Weltartenschutzkonferenz entscheidet über die Zukunft bedrohter Arten

Sushi, Sofakissen & Schwarzmarkthandel: Pro Wildlife deckt auf, wie Profitgier die Artenvielfalt bedroht

München, 18. November 2025. – In einer Woche beginnt in Samarkand (Usbekistan) die entscheidende Weltartenschutz-Konferenz (CITES CoP20, 24. November bis 5. Dezember 2025). Direkt im Anschluss an die Klimakonferenz in Belém entscheidet die Staatengemeinschaft über das Schicksal von mehr als 200 bedrohten Arten. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife warnt: Hinter dem internationalen Wildtierhandel stehen knallharte wirtschaftliche Interessen – vom Sushi-Markt über Dekoartikel bis zur Unterhaltungsbranche. „Aale werden zu Sushi verarbeitet, Giraffen zu Sofakissen und Faultiere enden als Streicheltiere in Zoos“, sagt Daniela Freyer, Artenschutz-Expertin bei Pro Wildlife. „Es geht um die Frage: Schützen wir die Artenvielfalt oder verkaufen wir sie?“

Dekadenz-Produkte bedrohen Ökosysteme

Die 51 Anträge auf der CITES-Konferenz offenbaren ein breites Spektrum der kommerziellen Ausbeutung: Aale – alle 17 Arten weltweit – sollen erstmals unter internationalen Schutz gestellt werden. Besonders Japan wehrt sich vehement gegen die Handelsbeschränkungen. „Japanische Aalgerichte mögen eine Tradition sein, aber die Realität ist: Die Bestände sind durch Überfischung zusammengebrochen. Sushi darf nicht zum Sargnagel für eine ganze Tiergruppe werden“, betont die Biologin Freyer.

Auch in Europa sind Delikatessen eine Gefahr: Pro Wildlife-Recherchen belegen, dass die EU weltweit größter Importeur von Froschschenkeln ist. Millionen Frösche werden jährlich aus der Natur entnommen – oft aus Südostasien, aber auch aus Südosteuropa. „Das ist ein unterschätzter Biodiversitäts-Killer. Froschschenkel sind kein harmloser Gaumenkitzel – sie ziehen der Natur buchstäblich die Beine weg“, so die Pro Wildlife Sprecherin. Die EU beantragt erstmals Handelskontrollen für Wasserfrösche, eine Initiative, die Pro Wildlife ausdrücklich unterstützt.

Von lebender Deko bis zu Aberglaube

Der Lebendtierhandel boomt – mit fatalen Folgen: Faultiere werden für Zoos und für interaktive Begegnungen im Tourismus aus ihrem Lebensraum gefangen. Einzigartige Tiere wie Goldbauchmangaben und Galapagos-Leguane enden im Privatzoo einer indischen Milliardärsfamilie oder als exotisches Haustier. „Diese Tiere sind weder Kuscheltiere noch Prestigeobjekte. Sie gehören in ihre natürlichen Lebensräume“, kritisiert Freyer.

Besonders perfide: Aus Giraffen werden Sofakissen, Knochenschnitzereien und andere Dekoartikel gefertigt. In den letzten fünf Jahren wurden allein 2.400 Jagdtrophäen sowie Tausende Deko-Artikel aus Giraffenknochen gehandelt – trotz schrumpfender Bestände. Auch Aberglaube und traditionelle Medizin treiben den Tierhandel an: Geier und Nashörner werden für vermeintliche Heilmittel gewildert, Rochen wegen ihrer Kiemen für die traditionelle asiatische Medizin gejagt.

Pro Wildlife deckt illegale Handelsnetzwerke auf

Im Rahmen der CITES-Vorbereitungen hat Pro Wildlife ein kriminelles Netzwerk hinter dem Schmuggel von Galapagos-Leguanen aufgedeckt. „Unsere Untersuchungen zeigen: Der illegale Wildtierhandel ist professionell organisiert. Ohne konsequente Schutzmaßnahmen haben bedrohte Arten keine Chance“, warnt Freyer. Ecuador beantragt nun ein globales Handelsverbot für alle Galapagos-Leguane. Pro Wildlife hat sich bereits im Vorfeld der Konferenz für diese und weitere Schutzinitiativen eingesetzt.

Schutz oder Rückschritt? Elefant und Nashorn im Visier

Während die meisten Anträge auf besseren Schutz abzielen, drohen auch gefährliche Rückschritte: Namibia will den Elfenbeinhandel und den Handel mit Nashornhorn legalisieren. Fünf Länder fordern zudem, den Schutz von Giraffen im südlichen Afrika aufzuheben. „Das wäre ein fatales Signal. Wilderei ist nach wie vor die größte Bedrohung für diese Arten. Die bestehenden Handelsbeschränkungen sichern ihr Überleben“, warnt Freyer.

Artenschutz und Klimaschutz gehören zusammen

Die CITES-Konferenz findet nur wenige Tage nach der UN-Klimakonferenz in Baku statt. „Intakte Ökosysteme sind unsere beste Versicherung gegen die Klimakrise“, betont die Pro Wildlife Sprecherin. „Solange wir Arten für Profit ausbeuten, zerstören wir beides: Klima und Artenvielfalt.“

Pro Wildlife wird vom 24. November bis 5. Dezember in Samarkand vor Ort sein und bis zur letzten Minute Überzeugungsarbeit bei den Delegierten der 185 CITES-Vertragsstaaten leisten.

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