Warum Wale stranden
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6. April 2018

Trauriges Naturphänomen und menschengemachter Tod.

Strandungen von Walen und Delfinen gab es schon immer und doch häufen sich die Schlagzeilen – wie gerade erst wieder in Neuseeland. Wir sind der Frage nachgegangen, warum jährlich weltweit etwa 2.000 Wale und Delfine stranden, welche Arten besonders betroffen sind und wo die traurigen Hotspots sind.

Gestrandeter Schnabelwal, Neuseeland © Avenue

Gestrandeter Schnabelwal, Neuseeland © Avenue

Tödliche Irrtümer

So traurig die einzelnen Fälle sind: Strandungen von Waltieren gab es schon immer. Drei natürliche Gründe sind hierfür möglich:

  • Wale und Delfine orientieren sich auf ihren Wanderungen mit Echolokation und können sich so in den allermeisten Gebieten ein gutes Bild vom Küstenverlauf machen. Doch bei äußerst flachen Stränden, wie sie zum Beispiel in Westaustralien oder Neuseeland vorkommen, funktioniert die Schallreflektion nicht. Ihr Warnsystem versagt.
  • Wissenschaftler fanden heraus, dass sich Pottwale immer dann in die Nordsee verirren und stranden, wenn alle paar Jahre die Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche besonders hohe Aktivitäten aufzeigten. Dies hat Auswirkungen auf das Magnetfeld der Erde. Gerade für Pottwale fatal, denn sie nutzen Geomagnetismus als eine Art natürliches GPS.
  • Wenn kleinere Delfine stranden, dann kann dies entweder bei ihrer Flucht vor Orcas und anderen Fressfeinden in flachere Gewässer passiert sein. Oder aber sie haben sich bei der Jagd auf Fischschwärme zu sehr in untiefe Stellen vorgewagt und sitzen dann fest.
gestrandeter Zwergpottwal, Florida (USA) © Inwater Research Group

Gestrandeter Zwergpottwal, Florida (USA) © Inwater Research Group

Der Mensch verschärft die Situation

Doch nicht immer hat eine Strandung natürliche Ursachen: Lärm, Giftstoffe und Militäreinsätze können gravierende Folgen für Meeressäuger haben, sie schwächen oder gar töten:

  • Im Magen eines Schnabelwals, der vor Norwegens Küste strandete, fanden Wissenschaftler 30 Plastiktüten und weiterer Kunststoffmüll. Das Tier war schlicht mit vollem Magen verhungert.
  • Gerade Delfine und Kleinwale sind Top-Predatoren der Meere. Im Verlauf einer langen Nahrungskette sammeln sich gerade in ihnen hohe Schadstoffmengen (zum Beispiel Quecksilber, PCB, DDT) an, die ihre Fruchtbarkeit senken und ihr Immunsystem schwächen.
  • Unterwasserlärm macht Walen und Delfinen zunehmend zu schaffen. Dies kann einerseits der zunehmende Schiffsverkehr sein. Aber auch Militärmanöver mit Sonar stören die Echolokation der Tiere erheblich. 2016 befand ein US-Gericht, dass die Sonar-Einsätze der Navy mit ihren bis zu 235 Dezibel die Sinnesorgane der Wale schwer schädigen und sogar zerstören können. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer erzeugt 120 Dezibel…
gestrandete Kleine Schwertwale, Australien © Bahnfrend

Gestrandete kleine Schwertwale, Australien © Bahnfrend

Welche Arten? Wie kann man helfen?

Besonders häufig stranden Pottwale (siehe oben), Schnabelwale, Hochsee-Delfine und vor allem Grindwale. Grindwale haben ein ausgesprochen inniges Sozialleben, das ihnen bei Strandungen (und auch bei den Treibjagden auf den Färöer-Inseln) zum Verhängnis wird: Sitzt das Leittier fest, bleibt der Rest der oftmals aus dutzenden Tieren bestehenden Gruppe bei ihm, auch wenn es ihr sicheres Verderben bedeutet.

Für Westaustralien, Neuseeland (mit jährlich bis zu 300 gestrandeten Walen), Cape Cod (USA) oder Patagonien (Chile) wurden die meisten Massenstrandungen verzeichnet. Um gestrandeten Walen und Delfinen zu helfen, sind in einigen Ländern sogar eigens Hotlines eingerichtet. Diese sollen in schnellstmöglicher Zeit Hilfsteams aktivieren, um die gestrandeten Tiere zu kühlen, feuchtzuhalten und möglichst zurück ins Meer zu bugsieren. Solche Sofortmaßnahmen sind wichtig und richtig – und doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, solange die Menschen es nicht schaffen, zumindest die unnatürlichen Strandungsursachen zu beseitigen…

Mehr Informationen:

Grindwal Lynsey Smyth

Grindwal © Lynsey Smyth

Grindwale sind äußerst sozial und gehören zu den am stärksten mit Giftstoffen belasteten Meeresbewohnern. » Grindwal

 

 

 

 

 

Walfleisch EIA

Walfleisch © EIA

Unser Bericht „Toxic Menu“ zu Giftstoffen in Walen und Delfinen. » Toxic Menu – Contamination of Whale Meat and Impact on Consumers’ Health

 

 

 

 

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