München, 02. Juli 2026. – Ein Stück Koralle als Deko, eine Ledertasche zum Schnäppchenpreis, „Walsalami“ als vermeintliche Delikatesse: Jedes Jahr bringen Reisende solche Andenken nach Deutschland – und ahnen dabei oft nicht, dass sie gegen den Artenschutz verstoßen. „Was auf der Ladentheke hübsch aussieht, ist häufig das Produkt einer bedrohten Art – und kann bei der Heimkehr schnell Ärger am Zoll einbringen“, sagt Dr. Sandra Altherr, Biologin und Mitbegründerin von Pro Wildlife.
Mehr als 56.000 beschlagnahmte Tiere und Pflanzen – in nur einem Jahr
2025 zog der deutsche Zoll mehr als 56.600 geschützte Tiere und Pflanzen oder daraus gefertigte Waren aus dem Verkehr – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Rund die Hälfte der Funde entfiel auf Flughäfen, oft sind es Souvenirs im Reisegepäck. Viele dieser Arten sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt; ihre Einfuhr ist verboten oder streng reguliert. Bei Verstößen droht nicht nur die Beschlagnahme, sondern ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro, im Extremfall sogar eine Freiheitsstrafe.
Das Meer im Koffer: Korallen und Muscheln
Besonders beliebt – und besonders heikel – sind Mitbringsel aus dem Meer, auch wenn diese scheinbar legal auf Basaren verkauft werden. Brenzlig wird es dabei häufig schon bei der Ausreise: Viele Urlaubsländer schützen ihre Natur mit strengen Ausfuhrverboten. In Ägypten etwa ist die Ausfuhr von Korallen und Muscheln strikt verboten und wird mit hohen Geldstrafen geahndet. „Ob eine Koralle, eine Muschel oder eine Schnecke geschützt ist, können Laien kaum erkennen“, so Altherr. „Und selbst nicht gelistete Arten wie die Rote Edelkoralle, die in Italien vielerorts verkauft wird, sind durch den Souvenirhandel oft längst bedroht.“ Das gilt auch für Geldbörsen und Gürtel aus Stachelrochenleder, das unter Namen wie „Galuchat“ oder „Shagreen“ verkauft wird: Rochen zählen – wie Haie – zu den am stärksten gefährdeten Meerestieren, denn sie wachsen langsam und haben wenig Nachwuchs.
Wer glaubt, exotische Muscheln würden einfach am Strand aufgesammelt, irrt: Dahinter steht eine kommerzielle Industrie, die die Tiere häufig mit Schleppnetzen vom Meeresboden holt – eine Technik, die empfindlichen Lebensraum zerstört und eine „Unterwasserwüste“ zurücklässt.
Vom Zwergwal zur „Walsalami“
Auch vermeintliche Delikatessen sind ein Problem. An norddeutschen Kreuzfahrtterminals findet der Zoll bei Rückkehrern aus Norwegen immer wieder Walfleischprodukte – bis hin zur „Walsalami“. Das Fleisch stammt meist vom Zwergwal, der weltweit über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) und in der EU streng geschützt ist. Dass Norwegen dennoch weiter jagt, liegt an einem Schlupfloch: Das Land hat Einspruch gegen das internationale Verbot des kommerziellen Walfangs eingelegt und verkauft das Fleisch weiterhin legal im Inland – wo es auch Touristen angeboten wird. „Legal ist dieser Handel nur, weil Norwegen sich den international vereinbarten Regeln entzieht“, kritisiert Altherr. Wer solche Produkte in die EU einführt, begeht einen klaren Verstoß gegen das Artenschutzrecht und riskiert ein Strafverfahren.
Der beste Schutz: nichts kaufen, was einmal gelebt hat
Pro Wildlife rät, im Urlaub grundsätzlich auf Souvenirs aus Tieren und Pflanzen zu verzichten – von Korallen und Muscheln über Elfenbein und Reptilleder bis zu Produkten der traditionellen asiatischen Medizin. „Der schönste Urlaub hinterlässt keine Lücke im Ökosystem“, sagt Altherr. „Landestypische Gewürzmischungen oder lokal erzeugte Keramik unterstützen die Menschen vor Ort – ganz ohne ein bedrohtes Tier im Gepäck. Im Zweifelsfall gilt: lieber ein Foto als ein problematisches Souvenir mit nach Hause bringen.“
Hintergrundinfos:
- Pro Wildlife dokumentiert seit über 25 Jahren das Ausmaß des Handels mit lebenden und toten Wildtieren, setzt sich auf internationalen Konferenzen für besseren Schutz ein und informiert Reisende sowie Reiseveranstalter über die Tier- und Artenschutzprobleme im Wildtiertourismus. Mehr zum Thema „Wildtier-Souvenirs“
- Wer unsicher ist, kann sich vor der Reise informieren: Zoll und Bundesamt für Naturschutz bieten unter artenschutz-online.de eine kostenlose Länderauskunft, welche Souvenirs im jeweiligen Urlaubsland problematisch sind.


