Wildkatzen auf der Couch

8. August 2018

Kreuzungen aus Haus- und Wildkatze sind der neueste Schrei.

Die Katze ist der Deutschen liebstes Haustier. Auf 13,7 Millionen schätzt der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe die Anzahl der in Deutschland gehaltenen Katzen inzwischen. Die allermeisten Menschen begnügen sich bei ihrem Stubentiger mit einer Europäisch Kurzhaar (oft ein wilder Dorfmix), manche wollen partout eine der vielen Rassekatzen (von der Perserkatze bis zur Russisch Blau) – und so einige hätten unbedingt gerne etwas ganz Besonderes. Eine Kreuzung aus Haus- und Wildkatze soll es sein. Weil diese Mixe so schön sind  und weil ohnehin bei Haustieren die Nachfrage nach Exoten boomt.

Hauskatze

Hauskatze

Die Zucht von Hybridkatzen als Wild- und Haustierform begann in den 1970er Jahren im Rahmen wissenschaftlicher Experimente: Wilde Bengalkatzen aus Asien wurden mit Hauskatzen gekreuzt, weil man Resistenzen gegen die feline Leukämie untersuchen und Impfstoffe entwickeln wollte. Einige dieser Kreuzungen wurden später an Privatleute abgegeben, um „kleine Leoparden“ mit der hübschen Fleckung der Bengalkatze zu züchten. Der Bann war gebrochen, die Nachfrage nach exotischeren Katzen stieg, immer neue Kreuzungsversuche nahmen seither ihren Lauf:

  • Die Savannah-Katze ist eine Kreuzung aus dem afrikanischen Serval mit einer Hauskatze, die mit ihrer Geparden-ähnlichen Fleckung Preise von bis zu 6.000 € pro Jungtier erzielt. Mit einer Schulterhöhe von 45 Zentimeter und einer Länge von 1,2 Meter (inkl. Schwanz) ist sie die größte aller Hauskatzenrassen.
  • Die Chausie ist eine Kreuzung aus Rohrkatze und Hauskatze. Der Name Chausie leitet sich vom wissenschaftlichen Namen der Rohrkatze (Felis chaus) ab. Das Haustiermagazin preist diese Kreuzung wie folgt an: „Die Chausie erfüllt den Wunsch nach Wildnis im Wohnzimmer. Die kurzhaarige Rasse trägt zur Hälfte Wildblut in sich und gehört somit zu den Hybridrassen.“ Rohrkatzen sind nicht auffällig gezeichnet, aber ihre Haarpuschel an den Ohren, ähnlich denen des Luchses, machen sie attraktiv.
  • Weitere Kreationen aus Wild- und Hauskatze der vergangenen Jahre sind die Karakal-Katze oder „Caracat“ (Karakal x Hauskatze), Hybride aus Fischkatze mit der langhaarigen Rassekatze Maine Coon, „Vivveral“ (Fischkatze x Hauskatze), „Safari“ (Kleinfleckkatze x Hauskatze) sowie Bristol (Langschwanzkatze/Margay x Hauskatze).

Savannah-Katze

Gefährliche Liebschaften

Bei der Zucht von Wild- und Hauskatze ist fast immer der Kater der Wilde, die Kätzin die domestizierte Form. Welche Wildkätzin würde sich schon mit einem langweiligen Hauskater paaren? Für die Hauskatze sind die Paarung und Trächtigkeit nicht ungefährlich: Ein Karakal- oder Serval-Kater ist größer, der Nackenbiss bei der Paarung entsprechend kräftiger. Die Tragezeit beim Karakal ist circa 73 Tage, zehn Tage länger als bei der Hauskatze. Früh-, Fehl- und Totgeburten sind beim größeren Mix-Nachwuchs nicht selten.

