Tag des Artenschutzes: Schutz nur für die großen Fische?

27. Februar 2019.

Kleinere Arten fallen bei internationalen Schutzinitiativen oft durch das Raster.

Am 3. März 1973 wurde das Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) ins Leben gerufen. Dieser Tag ist inzwischen zum Internationalen Tag des Artenschutzes ausgerufen, 2019 ist er erstmals den Meerestieren gewidmet. Anlass für uns, Resümee zu ziehen und zu analysieren, wie es um den Schutz der tierischen Ozeanbewohner bestellt ist. Etwa 200.000 Tier- und Pflanzenarten der verschiedenen marinen Ökosysteme sind bislang beschrieben, doch gerade inklusive der wenig untersuchten artenreichen Tiefsee gibt es wohl eher mehrere Millionen. Nur ein Bruchteil von ihnen genießt bislang den Schutz durch CITES.

Size matters – auch beim Schutz von Meerestieren

Unter Wasser sieht es nicht anders aus als an Land: Es sind meist die großen Arten, die bekannt sind; im Englischen nennt man sie „sexy species“, sie sind die Stars von TV-Dokumentationen und stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Entsprechend leichter ist es, auf ihre Bedrohung hinzuweisen und Unterstützer für Schutzmaßnahmen zu gewinnen. Blauwale, Buckelwale, Finnwale – die Großwale gehörten zu Recht zu den ersten Tieren, für die nach dem Inkrafttreten von CITES ein weltweites kommerzielles Handelsverbot beschlossen wurde (durch Listung in CITES Anhang I). Den meisten Delfinen und Kleinwalen bleibt dieser strenge Schutz allerdings bislang verwehrt; der internationale Handel mit ihnen ist nicht verboten, sondern nur reguliert – was bis heute beispielsweise den Verkauf für Delfinarien möglich macht.

Haie und Rochen: Eine Erfolgsgeschichte für die Riesen

2003 gelang erstmals der große Coup: Walhaie (mit bis 13 Metern die größten Fische der Welt) und Riesenhaie (bis zehn Meter) wurden in CITES Anhang II aufgenommen – jedoch erst im zweiten Anlauf und gegen den erbitterten Widerstand der Fischereinationen. 2005 folgte der Große Weiße Hai (bis sieben Meter), 2007 die imposanten Sägefische (mehr als fünf Meter möglich). 2014 wurden Heringshai, Weißspitzen-Hochseehai (bis 3,9 Meter), drei Hammerhai-Arten (bis sechs Meter) und die riesigen Mantarochen (Spannweite bis sieben Meter) gelistet; 2017 dann Fuchs- und Seidenhaie (bis 7,5 beziehungsweise 3,3 Meter) sowie die Teufelsrochen (Spannweite bis 3,7 Meter). Auf der bevorstehenden CITES-Konferenz 2019 stehen nun Makohaie (bis vier Meter) und Geigenrochen (von denen nur die wenigsten drei Meter erreichen) zur Abstimmung. All diese Arten sind zweifellos bedroht und haben den CITES-Schutz verdient – gar keine Frage. Aber die CITES-Konferenz findet nur alle zwei bis drei Jahre statt und wenn mit dem aktuellen Tempo weiterhin jedes Mal nur einzelne der mehr als 150 bedrohten Hai- und Rochenarten geschützt werden und der Fokus auf den großen Arten bleibt, könnte es gerade für die kleineren, wenig bekannten Arten eng werden…

Kleine Fische sind die Verlierer

Noch schlechter sieht es für wirklich kleine Fische aus, nämlich solche, die in ein Aquarium in der heimischen Wohnzimmerwand passen. Mondsichel-Junker, Harlekin-Süßlippe, Sternfleckenmuräne – sie alle werden durch den Fang für den internationalen Zierfischhandel bedroht, wie eine aktuelle Studie von Anfang 2019 zeigt. Doch der Ruf einer breiten Öffentlichkeit nach Schutzmaßnahmen für diese Tiere fehlt. Oder haben Sie schon mal von einer Petition für den Koran-Kaiserfisch gehört? Oder von einer Demonstration zugunsten des Banggai-Kardinalbarsches? Eben. Diese Tiere sind wohl nur speziellen Zoofachhändlern und Besitzern von Meerwasser-Aquarien ein Begriff. 2016 scheiterte ein CITES-Antrag der EU für den Banggai-Kardinalbarsch am Widerstand des einzigen Herkunftslandes Indonesien, das jedoch ein „besseres Management“ für diese Art versprach. 2019 gibt es nun immerhin ein Arbeitsdokument, das die Gefährdung von Fischen durch den Exotenhandel aufzeigt und einen Workshop einfordert, um konkrete Handelszahlen zu bekommen.

Die Großen ins Töpfchen, die Kleinen ins Kröpfchen

Natürlich ist nicht allein die öffentliche Beliebtheit der ausschlaggebende Faktor für eine CITES-Listung, sondern vor allem die Bedrohung durch intensive Nutzung. Große Arten stehen oft besonders im Fokus von Harpunen, Langleinen und Netzen, denn sie bieten rein mengenmäßig die beste Ausbeute. Die Wissenschaft nennt dieses Vorgehen der Industriefischerei als „entlang der Nahrungskette abfischen“ (fishing down the food web), beginnend mit den großen Arten und wenn diese dezimiert sind, zu der nächstkleineren Stufe wechselnd. Der massenhafte Fang kleiner Meeresfische für den Aquaristikhandel verläuft hingegen weitgehend unbemerkt. Eine breite Öffentlichkeit lässt sich nun mal mehr für die großen, charismatischen Arten begeistern und davon lassen sich auch politische Entscheidungsträger beeinflussen. Blauwale sind beliebter als Paddelbarsche, Hammerhaie für die meisten Menschen faszinierender als der Pazifische Segelflossen-Doktorfisch.

Es braucht auch die Kleinen…

Wir könnten es uns leicht machen, ebenfalls nur auf die charismatischen Arten setzen und finanzielle und politische Unterstützer für Schutzmaßnahmen gewinnen. Doch das reicht uns nicht. In gesunden Ökosystemen braucht es die großen und die kleinen Arten; jede Stufe in einer natürlichen, stabilen Nahrungskette muss besetzt sein. Gerade erst hat eine neue Studie kritisiert, dass eine Unterschutzstellung bedrohter Arten bei CITES oft viel zu spät kommt. Das können wir gerade für kleine Arten nur bestätigen: Schlappe zehn Jahre hat es uns gekostet, bis 2016 endlich die Perlboote in CITES Anhang II aufgenommen wurden. Die Gehäuse dieser schönen Kopffüßer sind als Deko-Schnickschnack begehrt. Am Internationalen Tag des Artenschutzes 2019 wollen wir deshalb besonders auf die kleineren Meeresbewohner verweisen, auf die Zierfische. Für ihren Schutz muss noch viel getan werden, packen wir es an!

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