Jagd auf Eisbären

Warum jährlich hunderte Eisbären legal getötet werden

Jagd auf Eisbären

Dem Eisbären (Ursus maritimus) schmilzt durch die Klimakrise das Meereis unter den Pfoten weg. Während sein Lebensraum schrumpft, werden die Tiere weiter gejagt: Weltweit leben schätzungsweise 26.000 Eisbären. Rund 800 werden jedes Jahr getötet – für Felle und Trophäen. Anders als die Klimakrise ließe sich diese Bedrohung unmittelbar beenden.

Auf einen Blick

  • Rund 800 Abschüsse pro Jahr – überwiegend in Kanada, wo zwei Drittel aller Eisbären leben.
  • Kanada ist das einzige Land, das den Abschuss durch ausländische Trophäenjagende erlaubt.
  • Auch Deutschland ist beteiligt: Die Einfuhr von Eisbär-Trophäen ist legal; zwischen 2016 und 2025 genehmigte die Bundesregierung die Einfuhr von acht Eisbären als Jagdtrophäe.
  • Jagd trotz Rückgang: Quoten liegen teils über der als nachhaltig geltenden Abschussrate – selbst dort, wo Populationen schrumpfen.
  • Schwacher Schutz: CITES listet den Eisbären nur in Anhang II; zwei Anläufe für ein Handelsverbot scheiterten vor allem am Widerstand Kanadas und der EU.

Eisbären leben heute noch

(IUCN)

Eisbären wurden allein in Kanada zwischen 1970 und 2016 gejagt

(Frontiers in Conservation Science)

Hintergrund: Klimakrise & Lebensraumverlust

Das Meereis ist Jagdrevier des Eisbären: Auf ihm erbeutet er Robben. Schmilzt es früher und bildet sich später, verkürzt sich seine Jagdzeit – die Tiere hungern, und die Fortpflanzung geht zurück. Eine Studie in Nature Climate Change (2020) erwartet einen Zusammenbruch der meisten Populationen bis 2100, falls die Treibhausgas-Emissionen nicht drastisch sinken. Für den Eisbären ist der Klimawandel damit die langfristig größte Bedrohung. Hinzu kommen Schadstoffe, Öl- und Gasförderung, Schifffahrt – und eben die Jagd.

Verhungernder Eisbär © Langenberger
Verhungernder Eisbär © Langenberger

Ausführlich zu den Klimafolgen für Wildtiere: Klimawandel und Wildtiere. Diese Seite konzentriert sich auf die unmittelbarste und am leichtesten vermeidbare Bedrohung: die Jagd.

Wie viele Eisbären werden gejagt – und wo?

Die Bedrohung des Eisbären ist bekannt, deshalb glauben viele, die Art sei streng geschützt. Tatsächlich ist die Jagd erlaubt – pro Jahr werden rund 800 Eisbären ganz legal getötet. Eine Auswertung von 39.049 erlegten Tieren ergab für den Zeitraum 1970 bis 2018 einen Mittelwert von 797 Bären pro Jahr – rund 68 % davon in Kanada, 18 % in Grönland, 12 % in den USA und 2 % in Norwegen (Frontiers in Conversation Science, 2022). Wie viel gejagt und gehandelt werden darf, unterscheidet sich stark zwischen den fünf „Eisbärstaaten".

Land/GebietIst die Jagd erlaubt?Kommerzieller ExportBesonderheit
KanadaJa – mit Quoten und regionalen Regeln; auch Trophäenjagden für ausländische GästeJa, mit CITES-GenehmigungenEinziger Verbreitungsstaat mit legalem kommerziellem Export aus der Jagd. Rund zwei Drittel der Eisbären leben in Kanada.
USA (Alaska)Ja, im Rahmen der Subsistenzjagd durch indigene GemeinschaftenStark eingeschränkt; Einfuhr von Trophäen aus Sportjagden seit 2008 grundsätzlich verbotenTrophäenjagd auf Eisbären verboten
Grönland (Dänemark)Ja, für lizenzierte Jägerinnen und Jäger mit Wohnsitz in Grönland; Quoten und Schutzzeiten geltenSeit 2008 ausgesetzt – Grönland hat einen eigenen Exportstopp für Eisbärenprodukte eingeführtTrophäenjagd auf Eisbären verboten
NorwegenNein, reguläre Eisbärenjagd ist seit 1973 verbotenKein Export erlaubtTötungen sind nur in Ausnahmefällen zulässig, etwa bei Gefahr für Menschen oder aus Tierschutzgründen.
RusslandNein, seit 1956 verboten; Ausnahmen sind eng begrenztKein legaler Jagdexport, aber illegaler HandelTrotz Verbots kommt es zu illegalen Tötungen (Wilderei).
Jagd und Handel mit Eisbären nach Ländern

Indigene in Kanada dürfen Eisbären nicht nur für den Eigenbedarf schießen – sie dürfen die Felle verkaufen und sogar exportieren. Zudem können sie ihre Abschussgenehmigungen an ausländische Trophäenjagende verkaufen, die für rund 40.000 Euro ganz legal einen Eisbären erlegen. Zwischen 1970 und 2016 wurden allein in Kanada schätzungsweise 26.500 Eisbären legal getötet – etwa 564 pro Jahr und damit ungefähr so viele, wie heute vermutlich insgesamt in allen fünf Eisbärstaaten leben.

