Pandas für München: Millionen-Geschäft statt Artenschutz

Pro Wildlife kritisiert geplante Panda-Leihgabe an Tierpark Hellabrunn

München, 20. Januar 2026. – Der Münchner Tierpark Hellabrunn beabsichtigt Medienberichten zufolge zukünftig Chinas Panda-Politik zu unterstützen und zwei Tiere kostenpflichtig auszuleihen. Dies soll in einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch gemeinsam mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) offiziell verkündet werden. Die Münchner Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert das Vorhaben scharf: „Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere”, erklärt Laura Zodrow, Sprecherin von Pro Wildlife.

Eine Million Euro Leihgebühr pro Jahr

Über 60 Pandas leben derzeit in Zoos außerhalb Chinas – alle als Leihgaben gegen eine Jahresgebühr von etwa einer Million Euro pro Paar. Hinzu kommen Millionen für den Bau spezieller Gehege. Über den Verleih der Tiere entscheidet die chinesische Regierung nach politischen und wirtschaftlichen Kriterien, nicht nach Tierschutz- oder Artenschutz-Erwägungen. Diese umstrittene Panda-Diplomatie nutzt China zur Stärkung diplomatischer Beziehungen. Ministerpräsident Söder hatte sich während einer China-Reise 2024 persönlich für die Pandas eingesetzt – Fotos mit Plüsch-Pandas sorgten in Deutschland für Kritik und Spott.

Zoos kassieren, Tiere leiden

„Auch die Zoos profitieren massiv vom Panda-Hype”, so Zodrow. „Pandas sind Besuchermagneten und steigern Einnahmen aus Ticketverkauf, Sponsoring und Merchandising.” Weil Pandas in Gefangenschaft selten auf natürlichem Weg Nachwuchs bekommen, wird die Fortpflanzung häufig durch künstliche Befruchtung erzwungen – eine Prozedur, die laut Recherchen der New York Times mit erheblichem Tierleid verbunden ist: unzureichend betäubte Tiere, Verletzungen und sogar Todesfälle.

Massenzucht ohne Artenschutzwert

In China werden Pandas seit Jahrzehnten in Zuchtstationen wie am Fließband produziert: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten 126 Große Pandas in Gefangenschaft, mittlerweile sind es mehr als 700. Doch diese Massenzucht trägt nicht zum Erhalt der wildlebenden Population bei. Laut chinesischer Forstverwaltung wurden zwischen 2003 und 2018 nur 12 Pandas ausgewildert, zwei davon starben kurz darauf. Insgesamt wurden mehr Pandas aus der Natur entnommen als ausgewildert. „Die in Gefangenschaft gezüchteten Pandas haben mit ihren wilden Artgenossen nur noch das Aussehen gemein. Sie haben in Freiheit kaum Überlebenschancen”, erklärt Laura Zodrow.

Schutz von Lebensraum statt Panda-Deals

Die als Artenschutz bejubelte Zucht in Zoos und Zuchtfarmen täuscht über die Bedrohung der Tiere in der Natur hinweg: Fast die Hälfte der wildlebenden Panda-Populationen sind vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum schrumpft und ihre Wanderrouten zunehmend fragmentiert sind. „Nur wenn es gelingt, die Bambuswald-Lebensräume und Wanderrouten der Pandas in China zu schützen, kann die Art langfristig überleben”, so Zodrow. „Die Millionen, die für neue Pandagehege und Leihgebühren ausgegeben werden, sollten stattdessen in den Schutz der Lebensräume fließen. Bei keiner anderen Art geht es um mehr Geld und Politik als bei Pandas – echter Artenschutz sieht anders aus.”

Pro Wildlife fordert, das geplante Panda-Prestigeprojekt in München zu stoppen. „München und der bayrische Ministerpräsident sollten die kommerzielle Panda-Diplomatie nicht unterstützen. Stattdessen sollten die Millionen-Investitionen genutzt werden, um echte Artenschutzprojekte in den Ursprungsländern zu fördern und die Haltung bereits vorhandener Tiere im Tierpark zu verbessern”, so Zodrow abschließend.

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