kontakt, stattdessen sind Mensch und Tier durch eine sichere Abgrenzung voneinander getrennt. Damit eine veterinäre Behandlungen und Fußpflege weiterhin durchgeführt werden kann, lernen die Tiere, das betroffene Körperteil an bzw. durch die Absperrung zu halten. Die Haltungsform „geschützte Kontakt“ ist somit deutlich weniger invasiv und die Tiere können ihre natürlichen Verhaltensweisen besser ausleben auch das stundenlange Anketten der Elefanten ist hier nicht mehr notwendig.

Elefantenherde

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Hohe Todesraten und Nachschub aus freier Wildbahn

Zwar verhalf in jüngster Zeit die künstliche Befruchtung einigen Zoos zu Elefantenbabys, doch die Elefantenbestände in Zoos und Zirkussen sind nicht selbsterhaltend. Die Tiere stammen bisher überwiegend aus freier Wildbahn. Denn die Geburtenrate von Elefanten in Gefangenschaft ist gering, die Todesrate des Nachwuchses dafür umso höher: 42 Prozent der in europäischen Zoos geborenen Asiatischen Elefanten werden nicht einmal fünf Jahre alt. Die Lebenserwartung afrikanischer Elefanten beträgt im Zoo lediglich 17 Jahre, in freier Wildbahn 56. Zukünftig sollen für Zoos keine Elefanten mehr in der freien Natur eingefangen werden. Seit der Konferenz 2019 lehnt CITES, das wichtigste internationale Artenschutzabkommen, den Export von wild gefangenen Elefanten für Einrichtungen in denen die Tiere in Gefangenschaft leben, ab. 

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