Eisbär bedroht durch Jagd © Adam Baker
Eisbärjagd © Adam Baker

Handel mit Fellen und Trophäen

Historisch war der internationale Handel mit Eisbärenprodukten beträchtlich, und ein großer Teil ging nach Europa. Zwischen 2008 und 2018 wurden weltweit rund 1.500 Felle, 640 als Trophäen deklarierte Exemplare und 200 separat erfasste Schädel international gehandelt. Davon gingen 29 % der Felle, 26 % der Trophäen und 68 % der Schädel in die EU.

Zuletzt ist der Handel mit Eisbärenfellen stark eingebrochen: Wurden 2013 noch 375 Felle exportiert, waren es 2024 nur noch 39 – so wenige wie seit 25 Jahren nicht mehr. Von den zwischen 2020 und 2024 in Kanada erlegten Eisbären gelangten zudem nur noch rund 14 % in den internationalen Handel. Zugleich sind Fellpreise und Auktionserlöse deutlich gesunken. (Polar Bear Range States). Der schrumpfende Handel entzieht der wirtschaftlichen Rechtfertigung der Jagd damit zusätzlich den Boden.

Welche Rolle spielt Deutschland?

Auch Deutschland ist an Jagd und Handel beteiligt – und die Einfuhr von Eisbär-Trophäen ist legal. Zwischen 2016 und 2025 genehmigte die Bundesregierung die Einfuhr von acht Eisbären als Jagdtrophäe; im Zeitraum 2005 bis 2024 führte Deutschland zudem 123 ganze Häute, 37 Trophäen, 50 Schädel und 273 Knochen ein. Deutsche Jagdreise-Unternehmen bieten den Abschuss von Eisbären in Kanada an, und Präparatoren wie Online-Händler verkaufen Felle und ausgestopfte Tiere.

Eisbär bedroht durch Fellhandel © Paul Shoul
Eisbärenfelle © Paul Shoul

Jagdquoten trotz schrumpfender Populationen

In Kanada ist die Jagd sogar auf rückläufige Populationen erlaubt – und auf solche, deren Größe unbekannt oder sehr klein ist. Wie werden die Quoten festgelegt? Regionale Gremien wie das Nunavut Wildlife Management Board sprechen Empfehlungen aus, die die zuständige Regierung akzeptiert oder ändert.

Kanada beherbergt 13 der weltweit 20 Eisbär-Populationen. Besonders deutlich zeigt sich das Missverhältnis in der Western Hudson Bay: Dort sank die Population von 842 Tieren (2016) auf 618 (2021) – ein Rückgang um 27 % in nur fünf Jahren, vor allem bei Weibchen und Jungtieren (Polar Bears International).

An ihr zeigt sich das Grundproblem der Quoten besonders klar: Kanada bemisst die erlaubte Jagd an einer als nachhaltig angenommenen Abschussrate von 4,5 % der Population. Die Western Hudson Bay-Quote von 38 Tieren wurde an der Zählung von 2016 (842 Tiere) festgelegt. Nachdem 2021 nur noch 618 Tiere gezählt wurden, hätte die Quote nach derselben Logik auf rund 28 Tiere sinken müssen. Sie blieb jedoch bei 38 – das entspricht inzwischen etwa 6 % der Population und liegt damit über der eigenen Nachhaltigkeitsschwelle. Auch bei den Beratungen 2024 blieb es bei 38 Tieren; einzelne Gemeinden forderten sogar eine Anhebung. Für insgesamt sechs der 13 kanadischen Eisbärpopulationen liegen die jüngsten veröffentlichten Quoten 2023/24 über der Grenze von 4,5 %.

Hinzu kommt eine Lockerung der Schutzregeln: Lange galt in Kanada ein bewusst männchenlastiger Abschuss von rund zwei Männchen je einem Weibchen – gerade weil der Verlust fortpflanzungsfähiger Weibchen eine Population besonders hart trifft. Diese Vorsichtsregel hat Nunavut mit der Jagdsaison 2019/2020 aufgegeben: Seither dürfen bis zu gleich viele Weibchen wie Männchen erlegt werden. Die IUCN-Fachgruppe für Eisbären kritisierte diese Änderung ausdrücklich als zusätzliches Risiko, gerade für schrumpfende Populationen wie die der Western Hudson Bay.