Karakal

Ein Karakal ist eine gefährliche Raubkatze, kein Stubentiger

Kein Wunder also, dass die Zuchten in Europa nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken: Noch immer werden reine Karakale, Servale, Bengal-, Rohr- und Fischkatzen nach Tschechien, Deutschland und England importiert – ganz offiziell für den kommerziellen Handel bestimmt. Die ersten vier Generationen der (artgeschützten) Wildkatzenart mit einer Hauskatze werden bei der Zucht und von den Behörden noch als Wildformen behandelt, doch bereits ab Generation fünf gelten die Tiere als ungeschützt und gezähmt. Die Züchterszene preist die Hybride an als Tiere mit „dem Aussehen einer Wildkatze, aber mit der Persönlichkeit einer Hauskatze“. Unsere Hauskatzen sind das Ergebnisse eines Jahrtausende währenden Domestizierungsprozesses und bei solchen Hybriden sollen die Verhaltensmuster der Wildkatzen nach drei Generationen ausgemerzt sein, die gewünschte Optik hingegen nicht? Klingt seltsam, ist es auch:

Bengalkatzen sind geschützt

Wildkatzen zeigen ihre Krallen

Nach einer ersten Phase der Begeisterung über ihr schönes neues „Haustier“ berichten Halter von Hybridkatzen häufig, dass sich die Katze kaum streicheln lässt, ein sehr aggressives Verhalten zeigt und andere Haustiere attackiert. Und nicht nur die Aggressionen sind eine Herausforderung: Denn wie reine Wildkatzen markieren auch Hybridkatzen ihr Revier, notgedrungen in der Wohnung: Statt ins Katzenklo urinieren sie in Ecken und entlang der Wände, wie sie auch in der Natur entlang ihrer Wege markieren würden. Zudem setzen sie ihre Krallen ein: Wildkatzenhybride hinterlassen an Möbeln und Wänden tiefe Kratzspuren. Zwar klagen auch manche Halter klassischer Hauskatzen über solch unliebsames Verhalten, aber in der Regel handelt es sich dabei eher um Verhaltensstörungen oder um kurzfristigen Protest der Katze auf unangenehme Veränderungen (zum Beispiel neuer Partner des Halters, Umzug). Hybride sind also zwar bildschön, aber sie sind immer noch wild. Vor allem aus den USA, wo Hybridkatzen schon länger in Mode sind, berichten Tierheime und Auffangstationen, dass sie immer häufiger solche Tiere aufnehmen müssen. Weil die früheren Halter überfordert sind oder schlichtweg im Alltag eben doch lieber ein stubenreines Schmusekätzchen wollen.

Fischkatzen sind große Räuber

Fischkatzen sind große Räuber

Und die Moral von der Geschichte?

Bei allem Verständnis dafür, dass Katzenfreunde diese neuen wilden Zuchtkreationen bildschön finden – und das sind sie zweifelsohne, mit ihren außergewöhnlichen Musterungen, ihren großen Ohren und ihrem stattlichen Körperbau: Der Domestizierungsprozess unserer Hauskatzen hat nicht umsonst mehrere tausend Jahre gedauert. Wer sich eine Katze anschaffen möchte, sollte sich über Eines im Klaren sein: Man tut sich, seiner Familie, seiner Wohnung und seinen Möbeln einen großen Gefallen, wenn man sich für die gute alte Hauskatze entscheidet und nicht dem neuesten, ziemlich unsinnigen Trend folgt. In den Tierheimen gibt es wahrlich genug Katzen, die ein neues Zuhause suchen.

Katze im Tierheim

Katze im Tierheim

Mehr Informationen

Kapuzineraffe Exotenhaltung

Exotische Haustiere

Exotische Haustiere sind der letzte Schrei. Schon für 1.000 Euro kann man im Internet ein Löwenbaby kaufen. Im Wildtierhandel gibt es einen unglaublichen Wildwuchs. » Exotische Haustiere

 

 

 

 

Chamäleon

Reptilienschmuggel

Reptilienschmuggel ist ein einträgliches Geschäft. Händler nutzen Gesetzeslücken, um mit teils bedrohten Tierarten den großen Reibach zu machen. » Reptilienschmuggel 

Diesen Beitrag teilen