Warnung vor Wildtier-Tourismus: Wenn der Urlaub zum Albtraum wird 

Pro Wildlife warnt vor Selfies mit Faultieren, Elefantenbaden und Raubkatzen zum Anfassen – und fordert Reisebranche zum Handeln auf

München, 12. März 2026. – Selfies mit Faultieren, Elefantenbaden oder das Streicheln von Raubkatzen werden als „einmalige Urlaubserlebnisse“ vermarktet. „Direkter Kontakt zu Wildtieren ist kein Zeichen von Tierfreundlichkeit – sondern ein Warnsignal,” kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife. „Dahinter verbirgt sich ein milliardenschweres Geschäftsmodell, das vom Tierleid profitiert.” Neue Entwicklungen auf internationaler und nationaler Ebene verdeutlichen die Missstände im Wildtier-Tourismus – doch um weltweit Verbesserungen für Wildtiere zu erzielen, braucht es endlich verbindliche Tierschutzstandards im Tourismus, so die Artenschutzorganisation Pro Wildlife. 

Internationale Forderung: Tierwohl im Tourismus berücksichtigen

Der Druck auf die Reisebranche wächst: Ein aktueller Beschluss der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur) kritisiert, dass touristische Angebote mit Wildtieren in Gefangenschaft Tierleid verursachen und Risiken für die biologische Vielfalt sowie die menschliche Gesundheit bergen. Pro Wildlife unterstützt die Forderung der IUCN an Unternehmen und Regierungen, den Tierschutz zukünftig in Leitlinien für nachhaltigen Tourismus sowie Zertifizierungssystemen zu berücksichtigen.

Selfies mit Faultieren befeuern tödlichen Tierhandel

Ein Beispiel für die negativen Auswirkungen touristischer Attraktionen ist der illegale Fang von Faultieren in den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas – für „niedliche” Fotos mit Reisenden oder den Verkauf an Zoos. Die Bilanz ist verheerend: Die meisten Faultiere sterben bereits während des Transports oder in den ersten Wochen ihrer Gefangenschaft.  Auch einige deutsche Zoos befeuern den tödlichen Trend und bieten gegen Bezahlung „direkte Berührungen” der stressanfälligen Tiere an. Aufgrund der Bedrohungslage gelten seit März erstmals internationale Schutzbestimmungen, die den Handel mit Zweifinger-Faultieren zukünftig eindämmen sollen.

Elefanten(leid) hautnah: Neues Marketing, selbes Tierleid 

Knapp 3.000 Elefanten werden allein in Thailands touristischen Einrichtungen gehalten. Viele von ihnen bieten noch immer Elefantenreiten an, aber weil dies zunehmend in der Kritik steht, werben die Betreiber nun mit vermeintlich „ethischen” Alternativen: Bade-Erlebnisse, Füttern und Pflegen – all dies weiterhin mit engem Körperkontakt. „Diese Angebote sind Etikettenschwindel: Sie sind ebenfalls hochproblematisch, weil direkte Interaktionen mit Reisenden durch Gewaltanwendung erzwungen werden. Die Tiere leben in tierquälerischen Bedingungen, häufig fixiert an kurzen Ketten”, kritisiert Pro Wildlife-Expertin Daniela Freyer. 

Ein positives Signal kommt hingegen aus Indonesien: Dort hat die Regierung aufgrund massiven Drucks von Tierschutzorganisationen das Reiten auf Elefanten landesweit verboten. 

Raubkatzen: das grausame Geschäftsmodell vom Streicheln bis zum Tod

Tiger- und Löwenbabys werden im Alter von wenigen Wochen ihren Müttern entrissen, um sie Touristen zum Streicheln und für Selfies anzubieten.  Die Tiere werden sediert, um sie „gefügig“ zu machen und Angriffe auf Besucher zu verhindern. Beengte Käfige, chronischer Stress sowie Inzucht fördern zudem Krankheitsausbrüche: Im Februar 2026 starben in Thailands “Tiger Kingdom Chiang Mai” 72 der 240 dort gehaltenen Tiger an einer Infektionskrankheit. 

In Südafrika kritisiert Pro Wildlife ein besonders perfides Geschäftsmodell: Der „Lebenszyklus” beginnt mit der Vermarktung von Löwenbabys als Kuschel- & Foto-Objekte – manche landen auch in unseriösen Freiwilligenprogrammen. Mit zunehmendem Alter werden die Löwen für Spaziergänge (Lion Walks) eingesetzt, bis sie schließlich in der sogenannten Gatterjagd in umzäunten Gebieten von zahlenden Trophäenjägern getötet werden.  Selbst nach dem Tod wird noch Profit gemacht: Die Knochen werden für vermeintliche Wundermittel verkauft – eine zynische Verwertung von Tieren, die ihr ganzes Leben lang ausgebeutet wurden. 

In Südafrika kündigte Ende Februar zumindest die Regierung der Provinz Mpumalanga an, die kommerzielle Löwenzucht zu verbieten. „Das ist ein wichtiger Schritt, um das Leid der Tiere für touristische Angebote zu beenden. Wir fordern ein Ende der Löwenzucht in ganz Südafrika,“ so die Pro Wildlife Sprecherin. 

Vorsicht vor unseriösen Angeboten 

Pro Wildlife fordert die Tourismusbranche und Reisende zum Verzicht auf Angebote mit Wildtieren in Gefangenschaft auf. „Einige Branchenriesen, darunter Online-Plattformen wie GetYourGuide und TripAdvisor verdienen noch immer am Tierleid – das muss endlich ein Ende haben”, mahnt Daniela Freyer.

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