Jagd auf die Stärksten

Auch wenn der internationale Fellhandel abgenommen hat, wirken weiter kommerzielle Anreize: Ausländische Trophäenjagende zahlen für einen Abschuss rund 40.000 Euro, und wo Felle noch gehandelt werden, bringen große, makellose Exemplare Preiszuschläge. Solche Anreize lenken die Jagd gezielt auf die größten und kräftigsten Eisbären – mit Eigenversorgung oder mit Selbstverteidigung gegen Bären, die wegen schmelzender Jagdgründe näher an Siedlungen heranrücken, hat dieser Teil der Jagd nichts zu tun.

Warum die Jagd auf die Stärksten fatal ist? Gerade diese Tiere hätten in der Natur die besten Überlebenschancen und sind am ehesten in der Lage, die zunehmend langen Hungerperioden im eisfreien Sommer zu überstehen; wird dieser Teil des Genpools getötet, sinkt die Anpassungsfähigkeit der Art – ausgerechnet in einer Zeit, in der sie durch Klimawandel und Schadstoffe ohnehin unter Druck steht.

Warum sind Eisbären unzureichend geschützt?

Der Eisbär steht seit 1975 in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Ausfuhrgenehmigungen dürften theoretisch nur erteilt werden, wenn die Jagd „nachhaltig" ist und die Population nicht gefährdet. In der Praxis läuft das ins Leere: Kanada setzt Jagd- und Exportquoten nicht auf wissenschaftlicher Grundlage fest, sondern über die Provinzen – auch für rückläufige Populationen. Zwei Versuche, den Eisbären in Anhang I hochzustufen und den kommerziellen Handel zu verbieten, scheiterten vor allem am Widerstand Kanadas und der EU. Pro Wildlife hatte sich gemeinsam mit anderen Fachleuten und der US-Regierung dafür eingesetzt.

Argumente für die Jagd – und warum sie nicht tragen

  • „Das ist alte Inuit-Tradition.“ Die Jagd auf Eisbären gehört zur Inuit-Kultur. Traditionelle Jagd zur Versorgung mit Fleisch und Fellen ist jedoch nicht dasselbe wie die heutige Trophäenjagd, bei der zahlende Gäste Eisbären als Jagdtrophäe erlegen.
  • „Die Jagd ist eine wichtige Einnahmequelle.“ Ihr wirtschaftlicher Beitrag ist begrenzt – Beispiel Nunavut, einem der Hauptjagdgebiete: Die Einnahmen aus geführten Eisbärenjagden in Nunavut betragen nach einer Schätzung rund 700.000 kanadische Dollar jährlich – rechnerisch etwa 0,017 % des BIP des Territoriums (2024). Lebende Eisbären sind für Gemeinden wertvoller als tote: Eine Studie für Nunavut sieht im sanften Naturtourismus allein durch Tier- und Vogelbeobachtung ein Potenzial von Millionenbeträgen.
  • „Wir schießen gefährliche Problembären.“ Jagd verhindert keine Konflikte zwischen Menschen und Eisbären. Dafür gibt es wirksamere Ansätze: Abfälle sicher verwahren, damit sie keine Bären anlocken, und Gemeinden mit Schutzmaßnahmen und geeigneten Warn- und Abwehrsystemen unterstützen.

Schluss mit der Trophäenjagd!

Klimaschutz braucht Zeit – die Jagd ließe sich sofort beenden. Pro Wildlife setzt sich dafür ein, den kommerziellen Fellhandel und die Trophäenjagd auf Eisbären zu stoppen und die Einfuhr von Trophäen nach Deutschland zu verbieten. Unterschreiben Sie unsere Petition „Schützen statt schießen" gegen die Trophäenjagd.

Häufige Fragen

Ja, rund 800 Eisbären werden pro Jahr getötet. Kanada ist der einzige der fünf „Eisbärenstaaten“, der den kommerziellen internationalen Handel mit Eisbärenfellen und anderen Produkten sowie die Trophäenjagd durch ausländische Gäste erlaubt. In Norwegen und Russland ist die Jagd verboten (in Russland gibt es aber viel Wilderei), in den USA und Grönland dürfen nur Indigene jagen.

Ja. Die Einfuhr von Eisbär-Jagdtrophäen ist in Deutschland legal; zwischen 2016 und 2025 genehmigte die Bundesregierung die Einfuhr von acht Tieren als Trophäe. Auch Felle, Schädel und Knochen werden importiert. Pro Wildlife fordert ein Ende dieser Einfuhren.

Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt die weltweite Population auf rund 26.000 Tiere (Spanne 22.000–31.000), verteilt auf 20 Populationen. Der Eisbär gilt auf der Roten Liste als „gefährdet".

Eine Studie aus dem Jahr 2020 (Nature Climate Change) geht davon aus, dass die Eisbärpopulationen bis 2100 zusammenbrechen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht massiv zurückgefahren wird.

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